Ultimo plus eins

Es gibt in der Welt der Banken und Kaufleute ein besonderes Wort für den letzten Tag des Monats: Ultimo. Da werden Zahlungen per ultimo geleistet oder gebucht, Fristen auf ultimo d. M. oder d. J. gesetzt, und – etwas abseits des Themas – als ultima ratio beauftragt man eine Inkassofirma oder holt den Gerichtsvollzieher. Zu ultimo muss alles stimmen, sollen die Bücher ausgeglichen und alle Zahlungsvorgänge einsortiert sein.

Aber Monate haben ja nicht nur ein Ende, sondern auch einen Anfang, der Oktober zum Beispiel heute. Darum fehlt mir hier ein Wort für den Monatsersten. Also ein besonderes Wort natürlich, weil „Monatserster“ so uncharismatisch ist, so gewöhnlich, das versteht ja jeder – wo ist da der Reiz, das Geheimnis?

Die alten Römer waren da besser aufgestellt. Die hatten zwar kein Wort für den Monatsletzten, auch wenn ultimo ein lateinisches Wort ist, aber sie hatten andere Wörter für bestimmte Tage im Monat. Nicht nur die Iden, was je nach Monat den 13. bzw. 15. bezeichnete, sondern auch die Nonen, d.h. den achten Tag vor den Iden. Die Terminalien sind etwas wirr, die lassen wir beiseite.

Aber zuguterletzt hatten die Römer die Kalenden, ein Wort für den jeweils ersten Tag eines Monats. Für die Römer waren diese Wörter natürlich genauso geläufig und gewöhnlich wie Monatserster es für uns ist. Auch nichts mit Reiz, Geheimnis oder Charisma. Das soll mich aber nicht stören, bin ja kein Römer.

Wir suchen also ein bildungssprachetaugliches Wort für den Monatsersten. Man könnte es natürlich wie die Römer mit den Nonen machen und den Monatsersten als „Tag nach Ultimo“ bezeichnen. Natürlich auf Latein, ich lehne mich mal mit postridie ultimi aus dem Fenster, aber das ist nun wieder etwas lang. Gebildetheit raushängen lassen ist ja gut und schön, aber die Zunge will man sich dafür auch wieder nicht verknoten.

Aber zum Glück folgt postridie ultimi sowieso keinem guten Ansatz. Bei Licht betrachtet entspricht das nämlich im Prinzip der Funktionsweise des römischen Zahlensystems: Neun ist Zehn minus Eins, geschrieben IX, Vierzehn ist Zehn plus Fünf minus Eins, geschrieben XIV. Man hangelt sich von Teil zu Teil, bis man am gewünschten Zahlenwert angelangt ist, und kann nur hoffen, das Publikum bis dort nicht hoffnungslos abgehängt zu haben. Das ist eine Art zeitrechnerisches Äquivalent der Koppelnavigation, umständlich, fehleranfällig.

Und komme mir jetzt niemand, dass Daten wie der 15. oder 27. auch nichts anderes als Koppelnavigation sind. Da ist eben nur die Kopplung an den Monatsersten (der natürlich wiederum an den Jahresbeginn gekoppelt ist), und ganz ohne Bezugspunkt geht es ja nun nicht, aber Konstruktionen wie „der neunte Tag vor dem 15. bzw. 13. des Monats“ sind doch noch schlimmer als mein lateinisches Hirngespinst. Bleiben wir vielleicht doch besser beim Monatsersten.


4 Kommentare on “Ultimo plus eins”

  1. nömix sagt:

    Letzter Tag des Monats: Ultimo
    Erster Tag des Monats: Primo

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  2. gnaddrig sagt:

    Viel zu einfach, wo bleibt da der Spaß!

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  3. Achim sagt:

    Sind wir denn zum Spaß hier?

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  4. gnaddrig sagt:

    Ich schon 😀

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