Muphrys Gesetz

Man kennt das ja: Steht irgendwo was Falsches geschrieben. Also, nicht unbedingt inhaltlich falsch, sondern sprachlich. Die Bandbreite ist groß, von tatsächlichen Satzbau- oder Grammatikfehlern und falschen Vokabeln über Zweifelsfälle bis hin zur (unterstellt immer bösartigen!) Nichteinhaltung der persönlichen sprachlichen Vorlieben oder Abneigungen eines Lesers.

Steht also irgendwo was falsch geschrieben, und der innere Klugscheißer will das unbedingt sofort korrigieren. Und an dieser Stelle greift dann Muphrys Gesetz gnadenlos zu. Muphrys Gesetz sagt ungefähr: Wenn man Komposition, Satzbau, Wortwahl, Grammatik oder Rechtschreibung eines Textes kritisiert, wird einem dabei zwangsläufig selbst mindestens ein sprachlicher Fehler aus mindestens einer dieser Kategorien unterlaufen. So auch in diesem Beispiel.

Vorweg: Das Bitte macht den Text freundlicher und ist eine nette Ergänzung. Die drei Ausrufezeichen nach parken lassen allerdings einen gewissen Leidensdruck beim Mieter der Garage vermuten, und da wundert einen das Fehlen des freundlichen Bitte nicht mehr so. Kann auch gut sein, dass sich das Schild an eine ganz bestimmte Person richtet, die genau weiß, dass sie dort eigentlich nicht parken sollte, aber das ist natürlich nur Spekulation von mir.

Aber egal, jetzt kommt Herr Muphry ins Spiel. Aus Sonst rufe ich ein Abschlepp wurde Sonst rufe ich ein Abschlepper gemacht. Abschlepper ist ein geläufiger umgangssprachlicher Ausdruck für das, was da gemeint ist. Das heißt nicht, dass Abschlepp unbedingt falsch sein muss. Es könnte mundartlich sein, das weiß ich nicht. Für einen mundartlichen Einschlag spricht das (von unserem ehrenamtlichen Lektor nicht angekreidete) vor das Garagentor parken – ich hätte eher vor dem Garagentor erwartet, meinem Sprachgefühl nach parkt man irgendwo, nicht irgendwohin. Allerdings mein Umgangsdeutsch ist eben auch nicht von hier und kann darum nicht wirklich als Maßstab dienen.

Aber wenn man schon von Abschlepp auf Abschlepper korrigieren (oder „korrigieren“) zu müssen glaubt, muss man auch von ein auf einen gehen, denn rufe ich ein_ Abschlepper gibt zwar die umgangssprachliche Aussprache einigermaßen wieder (obwohl das n wegen der verschluckten Silbe en eigentlich lang sein müsste), ist in der Form aber schriftsprachlich falsch.

Außerdem hat der Lektor die doppelten Leerzeichen in der ersten, vierten und fünften Zeile übersehen, ebenso das Leerzeichen zwischen Abschlepp und dem Ausrufezeichen. Und die drei Ausrufezeichen nach parken sind auch nicht von irgendwelchen Stilfibeln gedeckt.

Was bleibt ist ein mehr schlecht als recht gemachter Klugschiss, der niemandem Hilft. Würde ich selbst übrigens nie tun…


6 Kommentare on “Muphrys Gesetz”

  1. vilmoskörte sagt:

    Es heißt wahrscheinlich „das Abschlepp“, dann ist „ich rufe ein Abschlepp“ doch gar nicht so falsch 😉

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  2. Lo sagt:

    Ja, das tut weh beim Lesen….😎

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  3. LP sagt:

    Fazit:
    Wir üben das noch mal.
    Dazu das Schild 15x fehlerfrei neu schreiben, ausdrucken und aufhängen.

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  4. gnaddrig sagt:

    Nein, das Schild ist soweit ok für die Arbeit eines Laien. Aber der „Lektor“ muss lernen, sorgfältig und konsistent zu arbeiten. Also üben, üben, üben!

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  5. Yadgar sagt:

    Wenn man „parken“ als einen Akt der Fortbewegung zum Ort des endgültigen Fahrzeugstillstands hin ansieht (vgl. „einparken“), kommt das mit dem Akkusativ (statt Dativ) hin!

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  6. gnaddrig sagt:

    Absolut. Darum vermute ich Mundart – da gibt es viele solche Unterschiede zum Standarddeutschen.

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In den Wald hineinrufen

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