Männersache?

Unterwegs beobachtet: Ein mit fünf Personen besetzter Kompaktwagen in einer Wohnstraße. Die Fahrerin findet eine Parklücke am Straßenrand und parkt ein.

Die fünf steigen aus, begutachten das Ergebnis und kommen zu dem Schluss, dass da nachgebessert werden muss. Der Parkstreifen ist halb auf der Straße, halb auf dem Bürgersteig, und ist mit weißen Linien markiert. Das Hinterrad steht ganz außerhalb der Markierung, also deutlich zu weit auf dem Gehweg.

Die Fahrerin traut sich das nicht recht zu und gibt den Schlüssel an den einzigen Mann in der Gruppe weiter. Der nimmt den Schlüssel schulterzuckend entgegen, steigt ein, setzt ein paarmal vor und zurück, schlägt dabei das Lenkrad zwar an den richtigen Stellen in die richtige Richtung ein, aber zu zaghaft, und er nutzt auch nur einen kleinen Teil des vorn und hinten verfügbaren Platzes zum Rangieren. Am Ende steht das Auto geringfügig besser da, mit dem Hinterrad nur noch zur Hälfte außerhalb der weißen Linie.

Neue Begutachtung durch alle. Man diskutiert kurz und einigt sich, dass das so „nicht schön aber ok“ sei und zieht gemeinsam ab.

Die verbesserte Einparkung war jetzt so großartig nicht, das hätte die ursprüngliche Fahrerin sicher auch hingekriegt. Jedenfalls war sie vorher nicht durch Unsicherheit am Steuer aufgefallen. Gut, die Parklücke war groß genug, da hätte man das Auto sauberer reinstellen können. Aber sie war eben auch nicht übertrieben geräumig, und am Heck war ein Laternenpfahl im Spiel. Da kann ich eine gewisse Befangenheit gut nachvollziehen, und wer hätte nicht schonmal suboptimal eingeparkt? Kommt ja durchaus vor.

Was ich daran schräg finde: Wie oft gehen Männer „retten“, obwohl sie auch nicht mehr wissen oder können als die Frau, von der sie übernehmen! Männer werden höchstens dazu erzogen, sich mehr zuzutrauen und es trotzdem zu versuchen oder was weiß ich. Und wenn sie scheitern, wird an vielen Stellen eher drüber hinweggesehen. Schon komisch.

Autor: gnaddrig

Querbeet und ohne Gewähr

9 Kommentare zu „Männersache?“

  1. Bei mir sind es Computersachen, liegt mir nicht so, und meine Frau ist ziemlich gut in sowas. Ich meine, Alltag und normale Nutzung von Hard- und Software kann ich schon. Aber Fehlersuche und Problembehebung eher nicht so.

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  2. Meine Frau hat unser Wohnzimmer komplett mit Terracotta Fliesen fachgerecht gefliest, ist auch sonst Handwerklich sehr begabt. Elektrik und PC mach ich. So ergänzt man sich.

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  3. @erphschwester

    Jo, da bin ich bei dir. Es geht aber nicht nur um das heraus stellen, sondern um das Anerkennen und das das eigentlich völlig normal ist. Aber das gilt nicht nur für die Ehefrauen, sondern auch die uns täglich im Beruf begegnen. Wie bei mir im Transportgewerbe, da sind Frauen leider immer noch die die Ausnahme, auf dem Bock oder auf dem Gabelstapler. Ich kann hier nur für mich sprechen, aber ich freue mich jedesmal wie Bolle, Frauen zu sehen, die diese Jobs machen.

    Gruss

    Hades

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  4. @ Hades: Sowas in der Richtung wollte ich auch schreiben. Für mich (und, unterstelle ich, für Achim) ist es nicht ungewöhnlich, dass Frauen schwierige Dinge können und tun, die man traditionell eher Männern zutraut oder von Männern erwartet. Dabei gibt es für diese Zuschreibung keinen anderen Grund als unsere historisch so gewachsene Kultur. Das engt alle ein, und da ein wenig gegenzuhalten finde ich sinnvoll. Obwohl erphschwester natürlich auch nicht unrecht hat – es soll nicht nach (womöglich herablassendem) Herausstellen unerwarteter (und womöglich für ganz ungewöhnlich gehaltener) Fähigkeiten aussehen.

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  5. Naja, mit einem Kommentar, der dazu noch einen bedenkenswerten Aspekt der Sache anspricht, kann zumindest meine fragile Männlichkeit nun gerade eben noch zurechtkommen 😉

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