Followback

Wer sich im Internet äußert, will meistens, dass diese Äußerungen zur Kenntnis genommen werden. Egal ob man ein Blog betreibt oder auf Twitter, Tumblr, Instagram oder sonstwo aktiv ist – wenn das Zeug niemand aufgreift oder wenigstens liest, kann das frustrierend sein.

Nun gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, mit dem Publikum zu interagieren, und andersherum natürlich mit den Leuten, deren Content man selbst konsumiert.

Viele Kommentare unter Blogbeiträgen, viele Gefällt-mirs für Blogbeiträge oder Tweets, Verlinkungen, Retweets usw. geben ein ungefähres Bild von der Reichweite des betreffenden Beitrags und der Interaktionsfreude des Publikums. Ein anderes Kriterium sind Abonnenten/Follower. Die teilen sich meiner Meinung nach in zwei Gruppen auf: Die einen vergeben durch das Folgen ein Gefällt-mir für das Blog bzw. den Account insgesamt, nicht nur für einen einzelnen Beitrag, lesen/verfolgen aber nicht alles, was sie abonniert haben. Die anderen lesen tatsächlich regelmäßig die Blogs oder sonstigen Accounts, denen sie technisch folgen.

Die Zahl der Follower ist insofern schon ein wichtiges Ding. Trotzdem verstehe dieses Kreisen vieler Leute um die Followerzahlen nicht. (Anmerkung: Ich gönne den Leuten ihre Follower.) Die Zahl der Follower mag ein ungefähres Maß der Reichweite sein (Accounts mit gekauften oder sonstwie unechten Followern lassen wir mal raus), und je nach Sendungsbewusstsein freut man sich natürlich über mehr Follower und strebt u.U. auch nach Erweiterung der eigenen Reichweite. Das hängt sicher auch damit zusammen, warum man im Internet Dinge veröffentlicht.

Aber ich sehe gerade auf Twitter häufig Wortmeldungen des Strickmusters „@xyz hat jetzt xx.xxx minus y Follower, kriegen wir die xx.xxx heute voll?“, und dann oft genug Kommentare von welchen, die bestätigen, @xyz schon längst zu folgen und von anderen, die mitteilen, sich soeben in die Reihen der Follower gestellt zu haben und/oder den Folgeaufruf an das eigene Publikum weitergeleitet zu haben. Auf Mastodon ist das übrigens ebenfalls sehr verbreitet. Aber was soll das, wenn die Bubble sich gegenseitig folgt? Oder wenn ein nicht bekannter Teil der Follower nur Gefälligkeitsfollower sind und man sowieso nicht sehen kann, wieviele warum folgen?

Und dann gibt es Anmerkungen in den Bios wie „Folge mir, ich folge zurück“ oder auch „Folge nicht automatisch zurück“ – allein die Idee, dass Folgen auf Twitter ein Ding von Gegenseitigkeit sein soll, also dass man höflicherweise „zurückfolgt“, finde ich absurd. Klar gibt es viele Gründe, jemandem zu folgen – weil mir der Content gefällt, weil ich jemanden sympathisch finde, weil ich dessen Arbeit wichtig finde und für andere sichtbarer machen oder selbst greifbarer haben will oder was weiß ich. Alles recht, aber unreflektiertes Gefälligkeitsfolgen, womöglich noch automatisiert? Das finde ich bescheuert. Habe ich nie gemacht und habe es auch nicht vor.

Dabei folge ich sowieso praktisch niemandem, ich benutze auch keine Reader, sondern lege die Blogs (und Twitter- und Mastodon-Accounts), die ich gern lese, lieber in Lesezeichenordnern ab und klappere sie immer mal von Hand ab. Sonst hätte ich im Reader ständig eine ewig lange Zu-Lesen-Liste, die nur Stress machen würde. Und das muss ja nun echt nicht sein, ich bin ha hier nicht zum Arbeiten.

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Autor: gnaddrig

Querbeet und ohne Gewähr

5 Kommentare zu „Followback“

  1. Die Blogosphäre habe ich mir schon lange abgewöhnt… es schwappt da einfach zuviel ideologischer Fanatismus drin herum! Meine eigene Webpräsenz ist noch ganz altmodisch handgecodetes Web 1.0, ohne Gästebuch (ich hatte mal eins, es gab ganze drei Einträge: einer von einem sehr guten Real-Life-Freund – http://www.ismailmohr.de, die anderen beiden waren Spam…) und selbstverständlich ohne Leserkommentarspalte, auf AfDreck im Khyberspace kann ich wirklich verzichten! (ja, ja, wer keine AfD-Fanboys auf seiner Webseite haben will ist natürlich auch ein ideologischer Fanatiker, nicht wahr?)

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  2. Wie, Blogosphäre abgewöhnt? Das Zeug hier beziehst Du dann wohl telepathisch oder so 😉

    Und was den ideologischen Fanatismus angeht, Yadgar, wir beide sind doch sowieso zertifizierte Linksradikale, wenn ich mich recht erinnere. Da war mal was irgendwo hier in den Kommentaren.

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  3. @gnaddrig
    „zertifizierte Linksradikale“

    Ja, manchmal träume ich auch davon, eine retrostalinistische Partei zu gründen, die hat dann auf ihren Wahlplakaten den Großen Bruder mit Schnauzbart und Pfeife und darunter die Losung „KULAKEN LIQUIDIEREN!“… der Verfaschungsschutz findet das bestimmt auch lustig!

    Aber nee, was ist an so autoritärer Scheiße denn bitte linksradikal? Linksradikal sind lässig-langhaarige Anarcho-Freaks wie joe flametti, meine Satire-Sockenpuppe aus der 1973er Frankfurt-Bockenheimer Sponti-Kommune!

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  4. Ich hatte vor mehr als zehn Jahren mal einen Twitter-Account und habe den nach drei Wochen wieder gelöscht, weil ich nicht wusste, was ich damit soll – seitdem beschränkt sich mein „Folgen“ auf einige wenige Blogs, u.a. diesem hier, die mir per RSS-Feed zugetragen werden. (Großes Dankeschön an alle, die noch so einen Feed bereitstellen!)
    Ich hatte auch mal eine Handvoll Youtube-Kanäle abonniert, aber irgendwie bin ich ja eher der Freund von Bleiwüste als von bewegtem Bild…

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