Mischformen

In der deutschen Sprache gibt es bekanntlich haufenweise Fremdwörter. Derzeit wird v.a. Vokabular aus dem Englischen importiert und mehr oder weniger schnell eingedeutscht. Am Ende werden die meisten dieser Wörter kaum noch (oder gar nicht mehr) als Fremdwörter erkannt, etwa Soße, Büro, Fassade, Keks, Pullover. Oder fair, trotz der Schreibweise mit ai statt des im Deutschen zu erwartenden ä oder e.

Das Beispiel fair zeigt auch gleich, dass der Weg zur vollständigen Assimilation lang sein kann und nicht immer zuendegegangen wird. Bei vielen Fremdwörtern bleiben die englische Aussprache und Schreibweise (in veränderlichen Gewichtsanteilen) lange bestehen, v.a. wenn sie von der im deutschen für das Wort eigentlich zu erwartenden Aussprache erheblich abweicht, z.B. bei googlen (dt. /guhgeln/), hypen (/heipen/), streamen (/ßtriemen/), framen (/fräjmen/).

Was mir auffällt ist, dass viele gut eingeführte Lehnwörter fast immer ganz normal deutsch konjugiert werden: Ich surfe, du surfst, er/sie/es surft, surfte, hat gesurft (für gesurfed findet sich im Google Books Ngram Viewer dagegen kein einziger Treffer). Ähnlich ist es bei stoppen oder checken.

Bei anderen Entlehnungen findet man dagegen ziemlich häufig eine aus dem Englischen übernommene Schreibweise der an sich deutsch gebildeten Verbformen: Jemand hat gegoogled, gestreamed, geframed, etwas wird gehyped, jeweils mit dem erwarteten deutschen Präfix ge-, aber mit englischem -d  als Perfektendung. Dabei wird das auslautende d im Deutschen stimmlos und klingt sowieso ziemlich gleich wie das im Deutschen eigentlich dort angebrachte t.

Ich weiß nicht, wie diese Vermischung zustandekommt. Eine Vermutung wäre, dass die Schreibweise so von der im Deutschen erwarteten Aussprache abweicht, dass die Verben noch nicht ganz als „wirklich angekommen“ empfunden werden und man diese offensichtlichen Fremdgewächse dann zumindest teilweise noch nach ihren fremdsprachlichen Regeln behandelt.

Dabei scheint es ein eher junges Phänomen zu sein, jedenfalls zeigt sich im Ngram Viewer für mehrere aus dem Englischen übernommene Verben ein Anstieg der halbenglischen Formen erst in den letzten Jahren, während die ganz deutsch gebildeten Formen schon länger bestehen und immer noch deutlich überwiegen, etwa bei hypen oder googeln.

Witzig ist, dass bei der Verwendung des deutschen Endungs-t auch sonst in die Schreibweise eingegriffen wird: es heißt allermeist gegoogelt (nur sehr selten gegooglet) oder gehypt (nur selten gehyped und noch viel seltener gehypet). Wenn man den Sprung zur deutschen Form macht, dann greift man offenbar auch unbefangener in die sonstige Rechtschreibung ein und vertauscht etwa das l und das e bei googeln oder lässt das Bindungs-e in gehypt weg), ohne dabei den Kern der englischen Schreibweise anzutasten, schreibt also nach wie vor hypen statt *heipen, oder googeln statt *guhgeln o.ä.

Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt, insbesondere, ob der Trend zu enger an das Englische angelehnten Schreibweisen (gegoogled, gehyped) anhält oder wieder in der Versenkung verschwindet.

 

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Autor: gnaddrig

Querbeet und ohne Gewähr

Ein Gedanke zu „Mischformen“

  1. Nicht zu vergessen „Polster“ und „Törn“… wohingegen facade und bureau im Englischen ebenfalls Lehnwörter sind, wie so viele aus dem Französischen!

    Und überhaupt… wieso immer nur Vokabular? Ich finde, es wird langsam Zeit für Voheratar und Vokandaharar!

    Gefällt 1 Person

In den Wald hineinrufen

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