Gutkrautschnaps aus der Apotheke

Gleich nochmal was mit Pfefferminzschnaps. Neulich hat mein Hausarzt ein Präparat zur äußerlichen Anwendung gegen Spannungskopfschmerzen erwähnt. Das Mittel enthalte als Wirkstoff Pfefferminzöl und wirke sehr gut. Man wisse nicht, wie und wieso, aber es wirke. (Eine kurze Recherche ergibt, dass Dr. Hartmut Göbel von der Universität Kiel in den 1990er Jahren herausgefunden hat, dass Pfefferminzöl tatsächlich gegen Spannungskopfschmerz wirkt. Da hat es doch wirklich mal ein seit Menschengedenken bekanntes Hausmittel in die evidenzbasierte Medizin geschafft!)

Gut, ich besorge mir also eine Flasche und wundere mich. Das Zeug ist nämlich apothekenpflichtig. Warum das so ist, konnte mir die PTA in der Apotheke nicht sagen. Sie vermutete, weil da Alkohol drin sei und das zu medizinischen Zwecken verwendet werde. Auf meinen Einwand, dass man reines Pfefferminzöl ja einfach so in der Drogerie kaufen könne und Pfefferminzöl doch eigentlich viel heikler in der Anwendung sei als dieses verdünnte Zeug, wusste sie nichts zu sagen. Die Apothekerin war anderweitig beschäftigt, und so dringend war es mir damit auch nicht.

Der Hersteller teilt auf Nachfrage mit, die Zulassungsbehörde berücksichtige bei der Entscheidung über die Apothekenpflicht eines Arzneimittels nicht nur dessen Wirkstoffe, sondern auch das Anwendungsgebiet. Es handele sich hier um ein Produkt für den Bereich Schmerz, und Den Rest des Beitrags lesen »

Werbeanzeigen

Wie handgeschöpft

Manchmal kommt die Frage auf, ob Handarbeit oder Maschinenarbeit die besseren Produkte hervorbringt. Das ist gar nicht so trivial wie man glauben könnte – man muss ja überhaupt erst definieren, was unter „besser“ zu verstehen ist. Preis, Zuverlässigkeit, Haltbarkeit, Qualität sind naheliegende Kriterien. Das Spektrum zwischen Gleichförmigkeit und Einzigartigkeit. Sinneseindrücke und die Bedeutung, die man ihnen beimisst.

Der Blickwinkel ist für die Beurteilung auch noch wichtig – Hersteller werden Den Rest des Beitrags lesen »


Bibliotheksbekanntschaft

Als ich im Grundschulalter anfing, Bücher zu lesen, bin ich ziemlich bald auf die Jugendbücher meiner Eltern gestoßen und habe die der Reihe verschlungen. Mit vollen Segeln durch die Ozeane von Nikolai Tschukowski. Klar zur Wende von Ludwig Turek. Kon-Tiki von Thor Heyerdahl. Die Lederstrumpf-Bücher. Robinson Crusoe. Sigismund Rüstig…

Abgesehen vom spannenden Inhalt faszinierte mich, dass diese Bücher schon anderen Leuten vor mir gehört hatten. Eines der Bücher hatte sogar mein Großvater schon von „geerbt“, und von dessen Eltern wusste ich rein gar nichts. Das war sozusagen mein erster Blick in eine für mich ferne Vergangenheit.

Seitdem faszinieren mich alte Bücher, ganz unabhängig von ihrem Inhalt. Ich mag Den Rest des Beitrags lesen »


Gitter

Metallgitter aus sich rechtwinklig kreuzenden Metallbändern, die Quadrate bilden; schräg auf die Gitterfläche fotografiert

Das erinnert mich an einen Rohbau aus Beton, und zwar in der sowjetischen Variante, wo gegossener Beton schon bei Fertigstellung angenagt und schmuddelig aussieht. Ich finde die Fassade ziemlich imposant.

Jetzt noch Den Rest des Beitrags lesen »


Kluge Köpfe, Kulturkontakte, klares Bild

Mir ist neulich ein Buch von Eugen Roth in die Finger gekommen: Ernst und heiter, erschienen 1961 im Deutschen Taschenbuch Verlag. Am Ende des Buches finden sich drei ganzseitige Werbeanzeigen. Das war eine Weile lang üblich, jedenfalls in Taschenbüchern mancher Verlage; ich erinnere mich an bescheuerte, halbgar an die jeweilige Textstelle im Buch anknüpfende Sparkassenwerbung in irgendwelchen Jugendbüchern der 70er und vielleicht auch noch 80er Jahre.

Hier empfehlen sich drei große deutsche Zeitungen Den Rest des Beitrags lesen »


Parallelen

Es gibt ja in vielen Sprachen Wortpaare, die gleich oder ähnlich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Manchmal handelt es sich um Varianten desselben Wortes, die verschiedene Bedeutungen entwickelt haben, manchmal um völlig unterschiedliche Wörter, die nur eben zufällig gleich klingen.

Das finde ich für sich schon witzig genug, aber es geht noch besser. Neulich sind mir nämlich zwei deutsche Wortpaare aus gleichklingenden Wörtern aufgefallen, deren russische Entsprechungen im Russischen auch gleich oder sehr ähnlich klingen.

Fangen wir mit einem doppelten Wortpaar der zweiten Sorte an – verschiedene Wörter, die gleich klingen:

Seite und Saite

Diese beiden klingen trotz geringfügig unterschiedlicher Schreibung gleich, haben aber etymologisch nichts miteinander zu tun. Im Russischen Den Rest des Beitrags lesen »


Richtig lesen

Irgendwann vor meiner Einschulung habe ich angefangen, mich für Buchstaben und Zahlen zu interessieren, habe mir welche zeigen lassen und versucht, sie nachzumalen und anzuwenden. Als ich zur Schule kam, konnte ich trotzdem noch nicht lesen oder schreiben. Das offizielle Lesen- und Schreibenlernen in der 1. Klasse habe ich brav (aber, soweit ich mich erinnere, ohne viel Enthusiasmus) absolviert und die so erworbenen Fertigkeiten vor allem in der und für die Schule angewendet.

Irgendwann im Lauf der zweiten Klasse habe ich mein erstes „richtiges“ Buch gelesen, also kein in Schreibschrift gesetztes Buch für Leseanfänger, sondern ein normales Kinderbuch. Abenteuergeschichte, irgendwas mit Dschungel. Ich weiß noch, wie ich das Buch sah und dachte, wer weiß, ob sich das lohnt? Ich habe halb skeptisch zu lesen begonnen und war dann fast erstaunt, als plötzlich die letzte Seite vorbei war. Ab da las ich so ziemlich alles, was ich in die Finger kriegen konnte (davon bin ich mittlerweile wieder ab, aber damals hatte ich auch nicht Zugriff auf derart viel Text wie heute).

Aber lesen ist ja nichts, was man einfach so machen kann oder soll. Neben dem rein Technischen – also Buchstaben kennen, die daraus zusammengesetzten Wörter erkennen, die aus denen gebildeten Sätze verstehen – gehört nämlich noch mehr dazu: Zwischen den Zeilen lesen, Stilmittel und andere Kunstgriffe erkennen, Den Rest des Beitrags lesen »


Wegen der Sicherheit

Kollege Pfeffermatz denkt über die Kosten der Sicherheit und über die manchmal seltsamen Blüten des hierzulande gelegentlich ausufernden Sicherheitsbedürfnisses nach und hält nachvollziehbarerweise einen Paradigmenwechsel für unausweichlich oder wenigstens wünschenswert. Auf Null kriegt man das Risiko bei allem Aufwand doch nie, aber die letzten paar Prozente Risikovermeidung sind teuer und machen wirklich keinen Spaß mehr.

(Irgendwann hat man sonst vor jedem Fenster jedes öffentlichen Gebäudes eine Feuerleiter, neben jeder Tür einen Feuerlöscher, und essen im Büro wird strengstens verboten, damit nicht wieder die Butterkekse in Flammen aufgehen und die direkt daneben gelagerten Schokoladenvorräte schmelzen und die sicher vorbildlich beschilderten Fluchtwege unpassierbar machen.)

So lieb mir solide, durchdachte Sicherheitskonzepte auch sind, man kann es auch übertreiben, und man muss nicht alles immer ganz genau nehmen. Allerdings sollte man möglichst auch Den Rest des Beitrags lesen »


Schreckhaft

Vor dem Parkplatz eines großen Gebrauchtwagenhändlers steht ein Autotransporter. Der Fahrer ist mit Beladen fertig und klappt die Auffahrrampe ein. Die Erschütterung löst die Alarmanlage des zuletzt geladenen Pkw aus.

Der Fahrer schließt das Auto auf, schaltet den Alarm aus, schließt wieder ab, setzt sich in die Zugmaschine und fährt los. Nach etwa 100 m muss er an einer Kreuzung halten und Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (38)

… der Mann mit den drei Smartphones.

Die drei Telefone stecken jeweils in aufklappbaren Hüllen. Er hat sie nebeneinander auf der flachen linken Hand liegen, immer ein Telefon auf der Deckklappe des nächsten. Das Handy ganz rechts liegt auf den Fingerspitzen, die Deckklappe des Handys ganz links liegt auf dem Unterarm. Die Unterkanten der drei Handys stützt er gegen den Brustkorb.

Während er ruhig den Bahnsteig entlang läuft, tippt er mit der rechten Hand er irgendwas in die Telefone, immer abwechselnd. Erinnert mich an dieses Erlebnis.