Machst Du jetzt auf Mädchen oder was?

Neulich im Freibad. Auf der Liegewiese eine Frau mit einem etwa fünfjährigen Jungen. Der kleine Kerl sitzt mit traurigem Gesicht in ein Badetuch eingewickelt neben ihr auf der Decke. Den Anfang habe ich nicht miterlebt, vielleicht ist ihm einfach nur kalt. Vielleicht hat er auch im Wasser was Erschreckendes erlebt. Stolpern und unerwartet Wasserschlucken kann einem schon für eine Weile den Spaß verderben, gerade wenn man noch nicht schwimmen kann.

Ich werde aufmerksam, als der Vater mit einem Kumpel zusammen ankommt. Beide klein, stämmig, sehr männlich, können vor Breitbeinigkeit kaum laufen. Gutgelaunt, laut, völlig mit sich im Reinen und eins mit der Welt.

Vattern sieht nun also seinen Jungen wie ein großäugiges Häufchen Elend auf der Decke sitzen und kann das nicht verknusen. Er fragt, was los ist, kriegt aber keine rechte Antwort. Dann schlägt er vor, zusammen was zu machen. Plantschen gehen, Den Rest des Beitrags lesen »


Vorfahrt

Zweispurige Straße mit Straßenbahnschienen in der Mitte, Autos und Straßenbahn teilen sich die Fahrspuren. Außerdem sind am Straßenrand seit einiger Zeit in beiden Richtungen Fahrradstreifen aufgemalt. Die Straße ist also recht vollgepackt.

Ich sitze in einer Straßenbahn, die ein paar Sekunden steht (Rückstau an einer Ampelkreuzung ein Stück weiter) und dabei die Einmündung einer kleinen Querstraße blockiert.

Eine Frau mit besetztem Kinderanhänger ist auf dem (ausnahmsweise mal nicht zugeparkten) Fahrradstreifen unterwegs. An der Querstraße muss sie eine Notbremsung hinlegen, weil ein kleiner Mercedes SLK ihr direkt vors Rad fährt und dort stehenbleibt. Die ältere Frau am Steuer will Den Rest des Beitrags lesen »


Philosophisches

Die Philosophie ist eine altehrwürdige Wissenschaft. Eigentlich die Urwissenschaft überhaupt, Wegbereiterin und Rahmen wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens nach heutigem Verständnis. Philosopen mindestens der letzten dreitausend Jahre verdanken wir einiges an Durchblicken und ethischen Prinzipien, und ohne die Grundlagenarbeit etwa der antiken Griechen stünden wir heute sicher anders und möglicherweise weniger kultiviert da.

(Andererseits weiß man das natürlich nicht, und irgendwelche nichtgriechischen, eben anderweitig heidnischen Barbaren in Europa oder sonstwo hätten ihrerseits auch auf das tiefere Denken kommen und sich vergleichbare Erkenntnisse aus den grauen Zellen leiern können. Die spätere Gleichschaltung durch das organisierte Christentum mit seinem speziellen Weltbild hätte die allerdings auch getroffen und es sähe am Ende nicht so viel anders aus als jetzt. Weiß man nicht. Da könnte man meterweise Was-wäre-wenn-Romane zu schreiben.)

Nun bin ich weder Philosoph noch bin ich in dieser Materie irgendwie belesen, ich kenne weder den Stand philosophischen Schaffens noch die verschiedenen Strömungen oder Schulen. Also bin ich da von Sachkenntnis weitgehend unbeeinträchtigt und kann darum Den Rest des Beitrags lesen »


Plastisch

Schwungvoller Schnörkel auf einem dieser grauen Kästen, die überall herumstehen.

Keine Ahnung, ob das mit fast leerem Edding gemalt wurde oder mit einem Stück Schwamm, aber ich finde den 3-D-Effekt faszinierend. Schon unbearbeitet scheint der Schnörkel so schön plastisch im leeren Raum zu schweben wie ein eigenständiges Objekt.

In der Bildmitte sehe ich übrigens eine Krähe sitzen, die den Kopf in Richtung des rechten Bildrandes gedreht hat und vermutlich die Straße rechts außerhalb des Bildes beäugt.


Anonym unterwegs

Wenn jetzt die Bahn tatsächlich anfängt, ihre Kunden über ihre Handys technisch zu überwachen, weiß man ja nicht, wo die dabei gewonnenen Daten dann landen und wer sie dann wofür möglicherweise nutzt oder missbraucht. Die Zusammenarbeit mit einem, hm, seriösen Werbepartner wäre das Nächstliegende, man kennt das ja schon, und gehackt werden solche Datensammlungen auch immer mal.

Angesichts der politischen Entwicklungen in Sachen Datenschutz, Privatsphäre und Überwachung stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll sein könnte, sich dieser um sich greifenden Überwachung nach Möglichkeit zu entziehen und den Zugriff dieser Leute auf die Privatsphäre und die eigenen Daten so weit wie machbar zu verhindern. Letztlich läuft es auf die Frage hinaus, ob es überhaupt noch möglich ist, anonym unterwegs zu sein.

Um den Zugriff der Bahn und ihrer Werbepartner auf meine persönlichen Daten einzuschränken, sehe ich zwei Möglichkeiten: Die Verwendung eines anonymen Handys, das ich unter falschem Namen betreibe. Oder die Verwendung eines Zweithandys, auf dem keinerlei persönliche Daten gespeichert sind und mit dem ich mich auch von meinen üblichen Kontakten, Webseiten, sozialen Medien usw. fernhalte.

Im ersten Fall könnte ich Den Rest des Beitrags lesen »


Ins Leere

Regionalbahn voller Pendler. Mir gegenüber sitzt ein junger Mann, vielleicht 20, und hört Musik. Das heißt, eigentlich hört er nicht Musik sondern beschäftigt sich intensiv mit seinem Smartphone. Wie es aussieht, chattet er mit jemandem. Aber dabei hat er einen Kopfhörer um den Nacken hängen, einen von diesen großen, extracoolen DJ-Kopfhörern, die viele jetzt spazierentragen, und während er online chattet, läuft nebenher seine Musik.

Man hört sie in gewissem Umkreis aus dem Kopfhörer kleckern. Nicht so zischelig wie bei normal getragenen Ohrknöpfen, die jemand zu laut eingestellt hat. Eher so dünn und etwas blechern wie bei den (nach im Physikunterricht erarbeiteten Schaltplänen) selbst zusammengelöteten Detektorradios ohne eigene Stromzufuhr, die man über einen dieser uralten „Knöpfe im Ohr“ aus hellem Hartplastik abhörte.

Wenn er nicht schon sehr schwerhörig war, musste er Den Rest des Beitrags lesen »


Scheibchenweise

Salamitaktische Angriffe auf Grundrechte haben in Deutschland mittlerweile eine gewisse Tradition. Der Trend geht in Richtung mehr Überwachung, will mir scheinen. Man versucht letztlich, unsere Freiheit zu schützen, indem man diese Freiheit zugunsten verschiedenster Sicherheitsmaßnahmen einschränkt und beschneidet, Scheibchen für Scheibchen. Wie nicht anders zu erwarten war, wetzen sie in Berlin schon wieder die Messer, die Salami liegt auf dem Schneidbrett.

Fangen wir an mit einer schönen dicken Scheibe: In der Bundesregierung denkt man laut über den großflächigen einsatz von Staatstrojanern zwecks Online-Durchsuchungen nach, sicher beflügelt von den bisher errungenen großartigen Erfolgen mit solchen Dingern. Gelegentlich vorgebrachte verfassungsrechtliche Bedenken hat man mittlerweile sicher gründlich ausräumen können, ebenso wie technische Schwierigkeiten.

Weiter geht es mit der Vorratsdatenspeicherung. Die CDU will seit ihrem letzten Parteitag im Dezember die im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung gesammelten Daten auch dem Verfassungsschutz zugänglich machen. Der Parteivorstand hat das jetzt nochmal ausdrücklich bekräftigt, nur Justizminister Heiko Maas (SPD) sperrt sich. Noch.

Das wäre der Einstieg in die Aufweichung der im Grundgesetz festgeschriebenen Trennung zwischen Nachrichtendiensten und Polizei, und das darf nicht sein. Wir brauchen keine neue Gestapo, auch keine Gestapo light, und wir dürfen auch Den Rest des Beitrags lesen »


Flächendeckende Verglasung

Bahnchef Richard Lutz hat eben erzählt, die klassische gedruckte Fahrkarte könne in absehbarer Zeit entfallen. Man wolle einfach anhand der Handys feststellen, wer in den Zug eingestiegen und wie weit gefahren sei und dann den Fahrpreis automatisch vom Konto des betreffenden Fahrgastes abbuchen. Das wirft Fragen zum Datenschutz, zur informationellen Selbstbestimmung und überhaupt zu den Implikationen solcher Technik auf.

Ich finde das Vorhaben einigermaßen beunruhigend. Nicht, weil ich grundsätzlich was gegen elektronische Tickets hätte (die gibt es ja schon seit geraumer Zeit, und sie erfreuen sich einiger Beliebtheit), sondern weil man irgendwann gezwungen werden könnte, sie zu benutzen. Dann müsste man auch ein Smartphone (oder, scheint’s, sonst irgendein Handy) haben, um bahnfahren zu können. Man müsste sich von einem Unternehmen überwachen lassen, müsste Zugriff auf das eigene Konto gewähren usw. Das tut man anderweitig natürlich auch längst, aber normalerweise hat man die Wahl.

In Zukunft will die Bahn (die übrigens immer noch dem Bund gehört) also Den Rest des Beitrags lesen »


Berufschancen

Wenn man in der Schule Französisch gelernt hat, hatte meine Großmutter manchmal gesagt, kann man damit später, wenn alle Stricke reißen, immer noch in den diplomatischen Dienst. Als Kind hatte ich damit nie was anfangen können, ich hatte den Zusammenhang und die Relevanz nicht gesehen und das ganze darum nicht weiter beachtet. Erwachsene, weiß man, sagen gelegentlich merkwürdige Dinge.

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Intelligente Kinder auf dem Dorf hatten es früher schwer. Ich spreche jetzt von dem Früher, als meine Großeltern noch Kinder waren, oder deren Großeltern. Allgemein gab es auf dem Dorf eher wenig Verständnis für Wissensdrang, und außerdem war sowieso kein Geld übrig für diesen ganzen unnützen Tüddelkram, der beim Melken, Pflügen, Ernten usw. nichts half. Außerdem gab es wenig Ressourcen für den Wissenserwerb – über Bibel, Kochbuch und Almanach hinaus wird es noch bis ins 20. Jahrhundert in vielen Haushalten nicht viel Gedrucktes gegeben haben. Bibliotheken gab es auf dem Dorf auch keine, außer vielleicht dem privaten Bücherschrank des Lehrers oder des Pastors.

Bauernjungen konnten mit ach und krach Den Rest des Beitrags lesen »


Der Blogger von Stepford

Wir sind ja mittlerweile bei der vierten industriellen Revolution angelangt. Mit der ersten kam die Nutzung der Dampfkraft für Fabriken, mit der zweiten die Nutzung von elektrischem Strom in der Produktion, die dritte, „digitale“, brachte die Nutzung von Computertechnik zur Automatisierung, und jetzt basteln sie an der vierten, die Designer, Ingenieure und Konsumenten überflüssig machen soll, weil in der sogenannten Industrie 4.0 die Maschinen sich in Eigenregie selbst betreiben.

In der Fotografie ist eine vergleichbare Entwicklung zu beobachten. In der ersten fotografischen Revolution wurde die Fotografie erfunden. Man hat anfangs Teerpappe auf einer Glasplatte in einer Camera obscura belichtet, ist dann recht bald auf elegantere Chemikalien und Kameras mit Linsen umgestiegen, hat die Farbfotografie entwickelt, die sperrigen und empfindlichen Glasplatten durch elastisches Trägermaterial ersetzt, aber es blieb umständlich und kompliziert.

Als zweite fotografische Revolution kamen die großen Vereinfachungen – die Erfindung von Filmrolle, Messucher und Wechselobjektiv. Die dritte fotografische Revolution führte zur digitalen Fotografie, und jetzt steht die vierte fotografische Revolution bevor.

Die wird, analog zur vierten industriellen, Den Rest des Beitrags lesen »