Der Hammer und der Tanz

Die Corona-Panemie fegt durch die Welt, die Zahl der Infizierten steigt erwartungsgemäß exponentiell. Man will die Ausbreitung verlangsamen, die Kurve der neu Infizierten möglichst flach halten, das nennt sich #FlattenTheCurve. Ob das genug ist, weiß keiner so genau, manche sind der Meinung, man müsse das anders und entschiedener angehen.

Tomas Pueyo etwa rechnet in Coronavirus: The Hammer and the Dance vor, dass das Strecken der Ansteckungskurve mehr schadet als nützt: Bei ungehinderter Ansteckung wird das Gesundheitssystem für zwei, drei Monate extrem überlastet, bei flachgehaltener Ansteckungskurve wird das Gesundheitssystem immer noch weit über Kapazität belastet, aber für neun, zehn Monate oder länger. Im ersten Fall sei es schlimm, aber relativ schnell vorbei, im zweiten sei es nicht merklich weniger schlimm, dauere aber um ein Mehrfaches länger. Im Prinzip die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Als dritten Weg Den Rest des Beitrags lesen »


Lautschrift

Wenn man wissen will, wie ein Wort ausgesprochen wird, hat man mehrere Möglichkeiten, das herauszufinden. Man fragt wen, der sich auskennt. Wenn niemand Passendes greifbar ist, schlägt man im Wörterbuch nach, egal ob auf Papier oder online, dort kriegt man dann geholfen. Weil der Zusammenhang zwischen Schreibweise und Aussprache in manchen Sprachen eher lose ist, wird die Aussprache oft gesondert angegeben, und zwar meistens in der extra dafür konzipierten Internationalen Lautschrift.

Für manche Sprachen wird sie nicht genutzt – mein russischer Phonetikdozent hat damals ausgeführt, dass sich der Aufwand für das Russische nicht lohne. Es sei einfacher, die wenigen Abweichungen zwischen Schreibweise und Standardrussisch zu lernen, als sich mit den 127 Zeichen des IPA herumzuschlagen. Da hatte er soweit recht, allerdings hilft das niemandem, der kein Russisch kann und trotzdem schnell wissen will, wie egal welches russische Wort ausgesprochen wird.

(Seit die meisten Online-Wörterbücher eine akustische Illustration ihrer Stichwörter liefern, ist das allerdings auch nicht mehr so schlimm, da kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (42)

…der Kollege, der mit zwei großen Plastiktüten voll leerer Red-Bull-Dosen und Colaflaschen am Pfandautomaten steht. Zwei dieser quaderförmigen wiederverwendbaren Taschen mit 30 oder 40 Liter Volumen aus dem Diskounter. Er meint, immer, wenn sein Schrank im Büro voll mit leeren Dosen ist, bringt er sie auf einen Rutsch weg. Zum Glück wollte ich nicht auch Leergut abgeben…


Gesundheitliches

Wir leben in gesundheitsbewussten Zeiten. Nicht, dass wir alle tatsächlich so furchtbar gesund leben – fast überall ist zuviel Zucker im Essen, zuviel Fett, zuviel Salz. Viele trinken zuviel Kaffee und bewegen sich zu wenig. Dann ist da der Alkohol, manche rauchen auch noch oder dampfen ganz progressiv die Umwelt mit penetrant-künstlichem Bonbonduft voll; das ist wohl weniger ungesund als Rauchen, aber ganz sicher auch nicht unbedingt gesundheitsfördernd.

Außerdem gibt es noch Umwelteinflüsse, denen man sich kaum entziehen kann, Abgase, Feinstaub, Stickoxide, immer mehr Kohlendioxid in der Luft, sodass sogar die frische Luft draußen schon ziemlich verbraucht ist, ungesunde Dämpfe und Dünste aus Maschinen, Möbeln, Kleidungsstücken und weiß der Himmel was noch.

Dem steht dieser aufdringliche, glamourös daherkommende und gleichzeitig etwas weltfremde Gesundheitskult gegenüber: Alles bio, man trinkt Smoothies statt Saft (schnödes Wasser ist völlig abgemeldet), isst Superfood aus Bowls statt Essen von Tellern, verzichtet auf Farb- und Konservierungsstoffe in Duschgel, Shampoo und Seife, richtet sich minimalistisch à la Marie Kondo ein oder lebt nach Kräften hyggelig, übt Achtsamkeit allüberall usw. usf.

Alles muss gesund, nachhaltig, natürlich sein, ganz unbedingt. An Brotaufstrichen wird dann regelmäßig bemängelt, dass das ja im Wesentlichen nur Zucker und Fett mit etwas Kakao und Haselnussmehl als farb- und geschmacksgebenden Zutaten sei. Die Produkte seien megaungesund und verdürben unseren Kindern von vornherein den guten Geschmack und das Ernährungsverhalten gleich mit – an die geschmackliche Tiefe einer selbstgekochten Marmelade oder eines guten einheimischen Imkerhonigs komme diese elende Nussnougatpampe ja im Leben nicht dran, aber wer einmal die Schokoschmiere reichlich und mit viel Butter auf dem weißen Frühstücksbrötchen gehabt habe, sei für die gute Waldfruchtmarmelade mit dünn Margarine auf Körnerbrötchen kaum mehr zu gewinnen.

Dabei Den Rest des Beitrags lesen »


Spam

Heute mal ganz was anderes. Immer wieder landen hier Kommentare im Spamfilter. In den allermeisten Fällen zu recht, nur ganz vereinzelt muss ich „echte“ Kommentare dort rausklauben. Manchmal kommen täglich mehrere Spamkommentare rein, gelegentlich gibt es Spitzen mit mehreren Dutzend pro Tag, manchmal ist dafür wochenlang Ruhe. Insgesamt sind hier etwa doppelt so viele Spamkommentare wie echte Kommentare aufgelaufen.

Die Texte sind ziemlich vielfältig – manche sind ganz einfach nur Links zu irgendwelchen halbseidenen Onlinehändlern. Manche versuchen, sich mit meist recht schleimigem Lob an Blogbetreiber ranzuwanzen, damit die linkgespickten Kommentare dann entsprechen Traffic zum Spammer ziehen. Andere schicken einfach irgendwelches Lorem Ipsum – zusammenkopierte Versatzstücke aus Kinderbüchern, Fachartikeln zu medizinischen oder technischen Themen.

Noch andere geben sich als SEO-Fachleute aus, die mir – wenn ich sie denn ranließe – märchenhafte Reichweiten zaubern könnten. Weiß der Geier, was die wirklich wollen. Angebote für seit mehreren Jahren aktive Twitter- oder Instagrammkonten (Staffelpreis nach Stückzahl) hatte ich auch schon. Ebenso Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter (3)

Kuriose Wörter (für, natürlich, durchaus vernünftige Dinge), zufällig gefunden:

Schlagschott
Schwallblech

Wörter, die ich einfach mag:

bewerkstelligen
verabfolgen

Was bisher als falsch galt:

das Klientel

Das wird in letzter Zeit immer häufiger, auch in Qualitätsblättern wie der Zeit. Für mich fühlt sich das eindeutig falsch an; eigentlich hieß es immer und laut Duden bis heute und nur die Klientel.

Zu meinem Unbehagen wegen dem falschen Genus von Klientel möchte ich allerdings noch Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (41)

… der Mann, der im ICE ein Flixbus-Ticket vorlegte und dann argumentierte, er habe gedacht, das gelte im Zug auch, und er wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass es da Probleme geben könnte, nein, wieso…


Büroklima

Am Ende ihrer etwa 45-minütigen Mittagspause kommt die Besatzung des Nachbarbüros zurück. Sie machen die Tür auf und stürmen den Raum. Das Fenster hatte wieder die ganze Zeit sperrangelweit offengestanden.

Kollegin 1: Oh, angenehm, oder?
Kollegin 2 (schließt hastig das Fenster)
Kollege 3 (geht zur Heizung): Schon ein bisschen kalt…
Kollegin 1: Das wird gleich von selbst wieder warm, mach’s nicht an!
Kollegin 2: Das ist kalt hier, Leute.
Kollegin 1 (hörbar geduldig belehrend): Das Fenster war ja auch die ganze Pause über auf. Dann wird es kalt.
Kollegin 2: Muss ich jetzt meine Jacke anziehen hier im Büro?
Kollegin 1: Lass mal Kaffee holen gehen, dann ist es hier auch wieder warm genug.


Ausreißer

Bei der Inbetriebnahme neuer Peripheriegeräte für einen Computer muss man ja oft den passenden Treiber herunterladen und installieren. Auch Bedienungsanleitungen werden immer öfter zum Herunterladen angeboten, meistens in einer Reihe von Sprachen. Damit man nicht lange suchen muss, geben die Hersteller oft eine URL an, wo man das Zeug dann findet. Das sieht dann beispielsweise so aus:

Abfotografierter Text: "EN: Download Driver/Manual: WWW.gaomon.net/download DE Treiber/Handbuch herunterladen: [selbe URL] ES: Descargar Driver/Instructivo: [selbe URL] [folgen FR, IT, JP, RU] PT: Transferir Motorista/Manual: [selbe URL]

Ok, das Handbuch lassen wir mal beiseite, wir wollen den Treiber. Die allermeisten Sprachen haben das englische Driver der Einfachheit halber einfach übernommen. Gelegentlich Den Rest des Beitrags lesen »


Nichtlinear

Wenn man eine Packung mit irgendwas hat und da jeden Tag ungefähr die gleiche Menge entnimmt, sollte der Inhalt eigentlich kontinuierlich abnehmen, und dieser Fortschritt sollte auch so aussehen. Würde ich zumindest erwarten. In Wirklichkeit ist das aber häufig gar nicht so.

Ein Beispiel ist der Verbrauch von Dingen wie Duschgel, Zahnpasta, Seifenstücke u.ä. In der ersten Zeit nach Anbruch ist die Packung noch praktisch voll, und das ändert sich auch eine ganze Weile nicht. Dann, plötzlich, nach vielleicht einem Viertel der „Laufzeit“ bzw. nach Entnahme ungefähr eines Viertels des Inhalts, wechselt die Packung den Zustand von „noch praktisch voll“ zu „nicht voll und nicht leer“ und wird zu einer klassischen angebrochenen Packung. Das bleibt dann wieder eine ganze Weile ziemlich statisch so, ungefähr bis drei Viertel des Inhalts Verbraucht sind. Dann ist die Packung schlagartig praktisch leer und man quetscht wochenlang nur den Rest raus.

Wenn sie dann leer erscheint, kann man aber Den Rest des Beitrags lesen »