Mauergesicht

Ende einer Einfassungsmauer aus roh behauenem Naturstein, teilweise mit schmalem Randschlag, an die ein Stahlzaun anschließt; das Licht der Straßenlaterne, unter der die Mauer steht, wirft Schatten an der Unterseite der Mauersteine und zeigt so das Relief der Mauerfläche.

Die Tage bin ich an einem Stück Mauer vorbeigekommen, aus dem mich ein etwas grantig wirkendes Gesicht unscharf anzustarren schien.

Leider ist es mir nicht gelungen, das Gesicht zu fotografieren. Das Stück Mauer habe ich natürlich fotografiert, ist auch sehr schön geworden (s.o.), aber Den Rest des Beitrags lesen »


Irgendwo gelesen

Wanderung, es wird Abend, wir suchen nach einem Lagerplatz. In der fortschreitenden Dämmerung sehen wir ein ganzes Stück weiter das flackernde Licht eines Lagerfeuers zwischen den Bäumen.

Du, da sind welche, sollen wir hin?

Wir gehen langsam und leise auf die Feuerstelle zu, um uns erstmal einen Eindruck zu verschaffen. Man weiß ja nie, auf wen man so trifft. Eine Gitarre und Stimmen kommen langsam über die Hörschwelle. Den Rest des Beitrags lesen »


Amtliches

Ab Vollendung des 16. Lebensjahrs ist man in Deutschland verpflichtet, einen Personalausweis (oder einen Reisepass) zu besitzen. Wenn der eben sechzehngewordene Staatsbürger dann aber den Personalausweis beantragen will, braucht er dazu die Einwilligung beider Erziehungsberechtigten, ohne darf er den Antrag gar nicht abgeben.

Was für einen Sinn macht das? Wenn sowieso die Pflicht besteht, so ein Ausweisdokument zu besitzen und die Erziehungsberechtigten übrigens dafür Sorge zu tragen haben, dass der Nachwuchs dieser Pflicht auch nachkommt, haben die Erziehungsberechtigten da doch sowieso keinen Ermessenspielraum, da gibt es nichts zu erlauben oder verbieten. Wenn ich meiner Tochter das Beantragen nicht erlaube, kann sie ihrer staatsbürgerlichen Pflicht nicht nachkommen. Dann müsste der Staat ja doch Den Rest des Beitrags lesen »


Der Umwelt zuliebe

An den Rändern teils ausgefranster Zettel aus festem Papier, der mit eigentlich durchsichtigen, aber braun verwittertem Klebeband an einem Hausbriefkasten befestigt ist. Der Text: "...der Umwelt zuliebe! Bitte _keine_Werbung, Postwurfsendungen und kostenlose Zeitungen einwerfen! Danke!"

Werbung, Postwurfsendungen oder kostenlose Zeitungen (d.h. mit ein paar redaktionellen Feigenblättern meist eher schlecht als recht getarnte Anzeigenblätter) nicht im Briefkasten haben zu wollen ist nicht ungewöhnlich. Entsprechende Aufkleber gibt es in jedem Schreibwarenladen zu kaufen.

Vermutlich dürfte dieser Werbemüll in vielen Fällen unbesehen im Altpapier landen; am ehesten werden wohl noch die wöchentlichen Schnäppchenblätter großer Einzelhandelsketten gezielt nach Schnäpchenpreisen für Dinge durchsucht, die man sowieso kaufen will und für die man mögliche Preisnachlässe natürlich gern mitnimmt. Zum Glück für die Produzenten kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Rattenfängertage

Was ich überhaupt nicht mag, ist, auf der Straße angesprochen zu werden. Damit meine ich nicht Leute, die nach dem Weg oder der Uhrzeit fragen oder einen Euro „für die Fahrkarte nach Hause“ schnorren wollen, sondern Leute mit, sagen wir, organisierten Absichten.

Dabei ist es mir egal, ob mir jemand politische oder religiöse Pamphlete in die Hand drücken will, gern meine Unterschrift für eine Petition hätte oder mich von den Vorteilen egal welcher Organisation, Partei, Kirche, Freizeitaktivität überzeugen möchte, mir ein Abo verkaufen oder mich in einen bestimmten Laden locken will. (Mir sind die aggressiven Pressgangs des Bertelsmann Buchclubs in den späten 80ern noch unangenehm in Erinnerung, die haben bei uns eine Weile lang systematisch die Fußgängerzone dichtgemacht. War wirklich nicht schön.)

Wenn ich durch die Stadt gehe, möchte ich Den Rest des Beitrags lesen »


Ausgeschlafen

Jetzt ist mal wieder die Sommerzeit zuende, die vergangene Nacht war eine Stunde länger als eigentlich. Nachdem das EU-Parlament 2018 grundsätzlich für die Abschaffung der Sommerzeit gestimmt hatte, sollte sich das mit der halbjährlichen Zeitumstellerei eigentlich bald erledigt haben.

Nur leider steckt der Teufel auch hier wieder im Detail, und die EU-Regierungen können zu keiner Einigung über die Einzelheiten kommen. In vielen Ländern interessieren sich die Leute offenbar nicht weiter für die Sache. Einige Länder wollen Den Rest des Beitrags lesen »


Diskussionen

Apropos Maske. Neulich in der Apotheke. Auf die Plastikschale auf dem Ladentisch, wo das Wechselgeld draufgelegt wird, ist mit durchsichtiger Folie ein Stück Papier mit einem längeren Text geklebt. Während die Apothekerin meine Bestellung aus dem hinteren Teil des Raums holt, habe ich Gelegenheit zum Den Rest des Beitrags lesen »


Nie wieder loslassen…

Meine Tochter musste für die Schule das derzeit schwer angesagte Holocaust-Beschäftigungs-Buch Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne lesen (näheres hier). Nach dem völlig unerwarteten Ende war sie tief erschüttert. Sie war danach tagelang ziemlich durch den Wind und hat Wochen gebraucht, bis sie das verarbeitet hatte.

Ich bin stinksauer.

Auf die Schule: Da gab es keinerlei Vorwarnung, keinerlei Begleitung, einfach nur den Auftrag „Lest das über die Ferien“, dazu ein paar textbezogene Aufgaben.

Auf den Verlag: Es gibt keine Inhaltsangabe auf dem Einband, nur die reichlich idiotische Notiz des Autors, das sei ein sehr wichtiges Buch und anders als sonst üblich wolle man über den Inhalt nichts verraten, den solle das Publikum beim Lesen selbst herausfinden.

Auf den Autor: Für diese bescheuerte Notiz und für das Ende des Romans: Der reichlich einfältige Protagonist freut sich, seinen mysteriösen streifenpyjamatragenden Freund endlich im Lager besuchen zu können und mit ihm einen Platz im Trockenen gefunden zu haben; sie halten sich bei den Händen, endlich hat er überhaupt wieder einen Freund, sogar einen „besten Freund für immer“, und er wird dessen Hand nie loslassen; in dem Moment fallen die Türen der Gaskammer hinter ihnen zu.

Dem Zielpublikum von 12- oder 13-jährigen Kindern ohne Vorwarnung so einen Schlag unter die Gürtellinie unterzujubeln finde ich reichlich niederträchtig.

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Natürlich, Den Rest des Beitrags lesen »


Geräuschkulissen

Derzeit sind bei uns wieder mal Irgendein-Depp-bohrt-irgendwo-immer-Tage. Im Nachbarhaus wird eine Wohnung entkernt und neu aufgebaut. Gut, das sind keine Deppen sondern Handwerker. Aber bohren tun sie dort ausgiebig. Tagelang haben sie Fliesen von den Wänden und Fußböden geschlagen und seit Beginn der Arbeiten ein Dutzend Anhänger Schutt abgefahren.

Der fiese Sound der dabei verwendeten Bohrhämmer findet in dem Stahlbeton der beiden Wand an Wand stehenden Häuser ideale Ausbreitungsbedingungen und ist mühelos in der Lage, die Ohren fast vollständig zu umgehen. Ohrstöpsel und aktiv lärmunterdrückende Kopfhörer halten den Krach nicht fern, aber mit Musik in den Kopfhörern kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (47)

… die Frau, die vor einem Hotel steht und mit jemandem telefoniert: Ja, wir sind hier gegenüber vom Bahnhof, ähm, vor einem Hotel… was? … Ja, äh, das Radeberger-Hotel.

(Der Name des Hotels steht mehrmals in großen Goldbuchstaben auf der Fassade. Über einem Seiteneingang, wo es zur Hotelbar geht, hängt ein kleines Radeberger-Leuchtschild. Prost.)