Binomische Rechenspielerei

Die 42 ist eine vielbeschäftigte Zahl. Nicht nur ist sie die Ordnungszahl des Elements Molybdän und das zweite 16-Bit-Datenwort jeder TIFF-Datei, sie ist auch die nutzlose Antwort auf die berühmte Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“.

Die binomischen Formeln gehören – ähnlich wie das Einmaleins, Bruchrechnen und so Sachen – zu den mathematischen Methoden und Grundlagen, die man man in der Schule eingetrichtert kriegt, damit man in den höheren Klassen einen möglichst großen Teil der simplen Umformerei und Ausmultipliziererei, die in der Mathematik gelegentlich anfallen, mit möglichst wenig aktivem Denkaufwand erledigen und sich auf die eigentliche Mathematik konzentrieren kann.

Einen beim Lernen unmittelbar erkennbaren Nutzen haben diese Formeln nicht. Und ganz ehrlich, ich habe die binomischen Formeln seit dem Abitur für nichts gebraucht, außer um meinem Kind bei den Mathe-Hausaufgaben zu helfen und aus dem Anlass jetzt hier diese Spielerei zu veranstalten. So richtig für’s Leben gelernt ist das in meinem Fall nicht. Aber in meinem Beruf muss ich natürlich auch wenig Mathematik treiben, bei anderer Berufswahl hätte das ganz anders aussehen können, aber egal.

Ich habe jetzt spontan die Vermutung, dass die binomischen Formeln irgendwie mit der 42 zu tun haben könnten. Oder eigentlich umgekehrt: Die 42 muss Den Rest des Beitrags lesen »

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Hier kommt Alx

Hoffentlich nicht der von den Totn Hosn. Jedenfalls hat er Den Rest des Beitrags lesen »


Wortfund

Neulich ist mir das Wort Fressriefe begegnet. Obwohl ich gern und nicht nur beruflich viel in Wörterbüchern blättere und lese, hatte ich das Wort ich noch nie gesehen oder gehört, aber es klingt faszinierend. Könnte das Maul eines mythischen Steinwesens von der Scheibenwelt oder auch eines Ungeheuers aus der Tiefsee sein, oder sonst etwas halb geheimnisvolles, halb gruseliges.

Die Wirklichkeit ist natürlich mal wieder trockener – die Textbeispiele bei Linguee deuten an, dass es sich um einen Begriff aus der Motortechnik handelt, der Abriebschäden an beweglichen Teilen bezeichnet. Genauer findet man es hier beschrieben. Diese Erscheinungen könnten nun allerdings schöne Motive zum Fotografieren bieten, aber dazu braucht man natürlich Zugriff auf entsprechend verschlissene Motorteile.

Fressriefe ist jetzt nicht unbedingt sofort zum Lieblingswort geworden, aber mir gefällt es schon irgendwie. Ich freue mich, dass die deutsche Sprache dieses Wort hat.

 


Lieblingswörter

Es gibt Wörter, die ich nicht mag, über die ich mich ärgere und die ich nach Möglichkeit vermeide. Und es gibt Wörter, die ich gern mag. Das heißt nicht, dass ich die unbedingt häufig verwende, aber ich freue mich, wenn sie mir hin und wieder begegnen.

Eines davon ist umständehalber. Das findet man wohl fast nur in Kleinanzeigen – xy umständehalber abzugeben. Das dahinterstehende Konzept hat ein bisschen was von Amtsstube, Ärmelschoner und und Kehrwoche. Man könnte Den Rest des Beitrags lesen »


Sahnehäubchen

Wenn sich jemand irgendwo kritisch über die Homöopathie oder eine ihrer Spielarten äußert, kommt ganz oft, eigentlich fast immer, jemand und behauptet, die Kritik sei unfair und nicht gerechtfertigt. Die Homöopathie wirke sehr zuverlässig und gut (gern mit dem Zusatz: das habe man selbst erlebt), und ein vernünftiger Mensch käme gar nicht auf die Idee, eine so effektive und gleichzeitig nebenwirkungsfreie Behandlungsmethode wie die Homöopathie kritisieren zu wollen.

Wer sich trotzdem kritisch äußere habe entweder keine Ahnung oder unlautere Motive. Das nächstliegende unlautere Motiv ist natürlich Geld, und das wird immer wieder vorgebracht: Kritiker seien ganz bestimmt von der bösen Pharmaindustrie gekauft, die bei einem Siegeszug der sanften Homöopathie Angst um ihren Umsatz mit möglichst potenten, nebenwirkungsreichen Chemiehämmern haben müsse und für mehr Geld gern auch Leid und Tod unzähliger Patienten in Kauf nehme.

Derartige Anwürfe kann man in verschiedenen Formen und Gewichtungen an vielen Stellen finden, wo über Homöopathie diskutiert wird. Unter einschlägigen Artikeln Den Rest des Beitrags lesen »


Nebenbei bemerkt (2)

Wenn wir in der Matrix leben würden, wären Erkältungen u.ä. entweder Malware oder Macken im System, die der Support bitteschön einfach entfernen könnte.


Immer mehr

Früher™ hat man sich mit dem Rasiermesser rasiert oder rasieren lassen. Das ging ungefähr 25.000 Jahre so, anfangs mit Steinklingen oder geschärften Muscheln, später mit Metallklingen. Dann hat jemand im 19. Jahrhundert den Rasierhobel erfunden, der dann in der von J. C. Gillette verbesserten Version in vielen Weltgegenden jahrzehntelang das Rasierzeug der Wahl war.

Als nächstes kam irgendwann im 20. Jahrhundert der Systemrasierer dazu, der die Vorteile des Hobels um eine noch einfachere Bedienung ergänzt. Systemrasierer gibt es als Wegwerfgeräte, etwa von einem bekannten Feuerzeug- und Kugelschreiberhersteller, und als Qualitätsapparate mit wiederverwendbarem Griff und austauschbaren Rasierköpfen von den einschlägigen Rasierzubehörmarken.

Anfang der 1970er Jahre hatte jemand die geniale Idee, dass zwei Klingen doch doppelt so gut rasieren müssten wie eine. Man fing also an, Systemrasierer mit zwei Klingen zu bauen, für eine sanftere und zugleich gründlichere Rasur. Nach ein paar Weiterentwicklungen Den Rest des Beitrags lesen »


Essigwolkenzauber

Könnte man sinnvoll testen, ob verdunstender Essig eine Auswirkung auf die Wolken hat? Mal ganz abgesehen davon, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass da was dran sein könnte.

Man könnte natürlich eine kleine Studie durchführen, in der man unter standardisierten Bedingungen Essig vor der Tür verdunsten lässt und beobachtet, was daraufhin mit den Wolken oben drüber passiert. Wir suchen uns passende kleine Teller. Wie groß die sein sollen, wissen wir nicht, und unser Essigfreund verrät es auch nicht. Egal, nehmen wir irgendwas, Untertassen. Wie viel Essig da rein soll, wissen wir auch nicht und unser Essigverdunster schweigt dazu ebenfalls. Nehmen wir ein Schapsglas als Portion, 20 cl. Wir kaufen eine ausreichende Menge irgendwelchen Essig.

Dann zu den Verdunstereien. Wir fangen mal mit einer Laufzeit von 30 Tagen an und machen vier Aufgüsse pro Tag: um 9, um 12, um 15 und um 18 Uhr, um tageszeitliche Verzerrungen auszuschließen. (Wer ganz eifrig ist, kann auch noch Den Rest des Beitrags lesen »


Freunde des Essigs

Neulich gesehen – ein kleiner Zettel, auf normalem Papier ausgedruckt, entlang eines gedruckten Rahmens von Hand ausgeschnitten und mit Tesafilm an einem Laternenpfahl befestigt:

Hallo mein Freund,

stell doch mal einen kleinen Teller
Essig vor Deine Haustür
(Balkon / Garten),
lass Ihn verdunsten und wundere
Dich, was nach ca. einer Stunde
mit den Wolken über deinen Kopf
passiert.

Gruß ein Freund des Sonnenlichts

(Typographie und Rechtschreibung habe ich unverändert aus dem Original übernommen.)

Bevor ich überhaupt anfange zu überlegen, ob ich Essig holen soll, frage ich mich, ab wann die Stunde zählt – ab Aufstellen des Essignapfs, oder ab dem Zeitpunkt wo der Essig vollständig verdunstet ist. Der Text gibt das nicht recht her. Vermutlich ersteres, weil Essig ja nicht so schnell verdunstet wie etwa Lösungsmittel oder reiner Alkohol. Gut, bei der Hitzewelle diesen Sommer vielleicht schon, aber normalerweise würde es schon eine ganze Weile dauern, bis das Zeug sich verflüchtigt hat, je nach Menge vermutlich ein paar Stunden, und solange geht doch niemand Den Rest des Beitrags lesen »


Zeitreise

Vor einer Weile bin ich zum erstenmal seit etwa 20 Jahren wieder in „meinem“ Dorf gewesen. Das Dorf, in dem ich die erste Hälfte meiner Kindheit verbracht habe. Seit unserem Wegzug am Ende meiner Grundschulzeit war das für mich immer ein Sehnsuchtsort gewesen, eine Art verlorenes Paradies. Ich hatte insgeheim die Hoffnung nie aufgegeben, irgendwann mal dahin zurückgehen und wieder „zu Hause“ wohnen zu können. Nicht unbedingt in dem alten Haus, aber in dem Dorf. Seit dem Umzug damals war Heimat für mich tatsächlich vorrangig etwas Verlorenes, ein Verlusterlebnis.

Natürlich war mir bewusst, dass die Zeit nicht stehenbleibt, dass ich mich verändere, dass das Dorf sich verändert. Wenn wir nicht weggezogen wären, wäre ich sicher irgendwann „rausgewachsen“, und das war mir schon als Teenager klar. Trotzdem, bis jetzt war ich von Besuchen dort immer wehmütig weggefahren, weil die Besuche mir jedesmal erneut und schmerzlich in Erinnerung gerufen hatten, dass ich dort nicht freiwillig weggegangen war, dass ich damals auf keinen Fall weggewollt hätte und dort zumindest für eine Weile in mancher Hinsicht glücklicher gewesen wäre und es besser gehabt hätte als am neuen Wohnort.

Der Umzug in die Stadt hat – obwohl großes Abenteuer mit neuer aufregender Umgebung und viel mehr Möglichkeiten – mein Leben ziemlich durchgerüttelt. Ich stand dem vor allem am Anfang sehr zwiespältig gegenüber. Andererseits hätte ich ohne diese Umwälzung Leute nie kennengelernt, die mir dann für lange Zeit wichtige Freunde waren und denen ich viel verdanke. Das will ich selbstverständlich nicht missen. Wie das alles ohne den Umzug geworden wäre – besser, schlechter, einfach nur anders – weiß ich natürlich nicht, man kann ja nicht eine alternative Realität nachträglich testen.

Bei dem Besuch neulich Den Rest des Beitrags lesen »