Zappelradio

Ich bin kein großer Radiohörer. Mir ist es da immer zu aufgeregt, die Leute plappern zu viel und die Musik trifft fast nie meinen Geschmack. Selten gelingt es mir, in die Stimmung eines Musikstücks hineinzukommen, bevor der nächste Titel oder die nächste Sabbelsalve mich da rauskickt und in eine völlig andere Richtung drängelt. Das mag ich nicht, und ich vermeide es nach Möglichkeit. Außerdem will ich längst nicht immer Musik hören. Stille macht mir normalerweise nichts aus.

Wenn ich Musik hören will, suche ich mir am liebsten selbst welche aus. Dann wird mir nicht das Gezappel irgendwelcher selbstverliebten Plastik-Pop-Affen in die Ohren geblasen, die aus anderthalb Textzeilen drei Lieder machen und mit ihrem Ego locker den Elektrizitätsbedarf einer mittleren Kleinstadt decken könnten.

Den Hauptnutzen des Mediums Radio sehe ich in den Verkehrsmeldungen für Autofahrer. Die stündlichen Nachrichten sind auch noch ganz praktisch, obwohl es die im Internet genauso aktuell und ausführlicher gibt. Die übrigen akustischen Zappeleien finde ich überflüssig.

Handy? Immer und überall!

Bürogebäude. Typische Herrentoilette – vier Kabinen, fünf Urinale. Zwei Leute stehen an den Urinalen. Ich besetze eine Kabine.

Eine Gruppe kommt laut redend herein. Einer von ihnen spricht die beiden an den Urinalen an:

„Langes Meeting vorbereiten, was…“
„Ja, das hätten wir auch gleich in den Meeting Request aufnehmen können. Hahaha.“
„Genau, dann müssen währenddessen nicht so viele pinkeln gehen. Hahaha.“

Sie plaudern weiter über das bevorstehende Meeting. Einer der Kerle nimmt einen Anruf entgegen, während er noch am Pinkeln ist. Dann trampelt die ganze Meute wieder hinaus, vor dem Meeting noch schnell Kaffee holen. So wie sich’s anhört wäscht sich nur einer von ihnen die Hände.

Fahrbare Stereoanlage

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich am Mitarbeiterparkplatz einer großen Firma vorbei. Dort steht gelegentlich ein ältlicher VW Polo. Die Rücksitze fehlen, und stattdessen steht eine waschmaschinengroße Lautsprecherbox aus Sperrholz drin. Schön selbstgebaut, mit Bleistiftmarkierungen und Schrauben. Zwei gut suppentellergroße Lautsprecher zeigen nach vorn. Obendrauf ist ein backblechgroßer Verstärker mit Zurrgurten festgemacht.

Jetzt frage ich mich, wozu man so eine Anlage im Auto braucht. Sogar wenn man seine Musik eher laut hört, sollte eine handelsübliche Stereoanlage mit normal proportionierten Lautsprechern ausreichen. Wenn man die Leistung dieses Eigenbaus ausnutzt, verliert man wegen der Vibrationen wahrscheinlich irgendwann Stoßstangen, Scheibenwischer und Auspuff.

Beeinträchtigt das Gewummere eigentlich die Bodenhaftung der Reifen? Müsste der, wenn er mit voll aufgedrehter Anlage bei Glatteis an der Ampel steht, nicht irgendwann einfach Weiterlesen „Fahrbare Stereoanlage“

Chocolade und Cigaretten

Mir geht es tierisch auf die Nerven, wenn Schokoladenhersteller ihr Zeug als Chocolade verkaufen. Was glauben die damit zu erreichen? Wird die Schokolade edler, wenn man sie anders schreibt? Die Schreibweise Chocolade ist wahrscheinlich schon seit der Rechtschreibreform von 1905 veraltet, wenn sie überhaupt je offiziell war. Der Duden von 1922 listet sie gar nicht erst auf, der aktuelle Duden auch nicht.

Genauso nervig waren Weiterlesen „Chocolade und Cigaretten“

Muss man sich das antun?

Viele Leute twittern wie besessen, immer öfter auch in Blogs. Das kann durchaus einen gewissen Witz haben, wenn die Zwitscherer nämlich was zu sagen haben und die Möglichkeiten des Mediums gescheit nutzen. Meistens wirkt es auf mich aber eher wie Wichtigtuerei, ähnlich wie unnötige Sonnenbrillen im Haar oder demonstrativ vor sich hergetragene iGeräte oder Superhandys. Ich glaube, ich will von niemandem ständig wissen, Weiterlesen „Muss man sich das antun?“

Wann hätten Sie’s denn gern?

Vielbefahrene Straßenbahn- und Bushaltestelle. Zu den Stoßzeiten fährt hier alle zwei Minuten eine Straßenbahn oder ein Bus. Länger als ein, zwei Minuten steht da selten mal was. In der einen Richtung fährt hier alles am Hauptbahnhof vorbei.

Ein Mann mit Aktentasche kommt zum Bus, fragt den Busfahrer durch die offene Tür: „Fahren Sie zum Hauptbahnhof?“

Fahrer: „Ja.“

Aktentasche: „Aber nicht gleich, oder?“

Fahrer: „Wann hätten Sie’s denn gern?“

Aktentasche: „Na, gleich doch.“

Fahrer zuckt Schultern, Aktentasche steigt ein, Bus fährt ab.

Lernpotentiale entwickeln… (2)

Es reicht nicht, einfach nur hochtrabende Texte auf Spielzeugverpackungen zu drucken. Wer auf sich hält, verkauft sein Zeug ja auch in alle Welt. Gerade die Exportnation Deutschland nimmt das sehr wichtig. Zunächst erklären wir die Welt des Spielens auf Deutsch:

Herzlich willkommen in unserer Spielwelt, in der Kinder spielerisch erste Erfahrungen mit Farben und Formen sammeln und durch Erkennen von Zusammenhängen Lernpotentiale entwickeln. Spiel und Spaß verbinden dabei Generationen.

Der natürliche Werkstoff Holz in vielfältiger Gestaltung weckt besondere Emotionen. Jedes Produkt ist ein Unikat in Design und Qualität und entspricht nach EN 71 und ASTM nationalen und internationalen Normen, geprüft vom TÜV.

Das muss natürlich auch auf Englisch in die Packung, und das Weiterlesen „Lernpotentiale entwickeln… (2)“

Lernpotentiale entwickeln…

Meine Tochter hat gerade ein Holzwägelchen geschenkt gekriegt. Das hat zwei elastische Stangen, auf die man Holzringe steckt, die eine Katze und einen Hund darstellen. Man zieht das Ding an einer Schnur hinter sich her oder schmeißt die Einzelteile in die Gegend. Ganz hübsch das, aber eben auch nicht weiter besonders. Der Hersteller sieht das natürlich anders:

Herzlich willkommen in unserer Spielwelt, in der Kinder spielerisch erste Erfahrungen mit Farben und Formen sammeln und durch Erkennen von Zusammenhängen Lernpotentiale entwickeln. Spiel und Spaß verbinden dabei Generationen.

Der natürliche Werkstoff Holz in vielfältiger Gestaltung weckt besondere Emotionen. Jedes Produkt ist ein Unikat in Design und Qualität und entspricht nach EN 71 und ASTM nationalen und internationalen Normen, geprüft vom TÜV.

Früher war alles so rückständig, so ungeregelt und hopplahopp. Da gab es Spielzeug, Weiterlesen „Lernpotentiale entwickeln…“

Kuhflüstern mit High-Tech

Auf der Webseite der World Future Society war zu lesen*, Rinder würden mit GPS-Empfängern und speziellen Ohrclips ausgestattet. Über GPS lässt sich die Position jedes einzelnen Tiers genau feststellen, alle Bewegungen können verfolgt werden. Mit der entsprechenden Software können die Tiere zu Herden zusammengefasst und kollektiv verwaltet werden.

Über die Ohrclips kann man Stromschläge austeilen und die Tiere damit steuern. Man kann auf einer virtuellen Landkarte virtuelle Zäune definieren. Jedes Rindvieh, das einem solchen Zaun zu nahe kommt, kriegt durch den Ohrclip einen gewischt und wird die Stelle natürlich in Zukunft meiden. Mit solchen Stromschlägen (die kriegen bestimmt einen hübscheren Namen) lässt sich dem Tier anscheinend auch übermitteln, ob es stehenbleiben, nach links oder nach rechts gehen soll. Die Herde wird fernsteuerbar. Das macht Cowboy zu einem Schreibtischjob.

Die Möglichkeiten sind bestechend: Weiterlesen „Kuhflüstern mit High-Tech“