Und dann war da noch… (16)

… der alte Mann, der mich auf der Straße anspricht. Er mag gut 70 Jahre alt sein, vielleicht 80. Gepflegt und etwas altmodisch angezogen, Anzug, Mantel, Schal, Hut – der Straßenanzug der 50er, 60er Jahre.

Er hält mir seine Brieftasche hin, ob ich ihm aus dem Personalausweis vorlesen könne, wo er wohnt. Er könne sich nicht mehr an seine Adresse erinnern, die Straße in der wir uns befinden kenne er nicht und er habe seine Brille nicht dabei, könne also die Adresse also nicht selbst ablesen.

Er ist dabei ruhig und klar. Kein verirrter Verwirrter, sondern jemand, der Probleme erkennt und löst. Jemand, der seine Schwächen kennt und sich von ihnen nicht einschüchtern lässt. Ich lese ihm die Adresse vor und gehe mit ihm bis zur nächsten Straßenecke, die er erkennt, dann verabschiedet er sich und geht allein weiter. Ich sehe ihm noch nach, aber offensichtlich kennt er den Weg.


Meine Mama

Dass Sprache und Sprachgebrauch sich ständig ändern, ist nichts Neues und auch nichts Schlimmes. Die Welt ändert sich, und mit ihr immer auch die Sprache und unsere Interaktionen mit beiden. Dass Leute auf eine Art mit Sprache umgehen, die anderen Leuten nicht gefällt, hat es auch schon immer gegeben. Und nichts ist schon deshalb schlecht, weil es neu ist oder anders als früher.

Aber Veränderungen der Welt wie der Sprache sind trotzdem oft gewöhnungsbedürftig, manchmal beängstigend oder wenigstens verunsichernd. Oft steht man auch nur mit einem großen Wie jetzt!? vor einer aktuellen Entwicklung. In dem von Begeisterung, Ablehnung und Ratlosigkeit gebildeten Dreieck irgendwo zwischen Ablehnung und Ratlosigkeit, aber deutlich näher an der Letzteren.

Eine Entwicklung, die mich mit einer gewissen Ratlosigkeit erfüllt, sind die Änderungen der „Privatsphäreeinstellungen“ für den Sprachgebrauch, die mir in den letzten Jahren aufgefallen sind. Da geht es um die Frage, Den Rest des Beitrags lesen »