Kein Urlaub in Sobibor

Vor kurzem hat man die Überreste von Gaskammern im Vernichtungslager Sobibor gefunden. Das ist natürlich unangenehm für Holocaustleugner. Die hatten sich so schön in ihrem Paralleluniversum mit selbststabilisierendem Realitätsersatz eingerichtet, in dem es den Holocaust nie gegeben hat. Sobibor sei keinesfalls ein Vernichtungslager gewesen, glaube ich sie krakeelen zu hören, sondern allenfalls ein Arbeitslager. Wahrscheinlich aber ein Urlaubslager der Wehrmacht oder so. Wenn es in der Nähe des polnischen Dörfchens Sobibór überhaupt irgendein Lager gegeben habe.

Dabei steht außer Zweifel, dass man in Sobibor tatsächlich Gaskammern gefunden hat und nicht etwa Reste römischer (oder türkischer) Bäder, in denen das Personal der örtlichen SS-Garnison (Ruhige-Kugel-Posten als Belohnung für Tapferkeit oder ideologische Zuverlässigkeit oder gute Verbindungen und Arschkriecherei) sich die viele freie Zeit vertrieben hat.

Auch dass die Alliierten nach der Kapitulation der Wehrmacht schnell Den Rest des Beitrags lesen »


Nicht noch einmal!

Seit Israel sich gegen den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zur Wehr setzt, schwappt eine Welle judenfeindlicher Äußerungen und Aktionen durch Europa.

Wir haben es hier nicht mit Kleinkram zu tun, der Tonfall ist ausgesprochen rauh, um es ganz freundlich auszudrücken. Zu hören bzw. zu lesen waren laut Zeitungsberichten (z.B. hier) etwa solche Dinge:

Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!
[Allein gegen einen aufgepeitschten Mob ohne Beißhemmung, so seht Ihr aus! Wer muss sich da Feigheit vorwerfen lassen?]

Das tapfere palästinensische Volk sollte man ehren
da sie noch die einzigen sind auf dieser Welt
die sich gegen den Zionisten wehren
[Anscheinend aus dem Lied Israel der Neonazi-Band Hassgesang adaptiert]

Israel – Kindermörder! Israel – Frauenmörder!

Ihr Juden seid Bestien!

Scheiß-Juden, wir kriegen euch!

Hamas, Hamas, Juden ins Gas!

Solche und ähnliche Juwelen politischer Kultur werden in Deutschland im Jahr 2014 öffentlich geäußert. Das geht weit über den bisher schon von Demonstrationen für den Frieden in Nahost gewohnten einseitig propalästinensischen und antiisraelischen Tenor hinaus, das ist eindeutig Judenhass, und das letzte Zitat ist als Anspielung auf die Shoa besonders widerlich. Die Polizei schaut zu (oder weg), greift nicht ein, ist von der Wucht der Kundgebungen überrascht und vielfach überfordert.

Derweil werden Synagogen angegriffen und jüdische Geschäfte geplündert, werden als Juden erkennbare Menschen beleidigt und tätlich angegriffen, in Deutschland, in Frankreich, in Österreich. Stellenweise muss man schon von Pogromstimmung sprechen, und die Polizei hat Mühe, die betroffenen Mitbürger zu schützen. Den Rest des Beitrags lesen »


Nie wieder!

Der offizielle Einstieg in die nationalsozialistische Blutorgie ist heute 75 Jahre her. Die Folgen des Wahnsinns sind noch lange nicht verwunden. Allerdings scheint antisemitisches Gedankengut in Deutschland wieder mehr und mehr gesellschaftsfähig zu werden.

Auch wenn, wie in den Zeitungsartikeln zum Thema gelegentlich angemerkt wird, die Zahl der (als solche erkannten und erfassten) antisemitisch motivierten Straftaten über die Jahre schwankt aber nicht wächst – die Hemmungen, antisemitische Positionen offen zu vertreten, scheinen zu schwinden. Man finde, habe ich gelesen, offen antisemitische Positionen zunehmend auch in der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Das heißt, man muss nicht mehr an die Stammtische oder nach rechts- und linksaußen gehen, um Antisemitisches zu hören, auch bei „ganz normalen“ Leuten kriegt man sowas mittlerweile vorgesetzt.

Man findet beispielsweise in den Top 100 auf wordpress.com zunehmend mehr Artikel mit mehr oder weniger unverblümt rechtsradikalen, revisionistischen oder antisemitischen Tendenzen. Manche verherrlichen offen Adolf Hitler und seine Ideologie. Es gibt da eine gewisse weltanschauliche Überschneidung mit esoterisch oder verschwörungstheoretisch orientierten Blogs, die auch oft nationalistissche und antisemitische Neigungen zeigen. Die Tendenz ist jedenfalls eindeutig: Den Rest des Beitrags lesen »


„Irgendwann muss doch mal Schluss sein!“

Vor kurzem habe ich in einem Blog ein Bild gesehen, das mich sehr bewegt:

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„Jom haScho’a – Holocaustgedenktag 2012“

Offizielles Poster zum Jom haSho’a 2012 in Israel, entworfen von Dorielle Rimmer-Halperin im Rahmen eines Projektes der Internationalen Schule für Holocaust-Studien (ISHS) in Yad Vashem unter Beteiligung des Ministeriums für Diplomatie und Diaspora (Israel).
Mit freundlicher Erlaubnis von Dorielle Rimmer-Halperin hier wiedergegeben.

Das Bild spricht für sich selbst und braucht wohl keine Erklärung. Ich finde es sehr eindrücklich, und es gehört zum Traurigsten, was ich seit langem gesehen habe. Und damit komme ich gleich zu meiner Überschrift. Das ist eine Parole, die man in den letzten Jahren leider häufiger hört. Sie kommt in verschiedenen Formen vor, der zugrundeliegende Gedankengang geht wohl ungefähr so: Den Rest des Beitrags lesen »


Magische Tage und anderer Unsinn

Der 12.12.12. ist von einem täglich erscheinenden Blatt mit sehr großen Überschriften (Tageszeitung mag ich nicht sagen, das wäre eine Beleidigung für die meisten Tageszeitungen des deutschen Sprachraums mit Ausnahme einer Handvoll ähnlich gestrickter Brüllblätter) auf der Titelseite zum magischsten Tag des Jahres ausgerufen und im Inneren auf einer vermutlich niedrigen zweistelligen Zahl der dort üblichen Stummelzeilen „erklärt“ worden.

Die Schreibweise macht natürlich was her: 12.12.12. Besser war nur der 11.11.11. Aber das heutige Datum ist auch nicht ohne. Da hat man zweimal die gleiche Gruppe aus vier Ziffern hintereinander: 20.12.2012, oder dreimal, wenn man die richtige Uhrzeit noch dazunimmt. Da versteht es sich von selbst, dass ich diesen Artikel heute um 20:12 Uhr online stelle, auch wenn man die Uhrzeit in dem von mir derzeit verwendeten WordPress-Profil nicht sieht. So ein Datum muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 20.12.2012 um 20:12 Uhr. Das schreit ja geradezu nach kabbalistischen Spielereien. Von denen gibt es aber sowieso schon viel zu viele, ich werde an dieser Stelle deshalb Den Rest des Beitrags lesen »