Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation

Neulich habe ich über Die vergessene Generation geschrieben, das Buch von Sabine Bode über die Leute, die den 2. Weltrkrieg und vor allem das Kriegsende als Kinder miterlebt haben. Heute stelle ich die Fortsetzung vor, das Buch über die Kriegsenkel, also die Kinder der Kriegskinder. Das sind etwa die Geburtsjahrgänge 1960 bis 1975.

Anders als bei den Kriegskindern gibt es hier kein geschichtliches Ereignis, das alle irgendwie erlebt haben. Der Krieg, der Zusammenbruch und die unmittelbare Nachkriegszeit sind zwar bestimmende Faktoren im Leben der Kriegsenkel, aber es gibt da kein gemiensames „ich war auch dabei“ wie bei den Kriegskindern. Die Kriegsenkel sind jedes für sich in ihren Familien aufgewachsen, oft ohne sich darüber bewusst zu sein, dass sie mit vielen Gleichaltrigen wesentliche Schickslaselemente teilen.

Das Buch reflektiert das – es ist eine Sammlung von eher isoliert dastehenden Fallbeispielen, in denen ich das eine oder andere auch wiedererkannt habe, das mich aber bei weitem nicht so angesprochen hat wie Die vergessene Generation. Es nimmt den Faden des ersten Buches wieder auf, das Thema bleibt aber wieder merkwürdig vage, kaum greifbar. Eigentlich wie die behandelten Personen – sie leiden an den oft sehr einschneidenden Folgen der kaum greifbaren, vielfach verdrängten Erinnerungen ihrer Eltern und dem Schweigen der Großeltern, die die Kriegszeit als Erwachsene (und damit Mitverantwortliche) erlebt haben.

Sie hängen – weil der fast unsichtbare Elefant im Zimmer niemals, nie und nimmer thematisiert wird – mit diesem Unbehagen und Befremden in der Luft und müssen Den Rest des Beitrags lesen »


Die vergessene Generation

Wie angekündigt schreibe ich heute ein paar Zeilen über das Buch Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen von Sabine Bode.

Mit Kriegskindern meint sie die Geburtsjahrgänge ungefähr ab 1930 bis Kriegsende. Das sind also die Leute, die den Krieg und den Zusammenbruch, Vertreibung und Flucht als Kinder miterlebt haben und die dann zwischen Nachkriegswirren und Wirtschaftswunder erwachsen wurden.

Dass viele dieser Leute damals furchtbare Dinge mitangesehen und teils selbst erlitten haben, ist unstrittig. Dass solche Erlebnisse prägen und oftmals Traumata nach sich ziehen, ist eigentlich auch bekannt. Umso unverständlicher ist, weshalb die Nöte dieser Generation bis mindestens zur Jahrtausendwende, also über 50 Jahre lang, systematisch ignoriert, weggedrückt, verdrängt wurden. Weshalb jede Beschäftigung damit im Keim erstickt wurde und nicht einmal die simple Feststellung, jemand Bestimmtes habe damals Schreckliches erlebt, zugelassen wurde. Weshalb diese Leute fast ausnahmslos gründlich und nachhaltig alleingelassen und zum Schweigen verdammt wurden. Von ihren eigenen Eltern und von der Gesellschaft insgesamt.

Denn eins wird sehr schnell deutlich in diesem Buch: Die Probleme dieser Kriegskinder hatten im Nachkriegsdeutschland keinen Platz, die wenigsten Betroffenen konnten Den Rest des Beitrags lesen »