Knapp

Egal wo man im öffentlichen Raum unterwegs ist, irgendwo bimmelt immer ein Handy. Seit ein paar Monaten haben gefühlt neun von zehn Leuten diesen kurzen gepfiffenen Triller als Benachrichtigung für SMS/Whats App/E-Mail/Facebook, und da alle immer wie behämmert kommunizieren trillert es aus allen Richtungen. Dann sind da die mit ihrem aktuellen Lieblingslied als Klingelton. Irgendwas aus den Charts, fast immer zu laut und darum verzerrt.

Das ganze praktisch immer vor dem Hintergrund des Ohrhörergezischels von Leuten, die sich die Ohren per MP3 grillen und mich aus drei Meter Entfernung noch lauter beschallen als meine eigenen Ohrhörer, wenn ich die bis zum Anschlag aufgedreht einen halben Meter von meinen Ohren offen in der Hand halte.

Egal. Je lauter und nerviger das Gedudel der Handys, desto länger brauchen die Kommunikationshelden natürlich, bis sie Den Rest des Beitrags lesen »


Regeln

Schwimmerbecken, eine Ecke am tieferen Ende unter den Startblöcken. Eine junge Frau hält sich am Rand fest, ein kleiner Junge mit Schwimmflügeln schwimmt in einer Entfernung von vielleicht zwei Metern vor ihr herum.

Ein Bademeister kommt und weist die Dame darauf hin, dass dies ein Schwimmerbecken sei und Nichtschwimmer hier keinen Zutritt hätten, wegen der Sicherheit und so. Sie will das nicht einsehen, und daraus entspinnt sich eine Streiterei:

Mutter: Und warum soll ich jetzt hier raus?

Bademeister: Das Becken ist nur für Schwimmer gedacht. Nichtschwimmer dürfen hier nicht rein.

M (an die Allgemeinheit): Ich denke, der ist Lebensretter, und jetzt will er Den Rest des Beitrags lesen »


Hausrecht

Abends im ICE. Der Schaffner öffnet sehr schwungvoll eine Abteiltür am anderen Ende des Waggons und intoniert in freundlich-dynamischem Tonfall:

Das ist verboten, die Dame!

??

Das ist das Hausrecht, das wir als Bahn ausüben, dass wir Ihnen nicht erlauben, mit Schuhen auf die Sitzpolster…

[aus der Entfernung nicht verständliches Gemurmel]

Ja, das ist aber so.

Keine Ahnung, ob’s gewirkt hat, war aber ein bühnenreifer Auftritt.

Ich finde es völlig daneben, dass so viele Leute Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (8)

… der Debattierklub auf der Parkbank. Drei Kerle in Jeans und irgendwelchen Jacken, altersmäßig wohl irgendwo um die Dreißig, ziemlich unauffällig eigentlich. Jeder ein offenes Bier in der Hand, mehrere leere Bierflaschen unter der Bank. Sie unterhalten sich angeregt, fallen sich gegenseitig ins Wort, nicht aggressiv aber laut. Im Lauf der nächsten Runde Bier schlägt das Gespräch wahrscheinlich vollends in alkoholisierte Parallelmonologe um.

Der Lauteste – Frisur wie Bill Gates vor 25 Jahren, ziemlich groß, übergewichtig kurz vor der Fettleibigkeit – zieht vom Leder: Fette Weiber, also nur fette Weiber, wo nur fett sind, sag ich mal. [Unverständlicher Einwurf eines Flaschenbruders, macht aber nichts, es geht direkt weiter] Doch, fette Weiber sind einfach NUR FETT!!! Uärgh!


Der Ehrliche ist der Dumme

Intercity, recht voll. Die vereinzelten freien Plätze sind in der Regel ab einem der nächsten Bahnhöfe reserviert. Jemand neu eingestiegenes zieht die Platzkarte und verscheucht einen jungen Mann von dem reservierten Sitzplatz. Ein paar Reihen weiter ist noch ein freier Platz am Gang, eine Reservierung wird nicht angezeigt, und der Mann fragt die am Fenster sitzende Dame, ob da frei sei. Die Dame, muss man dazu sagen, sitzt dort allein, seit ich vor etwa einer Stunde eingestiegen bin.

Dame, mit Blick auf den leeren Platz: Nö, der ist nur grad eben Kaffee holen.

Der junge Mann geht weiter, der Platz bleibt frei.

Zwei Halte weiter, ungefähr nach einer dreiviertel Stunde,  Den Rest des Beitrags lesen »


Wieviel ist denn das ohne Mehrwertsteuer?

Fastfoodladen. Ich will mir schnell was Essbares besorgen, schaue mir die Auslage an. Ein ärgerlicher Mittfünfziger steht an der Kasse und diskutiert zunehmend ungehalten mit der Kassiererin.

Wieviel ist denn das ohne Mehrwertsteuer? Die Kassiererin schaut auf den Kassenbon, ob er zum Hieressen oder zum Mitnehmen bestellt hat, davon hängt ja der Steuersatz ab (7 oder 19 Prozent, warum auch immer das unterschieden wird), aber für ihn ist ja der Kassenpreis derselbe. In Deutschland Den Rest des Beitrags lesen »


Erwachsen?

Männer, heißt es manchmal, werden nie erwachsen, sondern bleiben innerlich ihr Leben lang Kinder. Andererseits verknöchern viele Leute, wenn sie erwachsen werden, teilweise erstaunlich früh und gründlich.

Manche, die noch als Student wach und neugierig waren, spontan und ein bisschen unkonventionell; die bei jeder Gelegenheit stundenlang über Gott und die Welt diskutiert, Nächte durchgefeiert und die Vormittage danach auf fremden Klappsofas verschlafen haben, sprechen oft schon mit Mitte dreißig fast nur noch über die Frage Wohnung oder Reihenhaus. Einen langen Urlaub oder zwei kurze. Oder über das Zweitauto. Oder über die Gestaltung des Gartens.

So Sachen. Was einen eben alles beschäftigt als Karrierestarter und Nestbauer. Partys, gemeinsame Essen oder Abende, an denen man gemütlich zusammensitzt, können dadurch sterbenslangweilig werden. Ist mir im Bekanntenkreis mehrfach begegnet, völlig unerwartet.

(Ich hätte natürlich damit rechnen müssen. Mit Leuten aus der Schule ist es ähnlich gegangen. Mehrere der wildesten Heavy-Metal-hörenden Protestkrakeeler aus meinem Abiturjahrgang haben sich, kaum Den Rest des Beitrags lesen »


Videoüberwachung

Ich laufe über den Mitarbeiterparkplatz einer großen Firma. Etwa fünfzig Meter vor mir steht mitten auf dem Parkplatz ein silbergrauer Passat mit laufendem Motor und offener Fahrertür. Direkt daneben steht einer im dunklen Anzug, sieht aus wie ein Geschäftsmann auf Reisen. Beim Näherkommen sehe ich, dass er auf den Parkplatz pinkelt, ganz offen und ungeniert.

Er hätte sich natürlich an einen der Bäume stellen können, die es da gibt. Oder er hätte an den Rand fahren können, wo es Büsche gibt. Sich so mitten in die Öffentlichkeit zu stellen ist schon komisch, zumal da immer Leute unterwegs sind und der Parkplatz videoüberwacht wird. Mir wäre unwohl bei dem Gedanken, dass die Sicherheitsleute mich beim Pinkeln filmen und das Video vielleicht in ihre Sammlung aufnehmen. Und dass jemand das vielleicht online stellt und ich auf den Bildern zu erkennen sein könnte. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass das jemand findet, der mich kennt, gering sein mag – das Risiko würde ich nicht eingehen wollen.

Aber egal, jeder muss selbst wissen, wo er wie und wobei gesehen werden will.


Handy? Immer und überall!

Bürogebäude. Typische Herrentoilette – vier Kabinen, fünf Urinale. Zwei Leute stehen an den Urinalen. Ich besetze eine Kabine.

Eine Gruppe kommt laut redend herein. Einer von ihnen spricht die beiden an den Urinalen an:

„Langes Meeting vorbereiten, was…“
„Ja, das hätten wir auch gleich in den Meeting Request aufnehmen können. Hahaha.“
„Genau, dann müssen währenddessen nicht so viele pinkeln gehen. Hahaha.“

Sie plaudern weiter über das bevorstehende Meeting. Einer der Kerle nimmt einen Anruf entgegen, während er noch am Pinkeln ist. Dann trampelt die ganze Meute wieder hinaus, vor dem Meeting noch schnell Kaffee holen. So wie sich’s anhört wäscht sich nur einer von ihnen die Hände.