Wo hochfrequent Öffentlichkeit passiert

Standarddeutsch (umgangssprachlich: Hochdeutsch) ist eine halbkünstliche Sprache. Anders als Italienisch, (Aristobulus hat recht, s.u.) Französisch oder Spanisch ist es nicht die zur Amtssprache beförderte Sprache der Hauptstadt(region), sondern eine Art zunächst für die Schriftlichkeit geschaffene Ausgleichssprache. Luthers Bibelübersetzung wird als Meilenstein in der Entstehung des Standarddeutschen angeführt, und deshalb ist es sicher kein Zufall, dass die von Luther mitgeprägte Sprache stark von ostober- und ostmitteldeutschen Elementen geprägt ist und gewisse Anlehnungen an die sächsische Kanzleisprache aufweist.

Jedenfalls gibt es keine Gegend, in der ursprünglich Hochdeutsch gesprochen wird, es ist überall mehr oder weniger fremd. An dem Ort, wo man angeblich das beste Hochdeutsch spricht (Hannover), spricht man in Wirklichkeit Dialekt, oder vielmehr spricht man das Hochdeutsche so aus, wie man vorher Niederdeutsch gesprochen hat. Und das bis ins frühe 20. Jahrhundert als bestes Hochdeutsch geltende Prager Deutsch war ebenfalls eine künstliche Ausgleichssprache, die aus politischen Gründen entstand und Verbreitung fand (näheres hier). Beide besten Hochdeutsche wurden ironischerweise von Leuten geprägt, die ursprünglich keine hochdeutschen Muttersprachler waren.

Aber egal wo es herkommt und warum es sich verbreitet hat, Hochdeutsch ist seit langem das Vehikel für Gesetze, Verordnungen und offizielle Verlautbarungen aller Art; es ist im Rundfunk, in Behörden und vielfach im Alltag gebräuchlich und wird überall im deutschsprachigen Raum (mehr oder weniger) verstanden. Es eignet sich gut zum Den Rest des Beitrags lesen »

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Lohnt sich Einweg?

Jean Paul soll mal geäußert haben: Ein Buch, das nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden,
ist auch nicht wert, dass man’s einmal liest.

Eine bedenkenswerte These, möchte man meinen. Leuchtet erstmal ein, glaubt man. Tut man ja immer, wenn jemand Gebildetes einen Kalenderspruch in die Runde wirft, da sind wir entsprechend konditioniert. Muss eigentlich was dran sein, wenn all die klugen Köpfe das so abnicken.

Aber warum eigentlich? Ich habe meterweise Bücher gelesen, wo die Lektüre Spaß gemacht hat. Bücher, die spannend waren, oft witzig, wo ich bestens unterhalten war und es nicht bereue, sie gelesen zu haben, wo ich die darauf verwendete Zeit gut angelegt finde. Bücher allerdings, von denen ich viele so bald nicht wieder lesen werde, wenn überhaupt je.

Bücher (und Filme), die wesentlich auf dem Spiel mit dem Unerwarteten beruhen, die mit überraschenden Wendungen und Doppeldeutigkeiten arbeiten, sind typische Kandidaten für nur einmaliges Lesen. Die funktionieren nämlich oft nicht mehr so gut, wenn man die Pointe schon kennt. Deshalb müssen sie aber nicht schlecht sein.

Natürlich könnte man Den Rest des Beitrags lesen »