Designdilemmata

Dass Design keine triviale Sache ist und viel Gelegenheit für Pannen birgt, ist hier schon angeklungen. Man hat wie bei vielen Optimierungsaufgaben widerstrebende und sich teilweise gegenseitig ausschließende Ziele, die man in einem für möglichst viele Benutzer akzeptablen Kompromiss zusammenführen muss – gute Benutzbarkeit bei gleichzeitig größtmöglicher Sicherheit oder Übersichtlichkeit bei gleichzeitig ausreichender Vielseitigkeit, um nur zwei Spannungsfelder zu nennen.

Ein schönes Beispiel sind die bei der Bahn vielfach als Nahverkehrszüge genutzten Baureihen 425 und 426. Jeweils am Ende eines Zugteils Den Rest des Beitrags lesen »

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Verspiegelt

Schicke Regionalbahn mit schicker Innenausstattung. Die Details wirken durchaus so, wie das auf Architekturzeichnungen immer aussieht: Hell, luftig, großzügig dimensioniert, elegant. Als ganzes betrachtet ist der Innenraum aber ziemlich zerklüftet und zusammengewürfelt, ein bisschen wie eine große Abstellkammer, die mit ein paar Sitzmöbeln und anderem Inventar vollgestellt wurde.

In der Mitte des Wagens ist ein großer ebenerdiger Raum für Fahrräder und großes Gepäck, mit Sitzen entlang der Fenster, durch eine riesige Toilette ungünstig unterteilt. An den Enden des Wagens, über den Radsätzen, sind die gewohnten Vierersitzgruppen, allerdings nur über mehrere Stufen zu erreichen. Die Sitze sind im Prinzip die gleichen, die man aus anderen Regionalzügen kennt. Insgesamt finde ich die Züge eher ungemütlich. Aber immerhin funktionieren sie, und ich muss in so einem Wagen ja nicht Den Rest des Beitrags lesen »


Gesessen

Mal wieder mit Rückenschmerzen, verkrampftem Nacken und eingeschlafenem Po aus einer knapp anderthalbstündigen Veranstaltung gekommen. Das, was in dem Raum als Stühle angeboten wird, ist eine Unsäglichkeit. Optisch so naja, schon irgenwie schick, Design und so, mit (wie es beim Hersteller stilvoll und durchaus zutreffend heißt) formaler Zurückhaltung und konstruktiver Klarheit. Stahl und Plastik, farblich auf den Teppichboden abgestimmt.

Aber ergonomisch? Eine Katastrophe. Die leicht nach vorn abfallende Sitzfläche macht aufrechtes Sitzen auf Dauer unangenehm. Nach ein paar Minuten lehnt man sich notgedrungen an die zu niedrige und zu weiche Rückenlehne und (ich spreche da jetzt für Leute, die Den Rest des Beitrags lesen »


Montiert

montiert

So so, assembled in Taiwan also, montiert in Taiwan. Ein Radiergummi. Montiert. Ob ich davon mal eine Explosionszeichnung und die Stückliste sehen könnte?

Ansonsten: Den Rest des Beitrags lesen »


Der richtige Ort

Neulich in der Bahn. Genauer gesagt, in der Toilette eines handelsüblichen IC. An der Wand ein Spiegel, darunter Seifenspender, Handtuchspender, Knopf zum Starten des Wassers, Wasserrohr. Darunter das Waschbecken. In der Nähe der Bedienelemente jeweils ein Aufkleber mit einem erklärenden Piktogramm. Soweit so gut, alles wie gewohnt. Tausendmal gesehen:

zugtoilette

Wenn man aber nicht mit den Augen sehen kann? Für diesen Fall hat die Bahn die Piktogramme sinnvollerweise um Braillebeschriftungen ergänzt:

Da steht dann wie zu erwarten Seife, Kein Trinkwasser und Handtücher drauf, sodass auch Blinde wissen, was es da gibt. Der Knopf zum Einschalten des Wassers trägt zwar ein Piktogramm, aber kurioserweise keine Braille-Beschriftung. Dass man dort das Wasser einschaltet, muss man raten, wenn man nicht visuell sieht. Aber gut, was soll es da schon geben als einen Wassereinschaltknopf?

Was mich an den Beschriftungen stutzig macht Den Rest des Beitrags lesen »


Geschmacklosigkeiten mit Stil

Es gibt viel zu viel langweiliges, spießiges Zubehör für den Haushalt. Das fängt bei den Möbeln an. Die können pseudovolkstümlich in Eiche-rustikal-Optik daherkommen, nichtmehrganzdesignermodern in Ikeakiefer oder pseudohypermodern in Stahl und Glas. Passend dazu hat man dann retro-kitschig oder minimalistisch-postmodern gestaltete Elektrogeräte wie Waffeleisen, Toaster, Mixer usw.

Dazu von der Oma geerbte Räuchermännchen in Form eines lodentragenden Oberförsters. Oder altmodisch-dekorativ als zähnebleckende Soldaten getarnte Nussknacker, die man dann sehr hübsch im Fenster stehen haben kann. Alternativ gibt es Nussknacker, die aussehen wie Zangen oder wie Geräte, mit denen man zu festsitzende Flaschendeckel aufkriegt. Sehr funktional natürlich, aber auch irgendwie uncool.

Meine Frau schlägt jetzt vor, Nussknacker in Form von Totenschädeln zu bauen. Aufklappen, Nuss zwischen die Zähne, Den Rest des Beitrags lesen »


Sonnenschutz mit Stil

Es gibt ja diese albernen Stoffhüte, die man so gegen die Sonne trägt, am Strand, beim Angeln, beim Wandern oder sonst im Rahmen touristischer Betätigung. Die Dinger sind rund, d.h. sehen von vorne, seitwärts und hinten ungefähr gleich aus. Wolfgang Stumph hat als Vater Udo Struutz in Go Trabi Go so einen Hut getragen.

Oft haben diese Dinger eine kleine Tasche mit Reißverschluss, wo man Kleingeld oder Schlüssel angeblich sicher aufbewahren kann (den Denkfehler bemerkt man, wenn einem der Wind den Deckel vom Kopf weht, nach Murphys Gesetz natürlich an einem Aussichtspunkt in den Bergen, am oberen Rand einer steilen Wand, oder auf einem Ausflugsdampfer). Sehr häufig findet man diese Sorte Hut in Andenkenläden und an Ausflugsorten, dann gern mit den beliebten, einfach lokalisierbaren Aufdrucken wie Ortsname oder Ich Herz Ortsname, mit Fotos der Sehenswürdigkeiten am Ort, oder auch mit ortsunabhängigen launigen Sprüchen zum Wetter oder zur Darmtätigkeit usw.

Etwas erstaunlich finde ich, dass renommierte Hutmarken sowas oft im Programm haben, da kann man locker Den Rest des Beitrags lesen »