Integration

Neulich in einem großen Elektronik-Markt. Zwei Kassiererinnen unterhalten sich auf Russisch, während sie ziemlich zügig die Kundenschlange abarbeiten. Sie sprechen über irgendwelche Standardsituationen in ihrem Team, wo es immer wieder Reibereien zu geben scheint.

Das Gespräch plätschert eine Weile vor sich hin: Dann sagt der x das, und der y hält dagegen, und dann meint der x wieder usw. Dann fällt der folgende Satz: А Марина всегда ауфрег…уется… (A Marína wsegdá aufrég…uetsja… – Marina regt sich immer auf…)

Wir haben also eine Konversation in russischer Sprache, in der ein deutsches Verb in russischer Flexion vorkommt. Sogar Den Rest des Beitrags lesen »

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Degeneriert

Neulich habe ich in so einem völkisch orientierten, fleißig „überfremdungskritisch“ trompetenden Hetzblog gelesen, Englisch sei nichts weiter als ein degenerierter deutsch/germanischer Dialekt. Die englische Kultur sei nichts weiter als eine auf einer [sic!] Abart germanischer Sprachen bezogene Randerscheinung der Germanen, und – natürlich – ohne den deutschen Vorfahren gebe [sic!] es die “englische” Kultur nicht. Englisch sei die Weltsprache der Degenerierten.

Kann man meinen, es wird davon aber nicht richtiger. Und wenn ich mir anschaue, mit was für Parolen derzeit in Deutschland spazierengegangen und marschiert wird, frage ich mich, wen man hier für degeneriert halten soll.

Erstmal zur Kultur: Mir liegt es fern, die „englische Kultur“ als besonders hochstehend oder nachahmenswert hinstellen zu wollen. Sie ist im Wesentlichen ein Fork der gemeinsamen, eigentlich noch nicht wirklich deutschen Vorgängerkultur. Seit der Übersiedlung der Angeln und Sachsen auf die britischen Inseln ist sie natürlich durch romanische, namentlich französische Einflüsse „verdorben“ worden. Andererseits müsste der langjährige dänische (also germanische!) Einfluss sie im Gegenzug veredelt haben, da könnte der Saldo am Ende einigermaßen ausgeglichen sein. So oder so Den Rest des Beitrags lesen »


-ich

Deutsch ist eine Sprache mit vielen regionalen Varietäten. Das ist vielen Leuten gar nicht so bewusst aber es gibt etwa ein Schweizer Hochdeutsch, ein im schwäbisch-slemannischen Raum gesprochendes südliches Hochdeutsch, ein bayerisches Hochdeutsch. Und eben ein norddeutsches Hochdeutsch.

Dass in der Gegend um Hannover das beste Hochdeutsch gesprochen werde, ist eine Legende. In Wirklichkeit wurde dort vor ein paar Hundert Jahren das Niederdeutsche in relativ kurzer Zeit durch das Hochdeutsche ersetzt. Bei der Aussprache dieser „Fremdsprache“ orientierte man sich zunächst stark an der Schriftsprache, aber die alten niederdeutschen Mundarten sind dadurch nicht spurlos untergegangen. Sie bilden das Substrat, auf dem die Standardsprache liegt und beeinflussen die Aussprache teilweise erheblich. Deshalb wird dort eben nicht großflächig reines Schriftdeutsch gesprochen, sondern die alten Mundarten lassen sich zumindest in Aussprachevarianten oft noch erkennen.

Außerdem kann man leicht Den Rest des Beitrags lesen »


Einsilbigkeiten

Die scherzhafte Frage nach der norddeutschen Stadt mit einer Silbe ist nicht mehr ganz neu. Dass die Antwort Bremen lautet (Brehm) ist sicher den meisten bekannt. Auch die zweisilbige norddeutsche Stadt kennt man: Kiel (Kí-jel). Dass Bremen manchmal doch zweisilbig ausgesprochen wird (Bré-jem) lassen wir hier mal beiseite.

Es gibt aber noch mehr einsilbige norddeutsche Städte, etwa Den Rest des Beitrags lesen »


Muttertag der deutschen Sprache

Gestern war der vom Verein Deutsche Sprache (VDS) ausgerufene Tag der deutschen Sprache. Das ist eine der Maßnahmen, mit denen der VDS den Untergang der doch arg bedrängten deutschen Sprache in letzter Minute abzuwenden versucht.

Anatol Stefanowitsch hat im Sprachlog dazu eine Art Laudatio geschrieben und einen witzigen Vorschlag dafür vorgelegt, wie dieser Tag würdig begangen werden könnte: ungefähr wie der Muttertag. Ein Tag mit Frühstück im Bett und ohne Hausarbeit tut der deutschen Sprache sicher genauso gut wie der sagenumwobenen Deutschen Mutter™ (das ist die, deren Daseinszweck und höchstes Glück die restlose Selbstaufopferung für ihre Familie ist). Dann könnte die geschundene Sprache Goethes, Luthers und von der Vogelweides wenigstens mal Den Rest des Beitrags lesen »