Strombelebung

Über belebtes Wasser hatte ich vor einer Weile mal geschrieben. Unser Leitungswasser ist wegen der langen Reise durch enge Metallrohre mausetot und sprituell welk, wenn wir es aus dem Hahn zapfen. Das Wasser hat keine Kraft und ist lange nicht so lebensspendend wie Naturwasser direkt aus dem Bach. Zum Glück gibt es da so kleine sauteure Kästen, die man sich an die Wasserleitung schrauben kann, die dieses matte Wasser zu unser aller Nutzen schön wiederbeleben.

Jetzt ist mir im Rahmen einer Twitter-Konversation der Gedanke gekommen, ob das mit Strom nicht ähnlich sein müsste und ob man nicht auch Strom beleben könnte. Der hätte das nämlich noch viel nötiger, da er von vornherein schon viel weiter von der Natur entfernt ist als Wasser.

Der über die Steckdose zur Verfügung gestellte Strom wird ja auf verschiedene Art und Weise hergestellt, traditionell in Kohle- und Kernkraftwerken. Die ersteren verbrennen tote Bäume und machen Strom draus, die letzteren metzeln Atome – die Urbestandteile allen Lebens – grausam in Stücke, setzen sie zu ganz anderen Atomen wieder zusammen und verarbeiten die übrigbehaltenen Trümmer zu Strom. Bei beiden Kraftwerksarten Den Rest des Beitrags lesen »


Komplementärfliegerei

Heute mal ganz was anderes: Teppichfliegerei. Weit verbreitet, bei den einen beliebt, bei den anderen verhasst. Gelobt und kritisiert, vehement verteidigt und aggressiv angegangen. Hier nun ein paar Zeilen über eine faszinierende Methode, die seit tausendundeiner Nacht polarisiert wie kaum eine andere.

Seit Prinz Husain das Teppichfliegen entdeckte (Quelle), hat diese erstaunliche Technologie weite Kreise gezogen und eine große Anhängerschaft gefunden. Unzählige Berufs- und Hobbypiloten, Reiseveranstalter, Logistiker und Passagiere nutzen Fliegende Teppiche.

Dabei gibt es bis heute keine Erklärung der Funktionsweise Fliegender Teppiche. Genau genommen gibt es auch keine Belege dafür, dass sie Den Rest des Beitrags lesen »


Des Kaisers neue Kleider

In Diskussionen um die Wirksamkeit Homöopathie (z.B. hier oder hier) wird in letzter Zeit häufig das folgende Argument vorgebracht: Die Behauptung der Skeptiker, homöopathische Mittel enthielten keine Wirkstoffe, sei unwahr, weil in niedrigen Potenzen sehr wohl noch Ursubstanz enthalten sei.

Zunächst einmal stimmt das natürlich – manche homöopathischen Mittel enthalten tatsächlich messbare Mengen der zugrundeliegenden Substanz. Bei der Herstellung homöopathischer Mittel wird ja eine Ursubstanz stufenweise nach einem detailliert vorgeschriebenen Ritual verdünnt, typischerweise in Schritten von jeweils 1:10 oder 1:100, und selbstverständlich ist während der ersten Verdünnungsschritte noch Ursubstanz vorhanden und kann u.U. pharmakologisch wirken. Soweit so simpel, und das wird auch kaum je ein Skeptiker in Abrede stellen.

Am Ende ist es aber doch nicht so einfach, und das kommt so: Die große Idee Hahnemanns war es, bei der Herstellung seiner Arzneien die giftigen Ursubstanzen hinauszuverdünnen und dabei durch Verschütteln deren geistartige arzneiliche Kraft zu „dynamisieren“, also zu verstärken und von der Ursubstanz zu trennen. Er wollte die Ursubstanzen und das ihnen normalerweise anhaftende Schadpotenzial loswerden und Den Rest des Beitrags lesen »


Verdünntheit

Seit den Tagen Samuel Hahnemanns fragen sich die Leute, wie die sogenannte Potenzierung homöopathischer Mittel funktionieren könnte. Bisher gibt es keinen plausiblen Erklärungsansatz. Es ist ja bekannt, dass nach einer bestimmten Anzahl von Verdünnungsschritten nichts mehr von der Ursubstanz übrig ist. Ab diesem Punkt ist das ganze nur Wasser mit allen möglichen immer vorhandenen Verunreinigungen. Wasser, das wieder und wieder mit Wasser verdünnt und dann geschüttelt wird. Seriell verwässertes Wasser sozusagen.

Es wird immer wieder gerätselt, wie das denn funktionieren soll. Gelegentlich wird da über ein nicht näher beschriebenes Wassergedächtnis spekuliert. Quantenmechanische Effekte werden gern bemüht, auch Nanopartikel sind ins Spiel gebracht worden. Das sind aber alles Irrwege – flüssiges Wasser hat zwar ein Gedächtnis, aber das hält nur 50 Femtosekunden. Das ist die Zeitspanne, in der Licht 0,015 mm zurücklegt, also sehr, sehr kurz. Als Wissensspeicher ist das Wassergedächtnis also denkbar ungeeignet. Die bisher bekannten Quanteneffekte sind sämtlich in der Computertechnik gebunden, da sind derzeit keine frei, die man in der Homöopathie einsetzen könnte. Nanopartikel gibt es auch keine in den homöopathischen Verschüttelungen.

Nein, in Wirklichkeit ist es ganz anders. Die Wirkung homöopathischer Zubereitungen beruht auf einem soliden Wirkstoff. Allerdings ist nicht die Ursubstanz dieser Wirkstoff. Der Wirkstoff ist vielmehr die Verdünntheit. Verdünntheit ist eine bisher leider noch nicht wissenschaftlich nachgewiesene Eigenschaft von Materie (in der Homöopathie zunächst meist Ethanol, mit den Verdünnungsschritten zunehmend Wasser, und später kann sie dann auch Den Rest des Beitrags lesen »


Essigwolkenzauber

Könnte man sinnvoll testen, ob verdunstender Essig eine Auswirkung auf die Wolken hat? Mal ganz abgesehen davon, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass da was dran sein könnte.

Man könnte natürlich eine kleine Studie durchführen, in der man unter standardisierten Bedingungen Essig vor der Tür verdunsten lässt und beobachtet, was daraufhin mit den Wolken oben drüber passiert. Wir suchen uns passende kleine Teller. Wie groß die sein sollen, wissen wir nicht, und unser Essigfreund verrät es auch nicht. Egal, nehmen wir irgendwas, Untertassen. Wie viel Essig da rein soll, wissen wir auch nicht und unser Essigverdunster schweigt dazu ebenfalls. Nehmen wir ein Schapsglas als Portion, 20 cl. Wir kaufen eine ausreichende Menge irgendwelchen Essig.

Dann zu den Verdunstereien. Wir fangen mal mit einer Laufzeit von 30 Tagen an und machen vier Aufgüsse pro Tag: um 9, um 12, um 15 und um 18 Uhr, um tageszeitliche Verzerrungen auszuschließen. (Wer ganz eifrig ist, kann auch noch Den Rest des Beitrags lesen »


Freunde des Essigs

Neulich gesehen – ein kleiner Zettel, auf normalem Papier ausgedruckt, entlang eines gedruckten Rahmens von Hand ausgeschnitten und mit Tesafilm an einem Laternenpfahl befestigt:

Hallo mein Freund,

stell doch mal einen kleinen Teller
Essig vor Deine Haustür
(Balkon / Garten),
lass Ihn verdunsten und wundere
Dich, was nach ca. einer Stunde
mit den Wolken über deinen Kopf
passiert.

Gruß ein Freund des Sonnenlichts

(Typographie und Rechtschreibung habe ich unverändert aus dem Original übernommen.)

Bevor ich überhaupt anfange zu überlegen, ob ich Essig holen soll, frage ich mich, ab wann die Stunde zählt – ab Aufstellen des Essignapfs, oder ab dem Zeitpunkt wo der Essig vollständig verdunstet ist. Der Text gibt das nicht recht her. Vermutlich ersteres, weil Essig ja nicht so schnell verdunstet wie etwa Lösungsmittel oder reiner Alkohol. Gut, bei der Hitzewelle diesen Sommer vielleicht schon, aber normalerweise würde es schon eine ganze Weile dauern, bis das Zeug sich verflüchtigt hat, je nach Menge vermutlich ein paar Stunden, und solange geht doch niemand Den Rest des Beitrags lesen »


Backen nach Emoto

Anlässlich eines Geburtstags habe ich neulich ein Rezept für Biskuit-Tortenboden gesucht und bin auf Chefkoch fündig geworden: Grundrezept Biskuitboden.

Das Rezept ist soweit gut geschrieben. Die Autorin führt Schritt für Schritt durch das Programm, ohne Lücken, Sprünge oder Zeitschleifen. Letztere sind ärgerlich, wenn man etwa eine aufwändig vorbereitete Masse schnell in etwas einrühren muss, das man vorher hätte fertigmachen müssen, das aber erst an dieser Stelle im Rezept erwähnt wird.

(Die x-Masse JETZT ZÜGIG in die vorher angerührte und in der Backform mindestens eine Stunde kaltgestellte y-Masse rühren, dann SOFORT Den Rest des Beitrags lesen »


Skizze einer Neuen Medizin™

Jetzt ist der March for Science vorbei, da können wir diesen lästigen Wissenschaftskram beiseitelegen und wieder zum Alltag übergehen. Anders gesagt: Die Diät ist vorbei, räumt den Heimtrainer schnell wieder in den Keller, packt Schokolade, Chips und Bier aus!

Also, es gibt so viele Heilmethoden, die als Komplementärmedizin oder Alternative Medizin laufen, und so viele davon sind haarsträubend absurd. Und die meisten dieser Methoden passen nicht mit den meisten anderen Methoden zusammen oder schließen sich sogar gegenseitig aus. Will heißen: Wenn Methode A funktioniert und die vorgebrachte theoretische Grundannahme stimmt, kann Methode B nicht auch funktionieren und korrekt sein. Das gilt etwa für Bachblüten, Schüßlersalze und Homöopathie.

Trotzdem gibt es haufenweise Leute, die sich nicht auf eine der genannten Methoden beschränken, sondern mehrere praktizieren oder wenigstens als sinnvolle Behandlungsmethoden akzeptieren. Die drei oben genannten Methoden etwa gehören zum Standardrepertoire der Heilpraktikerei, viele Heilpraktikerschulen bieten alle drei an. Apotheken verkaufen nebeneinanderher homöopathische Zubereitungen, Schüßler-Salze, Bachblütentropfen, spagyrischen und anderen Firlefanz. Das ist, als ob man gleichzeitig behauptet, die Erde sei eine Scheibe, sie sei eine Kugel, die um die Sonne rotiert und sie sei ein Hohlkörper, auf dessen Innenseite wir herumlaufen und uns Sonne, Mond und Sterne zusammenhalluzinieren. Mit solchen Phantastereien ist nicht zu spaßen.

Da diese Widersprüchlichkeiten aber im echten Leben offenbar nicht weiter stören und man sich augenscheinlich bestens einreden kann, dass alle diese „Medizinen“ gleichzeitig funktionieren und korrekt sind, kann eine weitere solche „Medizin“ nicht schaden. Ich will auch sowas. Vielleicht werde ich Den Rest des Beitrags lesen »


Geschüttelt, nicht gerührt

Homöopathiejünger behaupten gern, dass die Homöopathie – natürlich – wirkt, dass sie – anders als Medikamente – keine Nebenwirkungen hat und am Ende den Patienten Schmerzen, Zeit und Geld spart. Als Beleg führen manche dann die im Mai 2017 in der Schweiz beschlossene Aufnahme homöopathischer Behandlungen in die Grundversicherung an.

Rechtliche Voraussetzung für diese Aufnahme ist anscheinend der Nachweis, dass die fragliche Methode wirksam, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. Sie muss also für spezifische Indikationen eine gewisse Wirksamkeit nachweisen, sie sollte das angestrebte Ziel mit möglichst wenig Nebenwirkungen erreichen und sie muss, platt gesagt, ein einigermaßen vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten.

Wenn in der Schweiz jetzt Homöopathie von den Kassen bezahlt wird, müssen diese Voraussetzungen ja Den Rest des Beitrags lesen »


X

Wo ich schon beim Buchstabieren bin: Eigentlich hätte dort ein U stehen sollen…

Passt irgendwie zur Globukalypse-Diskussion: Die Homöopathiegemeinde verkauft Esoterik als Medizin; Zucker und geschütteltes Wasser als Medikamente; Plazebo als spezifische Wirkung. Statt wissenschaftlich zu forschen Den Rest des Beitrags lesen »