Essigwolkenzauber

Könnte man sinnvoll testen, ob verdunstender Essig eine Auswirkung auf die Wolken hat? Mal ganz abgesehen davon, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass da was dran sein könnte.

Man könnte natürlich eine kleine Studie durchführen, in der man unter standardisierten Bedingungen Essig vor der Tür verdunsten lässt und beobachtet, was daraufhin mit den Wolken oben drüber passiert. Wir suchen uns passende kleine Teller. Wie groß die sein sollen, wissen wir nicht, und unser Essigfreund verrät es auch nicht. Egal, nehmen wir irgendwas, Untertassen. Wie viel Essig da rein soll, wissen wir auch nicht und unser Essigverdunster schweigt dazu ebenfalls. Nehmen wir ein Schapsglas als Portion, 20 cl. Wir kaufen eine ausreichende Menge irgendwelchen Essig.

Dann zu den Verdunstereien. Wir fangen mal mit einer Laufzeit von 30 Tagen an und machen vier Aufgüsse pro Tag: um 9, um 12, um 15 und um 18 Uhr, um tageszeitliche Verzerrungen auszuschließen. (Wer ganz eifrig ist, kann auch noch Den Rest des Beitrags lesen »

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Freunde des Essigs

Neulich gesehen – ein kleiner Zettel, auf normalem Papier ausgedruckt, entlang eines gedruckten Rahmens von Hand ausgeschnitten und mit Tesafilm an einem Laternenpfahl befestigt:

Hallo mein Freund,

stell doch mal einen kleinen Teller
Essig vor Deine Haustür
(Balkon / Garten),
lass Ihn verdunsten und wundere
Dich, was nach ca. einer Stunde
mit den Wolken über deinen Kopf
passiert.

Gruß ein Freund des Sonnenlichts

(Typographie und Rechtschreibung habe ich unverändert aus dem Original übernommen.)

Bevor ich überhaupt anfange zu überlegen, ob ich Essig holen soll, frage ich mich, ab wann die Stunde zählt – ab Aufstellen des Essignapfs, oder ab dem Zeitpunkt wo der Essig vollständig verdunstet ist. Der Text gibt das nicht recht her. Vermutlich ersteres, weil Essig ja nicht so schnell verdunstet wie etwa Lösungsmittel oder reiner Alkohol. Gut, bei der Hitzewelle diesen Sommer vielleicht schon, aber normalerweise würde es schon eine ganze Weile dauern, bis das Zeug sich verflüchtigt hat, je nach Menge vermutlich ein paar Stunden, und solange geht doch niemand Den Rest des Beitrags lesen »


Backen nach Emoto

Anlässlich eines Geburtstags habe ich neulich ein Rezept für Biskuit-Tortenboden gesucht und bin auf Chefkoch fündig geworden: Grundrezept Biskuitboden.

Das Rezept ist soweit gut geschrieben. Die Autorin führt Schritt für Schritt durch das Programm, ohne Lücken, Sprünge oder Zeitschleifen. Letztere sind ärgerlich, wenn man etwa eine aufwändig vorbereitete Masse schnell in etwas einrühren muss, das man vorher hätte fertigmachen müssen, das aber erst an dieser Stelle im Rezept erwähnt wird.

(Die x-Masse JETZT ZÜGIG in die vorher angerührte und in der Backform mindestens eine Stunde kaltgestellte y-Masse rühren, dann SOFORT Den Rest des Beitrags lesen »


Skizze einer Neuen Medizin™

Jetzt ist der March for Science vorbei, da können wir diesen lästigen Wissenschaftskram beiseitelegen und wieder zum Alltag übergehen. Anders gesagt: Die Diät ist vorbei, räumt den Heimtrainer schnell wieder in den Keller, packt Schokolade, Chips und Bier aus!

Also, es gibt so viele Heilmethoden, die als Komplementärmedizin oder Alternative Medizin laufen, und so viele davon sind haarsträubend absurd. Und die meisten dieser Methoden passen nicht mit den meisten anderen Methoden zusammen oder schließen sich sogar gegenseitig aus. Will heißen: Wenn Methode A funktioniert und die vorgebrachte theoretische Grundannahme stimmt, kann Methode B nicht auch funktionieren und korrekt sein. Das gilt etwa für Bachblüten, Schüßlersalze und Homöopathie.

Trotzdem gibt es haufenweise Leute, die sich nicht auf eine der genannten Methoden beschränken, sondern mehrere praktizieren oder wenigstens als sinnvolle Behandlungsmethoden akzeptieren. Die drei oben genannten Methoden etwa gehören zum Standardrepertoire der Heilpraktikerei, viele Heilpraktikerschulen bieten alle drei an. Apotheken verkaufen nebeneinanderher homöopathische Zubereitungen, Schüßler-Salze, Bachblütentropfen, spagyrischen und anderen Firlefanz. Das ist, als ob man gleichzeitig behauptet, die Erde sei eine Scheibe, sie sei eine Kugel, die um die Sonne rotiert und sie sei ein Hohlkörper, auf dessen Innenseite wir herumlaufen und uns Sonne, Mond und Sterne zusammenhalluzinieren. Mit solchen Phantastereien ist nicht zu spaßen.

Da diese Widersprüchlichkeiten aber im echten Leben offenbar nicht weiter stören und man sich augenscheinlich bestens einreden kann, dass alle diese „Medizinen“ gleichzeitig funktionieren und korrekt sind, kann eine weitere solche „Medizin“ nicht schaden. Ich will auch sowas. Vielleicht werde ich Den Rest des Beitrags lesen »


Geschüttelt, nicht gerührt

Homöopathiejünger behaupten gern, dass die Homöopathie – natürlich – wirkt, dass sie – anders als Medikamente – keine Nebenwirkungen hat und am Ende den Patienten Schmerzen, Zeit und Geld spart. Als Beleg führen manche dann die im Mai 2017 in der Schweiz beschlossene Aufnahme homöopathischer Behandlungen in die Grundversicherung an.

Rechtliche Voraussetzung für diese Aufnahme ist anscheinend der Nachweis, dass die fragliche Methode wirksam, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. Sie muss also für spezifische Indikationen eine gewisse Wirksamkeit nachweisen, sie sollte das angestrebte Ziel mit möglichst wenig Nebenwirkungen erreichen und sie muss, platt gesagt, ein einigermaßen vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten.

Wenn in der Schweiz jetzt Homöopathie von den Kassen bezahlt wird, müssen diese Voraussetzungen ja Den Rest des Beitrags lesen »


X

Wo ich schon beim Buchstabieren bin: Eigentlich hätte dort ein U stehen sollen…

Passt irgendwie zur Globukalypse-Diskussion: Die Homöopathiegemeinde verkauft Esoterik als Medizin, Zucker und geschütteltes Wasser als Medikamente, Plazebo als spezifische Wirkung. Statt wissenschaftlich zu forschen Den Rest des Beitrags lesen »


Fantastisch vermesssen

Vor einiger Zeit hatte ich über belebtes Wasser geschrieben. Wunderbarer Stoff, ganz anders als das schein- bis mausetote Industriewasser aus der Leitung! Jetzt habe ich gelesen, dass Wasser nicht nur von Wasserleitungen totgemacht wird, sondern dass es auch zu Schaden kommt, wenn man es durch runde Öffnungen schüttet. Sobald Wasser eine runde Öffnung passiert, fallen die Bovis-Werte schlagartig ins Bodenlose. Das liegt anscheinend daran, dass der Kreis ein ganz fieses Ding ist und für alles, was er berührt bzw. umgibt, die Bovis-Werte auf Null setzt.

(Der Bovis-Wert ist eine radiästhetische Fantasiegröße, die folgendermaßen, ahem, gemessen wird: Der Radiästhet bringt eine gedruckte Skala in die Nähe des zu messenden Gegenstandes und nennt intuitiv eine der aufgedruckten Zahlen. Fertig. Oder jemand anderes liest die aufgedruckten Werte vom größten beginnend laut vor, bis der Radiästhet einen Wert per Zuruf bestätigt. Doppelfertig. Wer will kann sich aber auch eigene, ahem, Messmethoden und Accessoires ausdenken, „programmierte Karten“ zum Ziehen etwa, die sind alle gleich gültig, die ermittelten Werte stimmen auf jeden Fall! Endfertig.)

Aber zurück zum Kreis. Die Entdeckung mit der schlimmen Wirkung der Kreisform soll von einem Neonazi stammen, der in Haft anscheinend viel Zeit zum Nachdenken übrig hatte. Entsprechend tiefgründig sind die Erkenntnisse, die man sich in einem dreistündigen Video vortragen lassen kann. Egal, Den Rest des Beitrags lesen »


Verbrennungsmotoren

Neulich hat wieder wer einen Verbrennungsmotor erfunden (oder gebaut oder ausprobiert, oder von einem gehört oder gelesen, der einen erfunden, gebaut oder ausprobiert hat), der statt mit Benzin o.ä. mit Wasser läuft. Benzin war gestern war der Bericht überschrieben, glaube ich. Der Motor soll in ein Moped eingebaut gewesen sein, das dann mit einem Liter Wasser fünfhundert Kilometer gefahren sein soll. Es war jemand dabei, es stimmt also!

Das ist nun beileibe nicht der erste Wasserverbrennungsmotor auf der Welt. Es kommen ja ständig irgendwelche Tüftler mit solchen Geräten an, und jedesmal wird die Erfindung bei den Freie-Energie-Jüngern, den Ufo-Gläubigen, generell esoterisch-verschwörungstheoretisch Geneigten groß gefeiert. Die Berichte machen dann auf den einschlägigen Blogs die Runde (der oben erwähnte übrigens auch) und alle freuen sich, bald nie wieder Geld an der Tankstelle lassen zu müssen.

Eigentlich müsste die Welt Den Rest des Beitrags lesen »


Aluhut

Verschwörungstheoretikern wird gelegentlich nachgesagt, dass sie (meistens wohl nur im übertragenen Sinn) Aluhüte tragen, um sich vor all dem Unheil zu schützen, das beispielsweise die insgeheim herrschenden Echsenwesen auf telepathischem Weg böswillig über die Menschheit bringen. Aluhüte dienen außerdem auch der Abwehr von allerlei Strahlen (HAARP!), Chemtrails, Impfungen, der Neuen Weltordnung und was weiß ich noch.

In Wirklichkeit ist die Schutzwirkung des gemeinen Aluhuts natürlich ein Hirngespinst, Ausgeburt esoterischer Verpeiltheit, schon weil all diese Übel ja auch von den Seiten oder von unten kommen können und es deshalb keinen Grund gibt, weshalb sie das durch die Alubedeckung vermeintlich geschützte Gehirn nicht trotzdem erreichen können, nämlich am Rand der Mütze vorbei. Alles Blödsinn also.

Jetzt ist mir aber aufgegangen, dass die Aluhutträger vielleicht doch recht haben. Den Rest des Beitrags lesen »


Lizenz zum Gelddrucken

Wenn sich jemand irgendwo kritisch über die Homöopathie oder eine ihrer Spielarten äußert, kommt fast immer jemand und behauptet, die Globuli würden aber ganz hervorragend wirken. Oft wird dann von Heilungen im Bekanntenkreis berichtet, oft bei hartnäckigen Krankheiten wie Krebs, an der die „Schulmedizin“ sich im konkreten Fall die Zähne ausgebissen habe und die der Homöopath ratzfatz habe wegheilen können. (Darüber, dass gerade diese spektakulären Krebsheilungen nie in den Zeitungen auftauchen und so gar kein Aufsehen in der Öffentlichkeit erregen, scheint sich bei diesen Leuten niemand zu wundern.)

Immer wieder kommt in diesen Diskussionen auch der Vorwurf, die böse Pharma-Industrie vertreibe aus Geldgier vielfach wirkungslose, schädliche, gefährliche und überteuerte Medikamente und Impfstoffe, um die Menschen krankzumachen oder ihre Gesundung zu verhindern oder wenigstens hinauszuzögern. Die „Schulmediziner“ steckten mit ihnen unter einer Decke, schwatzten ihren Patienten (natürlich wider besseres Wissen) Chemiehämmer auf, wofür Bad Pharma ihnen im Gegenzug ein hübsches Stück von dem fetten Geldkuchen zuschustere. Besonders die flächendeckenden Impfungen seien eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme dieser Seilschaften: nutzlos, gesundheitsschädigend, teuer, zynisch.

Über dieses „Argument“ ärgere ich mich jedesmal wieder. Nicht, weil ich von der Pharma-Industrie bezahlt werde (werde ich nicht, wurde ich nie) oder weil ich „die Pharma-Industrie“ pauschal für Engel auf Erden halte, die Den Rest des Beitrags lesen »