Adelige Blume

Das Gespräch beim Abendessen dreht sich um Blauschimmelkäse. Die Kinder finden ihn eklig, nicht weil er schlecht schmeckt (soweit kommen sie gar nicht erst), sondern weil er eklig aussieht und sehr gewöhnungsbedürftig riecht. Dabei haben wir mit einem Stück Bergader Edelpilz ein von Aussehen und Geruch doch recht harmloses Exemplar auf dem Tisch, einen Blauschimmel für Einsteiger sozusagen. Da gäbe es ja noch ganz andere Blauschimmelkäse…

Aber egal, das Zeug sieht schon etwas haarsträubend aus, vor allem wenn das Stichwort Schimmel den Inhalt eines letztens bei Ferienanfang im Schulranzen vergessenen Pausenbrots nach zweiwöchiger Reifezeit in Erinnerung ruft oder die Zombiebrote im Brotkasten nach dem Urlaub. Meine Älteste hätte lieber eine schimmelfreie Bezeichnung für diese Art Käse – man müsse ja nicht schon Den Rest des Beitrags lesen »

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Der Berg ruft!

Das seit althochdeutscher Zeit praktisch unveränderte deutsche Wort Berg wird auf das rekonstruierte indoeuropäische *bherg̑hos Berg, Höhe zurückgeführt, von dem sich vermutlich auch das altslawische brěgъ ‘Ufer, Hügel, Abhang’ ableitet. Das davon abstammende russische béreg (берег) ‘Ufer’ hat mit dem deutschen Berg die Eigenschaft gemein, ein erhöhter Platz zu sein – der Berg aus der Ebene gesehen, das Ufer vom Wasser aus gesehen.

Betten sind zumindest im europäischen Kulturkreis auch erhöhte Plätze, vom Fußboden aus gesehen, und es wäre vielleicht denkbar gewesen, dass sich die Bedeutung des indoeuropäischen *bherg̑hos im deutschen Sprachraum in Richtung Bett entwickelt hätte – wer weiß schon, warum Den Rest des Beitrags lesen »


Entledigt

Pastoren, Motivationstrainer, Esoterikschwurbler u.ä. flechten immer wieder gern pseudo-etymologische Anmerkungen in ihre Ausführungen ein, wohl um bestimmte Aussagen gewichtiger erscheinen zu lassen.

Da werden Alltagswörter in ihre Bestandteile zerlegt, um die Bedeutung dieser Bausteine herauszustellen. Ent-Schuld-igen etwa, weil die Schuld weggenommen wird. Er-fahren, wenn es um durch Fahren/Reisen gewonnene Kenntnisse geht. Nach-denken entweder, weil man einer Sache „hinterherdenken“ soll, einen anspruchsvollen Gedankengang nachvollziehen. Oder weil nach dem Denken das Tun kommen soll, nach-denken wird dann also in der Bedeutung tun oder das Erkannte anwenden, umsetzen, verwirklichen verwendet.

Gern spielen sie auch mit der Herkunft oder der „ursprünglichen“, „eigentlichen“, mithin „echten“ Bedeutung von Wörtern. Kunst kommt von können. Weihnacht bedeutet Den Rest des Beitrags lesen »


Digitale Alternativen

Also, Den Rest des Beitrags lesen »


Volksetymologie

Immer wieder machen sich Leute Gedanken über die Sprache, die sie sprechen; über die Wörter, die sie benutzen. Wo die Wörter herkommen, was sie wirklich bedeuten und warum das so ist. Manchmal forschen sie nach und versuchen, die Herkunft von Wörtern zu ergründen. Wenn sie keine sprachwissenschaftlichen Kenntnisse haben, sondern sich auf ihre allgemeine Bildung verlassen und auf das, was gern der gesunde Menschenverstand genannt wird, ist das eine Form von Volksetymologie.

Die Ergebnisse halten in der Regel wissenschaftlicher Überprüfung nicht stand und sind manchmal unfreiwillig komisch oder völlig abwegig. Es kann aber auch sehr geistreich und unterhaltsam sein, ich will das deshalb überhaupt nicht schlechtmachen. Ich selbst habe  als Diplom-Übersetzer zwar ein gewisses Maß an einschlägiger Ausbildung, meine sprachwissenschaftlichen Kenntnisse halten sich aber doch in überschaubaren Grenzen. Darum erlaube ich mir hier in der Tradition der Dilettanten auch einmal ein Stück Volksetymologie.

Ich möchte heute das Wort johlen besprechen. Das bedeutet etwa Den Rest des Beitrags lesen »


Notfall

Neulich hat Susanne Flach im Sprachlog einen Artikel im Guardian verlinkt, in dem es um die Aussprache englischer Wörter geht. Genauer: Um Aussprachefehler, die sich eingebürgert haben und jetzt als korrekt gelten, und die sich teilweise auch in der Schreibweise niedergeschlagen haben, wie etwa ask statt des eigentlich richtigen alten aks.

In dem Artikel kam nucular für nuclear vor, das fand ich irgendwie witzig. Nicht, dass nucular an einen Wortstamm erinnert, der gängiger oder verständlicher als das lateinische nucleus ist, von dem sich nuclear ableitet, aber das ist auch egal. Es klingt nett und ist geringfügig leichter auszusprechen. Ansonsten hat man öfters versucht, unverständliche Wörter mit einheimischem Vokabular zu deuten: Den Rest des Beitrags lesen »