Wo hochfrequent Öffentlichkeit passiert

Standarddeutsch (umgangssprachlich: Hochdeutsch) ist eine halbkünstliche Sprache. Anders als Italienisch, (Aristobulus hat recht, s.u.) Französisch oder Spanisch ist es nicht die zur Amtssprache beförderte Sprache der Hauptstadt(region), sondern eine Art zunächst für die Schriftlichkeit geschaffene Ausgleichssprache. Luthers Bibelübersetzung wird als Meilenstein in der Entstehung des Standarddeutschen angeführt, und deshalb ist es sicher kein Zufall, dass die von Luther mitgeprägte Sprache stark von ostober- und ostmitteldeutschen Elementen geprägt ist und gewisse Anlehnungen an die sächsische Kanzleisprache aufweist.

Jedenfalls gibt es keine Gegend, in der ursprünglich Hochdeutsch gesprochen wird, es ist überall mehr oder weniger fremd. An dem Ort, wo man angeblich das beste Hochdeutsch spricht (Hannover), spricht man in Wirklichkeit Dialekt, oder vielmehr spricht man das Hochdeutsche so aus, wie man vorher Niederdeutsch gesprochen hat. Und das bis ins frühe 20. Jahrhundert als bestes Hochdeutsch geltende Prager Deutsch war ebenfalls eine künstliche Ausgleichssprache, die aus politischen Gründen entstand und Verbreitung fand (näheres hier). Beide besten Hochdeutsche wurden ironischerweise von Leuten geprägt, die ursprünglich keine hochdeutschen Muttersprachler waren.

Aber egal wo es herkommt und warum es sich verbreitet hat, Hochdeutsch ist seit langem das Vehikel für Gesetze, Verordnungen und offizielle Verlautbarungen aller Art; es ist im Rundfunk, in Behörden und vielfach im Alltag gebräuchlich und wird überall im deutschsprachigen Raum (mehr oder weniger) verstanden. Es eignet sich gut zum Den Rest des Beitrags lesen »

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Volle Dröhnung

In diesen Tagen muss irgendein wichtiges Jubiläum im Zusammenhang mit dem berühmten Komponisten Richard Wagner stattfinden. Ich glaube, vor 200 Jahren wurde er geboren, und vor 130 Jahren ging er von uns. Die deutsche Qualitätspresse orgelt jedenfalls seit einer ganzen Weile schon andauernd Artikel über den Mann in die Welt. Allen voran die gute alte Zeit.

Tenor: Man muss ihn nicht mögen, ist ja durchaus kontrovers, aber man kommt nicht an ihm vorbei. Er ist heute noch so relevant wie vor 150 Jahren, einer der ganz, ganz großen. Und wer wo welches Wagner-Opus wie inszeniert, ist allemal feuilletontitelseitenpflichtiges Kulturereignis, dafür wird schonmal eine ganze Seite freigeräumt. (Ähnlich geht es übrigens mit Goethes Faust, an dem kommt man auch nicht vorbei, obwohl er sich meistens etwas dezenter in den Feuilletons herumdrückt.) Alles, was Rang und Namen hat in der einschlägigen Szene darf Den Rest des Beitrags lesen »