Verdünntheit

Seit den Tagen Samuel Hahnemanns fragen sich die Leute, wie die sogenannte Potenzierung homöopathischer Mittel funktionieren könnte. Bisher gibt es keinen plausiblen Erklärungsansatz. Es ist ja bekannt, dass nach einer bestimmten Anzahl von Verdünnungsschritten nichts mehr von der Ursubstanz übrig ist. Ab diesem Punkt ist das ganze nur Wasser mit allen möglichen immer vorhandenen Verunreinigungen. Wasser, das wieder und wieder mit Wasser verdünnt und dann geschüttelt wird. Seriell verwässertes Wasser sozusagen.

Es wird immer wieder gerätselt, wie das denn funktionieren soll. Gelegentlich wird da über ein nicht näher beschriebenes Wassergedächtnis spekuliert. Quantenmechanische Effekte werden gern bemüht, auch Nanopartikel sind ins Spiel gebracht worden. Das sind aber alles Irrwege – flüssiges Wasser hat zwar ein Gedächtnis, aber das hält nur 50 Femtosekunden. Das ist die Zeitspanne, in der Licht 0,015 mm zurücklegt, also sehr, sehr kurz. Als Wissensspeicher ist das Wassergedächtnis also denkbar ungeeignet. Die bisher bekannten Quanteneffekte sind sämtlich in der Computertechnik gebunden, da sind derzeit keine frei, die man in der Homöopathie einsetzen könnte. Nanopartikel gibt es auch keine in den homöopathischen Verschüttelungen.

Nein, in Wirklichkeit ist es ganz anders. Die Wirkung homöopathischer Zubereitungen beruht auf einem soliden Wirkstoff. Allerdings ist nicht die Ursubstanz dieser Wirkstoff. Der Wirkstoff ist vielmehr die Verdünntheit. Verdünntheit ist eine bisher leider noch nicht wissenschaftlich nachgewiesene Eigenschaft von Materie (in der Homöopathie zunächst meist Ethanol, mit den Verdünnungsschritten zunehmend Wasser, und später kann sie dann auch Den Rest des Beitrags lesen »

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Forschung für den Alltag

Wissenschaftlern um Paul Kry von der McGill University in Montreal, lese ich eben, haben anscheinend eine Drohne gebaut, die Grafitti an Wände malt. Bisher tupft das Ding noch Punkte mit einem Schwamm an die Wand. Das ist nicht die gewohnte Sprüherei, aber erstens ist eine Sprühdrohne sicher grundsätzlich auch denkbar – ein bisschen Forschung, ein bisschen geniales Dilettantentum, dann geht das schon. Und zweitens muss man ja auch nicht immer sprühen.

Es gibt einiges an Grafitti in Edding, und warum sollte nicht auch jemand anfangen, Grafitti zu tupfen? Alles, was grau-langweilig-brutalistisch-apokalyptische Autobahnbrücken und Betonwände ein wenig bunter und weniger deprimierend aussehen lässt, kann ja eigentlich nur gut sein, oder?

Bleibt nur zu hoffen, dass jetzt nicht unzählige Drohnen ausschwärmen und alle verfügbaren Oberflächen mit Che Guevara (wirklich, Herr Kry, war das wirklich nötig?), der Banane oder sonstwelchen Standards vollklecksen. Stattdessen könnten ernstzunehmende Künstler Den Rest des Beitrags lesen »


Grenzen

Seit es Menschen gibt, gibt es Grenzen. Ich meine keine Landesgrenzen, sondern die Grenzen unseres Wissens und unserer Möglichkeiten. Seit es diese Grenzen gibt, arbeitet die Menschheit sich an ihnen ab. Man versucht etwa, dem Sensenmann ein Schnippchen zu schlagen und die Sterblichkeit zu umgehen. Man hat versucht, Gold zu machen, hat vom Fliegen geträumt, hat an Tarnkappen geforscht, den heiligen Gral, den Stein der Weisen, den Eingang zum Paradies gesucht.

Grenzen anzuerkennen und stehenzulassen scheint der Menschheit irgendwie gegen den Strich zu gehen. Viele Elemente der vielfältigen Formen von Jugendkultur dürften zu erheblichen Teilen eine direkte Folge des Ablehnens bzw. des gezielten Überschreitens von (zugegeben: künstlichen) Grenzen verschiedenster Art sein. Genauso die Begeisterung für Sport und natürlich Den Rest des Beitrags lesen »