Fernmündlich

Das klassische Festnetztelefon, das ab dem späten 19. Jahrhundert verwendet wurde, übertrug Geräusche in einem Frequenzband von 300 bis 3400 Hertz. Man hätte auch höhere Frequenzen übertragen können, das wäre aber wohl aufwändiger und damit teurer geworden. Also hat man es bei dem genannten Frequenzband belassen. Immerhin liegen die für die Verständlichkeit der Vokale wichtigen Formanten alle innerhalb dieses Frequenzbandes, theoretisch waren die akustischen Voraussetzungen für flüssige Kommunikation am Telefon also gegeben.

In der Praxis war das aber nicht so. Die bis mindestens in die 80er Jahre in Deutschland üblichen Telefone waren von der Klanqualität nicht eben überragend. Die Leitungen waren auch oft nicht so besonders gut. Je nachdem, von wo oder wohin man telefonierte, konnte es schon rauschen, knistern, pfeifen oder knattern in der Leitung, manchmal hörte man auch ein fremdes Gespräch leise mit, wenn irgendwo eine Isolierung nicht funktionierte, Feuchtigkeit eingedrungen war oder was weiß ich. Aber auch bei normalguten Verbindungen konnte man leicht s und f verwechseln, oder k, p und t. Außerdem waren die Hörer oft ziemlich leise (und nicht einstellbar), und viele Leute hatten Probleme, am Telefon alles richtig zu hören.

Diese widrigen Umstände haben zu gewissen Anpassungserscheinungen geführt – viele Leute sprechen bis heute am Telefon besonders laut und oft auch deutlich langsamer als normal.

Nun dürften Telefone heutzutage in aller Regel Den Rest des Beitrags lesen »

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Hightech bei der Bahn

Es gibt ja für alle möglichen Dinge technische Lösungen, wir sind ja nicht blöd. Zunächst altmodische Lowtech-Lösungen und, weil der Fortschritt nicht schläft und man mit der Zeit geht, zunehmend kompliziertere Hightech-Lösungen. Ohne die alte Zeit allzusehr loben zu wollen, muss ich doch feststellen, dass gut abgehangene, althergebrachte Lösungen oft eine gewisse Robustheit und Alltagstauglichkeit mit sich bringen, während neumodischer Kram nicht selten durch Unausgegorenheit und Fehleranfälligkeit auffällt.

Anders gesagt: Wo keine Elektrik drin ist, kann keine Elektrik ausfallen. Und Dinge, die ohne Elektrik zufriedenstellend funktionieren, nur deshalb mit Elektrik auszustatten, weil es geht und man das heute so macht, und sich dabei noch unnötig zu verkünsteln, erscheint darum wenig zweckdienlich. Wenn dann die Elektrifizierung noch mit merklichen Benutzbarkeitseinbußen einhergeht, wird es vollends unverständlich.

Ein Beispiel: Die Zuglaufschilder bei der Bahn. Früher hing an jedem Waggon ein Schild aus Blech, Plastik oder Papier, auf dem die Fahrstrecke des Zugs stand, ungefähr so:

Aachen Hbf-
Düsseldorf Hbf-Hagen Hbf-
Dortmund Hbf

Die Dinger waren ziemlich unkaputtbar und bei fast allen je auf Bahnsteigen zu erwartendem Lichtverhältnissen auch aus mehreren Metern Entfernung zu lesen.

Heute Den Rest des Beitrags lesen »


Kulturelles Guerilla Gardening

Bekanntlich ist alles im Fluss und ändert sich ständig. Man kann nicht zweimal in denselben Fluss spucken. Außerdem wird alles immer schlimmer, und die Jugend ist immer verkommener und respektloser dem Alter und der althergebrachten Kultur gegenüber. Wenn alles so bleibe, wie es ist, wäre die Welt ein besserer Ort, und bequemer. Man kennte sich aus, man müsste sich nicht umgewöhnen und man könnte die größtenteils vollkommen unverdient in den Schoß geworfen gekriegten Privilegien hemmungslos auf Kosten anderer ausleben einfach so leben, wie es sich eben gehört. So ungefähr geht eine, wie ich meine, nicht wirklich vernünftige, aber recht weit verbreitete Grundhaltung.

Natürlich gibt es auch das gegenteilige Extrem. Vor ein paar Jahren hatte ich mit einem Kollegen zu tun, der ein fast manisch fortschrittsbegeisterter Zukunftsmusiker war. Kein digital native, aber sehr bemüht, sich wie einer zu verhalten. Vor dem Schritt in die Cyborgifizierung scheint er zurückgeschreckt zu sein, ansonsten war er ein verbissener Selbstoptimierer, der sich aus Prinzip so oft wie möglich in so vielen Bereichen wie möglich so weit wie möglich selbst aus seiner Komfortzone hinausgezwungen hat.

Sehr fähig, sehr helle, sehr fleißig, hyperkorrekt, immer am Kämpfen, immer sehr angespannt auf der Suche nach Neuem oder Änderbarem, hat er eher nicht so viel Lebensfreude verbreitet.

Der kam mal mit einem Video, wo jemand in ausgesprochen überschwänglichem Tonfall referierte, wie sehr sich alles ändert. Das im Internet hinterlegte Datenvolumen verdoppele sich alle x Zeiteinheiten, die Gesamtdauer der Videos auf Youtube vervierfache sich alle y Zeiteinheiten. Die Halbwertzeit von Datenformaten und Speichertechnologien halbiere sich alle z Zeiteinheiten. Alles werde immer schneller, größer, komplexer und besser, und niemand habe auch nur den Schimmer einer Chance, da mitzukommen. Man müsse schon Den Rest des Beitrags lesen »


Grenzen

Seit es Menschen gibt, gibt es Grenzen. Ich meine keine Landesgrenzen, sondern die Grenzen unseres Wissens und unserer Möglichkeiten. Seit es diese Grenzen gibt, arbeitet die Menschheit sich an ihnen ab. Man versucht etwa, dem Sensenmann ein Schnippchen zu schlagen und die Sterblichkeit zu umgehen. Man hat versucht, Gold zu machen, hat vom Fliegen geträumt, hat an Tarnkappen geforscht, den heiligen Gral, den Stein der Weisen, den Eingang zum Paradies gesucht.

Grenzen anzuerkennen und stehenzulassen scheint der Menschheit irgendwie gegen den Strich zu gehen. Viele Elemente der vielfältigen Formen von Jugendkultur dürften zu erheblichen Teilen eine direkte Folge des Ablehnens bzw. des gezielten Überschreitens von (zugegeben: künstlichen) Grenzen verschiedenster Art sein. Genauso die Begeisterung für Sport und natürlich Den Rest des Beitrags lesen »