Öffentlichkeitsarbeit

Die einen fordern mit arabischsprachigen Aufklebern mutmaßliche Wirtschaftsflüchtlinge „zur Remigration und zum eigentlich selbstverständlichen Einsatz für die eigene Heimat – inklusive der oft einfach zurückgelassenen Familien – auf“. Die anderen finden das nicht richtig und machen die Aufkleber unleserlich.

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Niedertracht für Fortgeschrittene

Am 9. November 1938 fand die Reichspogromnacht statt. Das war eine von der nationalsozialistischen Obrigkeit als „spontaner Ausbruch des gerechten Volkszorns“ inszenierte Gewaltorgie gegen Juden, die eine Spur der Verwüstung in ganz Deutschland hinterließ. Als Anlass diente das Attentat eines in Paris lebenden polnischen Juden auf einen Legationssekretär an der Deutschen Botschaft in Paris. Der Schuss war am 7. November gefallen, und am 9. November erlag der Legationssekretär seinen Verletzungen. Man nutzte also die Gunst der Stunde und ließ die Schläger von der Leine.

Ab dem 7. November kam es zu Ausschreitungen, der Höhepunkt war in Deutschland am 9. November, in Österreich am 10. November. Unzählige Menschen wurden angegriffen und zusammengeschlagen, mehrere hundert wurden ermordet oder in den Suizid getrieben. Mehr als 1.400 Synagogen und Versammlungsräume, viele tausend Wohnungen, Geschäfte und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Direkt anschließend begannen massenhafte Deportationen jüdischer Deutscher in eine Reihe von Konzentrationslagern, deren Kapazitäten man im Vorfeld entsprechend ausgebaut hatte. Die Details kann man nachlesen.

Dass die Pogromnacht beim besten Willen kein spontaner Ausbruch eines wie immer zu rechtfertigenden Volkszorns war, ist lange bekannt, und das zeigt sich auch an kleinen Details. Polizei und Feuerwehr waren angewiesen, während der Ausschreitungen nur nichtjüdisches Eigentum zu schützen. Jüdische Gegenwehr war mit Gewalt niederzuschlagen („sofort über den Haufen schießen“), man konnte es also richtig krachen lassen und tat das auch nach Kräften.

Interessanterweise beschränkten sich die Brandstiftungen weitgehend auf Gebäude, die beim Niederbrennen keine Nachbarhäuser gefährden konnten. Der angebliche Volkszorn wusste sich also durchaus zu beherrschen. Wo man nicht einfach Feuer legen konnte, ging man denn auch anders vor. Die Synagoge in Halberstadt etwa stand dicht an dicht mit den umliegenden Fachwerkhäusern. Ein Brand dort hätte also die übrige Stadt in Gefahr gebracht. Da man die Synagoge natürlich trotzdem nicht verschonen mochte, zwang man einfach die jüdische Gemeinde dazu, ihre Synagoge eigenhändig (und vermutlich auf eigene Kosten) abzureißen.

Andere Synagogen, beispielsweise in München, Nürnberg oder Dortmund, wurden bereits vorher im Lauf des Jahres 1938 abgerissen. Später Den Rest des Beitrags lesen »


Der nationale Zeitvertreib

In ihren Herzen brennt ein Feuer, und das wollen, nein, das können sie nicht für sich behalten. Sie wollen es weitergeben, andere daran teilhaben lassen. Und so springt der Funke immer wieder über. Es geht natürlich wieder um abgebrannte Unterkünfte für Asylbewerber. Jetzt ist ein Haus in Boizenburg in nationalgefühligen Flammen aufgegangen.

Das Gemäuer konnte sich offenbar nicht damit abfinden, dass vielleicht Ausländer, Islamis oder Asylschmarotzer gar, darin leben würden, und hat als echt deutsches Haus (mit der exklusiven Treue zum Deutschen Volk™!) den Ehrentod gewählt, vermutlich mit einem winzigen bisschen Nachhilfe. Lieber tot als, naja, man weiß schon was die in den Unterkünften so treiben.

Jetzt hat es also ein Haus in Boizenburg im Landkreis Ludwigslust erwischt. Die Gegend soll eine Hochburg des Rechtsextremismus sein, beste Voraussetzungen also. Eigentlich hätte ich gern einen anderen Tagesablauf als aktuell 1. Zeitung lesen, 2. bösen Text über ausländerfeindliche Brandstifter schreiben, 3. Liste der Orte mit abgefackelten Unterkünften für Asylbewerber aktualisieren.

Ich hätte gern mal einen Tag, eine Woche, einen Monat ohne Nachricht von einem gelegten Brand in einer Asylbewerberunterkunft. Ich würde gern Den Rest des Beitrags lesen »


Der Wind geht allezeit über das Land

In rechtslastigen, rückwärtsgewandten, nationalchauvinistisch orientierten Kreisen wird immer mal wieder über Dinge wie den angeblichen Völkermord durch Überfremdung und Umvolkung gejammert, dem die armen Deutschen derzeit mal wieder zum Opfer fallen.

Überall türkische Gemüsehändler, vietnamesische Imbissbetreiber, italienische Eisverkäufer. Migranten aller Herren Länder drängen die bescheidenen Deutschen aus dem Geschäft, nehmen ihnen die Arbeit, die Wohnungen, die Kindergartenplätze und die Sozialleistungen weg. Die Zukunft natürlich auch. Dazu kommt noch jede Menge Unterwelt – albanische Zuhälter, rumänische Einbrecher, diverse Mafias, das Finanzjudentum, SIE, wer auch immer.

Aber der Ehrliche ist bekanntlich der Dumme, und der treuherzige deutsche Michel lässt sich das alles brav gefallen, bettelt geradezu nach mehr und merkt nicht, wie er an dem Ast sägt, auf dem wir alle sitzen. Nichtmal Neger oder Zigeuner darf man mehr sagen, während die als Flüchtlinge (Ha, Flüchtlinge, das sind doch in Wirklichkeit alles schmarotzende Faulpelze!) hier Den Rest des Beitrags lesen »