Anspruch und Wirklichkeit

Man bemüht sich vielerorts, diskriminierende Sprache zu vermeiden. Frauen sollen genauso wie Männer direkt angesprochen werden und nicht mehr einfach mitgemeint sein. Rassistische Ausdrücke werden offiziell nicht mehr verwendet (und gelegentlich sogar aus weitverbreiteten Kinderbüchern weltberühmter Autorinnen entfernt). Auch gegenüber anderen Personenkreisen bemüht man sich um eine respektvolle Sprache. Ausdrücke wie Krüppel und Idiot für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sind zum Glück seit längerem aus dem normalen Sprachgebrauch verschwunden.

Über die Wörter behindert und Behinderung wird gestritten. Man versucht vielfach, sie zu vermeiden, aber ein ähnlich kurzer und einfach verwendbarer Ersatz hat sich bisher nicht durchgesetzt. In der Praxis kann das zu einem gewissen Durcheinander bei der Verwendung einschlägiger Begriffe führen, etwa bei der Bahn.

Die Bahn stellt an den meisten Bahnhöfen Hebebühnen bereit, mit denen Leute in den Zug gehoben werden, die sonst die Stufen nicht überwinden könnten. Offiziell heißen die Geräte Rollstuhl-Lift, umgangssprachlich Den Rest des Beitrags lesen »


Ich will auch mal mitgemeint sein!

Seit Jahren wird an vielen Stellen im deutschsprachigen Raum versucht, eine weniger männerlastige, dafür gerechtere Sprache zu etablieren. Sehr verkürzt gesagt geht es darum, nicht mehr so oft männliche Formen zu verwenden, wenn Männer und Frauen angesprochen sind.

Das Bestreben ist, dass Frauen bei der Verwendung männlicher Formen nicht mehr einfach mitgemeint sein sollen, sondern dass man die Gemeinten direkt anspricht oder geschlechtsneutrale Formen verwendet, wo das geht. So schreibt man häufig nicht mehr Studenten, sondern Studentinnen und Studenten, verkürzt das zu Student/innen, Student_innen oder StudentInnen, oder man weicht auf neutrale Ersatzwörter aus, z.B. Studierende.

Dass viele Leute solche Schreibweisen nicht sofort gut finden und etwas fremdeln, kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Ich schaffe es auch nicht, hier durchgehend geschlechtergerecht zu schreiben. Anderseits ist gerade der Geschmack sehr wandelbar, das Empfinden kann sich unter Umständen sehr schnell ändern, wenn man sich erstmal drauf einlässt.

Da hakt es dann oft – das Problem ist kein Sprachliches, sondern eines der Denkweise. Solange das berechtigte Interesse der einen Hälfte der Menschheit, gleichberechtigt angesprochen zu werden, von einer maßgeblichen Mehrheit als überzogen beiseitegewischt wird, helfen Sprachregelungen nicht.

Andererseits kann ein innovativer Sprachgebrauch durch Einzelpersonen, Organisationen, Behörden usw. eine Entwicklung in Gang setzen, die am Ende vielleicht zu einer weniger diskriminierenden Grundhaltung führt und sich in einer weniger diskriminierenden Sprache niederschlägt.

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Solche Bestrebungen stoßen erfahrungsgemäß fast immer auf erbitterten Widerstand. Platt gesagt: Den Rest des Beitrags lesen »