Nie wieder loslassen…

Meine Tochter musste für die Schule das derzeit schwer angesagte Holocaust-Beschäftigungs-Buch Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne lesen (näheres hier). Nach dem völlig unerwarteten Ende war sie tief erschüttert. Sie war danach tagelang ziemlich durch den Wind und hat Wochen gebraucht, bis sie das verarbeitet hatte.

Ich bin stinksauer.

Auf die Schule: Da gab es keinerlei Vorwarnung, keinerlei Begleitung, einfach nur den Auftrag „Lest das über die Ferien“, dazu ein paar textbezogene Aufgaben.

Auf den Verlag: Es gibt keine Inhaltsangabe auf dem Einband, nur die reichlich idiotische Notiz des Autors, das sei ein sehr wichtiges Buch und anders als sonst üblich wolle man über den Inhalt nichts verraten, den solle das Publikum beim Lesen selbst herausfinden.

Auf den Autor: Für diese bescheuerte Notiz und für das Ende des Romans: Der reichlich einfältige Protagonist freut sich, seinen mysteriösen streifenpyjamatragenden Freund endlich im Lager besuchen zu können und mit ihm einen Platz im Trockenen gefunden zu haben; sie halten sich bei den Händen, endlich hat er überhaupt wieder einen Freund, sogar einen „besten Freund für immer“, und er wird dessen Hand nie loslassen; in dem Moment fallen die Türen der Gaskammer hinter ihnen zu.

Dem Zielpublikum von 12- oder 13-jährigen Kindern ohne Vorwarnung so einen Schlag unter die Gürtellinie unterzujubeln finde ich reichlich niederträchtig.

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Gurkensalat

Plakat einer Kunstausstellung, der fettgedruckte Titel ist ein Zitat von Philipp Reis aus der Frühzeit des Telefonierens: Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.

Ein Mann und eine Frau laufen zusammen dran vorbei, beide wohl so Mitte 50, sie in zivil, er in Blaumann und Bauarbeiterhelm. Er liest den Text vor, sinniert kurz, fängt dann halblaut an zu extemporieren: Das Pferd frisst keinen Gurkensalat? Stimmt nicht, das ist reine Propaganda. Das Pferd frisst die ganze Zeit Gurkensalat. Ich hab’s genau gesehen, das frisst nichts als Gurkensalat, schon immer. Man kann denen nichts glauben…