Waffen

In den letzten Jahren scheinen viele Waffenläden vermehrt Werbung zu machen, die sich im Wesentlichen auf Angstmache beschränkt. Mit Plakaten in den Schaufenstern und Aufstellern vor den Läden warnen vor insgesamt steigender Kriminalität, besonders vor mehr Gewalt, damit vor größerer Gefahr überall für alle und schlagen gleichzeitig eine einfache Lösung vor: Pfeffer- oder Reizgasspray, Elektroschocker, Handfeuerwaffen, Schlagstöcke usw., damit man sich wehren kann.

Es scheint ein Gefühl der Verunsicherung um sich zu greifen, und seit der letzten Silvesternacht (Stichworte Köln und Hamburg) haben anscheinend so viele Leute so viel Angst um ihre eigene Sicherheit, dass der Absatz von Waffen seitdem stark im Steigen ist.

Die Vorstellung, bewaffnet zu sein mindere die Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden, dürfte trügerisch sein. Egal ob man ein Messer, einen Schlagstock, eine Pistole, einen Elektroschocker oder ein Pfefferspray bei sich trägt – man muss im Ernstfall rechtzeitig drankommen. Die wenigsten Leute werden Den Rest des Beitrags lesen »


Die Fahnen hoch…

Freital war schlimm und nur ein Ereignis unter viel zu vielen. Kurz danach kam Heidenau, dann der Molotowcocktail von Salzhemmendorf, der Reizgasanschlag von Halbe als weitere Perlen der neuen deutschen Ausländerfeindlichkeit, es hört ja nicht auf. Obwohl, so neu ist die nicht, denke ich an Solingen, an Rostock-Lichtenhagen, an Hoyerswerda. Oder noch ein paar Jahre weiter zurück an den Umgang mit den südeuropäischen und später vor allem türkischen Gastarbeitern. Das geht ungebrochen zurück bis weit vor die nationalsozialistische Zeit.

Deutschland fremdelt heftig, will wider alle Vernunft für sich selbst bleiben und tritt allem Ungewohnten, Fremden, Neuen mit einer hässlichen Mischung aus Ängstlichkeit und Aggression gegenüber, im Kleinen wie im Großen. Das merken Zugezogene in manchen Gegenden noch nach Jahrzehnten am eigenen Leib, selbst wenn sie Biodeutsche sind und nur aus dem übernächsten Dorf stammen. Ausländer dürften in dem Klima fast gar keine Chance haben, je akzeptiert zu werden.

Ein Jammer, weil dabei soviel guter Wille zerstört wird, so viel Potenzial ungenutzt verpufft. Weil so viel Kraft in das Voneinanderabgrenzen investiert wird, anstatt dass man sich gegenseitig hilft und zusammen etwas aufbaut. Weil so viel Energie, Geld, Ressourcen in das Eindämmen der Aggression und in das Aufräumen nach der Randale gesteckt werden müssen, die dann anderswo fehlen. Der zerstörte Wohnraum und die anderen vernichteten Sachwerte stehen danach natürlich auch nicht für die Versorgung der angeblich zugunsten von Asylbewerbern vernachlässigten deutschen Bedürftigen zur Verfügung. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sowie jede Menge Personal im öffentlichen Dienst wird durch diese Randalierer gebunden. Das kostet wieder Geld und Arbeitszeit, die dann anderswo fehlen. Offensichtlich will man aber Dinge lieber zerstören als sie anderen zu geben.

Dass diese Art kurzsichtiger Dummheit jetzt derart um sich greift, macht mich richtig stolz, Deutscher zu sein. Endlich tun sie mal was, statt nur an den Stammtischen zu lamentieren. Das muss richtig knallen muss das!

Und sie lassen es ja jetzt ständig ordentlich knallen, und zwar durchaus mit Billigung von Leuten, die selbst keine Steine schmeißen oder Parolen brüllen. Zeit Online zitiert eine Zuschauerin in Heidenau mit den Worten: Die Ausländer wollen wir hier nicht haben. Wir wollen nicht, dass die hier klauen und stören. Ich kann diese dämlichen Vorurteile nicht mehr hören. Natürlich Den Rest des Beitrags lesen »


Welches Boot?

Ich denke manchmal an Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda oder Mölln in den frühen 90er Jahren zurück, wo die kurz zuvor wiedervereinte, hm, gesunde Volksgemeinschaft den ganzen angeblich asylmissbrauchenden Schmarotzern aus aller Welt unmissverständlich klar gemacht hat, wie willkommen sie hier wirklich sind. „Die da oben“ haben geflissentlich zur Kenntnis genommen, wo der Hammer hängt und in der Folge das Asylrecht so stark eingeschränkt, dass man eigentlich kaum noch von einem Recht auf Asyl sprechen kann. Oder, besser gesagt, sie haben die Zugangsbedingungen zum Asylverfahren so umgebaut, dass viele gar nicht erst soweit kommen, einen Asylantrag stellen zu können, ohne vorher alle möglichen Regeln und Gesetze zu brechen und deswegen gleich wieder außer Landes gebracht zu werden.

Denen, die es dann doch ins Asylverfahren geschafft haben, zeigen auch die zuständigen Behörden immer wieder mit verschiedenen Methoden, wie sehr man sie als Menschen schätzt. Oft gibt man ihnen statt Geld Lebensmittelpakete, in denen, nun ja, eben deutsche Lebensmittel sind. Deutsche Wurst etwa und alles mögliche, mit denen Leute aus sonstwo nicht so viel anfangen können, sei es weil sie als Muslime kein Schwein essen, sei es weil sie eine ganz andere Ernährungsweise gewöhnt sind. Drei Viertel der Weltbevölkerung leiden etwa an einer Laktoseintoleranz, weshalb sie viele Milchprodukte nicht vertragen. Das betrifft hauptsächlich Leute aus Südamerika, Afrika und Asien. Sollte man wissen, wenn man als nicht betroffener Europäer Lebensmittelpakete für afrikanische oder asiatische Asylbewerber zusammenstellt. Aber man gängelt sie lieber, statt sie als erwachsene Menschen ihre Lebensmittel selbst kaufen zu lassen.

Dann ist da das Problem mit der praktisch nicht vorhandenen medizinischen Betreuung. Oft gibt es nur Notfallversorgung, wer keine handfesten Schmerzen hat, braucht es gar nicht erst beim Arzt zu versuchen (manche Mediziner behandeln sie dann unentgeltlich, weil sie das Elend nicht mitansehen können), von prophylaktischen Maßnahmen (Kinderzähne!) ganz zu schweigen.

Auch dass viele Flüchtlinge schwer traumatisiert hier ankommen, und zwar zumindest teilweise aufgrund der europäischen und deutschen Asylpolitik, die den Schleppern um das Mittelmeer in die Hände spielt, wird gern ignoriert. Viele dieser Flüchtlinge bräuchten wenigstens ein Mindestmaß an fachkundiger Betreuung, damit sie überhaupt eine Chance haben, sich hier einzupassen und nicht völlig vor die Hunde zu gehen.

Nun glauben viele auch im Jahr 2015 noch, dass so ein Trauma Pipifax ist, die Leute sich einfach nicht so anstellen sollen und man diesen Psychokram nicht überbewerten solllte (eine Meinung, die übrigens auch Mediziner vertreten!), und wer sich in psychologische oder psychiatrische Behandlung begibt, wird in der Folge oft stigmatisiert, entweder als verrückt oder als Schmarotzer, der sich auf Kosten der hart arbeitenden Allgemeinheit eine schöne Zeit macht. (Man sollte das mal jemandem mit gebrochenem Bein oder Krebs erzählen, da würde es sofort laut und ungemütlich. Aber psyschische Krankheiten sind natürlich nicht so schön einfach zu sehen, die lassen sich leichter als eingebildet abtun.)

Außerdem Den Rest des Beitrags lesen »