Über der ewigen Ruhe

Anfang der 90er Jahre war ich zum ersten Mal in Moskau, in den Semesterferien, um meine Sprechfertigkeit ein wenig anzustoßen. Ein paar Tage vor meiner Abreise nach Moskau war der bis dahin festgeschriebene Wechselkurs freigegeben wurden, und statt vorher 3,50 DM für einen Rubel zu bezahlen, kriegte man für eine Mark plötzlich 6 bis 7 Rubel bei gleichbleibenden Rubelpreisen. Das entspricht einer gänzlich unerwarteten Ver-mehr-als-Zwanzigfachung der Kaufkraft. Schon mit dem alten Rubelkurs hätte ich mir bei im voraus bezahlter Vollpension nicht allzuviele Geldsorgen machen müssen für die paar Wochen, aber so war alles praktisch umsonst.

Ich habe das billige Geld natürlich ausgenutzt, einen Koffer voll Bücher gekauft, und einen Stapel Schallplatten. Damals noch ganz klassisch im staatlichen Melodija-Laden auf der Mjasnitskaja Uliza. Ein großer, ziemlich leerer Raum mit Theke und einer der damals in Russland üblichen Kassenkabinen. An der rückwärtigen Wand standen LP-Hüllen auf Sicht. Man konnte sich Plattencover zur Ansicht geben lassen und manchmal sogar Platten auflegen lassen, jedenfalls wenn nicht zuviel los war und das Personal den Nerv dazu hatte.

Ohne Internet, ohne irgendwelche Ahnung von der russischen Musikszene und ohne sonst irgendwelchen einheimischen Input Den Rest des Beitrags lesen »


My Little Pony im Kettenhemd

Viele Kinder lieben Fantasykram. My Little Pony etwa, das sind kitschige Ponybabyfiguren zum Sammeln mit einer kitschigen pinken Glitzerwelt als Hintergrund. Ein modernes Imitat sind Fillies, ebenalls abgrundtief scheußliche pferdebasierte Figuren mit rosaroter Hintergrundwelt, einer Zeitschrift und Zubehör. Generell gibt es haufenweise Glitzerwelten, die von den sprichwörtlichen Einhörnern mit Regenbogendurchfall bevölkert sind. Märchenwelten, in denen die Protagonisten „spannende“ Abenteuer erleben und wo am Ende alles gut wird.

Es gibt auch Bibi und Tina, Hauptfigur ist ein pferdebegeistertes Mädchen mit Zauberkräften. Herzzerreißend dramatische Verwicklungen, und am Ende wird alles gut.

Wenn sie größer werden, wechseln sie zu Mia And Me, da haben wir es mit Feen oder Elfen oder so zu tun, ansonsten s.o. Für dieselbe Altersgruppe gib es die Beast-Quest-Serie, da geht es etwas heroischer zu, aber nicht weniger stereotypisch: Welt bzw. Land in Gefahr, ein auserwählter Junge muss den Komplott des bösen Zauberers so ziemlich allein vereiteln und alles retten. Ein Mädchen steht ihm zur Seite, ihr nicht unerheblicher Beitrag wird aber nicht groß gewürdigt. Davon gibt es drei Dutzend Aufgüsse mit eher geringfügigen Variationen von Plot und Personal.

Diese Welten werden in klischeeüberladener, oft fast formelhafter Sprache mit teilweise extrem hoher Platitüdendichte präsentiert. Du musst fest an Dich glauben, dann schaffst Du das auch oder Wenn du das wirklich willst, dann kannst du das auch erreichen oder Den Rest des Beitrags lesen »


Stahlkocher

Vor einer Weile bin ich auf ein Stück Musik gestoßen, das mich fasziniert, nämlich The Eternal Flames of Metal der mir bis dato unbekannten schwedischen Band Cryonic Temple.

Musikalisch recht gelungen, finde ich. Druckvoll und dabei melodisch. Die Stimme vielleicht etwas dünn, aber noch im Toleranzbereich. Das Schlagzeug etwas zu flach, das könnte ruhig etwas plastischer klingen, aber gut, es funktioniert. Die Struktur von dem Stück (Grundgerüst: ABABCC) hat was, bei jedem Wechsel Den Rest des Beitrags lesen »