1x Hase, Oster-/Schoko-/Traditions-/[alternative Bezeichnung]-

Die Wochen nach Ostern sind die Zeit der Rabatthasen. Das sind die Schokoladenosterhasen, die bis zum Fest keine Käufer gefunden haben und jetzt verbilligt losgeschlagen werden. (Anders als häufig behauptet werden sie nicht im Herbst zu Weihnachtsmännern umgeschmolzen und nach Neujahr wieder zu Osterhasen.)

Die Wochen vor Ostern sind seit ein paar Jahren die Zeit, in der besorgte Heimatschützer, Traditionswahrer und Islamisierungsgegner auf allen Kanälen über die angebliche Unterwerfung des christlichen Abendlandes unter den Islam wehklagen. Angeblich wird unsere Kultur™ auf dem Altar von Multi-Kulti geopfert, werden christliche Feste und die zugehörigen Paraphernalien in vorauseilendem Gehorsam aller Bezüge zu ihrem christlichen Ursprung entkleidet, werden Stück für Stück unsere ureigensten Traditionen verwässert und verraten.

Es ist ja nicht nur Ostern – an allen Ecken und Enden wird die christlich-abendländische Kultur abgetragen und zurechtgestutzt, heißt es. Die Sankt-Martins-Umzüge werden plötzlich in Lichterfest oder Laternenfest umbenannt. (Ich stamme aus einer protestantischen Gegend, da war schon in den 70er Jahren nichts mit Sankt Martin, da gab es nur den Laternenumzug ohne für mich ersichtlichen religiösen Bezug, dafür mit Schaumwaffeln und Laugenbrezeln von der Freiwilligen Feuerwehr für alle minderjährigen Teilnehmer, aber das nur nebenbei.) Die Weihnachts- oder Christkindlesmärkte werden angeblich reihenweise in Wintermarkt, Lichterfest, Sternschnuppenmarkt oder (im Herzland von Pegida!) Striezelmarkt o.ä. umbenannt, angeblich „um die einfallenden Horden von Invasoren nicht mit der abendländischen Unkultur zu belästigen.“(Quelle)

Das ist natürlich Blödsinn. Manche dieser Märkte heißen schon immer so, andere wurden in den letzten 15 Jahren umbenannt. Allerdings nicht im Rahmen vorauseilender Unterwerfung Weiterlesen »

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Bundesministerium für Leitkultur

Die Bundesrepublik Deutschland hat neuerdings ein Heimatministerium. Genauer gesagt, das Innenministerium ist um den Fachbereich Heimat erweitert worden und heißt jetzt Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Zur Heimatpflege werden dem Ministerium laut Koalitionsvertrag knapp 100 neue Mitarbeiter zugeteilt. (Die werden allerdings beim Zoll und der inneren Sicherheit eingespart, weshalb man dann demnächst u.U. lautstark wegen steigenden Unsicherheitsgefühls im Land jammern müssen und – ganz im Sinne der CSU – mehr Überwachung einführen können wird, aber das nur nebenbei.)

Weil anfangs niemand so recht wusste, was ein Heimatressort im Innenministerium denn so leisten sollen könnte, wurde erstmal auf das vor ein paar Jahren von Seehofer als Beschäftigungstherapie für seinen ewigen Widersacher Söder eingerichtete Ministerium für Heimat und Digitalisierung als mögliches Vorbild verwiesen.

Der Laden beschäftigt sich im wesentlichen mit der Förderung des Breitbandausbaus, um die abgehängten ländlichen Gebiete besser an alles anzubinden. Das halte ich für eine grundsätzlich gute Idee, nur braucht es dafür auf Bundesebene kein neues Ressort im Innenministerium – es gibt schon ein Ministerium, das diesen Aufgabenbereich sogar im Namen trägt: Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Man könnte dort mal Weiterlesen »

Heimat

Heimat ist so ein komisches Wort im Deutschen. Komisch aus mehreren Gründen. Erst einmal ist es vage – es kann das Land selbst meinen (oder eine Region davon oder einen bestimmten Ort), es kann ein, sagen wir, nur bedingt ortsgebundenes gesellschaftliches Umfeld meinen. Die Freiwillige Feuerwehr etwa, der Sportverein, die Stammkneipe oder der Stammtisch, die Werkbank, der – egal welcher – Weinberg, der eigene Bücherschrank – alle können Heimatfunktionen wahrnehmen.

Dann ist der Begriff im Deutschen seltsam überladen. Da ist der edelweißblühende Köhlerlieselkitsch vor Edelrahmkühen auf alpenglühenden Almen. Die gartenzwergidyllische Spießigkeit aus Hoffmann von Fallerslebens Deutschlandlied (dessen dritte Strophe ich als Nationalhymne allerdings gar nicht so übel finde). Ähnlich kitschig ist Auferstanden aus Ruinen, die Hymne der verblichenen DDR. Fand ich auch ganz ok und hätte ich kein Problem mit.

Nach politischen und militärischen Gewitterstürmen Weiterlesen »

Heimatliches

In unserer letzten Ferienwohnung stand ein halber Regalmeter Bücher, großenteils Heimatromane. Auf den meisten Titelbildern war eine Frau im Dirndl (oder in echter Tracht, was weiß ich) und dazu oft ein Kerl in Lederhosen zu sehen. Die Bücher scheinen allesamt in den Alpen gespielt zu haben.

Eine oberflächliche Recherche in der Bahnhofsbuchhandlung scheint diesen Eindruck zu bestätigen: Heimatromane spielen wenn nicht ausschließlich so doch ganz überwiegend im bayerisch-österreichisch-tirolerischen Kulturkreis, mit ein paar Streubelegen im Schwarzwald. Dagegen ist an sich nichts zu haben. Wer Kropfbänder und Gamsbärte mag und Geschichten über Liebschaften in Alpendörfern lesen will, soll Weiterlesen »