Komplementärfliegerei

Heute mal ganz was anderes: Teppichfliegerei. Weit verbreitet, bei den einen beliebt, bei den anderen verhasst. Gelobt und kritisiert, vehement verteidigt und aggressiv angegangen. Hier nun ein paar Zeilen über eine faszinierende Methode, die seit tausendundeiner Nacht polarisiert wie kaum eine andere.

Seit Prinz Husain das Teppichfliegen entdeckte (Quelle), hat diese erstaunliche Technologie weite Kreise gezogen und eine große Anhängerschaft gefunden. Unzählige Berufs- und Hobbypiloten, Reiseveranstalter, Logistiker und Passagiere nutzen Fliegende Teppiche.

Dabei gibt es bis heute keine Erklärung der Funktionsweise Fliegender Teppiche. Genau genommen gibt es auch keine Belege dafür, dass sie Den Rest des Beitrags lesen »


Flache Erde

Es gibt auch außerhalb von Terry Pratchetts Scheibenwelt Leute, die glauben, die Erde sei eine Scheibe. Wenn die das ernst meinen, ist das manchmal ein bisschen lustig, aber vor allem ziemlich tragisch. Die Idee ist so unsinnig, dass man da inhaltlich gar nicht weiter drauf eingehen muss, und die wenigsten Wissenschaftler äußern sich deshalb überhaupt dazu. Jedenfalls gibt es wohl ungefähr seit Kopernikus keine wissenschaftliche Forschung mehr dazu, keine wissenschaftlichen Aufsätze o.ä., allenfalls populärwissenschaftliche Aufklärung, z.B. von Harald Lesch oder in Schlaumachformaten für Kinder im Fernsehen oder auf YouTube.

Jetzt kann kann man als Flacherdler ziemlich unbeschwert auf der Kugelerde leben, im Alltag macht es praktisch keinen Unterschied, und wenn man Gespräche über die Form der Erde vermeidet, muss man sich damit kaum je wirklich auseinandersetzen. Eine kleine Irritation kann entstehen, wenn man als Flacherdler gleichzeitig an Homöopathie glaubt. Bei der Zubereitung von homöopathischen Mitteln hat es nämlich zumindest in Deutschland Tradition, die zu „potenzierende“ Lösung dabei in Richtung Erdmittelpunkt zu schütteln bzw. zu schlagen.

Das ist nichts Offizielles, es ist nirgendwo vorgeschrieben. Bei Hahnemann steht davon nichts, im einschlägigen §270 des Organon der Heilkunst ist nur von „starken Schüttelstößen mit der Hand gegen einen harten, aber elastischen Körper“ die Rede, ohne Richtungsangabe. Der homöopathische Apotheker Willmar Schwabe schreibt im späten 19. Jh. in seiner Pharmacopoea Homeopathica Polyglotta – einem Standardwerk über die Herstellung homöopathischer Zubereitungen – „kräftige abwärts gerichtete Schüttelschläge des Arms“ vor.

Dieses abwärts gerichtet mag aus praktischen oder, sagen wir, bewegungsökonomischen Erwägungen heraus zustandegekommen sein und wird sich dann vermutlich zu in Richtung Erdmittelpunkt verselbständigt haben – man will Den Rest des Beitrags lesen »


Des Kaisers neue Kleider

In Diskussionen um die Wirksamkeit Homöopathie (z.B. hier oder hier) wird in letzter Zeit häufig das folgende Argument vorgebracht: Die Behauptung der Skeptiker, homöopathische Mittel enthielten keine Wirkstoffe, sei unwahr, weil in niedrigen Potenzen sehr wohl noch Ursubstanz enthalten sei.

Zunächst einmal stimmt das natürlich – manche homöopathischen Mittel enthalten tatsächlich messbare Mengen der zugrundeliegenden Substanz. Bei der Herstellung homöopathischer Mittel wird ja eine Ursubstanz stufenweise nach einem detailliert vorgeschriebenen Ritual verdünnt, typischerweise in Schritten von jeweils 1:10 oder 1:100, und selbstverständlich ist während der ersten Verdünnungsschritte noch Ursubstanz vorhanden und kann u.U. pharmakologisch wirken. Soweit so simpel, und das wird auch kaum je ein Skeptiker in Abrede stellen.

Am Ende ist es aber doch nicht so einfach, und das kommt so: Die große Idee Hahnemanns war es, bei der Herstellung seiner Arzneien die giftigen Ursubstanzen hinauszuverdünnen und dabei durch Verschütteln deren geistartige arzneiliche Kraft zu „dynamisieren“, also zu verstärken und von der Ursubstanz zu trennen. Er wollte die Ursubstanzen und das ihnen normalerweise anhaftende Schadpotenzial loswerden und Den Rest des Beitrags lesen »


Verdünntheit

Seit den Tagen Samuel Hahnemanns fragen sich die Leute, wie die sogenannte Potenzierung homöopathischer Mittel funktionieren könnte. Bisher gibt es keinen plausiblen Erklärungsansatz. Es ist ja bekannt, dass nach einer bestimmten Anzahl von Verdünnungsschritten nichts mehr von der Ursubstanz übrig ist. Ab diesem Punkt ist das ganze nur Wasser mit allen möglichen immer vorhandenen Verunreinigungen. Wasser, das wieder und wieder mit Wasser verdünnt und dann geschüttelt wird. Seriell verwässertes Wasser sozusagen.

Es wird immer wieder gerätselt, wie das denn funktionieren soll. Gelegentlich wird da über ein nicht näher beschriebenes Wassergedächtnis spekuliert. Quantenmechanische Effekte werden gern bemüht, auch Nanopartikel sind ins Spiel gebracht worden. Das sind aber alles Irrwege – flüssiges Wasser hat zwar ein Gedächtnis, aber das hält nur 50 Femtosekunden. Das ist die Zeitspanne, in der Licht 0,015 mm zurücklegt, also sehr, sehr kurz. Als Wissensspeicher ist das Wassergedächtnis also denkbar ungeeignet. Die bisher bekannten Quanteneffekte sind sämtlich in der Computertechnik gebunden, da sind derzeit keine frei, die man in der Homöopathie einsetzen könnte. Nanopartikel gibt es auch keine in den homöopathischen Verschüttelungen.

Nein, in Wirklichkeit ist es ganz anders. Die Wirkung homöopathischer Zubereitungen beruht auf einem soliden Wirkstoff. Allerdings ist nicht die Ursubstanz dieser Wirkstoff. Der Wirkstoff ist vielmehr die Verdünntheit. Verdünntheit ist eine bisher leider noch nicht wissenschaftlich nachgewiesene Eigenschaft von Materie (in der Homöopathie zunächst meist Ethanol, mit den Verdünnungsschritten zunehmend Wasser, und später kann sie dann auch Den Rest des Beitrags lesen »


Sahnehäubchen

Wenn sich jemand irgendwo kritisch über die Homöopathie oder eine ihrer Spielarten äußert, kommt ganz oft, eigentlich fast immer, jemand und behauptet, die Kritik sei unfair und nicht gerechtfertigt. Die Homöopathie wirke sehr zuverlässig und gut (gern mit dem Zusatz: das habe man selbst erlebt), und ein vernünftiger Mensch käme gar nicht auf die Idee, eine so effektive und gleichzeitig nebenwirkungsfreie Behandlungsmethode wie die Homöopathie kritisieren zu wollen.

Wer sich trotzdem kritisch äußere habe entweder keine Ahnung oder unlautere Motive. Das nächstliegende unlautere Motiv ist natürlich Geld, und das wird immer wieder vorgebracht: Kritiker seien ganz bestimmt von der bösen Pharmaindustrie gekauft, die bei einem Siegeszug der sanften Homöopathie Angst um ihren Umsatz mit möglichst potenten, nebenwirkungsreichen Chemiehämmern haben müsse und für mehr Geld gern auch Leid und Tod unzähliger Patienten in Kauf nehme.

Derartige Anwürfe kann man in verschiedenen Formen und Gewichtungen an vielen Stellen finden, wo über Homöopathie diskutiert wird. Unter einschlägigen Artikeln Den Rest des Beitrags lesen »


#HomöopathieUmsonst

Der 10. April ist offenbar der World Homeopathy Day und Beginn der World Homeopathic Awareness Week. War mir bisher nicht bekannt, ich finde im Internet auch nicht allzuviel dazu, es gibt nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag. Dieser Tag scheint nur in Indien einige Bekanntheit zu haben. Anlass ist wohl der Geburtstag des Erfinders der Homöopathie, Samuel Hahnemann.

(In Argentinien feiert man an diesem Tag übrigens den Geburtstag des argentinischen Medizin-Nobelpreisträger Bernardo Alberto Houssay als Día de la Ciencia y la Técnica – Tag der Wissenschaft und Technik.)

Gestern morgen hat @littlewisehen auf Twitter einen Artikel über eine Aktion spanischer Skeptiker verlinkt, die diesen Tag auf ihre Art begehen. Sie veralbern die Homöopathie:

Die Aktion lief schon im vergangenen Jahr. Sie kommt vom Verein Farmaciencia und liegt ganz auf meiner Linie – mit Zetteln an Wasserspendern, Trinkbrunnen u.ä. Den Rest des Beitrags lesen »


Geschüttelt, nicht gerührt

Homöopathiejünger behaupten gern, dass die Homöopathie – natürlich – wirkt, dass sie – anders als Medikamente – keine Nebenwirkungen hat und am Ende den Patienten Schmerzen, Zeit und Geld spart. Als Beleg führen manche dann die im Mai 2017 in der Schweiz beschlossene Aufnahme homöopathischer Behandlungen in die Grundversicherung an.

Rechtliche Voraussetzung für diese Aufnahme ist anscheinend der Nachweis, dass die fragliche Methode wirksam, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. Sie muss also für spezifische Indikationen eine gewisse Wirksamkeit nachweisen, sie sollte das angestrebte Ziel mit möglichst wenig Nebenwirkungen erreichen und sie muss, platt gesagt, ein einigermaßen vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten.

Wenn in der Schweiz jetzt Homöopathie von den Kassen bezahlt wird, müssen diese Voraussetzungen ja Den Rest des Beitrags lesen »


X

Wo ich schon beim Buchstabieren bin: Eigentlich hätte dort ein U stehen sollen…

Passt irgendwie zur Globukalypse-Diskussion: Die Homöopathiegemeinde verkauft Esoterik als Medizin; Zucker und geschütteltes Wasser als Medikamente; Plazebo als spezifische Wirkung. Statt wissenschaftlich zu forschen Den Rest des Beitrags lesen »


Weil sie es sich so sehr wünschen…

In den letzten Jahren sind mehr und mehr Krankenkassen in Deutschland dazu übergegangen, homöopathische und andere alternativpseudomedizinische Behandlungen zu bezahlen. Dass die nicht wirken und allerlei unangenehme Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen (mögliche Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten durch Entwöhnung vom rationalen Denken; Diskreditierung der Wissenschaft; mögliche Gesundheitsschädigungen als Folge der Verhinderung oder Verzögerung angemessener Behandlung durch Vorgaukeln einer medizinischen Versorgung; Einstiegsdroge in esoterische Wirrungen; Einstieg in Medikamentensucht, weil es für jedes Wehwehchen sofort ein Mittelchen gibt), interessiert dabei anscheinend nicht.

So werden erhebliche Finanzmittel für wirkungslose oder sogar gefährliche Behandlungen verballert, während anderswo sinnvolle Leistungen aus Kostengründen gestrichen werden. Apotheken etwa müssen einen bestimmten Prozentsatz ihrer Ware aus Parallelimporten beziehen, was offenbar Fälschern und anderen Betrügern Tür und Tor öffnet und die Patienten u.U. in Gefahr bringt. Hausärzte bekommen pro Patient und Quartal in manchen Bundesländern nur eine sehr magere Zeitpauschale erstattet, die für fast gar nichts reicht und zur übertriebenen Nutzung technischer Geräte zur Diagnosestellung ermuntert (weil man das dann gesondert abrechnen kann).

Die Kassen handeln alle paar Jahre Rabattverträge mit den Pharmafirmen und den Herstellern von Verbrauchsmaterialien aus, weshalb dann jedesmal viele Patienten von heute auf morgen andere Medikamente und Materialien beziehen müssen. Medikamente müssen dann oft neu eingestellt werden, die Nebenwirkungen sind anders. Die Passform etwa von Einlagen ist dann jedesmal wieder ungewohnt. Man kann nicht das gewohnte Produkt nehmen, und es ist nicht mehr möglich, das bevorzugte Produkt zu nehmen und den etwaigen Differenzbetrag aus eigener Tasche draufzulegen, weil das von der Kasse vorgeschriebene Produkt abgenommen werden muss, damit die mit den Herstellern ausgehandelten Kontingente auch garantiert ausgeschöpft werden – der Umsatz muss stimmen.

Brillen muss man seit langem selbst bezahlen, bei Zahnersatz teilweise erhebliche Zuzahlungen leisten oder einen Zahnersatz zweiter Klasse akzeptieren (Brücke statt Implantat unter bestimmten Umständen). Und so weiter und so fort.

Das Geld fehlt, heißt es dann, diesen ganzen Luxus können wir uns nicht mehr leisten. Immerhin wird das medizinisch Notwendige finanziert, da soll man doch Den Rest des Beitrags lesen »


Lizenz zum Gelddrucken

Wenn sich jemand irgendwo kritisch über die Homöopathie oder eine ihrer Spielarten äußert, kommt fast immer jemand und behauptet, die Globuli würden aber ganz hervorragend wirken. Oft wird dann von Heilungen im Bekanntenkreis berichtet, oft bei hartnäckigen Krankheiten wie Krebs, an der die „Schulmedizin“ sich im konkreten Fall die Zähne ausgebissen habe und die der Homöopath ratzfatz habe wegheilen können. (Darüber, dass gerade diese spektakulären Krebsheilungen nie in den Zeitungen auftauchen und so gar kein Aufsehen in der Öffentlichkeit erregen, scheint sich bei diesen Leuten niemand zu wundern.)

Immer wieder kommt in diesen Diskussionen auch der Vorwurf, die böse Pharma-Industrie vertreibe aus Geldgier vielfach wirkungslose, schädliche, gefährliche und überteuerte Medikamente und Impfstoffe, um die Menschen krankzumachen oder ihre Gesundung zu verhindern oder wenigstens hinauszuzögern. Die „Schulmediziner“ steckten mit ihnen unter einer Decke, schwatzten ihren Patienten (natürlich wider besseres Wissen) Chemiehämmer auf, wofür Bad Pharma ihnen im Gegenzug ein hübsches Stück von dem fetten Geldkuchen zuschustere. Besonders die flächendeckenden Impfungen seien eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme dieser Seilschaften: nutzlos, gesundheitsschädigend, teuer, zynisch.

Über dieses „Argument“ ärgere ich mich jedesmal wieder. Nicht, weil ich von der Pharma-Industrie bezahlt werde (werde ich nicht, wurde ich nie) oder weil ich „die Pharma-Industrie“ pauschal für Engel auf Erden halte, die Den Rest des Beitrags lesen »