#HomöopathieUmsonst

Der 10. April ist offenbar der World Homeopathy Day und Beginn der World Homeopathic Awareness Week. War mir bisher nicht bekannt, ich finde im Internet auch nicht allzuviel dazu, es gibt nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag. Dieser Tag scheint nur in Indien einige Bekanntheit zu haben. Anlass ist wohl der Geburtstag des Erfinders der Homöopathie, Samuel Hahnemann.

(In Argentinien feiert man an diesem Tag übrigens den Geburtstag des argentinischen Medizin-Nobelpreisträger Bernardo Alberto Houssay als Día de la Ciencia y la Técnica – Tag der Wissenschaft und Technik.)

Gestern morgen hat @littlewisehen auf Twitter einen Artikel über eine Aktion spanischer Skeptiker verlinkt, die diesen Tag auf ihre Art begehen. Sie veralbern die Homöopathie:

Die Aktion lief schon im vergangenen Jahr. Sie kommt vom Verein Farmaciencia und liegt ganz auf meiner Linie – mit Zetteln an Wasserspendern, Trinkbrunnen u.ä. Weiterlesen »

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Geschüttelt, nicht gerührt

Homöopathiejünger behaupten gern, dass die Homöopathie – natürlich – wirkt, dass sie – anders als Medikamente – keine Nebenwirkungen hat und am Ende den Patienten Schmerzen, Zeit und Geld spart. Als Beleg führen manche dann die im Mai 2017 in der Schweiz beschlossene Aufnahme homöopathischer Behandlungen in die Grundversicherung an.

Rechtliche Voraussetzung für diese Aufnahme ist anscheinend der Nachweis, dass die fragliche Methode wirksam, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. Sie muss also für spezifische Indikationen eine gewisse Wirksamkeit nachweisen, sie sollte das angestrebte Ziel mit möglichst wenig Nebenwirkungen erreichen und sie muss, platt gesagt, ein einigermaßen vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten.

Wenn in der Schweiz jetzt Homöopathie von den Kassen bezahlt wird, müssen diese Voraussetzungen ja Weiterlesen »

X

Wo ich schon beim Buchstabieren bin: Eigentlich hätte dort ein U stehen sollen…

Passt irgendwie zur Globokalypse-Diskussion: Die Homöopathiegemeinde verkauft Esoterik als Medizin, Zucker und geschütteltes Wasser als Medikamente, Plazebo als spezifische Wirkung. Statt wissenschaftlich zu forschen Weiterlesen »

Weil sie es sich so sehr wünschen…

In den letzten Jahren sind mehr und mehr Krankenkassen in Deutschland dazu übergegangen, homöopathische und andere alternativpseudomedizinische Behandlungen zu bezahlen. Dass die nicht wirken und allerlei unangenehme Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen (mögliche Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten durch Entwöhnung vom rationalen Denken; Diskreditierung der Wissenschaft; mögliche Gesundheitsschädigungen als Folge der Verhinderung oder Verzögerung angemessener Behandlung durch Vorgaukeln einer medizinischen Versorgung; Einstiegsdroge in esoterische Wirrungen; Einstieg in Medikamentensucht, weil es für jedes Wehwehchen sofort ein Mittelchen gibt), interessiert dabei anscheinend nicht.

So werden erhebliche Finanzmittel für wirkungslose oder sogar gefährliche Behandlungen verballert, während anderswo sinnvolle Leistungen aus Kostengründen gestrichen werden. Apotheken etwa müssen einen bestimmten Prozentsatz ihrer Ware aus Parallelimporten beziehen, was offenbar Fälschern und anderen Betrügern Tür und Tor öffnet und die Patienten u.U. in Gefahr bringt. Hausärzte bekommen pro Patient und Quartal in manchen Bundesländern nur eine sehr magere Zeitpauschale erstattet, die für fast gar nichts reicht und zur übertriebenen Nutzung technischer Geräte zur Diagnosestellung ermuntert (weil man das dann gesondert abrechnen kann).

Die Kassen handeln alle paar Jahre Rabattverträge mit den Pharmafirmen und den Herstellern von Verbrauchsmaterialien aus, weshalb dann jedesmal viele Patienten von heute auf morgen andere Medikamente und Materialien beziehen müssen. Medikamente müssen dann oft neu eingestellt werden, die Nebenwirkungen sind anders. Die Passform etwa von Einlagen ist dann jedesmal wieder ungewohnt. Man kann nicht das gewohnte Produkt nehmen, und es ist nicht mehr möglich, das bevorzugte Produkt zu nehmen und den etwaigen Differenzbetrag aus eigener Tasche draufzulegen, weil das von der Kasse vorgeschriebene Produkt abgenommen werden muss, damit die mit den Herstellern ausgehandelten Kontingente auch garantiert ausgeschöpft werden – der Umsatz muss stimmen.

Brillen muss man seit langem selbst bezahlen, bei Zahnersatz teilweise erhebliche Zuzahlungen leisten oder einen Zahnersatz zweiter Klasse akzeptieren (Brücke statt Implantat unter bestimmten Umständen). Und so weiter und so fort.

Das Geld fehlt, heißt es dann, diesen ganzen Luxus können wir uns nicht mehr leisten. Immerhin wird das medizinisch Notwendige finanziert, da soll man doch Weiterlesen »

Lizenz zum Gelddrucken

Wenn sich jemand irgendwo kritisch über die Homöopathie oder eine ihrer Spielarten äußert, kommt fast immer jemand und behauptet, die Globuli würden aber ganz hervorragend wirken. Oft wird dann von Heilungen im Bekanntenkreis berichtet, oft bei hartnäckigen Krankheiten wie Krebs, an der die „Schulmedizin“ sich im konkreten Fall die Zähne ausgebissen habe und die der Homöopath ratzfatz habe wegheilen können. (Darüber, dass gerade diese spektakulären Krebsheilungen nie in den Zeitungen auftauchen und so gar kein Aufsehen in der Öffentlichkeit erregen, scheint sich bei diesen Leuten niemand zu wundern.)

Immer wieder kommt in diesen Diskussionen auch der Vorwurf, die böse Pharma-Industrie vertreibe aus Geldgier vielfach wirkungslose, schädliche, gefährliche und überteuerte Medikamente und Impfstoffe, um die Menschen krankzumachen oder ihre Gesundung zu verhindern oder wenigstens hinauszuzögern. Die „Schulmediziner“ steckten mit ihnen unter einer Decke, schwatzten ihren Patienten (natürlich wider besseres Wissen) Chemiehämmer auf, wofür Bad Pharma ihnen im Gegenzug ein hübsches Stück von dem fetten Geldkuchen zuschustere. Besonders die flächendeckenden Impfungen seien eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme dieser Seilschaften: nutzlos, gesundheitsschädigend, teuer, zynisch.

Über dieses „Argument“ ärgere ich mich jedesmal wieder. Nicht, weil ich von der Pharma-Industrie bezahlt werde (werde ich nicht, wurde ich nie) oder weil ich „die Pharma-Industrie“ pauschal für Engel auf Erden halte, die Weiterlesen »

Homöopathischer Modellbau

Samuel Hahnemann hat es ja nun geschafft. Seine Lehre von der Homöopathie ist, wenn schon nicht in der wissenschaftlichen Medizin, dann doch immerhin in der Gesellschaft angekommen. Sehr viele Leute glauben an die Wirksamkeit homöopathischer Behandlungen, viele Hausärzte in Deutschland verschreiben zumindest gelegentlich Homöopathika. In Traunstein soll jetzt eine Privatuniversität für Homöopathie eröffnet werden (mehr dazu bei den Ausrufern), die meisten Krankenkassen bezahlen mittlerweile homöopathische Behandlungen, und die Hersteller homöopathischer Präparate haben ein krisenfestes Auskommen.

Dass es keinerlei Vorstellungen von einem Wirkungsmechanismus gibt, ist offensichtlich egal. Dass es bis heute nicht recht gelingen will, in methodisch einwandfreien Studien eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung homöopathischer Präparate nachzuweisen, scheint auch nicht weiter zu interessieren. Wer heilt hat recht, heißt es. Und so mancher homöopathisch Behandelte ist ja auch tatsächlich wieder gesund geworden. Also muss es an dem verdünnten Wasser oder den damit beträufelten Zuckerkügelchen gelegen haben.

An dieser Stelle möchte ich jetzt Weiterlesen »

Schlechte Laune C30

Homöopathie ist großartig. Echt! Man verdünnt ein bisschen Kräutersud bis weit jenseits der Nachweisgrenze, und schon hat man ein potentes Medikament. Je weniger Wirkstoff, desto stärker die Medizin, und man kann auf diese Art prinzipiell gegen jedes Leiden ein Mittel brauen.

Das allein ist schon klasse. Aber die Homöopathie bleibt nicht im Gestern stehen, sie geht mit der Zeit und findet auch Lösungen für Probleme, die zu Hahnemanns Zeiten noch gar nicht abzusehen waren, beispielsweise Elektrosmog. Die Süddeutsche schreibt über das Geschäft mit der Angst vor Elektrosmog. Da wird ein homöopathisches Mittel gegen Elektrosmog erwähnt.

Zur Herstellung beschießt man Wasser mit für Elektrosmog typischen elektromagnetischen Strahlen. Dann wird es à la Hahnemann potenziert, d.h. verdünnt, geschüttelt, wieder verdünnt, wieder geschüttelt usw. Anschließend wird das so gewonnene verdünnte Wasser auf Zuckerkügelchen getropft und verkauft. Das soll dann vor den Folgen von Elektrosmog schützen.

Die Idee finde ich genial. Ich ärgere mich richtiggehend, dass sie nicht mir gekommen ist. Dafür spinne ich sie einfach mal weiter: Weiterlesen »