Gewinn für die Menschheit

Wie zu erwarten war ist die katholische Kirche nicht begeistert vom Ausgang des Referendums zur Ehe für homosexuelle Paare in Irland. Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin lässt wissen, er sei sehr traurig über dieses Ergebnis. Die Kirche müsse diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken. Man könne, glaubt er, nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien sprechen, sondern von einer Niederlage für die Menschheit. Man müsse alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe.

Peinlich ist erstmal, dass der Mann wieder die alte Leier von der Verteidigung der Familie anstimmt, als ob Den Rest des Beitrags lesen »

Werbeanzeigen

Toleranz? Indoktrinationsalarm!

Derzeit läuft ja der Streit um die Bildungsreform 2015 des baden-württembergischen Kultusministeriums(darüber hatte ich gestern schon geschrieben). Zentrales Ziel des zur Debatte stehenden Bildungsplans ist es, den Schülerinnen und Schülern Toleranz für alternative Lebensentwürfe zu vermitteln, über die ganze Schulzeit und fächerübergreifend.

In einem Arbeitspapier zur Verankerung der Leitprinzipien wird das auf Seite 2 so zusammengefasst:

Verlangt werden in diesem Zusammenhang Kreativität, Kritik- und Kommunikationsfähigkeit sowie die Fähigkeit zu selbstbestimmtem, sozial und ökologisch verantwortlichem Handeln. Die Kinder und Jugendlichen müssen in der Lage sein, ihre eigenen Wertvorstellungen und Haltungen zu reflektieren und weiter zu entwickeln, Probleme und Konflikte friedlich zu lösen bzw. auszuhalten, aber auch Empathie für andere entwickeln zu können und sich selbst bezüglich des eigenen Denkens und Fühlens zu artikulieren und – wenn nötig – auch zu relativieren. Das macht es auch erforderlich, die Perspektiven anderer Personen und Kulturen übernehmen zu können, Differenzen zwischen Geschlechtern, sexuellen Identitäten und sexuellen Orientierungen wahrzunehmen und sich für Gleichheit und Gerechtigkeit einsetzen zu können. Die Auseinandersetzung mit eigenen Wünschen und Vorstellungen, Perspektiven für und Möglichkeiten der künftigen alltäglichen, beruflichen und gesellschaftlichen Lebensgestaltung durchziehen daher den schulischen Alltag. (Quelle)

Das erscheint mir sehr vernünftig und sinnvoll. Ziel der Schulbildung sollen Sozialkompetenz und Alltagstauglichkeit sein, Toleranz- und Empathiefähigkeit. Alles Dinge, die unsere Gesellschaft lebenswerter und weniger engstirnig machen werden, wenn sie mehr Verbreitung finden. Dinge, von denen ich hoffe, sie meinen eigenen Kindern mitgeben zu können, Schule hin oder her.

Der heftige Widerstand gegen dieses Vorhaben war zu erwarten, immerhin geht es ja unter anderem auch um Homosexualität und ihre Wahrnehmung und Darstellung in Schule und Gesellschaft. Dass die christlichen Kirchen sich eher gegen den Entwurf des Bildungsplans stellen würden, war auch abzusehen.

Trotzdem geht mir der Hut hoch, wenn ich die gemeinsame Verlautbarung der beiden evangelischen Landeskirchen und der katholischen Diözesen Baden-Württembergs lese. Dort heißt es allen Ernstes: Den Rest des Beitrags lesen »