Dämmerung auf Reisen

Was ich nicht verstehe, was ich echt nicht verstehe: Warum die Bahn in den neuen ICEs (und in den alten, wenn sie generalüberholt werden) keine Leselampen mehr einbaut. Ich fand die Dinger immer sehr nützlich, weil ich gern lese, und zwar ganz altmodisch auf Papier.

Ich habe nichts gegen Lesegeräte, ganz im Gegenteil (Einige meiner besten Freunde haben Lesegeräte! Außerdem wären solche Dinger als Schulbuchersatz ein wahrer Segen, frag mal einer die Kinder, die Tag für Tag einen halben Regalmeter Wissen auf Papier durch die Stadt tragen müssen!), aber wegen des Format- und Anbietergewirrs und des bisweilen anmaßenden Geschäftsgebarens mancher Anbieter – Amazon, heißt es, schießt bei vermeintlichem Fehlverhalten von Kunden schonmal Benutzerkonten ins Nirwana, und dann hat man keinen Zugriff mehr auf die eigenen, käuflich erworbenen(!) Bücher, alle Lesezeichen und Anmerkungen sind futsch und man kann Amazon dann nur über eine dubiose Servicehotline kontaktieren, deren Hauptzweck das Abwimmeln der geschassten Nicht-mehr-Kunden sein soll – deswegen Den Rest des Beitrags lesen »

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Lohnt sich Einweg?

Jean Paul soll mal geäußert haben: Ein Buch, das nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden,
ist auch nicht wert, dass man’s einmal liest.

Eine bedenkenswerte These, möchte man meinen. Leuchtet erstmal ein, glaubt man. Tut man ja immer, wenn jemand Gebildetes einen Kalenderspruch in die Runde wirft, da sind wir entsprechend konditioniert. Muss eigentlich was dran sein, wenn all die klugen Köpfe das so abnicken.

Aber warum eigentlich? Ich habe meterweise Bücher gelesen, wo die Lektüre Spaß gemacht hat. Bücher, die spannend waren, oft witzig, wo ich bestens unterhalten war und es nicht bereue, sie gelesen zu haben, wo ich die darauf verwendete Zeit gut angelegt finde. Bücher allerdings, von denen ich viele so bald nicht wieder lesen werde, wenn überhaupt je.

Bücher (und Filme), die wesentlich auf dem Spiel mit dem Unerwarteten beruhen, die mit überraschenden Wendungen und Doppeldeutigkeiten arbeiten, sind typische Kandidaten für nur einmaliges Lesen. Die funktionieren nämlich oft nicht mehr so gut, wenn man die Pointe schon kennt. Deshalb müssen sie aber nicht schlecht sein.

Natürlich könnte man Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (2)

… der Mann, der an einem Dezemberabend gegen 22 Uhr bei 5°C einen dicken Wälzer lesend die Straße entlangkam. Er ging langsam im fahlen Licht der Straßenlaternen, schaute immer wieder kurz hoch, versank dann wieder zwischen den Seiten.

Es war ein richtiger Backstein von Buch, gerade angefangen. Könnte The Pillars of the Earth oder ein Band von Game of Thrones gewesen sein.

Bei der Szene musste ich an Das fesselnde Buch aus Vater und Sohn von e.o.plauen denken.


Zeitraffer

Ich weiß noch, wie ich zur Leseratte wurde. Lesen hatte ich ganz normal in der ersten Klasse gelernt und dann längere Zeit nur in der Schule bzw. für die Schule praktiziert. Dass man auch zum Spaß lesen konnte, wusste ich zwar, weil bei uns zu Hause ganze Wände mit Bücherregalen vollstanden und meine Eltern eigentlich immer mit Büchern beschäftigt waren. Aber für mich selbst hatte ich das Lesen noch nicht entdeckt.

Irgendwann in der zweiten Klasse habe ich dann mein erstes Buch in Angriff genommen. Ein eher dünnes Buch, aber mit normalem Layout, nicht in Schreibschrift oder übergroßer Leselerntype gesetzt. Eben ein „richtiges“ Buch für Leute, die schon richtig lesen können. Auf den ersten paar Seiten war es noch hakelig und anstrengend, dann las es sich aber überraschend flüssig, und ich habe es dann auf einen Rutsch von vorn bis hinten durchgelesen.

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