Fantastisch vermesssen

Vor einiger Zeit hatte ich über belebtes Wasser geschrieben. Wunderbarer Stoff, ganz anders als das schein- bis mausetote Industriewasser aus der Leitung! Jetzt habe ich gelesen, dass Wasser nicht nur von Wasserleitungen totgemacht wird, sondern dass es auch zu Schaden kommt, wenn man es durch runde Öffnungen schüttet. Sobald Wasser eine runde Öffnung passiert, fallen die Bovis-Werte schlagartig ins Bodenlose. Das liegt anscheinend daran, dass der Kreis ein ganz fieses Ding ist und für alles, was er berührt bzw. umgibt, die Bovis-Werte auf Null setzt.

(Der Bovis-Wert ist eine radiästhetische Fantasiegröße, die folgendermaßen, ahem, gemessen wird: Der Radiästhet bringt eine gedruckte Skala in die Nähe des zu messenden Gegenstandes und nennt intuitiv eine der aufgedruckten Zahlen. Fertig. Oder jemand anderes liest die aufgedruckten Werte vom größten beginnend laut vor, bis der Radiästhet einen Wert per Zuruf bestätigt. Doppelfertig. Wer will kann sich aber auch eigene, ahem, Messmethoden und Accessoires ausdenken, „programmierte Karten“ zum Ziehen etwa, die sind alle gleich gültig, die ermittelten Werte stimmen auf jeden Fall! Endfertig.)

Aber zurück zum Kreis. Die Entdeckung mit der schlimmen Wirkung der Kreisform soll von einem Neonazi stammen, der in Haft anscheinend viel Zeit zum Nachdenken übrig hatte. Entsprechend tiefgründig sind die Erkenntnisse, die man sich in einem dreistündigen Video vortragen lassen kann. Egal, Den Rest des Beitrags lesen »

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„Musik“

Das Radio läuft. Ich wohne in einem Haushalt mit Leuten, die das Ding gern laufen haben. Ist auch ok. Meistens. Wir haben Internetradio, da ist man nicht an die paar lokal empfangbaren Sender gebunden, und wenn der gerade laufende Sender mal ins Unangenehme abdriftet, können wir fast immer was Konsensfähiges finden. Also was, mit dem wir alle in dem Moment einigermaßen leben können.

Diesen Text habe ich schon seit einiger Zeit herumliegen, murkse immer mal dran rum, bin nicht zufrieden und lege ihn wieder weg. Jetzt hat Kollege Lars Dithmarschen was über „Witzige“ Werbetexter im röhrenden Radio geschrieben, und da dachte ich dass das jetzt vielleicht eine gute Gelegenheit ist, das Machwerk hier mal rauszuhauen.

Das Radio läuft also, und ich habe das Gefühl, seit einer Viertelstunde dieselbe 2-Takt-Schleife zu hören. Irgendein Hirni wiederholt mit gequetschter Stimme dieselbe kurze Phrase eins ums andere Mal, bis es mir eine Spur ins Hirn fräst. Den Rest des Beitrags lesen »


Weitergedacht

Die Tochter sitzt am Klavier und gibt eine hakelige Version von Old MacDonald Had a Farm zum Besten. Ich glaube, sie verliert gelegentlich den Faden und verzählt sich dann bei der langen Reihe gleicher Töne in der zweiten Hälfte der Strophe. Später probiert sie verschiedene Klangfarben und Instrumente durch, die man auf dem Klavier einstellen kann. Immer mit einer Strophe Old MacDonald Had a Farm.

Meiner Meinung nach sollte der Urheber dieses Liedes zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt werden. Der Urheber von Jingle Bells und des Flohwalzers ebenso. Außerdem alle geschäftsfähigen Interpreten der beiden Lieder. (Der Flohwalzer spielt meiner Erfahrung nach im klassischen Musikbetrieb praktisch keine Rolle, wird von Klavierlernenden aber trotzdem bis zum Abwinken gespielt. Für den sollte deshalb der Vollständigkeit halber dasselbe gelten.) Außerdem alle, die die obengenannten Stücke zur Musikerziehung benutzen und Kinder diese auf Blockflöte, Geige, Klavier o.ä. spielen lassen. Und Verleger, die diese Stücke in ihre Lehrwerke einbauen.

Für jedes Mal, das eines der obengenannten Stücke von Musikschülern auf egal welchem Instrument intoniert wird, sollten die Verantwortlichen Den Rest des Beitrags lesen »


Kernige Zeit

Jetzt in der Adventszeit hört man wieder allenthalben einschlägiges Liedgut, oft in zuckrig überkitschten Versionen, mit dem der Einzelhandel möglichst viele zum Kauf aller möglichen Saisonware zu verleiten versucht. Die Beschallung ist die Pest, und zwar völlig unabhängig von den etwaigen musikalischen und lyrischen Stärken oder Schwächen des Repertoires. Allein die Schmierigkeit dieser Musiksurrogatbrühe reicht schon fast aus, empfindsamen Gemütern die Musik schlechthin und das Einkaufen zu verleiden.

Neben nicht totzukriegenden Klassikern wie Stille Nacht oder Jingle Bells auch immer wieder dabei: Morgen kommt der Weihnachtsmann von Hoffmann (Deutschlandlied) von Fallersleben, meistens in einer demilitarisierten Version geknödelt, also ohne die bei Fallersleben zentralen Elemente Trommel, Pfeife, Gewehr, Fahne, Säbel, Kriegesheer usw.

Als ganzes Den Rest des Beitrags lesen »


Nun weihnachtet’s wieder

Man kann ja zum Advent stehen, wie man will. Man kann sich als Atheist daran stören, dass der Advent und sein Höhepunkt, Weihnachten, überhaupt gefeiert werden. Man kann sich als Christ daran stören, dass die Geburt Jesu derart kommerziell ausgeschlachtet wird. Man kann sich als Muslim, Hindu, Buddhist, Heide oder Spagettimonsterianer wünschen, dass statt Advent andere Feierlichkeiten im öffentlichen Bewusstsein präsenter werden.

Als Anbeter des freien Marktes kann man sich ärgern, dass im Weihnachtsgeschäft jedes Jahr so viel Geldmachpotenzial ungenutzt bleibt, weil die Werber zu ungeschickt, die Gewerbetreibenden zu zaghaft und die potenziellen Kunden zu kaufunlustig, anreizresistent oder werbeverdrossen sind.

Aber egal, was man nun vom Advent hält, es dürfte weltanschauungsübergreifend weitgehend Einigkeit darüber herrschen, Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch…

… der Mann, der an einem Sonntagmorgen um halb acht auf dem Fahrrad die Straße entlangdriftete. Auf dem Gepäckträger eine Sperrholzkiste von der Größe eines Bananenkartons mit zwei großen Lautsprechern, aus denen sehr relaxte, irgendwie techno-artige Musik kam, rein instrumental. Die Lautstärke war grenzwertig, bei offenem Fenster zur Straße wäre ich davon nur deshalb nicht aufgewacht, weil die Straßenbahn, die kurz vorher vorbeigefahren ist, in der Kurve außergewöhnlich laut gequietscht hat. Als er um die nächste Ecke verschwand, war die Musik kaum noch zu hören.

Sonntagsmorgens ohne guten Grund auf der Straße Krach egal welcher Art zu machen grenzt an asozial, aber das hier war so eine friedliche Szene, das hat die Schläfrigkeit dieses Sommermorgens noch verstärkt. Es ist noch nicht heiß, aber nach dem Gewitter gestern abend schon wieder schwül, und die Musik hat genau dazu gepasst. Schön, das beobachtet zu haben.


Stahlkocher

Vor einer Weile bin ich auf ein Stück Musik gestoßen, das mich fasziniert, nämlich The Eternal Flames of Metal der mir bis dato unbekannten schwedischen Band Cryonic Temple.

Musikalisch recht gelungen, finde ich. Druckvoll und dabei melodisch. Die Stimme vielleicht etwas dünn, aber noch im Toleranzbereich. Das Schlagzeug etwas zu flach, das könnte ruhig etwas plastischer klingen, aber gut, es funktioniert. Die Struktur von dem Stück (Grundgerüst: ABABCC) hat was, bei jedem Wechsel Den Rest des Beitrags lesen »