Inflationär

Seit einer Weile hängen an einem Plakatständer in der Nachbarschaft nebeneinander ein Plakat für die „Nacht der Fünf Tenöre“ und eines für einen Auftritt der „12 Tenors„. Soviele Tenöre, muss das sein? Früher gab es den Tenor als Solisten vor allem in der Oper. Den legendären Enrico Caruso etwa. Vielleicht gibt es in der klassischen Opernliteratur auch Werke, die zwei oder mehr Tenöre erfordern, aber gewöhnlich hatte man einen Tenor und gut war.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts ging die allgemeine Bildung wieder einmal den Bach hinunter. Die Aufmerksamkeitsspanne der jetzt nicht mehr so gebildeten jungen Leute wurde mit dem Aufkommen von Radio, Fernsehen und anderen Kommunikationstechnologien immer kürzer. Die moderne Musik, also das, was auf bildungsbürgerdeutsch U-Musik heißt, bietet bis heute vorwiegend Formate, die diese Entwicklung unterstützen und beschleunigen. Weil also kaum noch jemand ganze Opern hört, schon gar nicht im Opernhaus, viele Solisten aber durchaus Popstarqualitäten mitbringen, war hier eine Vermarktungslücke entstanden. Jemand hatte dann wohl die Idee, die klassische Opernliteratur durchzukämmen, die für Klassik-Laien am ehesten verdaulichen Passagen zusammenzuschnipseln und im Stil von Best-of-Alben unter’s Fernsehvolk zu bringen.

Anfang der 90er Jahre Den Rest des Beitrags lesen »

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