Lederhosenzwang?

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis jemand die leidige Leitkulturdebatte wieder auf den Herd stellt. Jetzt stellen sie sich groß hin und rühren mit großem Geblöke in dem alten ranzigen Brei. Natürlich kommt der Vorstoß wieder von der CSU, aber diesmal steht die sächsische CDU mit am Herd. Das arme Deutschland könnte verwässern, glauben die, per (so nicht genannter) Überfremdung kulturell ausbluten und wäre am Ende gar nicht mehr die vertraute Gartenzwergidylle mit Schwarzbrot und Autobahn ohne Tempolimit und reinheitsgebotenem Bier und Weihnachtsgeld und Gelbem Sack.

Unser Deutschland wie wir es kennen und lieben ist angeblich in höchster Gefahr, und damit Unser Deutschland auch ja Unser Deutschland bleibt, muss jetzt unbedingt was unternommen werden. Sonst wachen wir übermorgen womöglich in einem muselmanischen Alemanistan auf oder in einer linksgrünversifften Union der entdeutschten Länder oder gleich staatenlos in der umvolkungsbedingten Diaspora. Wir müssten alle Schleier und Vollbart tragen, unsere Kinder zur Homosexualität erziehen und Den Rest des Beitrags lesen »

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Degeneriert

Neulich habe ich in so einem völkisch orientierten, fleißig „überfremdungskritisch“ trompetenden Hetzblog gelesen, Englisch sei nichts weiter als ein degenerierter deutsch/germanischer Dialekt. Die englische Kultur sei nichts weiter als eine auf einer [sic!] Abart germanischer Sprachen bezogene Randerscheinung der Germanen, und – natürlich – ohne den deutschen Vorfahren gebe [sic!] es die “englische” Kultur nicht. Englisch sei die Weltsprache der Degenerierten.

Kann man meinen, es wird davon aber nicht richtiger. Und wenn ich mir anschaue, mit was für Parolen derzeit in Deutschland spazierengegangen und marschiert wird, frage ich mich, wen man hier für degeneriert halten soll.

Erstmal zur Kultur: Mir liegt es fern, die „englische Kultur“ als besonders hochstehend oder nachahmenswert hinstellen zu wollen. Sie ist im Wesentlichen ein Fork der gemeinsamen, eigentlich noch nicht wirklich deutschen Vorgängerkultur. Seit der Übersiedlung der Angeln und Sachsen auf die britischen Inseln ist sie natürlich durch romanische, namentlich französische Einflüsse „verdorben“ worden. Andererseits müsste der langjährige dänische (also germanische!) Einfluss sie im Gegenzug veredelt haben, da könnte der Saldo am Ende einigermaßen ausgeglichen sein. So oder so Den Rest des Beitrags lesen »


ß

Neulich hatte ich ja eine Umfrage gemacht, um welches Symbol die schwarzrotgoldene Deutschlandfahne zu ergänzen sei. Ziel war die Rettung des Vater- und des Abendlandes durch Hochhalten und Zementieren Deutscher Werte. (Ich hatte stringent dargelegt, dass diese Rettung von der reichlichen Verwendung des ß in allen Schriftlichkeiten abhängt oder von dieser wenigstens maßgeblich getragen wird.)

Die erbetene reichliche Teilnahme schlug sich in 13 abgegebenen Stimmen nieder. Davon entfallen drei auf Loriot mit Nudel im Gesicht, je zwei auf den Dampfstrahlreiniger, die Currywurst und das ß. Das Vollkornbrötchen hat eine Stimme erhalten. Je eine Stimme geht auch an die drei unter Others (da ist das UI nicht vollständig übersetzt, habe das auf die Schnelle auch nicht flicken können) eingereichten Vorschläge: Autobahn-Verkehrssymbol, grüner Kreis … äh, Punkt und Stahlhelm.

Kollege Nömix hat in einem Kommentar noch Dosenpfand, Gartenzwerg und Eintrittsgebühr am Tankstellen-WC vorgeschlagen. Ob er für einen der Vorschläge in der Umfrage abgestimmt hat, weiß ich nicht, er hat jedenfalls keinen seiner eigenen Vorschläge entsprechend herausgehoben. Ist aber nicht so wichtig, und so oder so sind die sechs zusätzlichen Vorschläge sehr interessant, wenn auch teils grafisch kaum umsetzbar.

Das Autobahnsymbol ist ein Beispiel dafür, wie Deutschland oft auf etwas vergleichsweise Unwichtiges reduziert wird (das passiert anderen Ländern übrigens auch – Den Rest des Beitrags lesen »