Brause aus der Tüte

Zu meinen angenehmen Kindheitserinnerungen gehört Ahoj-Brause. Diese kleinen Tüten mit Getränkepulver, die mit Leitungswasser aufgegossen Limonade ergaben. Das schäumte kurz auf, dann trank man das Zeug und unten blieb immer Zucker übrig. Es gab die Geschmacksrichtungen Zitrone, Orange, Himbeere und Waldmeister.

Man konnte das Brausepulver auch sehr schön trocken essen. Das schäumte im Mund, war geschmacklich viel intensiver und irgendwie zutiefst befriedigend. Hinterher hatte man von der Säure immer ganz stumpfe Zähne. Das fand ich zwar unangenehm, habe es aber immer wieder in Kauf genommen, weil es vorher so toll war. Maoam hat direkt danach übrigens immer eine Weile lang irgendwie anders geschmeckt als normal.

Vor Jahren Den Rest des Beitrags lesen »


Die Läden meiner Kindheit – der Fahrradladen

Wenn mein Großvater außer Zeitung und Bier noch andere Sachen einzukaufen hatte, ist er mit mir zum Supermarkt am anderen Ende der Hauptstraße gegangen. Auf dem Weg dorthin (und auf dem Rückweg wieder!) kamen wir immer an einem Fahrradladen vorbei, an dessen Schaufenster ich mir die Nase gar nicht lange genug plattdrücken konnte, sehr zum Leidwesen des mich jeweils begleitenden Erwachsenen.

Jedenfalls die Frauen der Familie waren in der Regel eher weniger geneigt, lange mit mir vor dem Fahrradladen herumzustehen oder gar hineinzugehen, da war für mich nichts zu holen. Mein Großvater, damals schon Rentner, hatte dagegen alle Zeit der Welt und störte sich nicht daran, einiges davon vor Schaufenstern meiner Wahl zu verbringen.

Spätestens im frühen Grundschulalter entwickelte ich zunehmend konkretes Interesse am Sortiment. Die hatten nämlich großartige Sachen dort, Rennräder etwa. Und, weniger unerschwinglich, Den Rest des Beitrags lesen »


Die Läden meiner Kindheit – die Trinkhalle

In Deutschlands erster Frauenzeitschrift für Männer läuft ein Erzählprojekt zum Thema „Die Läden meiner Kindheit„. Da machste mit, dachte ich mir. Dann kamen verschiedene Dinge dazwischen, das ganze blieb liegen. Aber jetzt geht das ja auch noch. Also:

Ein paar Hundert Meter von der Wohnung meiner Großeltern entfernt gab es diesen Kiosk in der Hauptgeschäftsstraße des Stadtteils. Es war keine Bude, die irgendwo stand, sondern ein großes Fenster in einer Hausfront direkt am Bürgersteig. Das mittlere Fenstersegment war offen, die Segmente links und rechts dienten als Schaufenster. An der Rückwand waren Regalbretter bis an die Decke, großzügig mit Ware vollgestellt, an der einen schmalen Seitenwand stand ein großer Kühlschrank, und eine Eistruhe gab es auch irgendwo. Die Kundschaft stand auf dem Bürgersteig, vielleicht war da eine schmale Markise drüber, aber das weiß ich nicht mehr so genau.

Betrieben wurde der Kiosk von einem älteren Ehepaar, die den ganzen Tag in ihrem ziemlich vollgestopften Verkaufsraum saßen, meistens zusammen, manchmal war aber auch nur einer von beiden da. Es gab noch ein Hinterzimmer, wo anscheinend ein Fernseher stand und ein oder zwei Sessel. Ware lagerte dort wohl auch, jedenfalls wurde gelegentlich von dort hinten etwas geholt. Ob dahinter eine Wohnung war oder ob die beiden anderswo wohnten, weiß ich gar nicht. Als Kleinkind wusste ich nur, die sind immer dort und verkaufen Sachen.

Das Sortiment umfasste erstmal Den Rest des Beitrags lesen »


Das alte Radio

Gestern hat mich dieses Foto von Berlinographics an das alte Röhrenradio meiner Großeltern erinnert. Das war ein Schaub-Lorenz Phonosuper 59, ein bierkastengroßes Möbel mit vielen Tasten, Knöpfen, Drehreglern und einem Plattenspieler unter dem Deckel. Das Ding stand zeit meiner Kindheit ungenutzt auf dem Kleiderschrank, man hatte ja seit Mitte der 60er Jahre einen Fernseher und ein tragbares Transistorradio für den Alltag.

Das Phonosuper konnte natürlich UKW, KW, MW und LW, hatte wie berlinos Gerät auf der von hinten beleuchteten Frontscheibe tausend Markierungen für bestimmte Radiosender, die großenteils durch Städtenamen gekennzeichnet waren. München, Belgrad, Monte Carlo… Da frage ich mich jetzt: Wie langfristig waren damals die Frequenzen vergeben, dass man diese Information den Geräten dauerhaft und praktisch nicht korrigierbar mitgab?

Irgendwann haben wir das Trumm dann geerbt, da muss ich so 12 oder 13 gewesen sein. Ein paar Jahre lang hatte ich es in meinem Zimmer stehen, und ich habe den Kasten geliebt. Radiohören war damit nämlich ein Abenteuer, da wehte wirklich der Duft der großen weiten Welt aus den Lautsprechern. Ein bisschen wie bei den Flugkapitänen oder Seeleuten, die man gelegentlich von ferne auf dem Bahnhof sah.

Und dieses behäbige Großvaterradio hatte Reichweite. Man konnte Den Rest des Beitrags lesen »