Zu spät

Nachmittags an einer Straßenbahnhaltestelle. Ein Mann steht auf dem Bahnsteig, raucht, wechselt über die Schienen ein paar Worte mit Bekannten, die auf dem Bahnsteig gegenüber stehen. Eine Straßenbahn fährt ein, hält, die Türen öffnen sich, Leute steigen ein und aus. Die Türen schließen sich, gleich fährt die Bahn weiter.

Vom Ende des Bahnsteigs kommt eine Frau mit einer Einkaufstasche gelaufen, um die Bahn noch zu erwischen. Sie drückt den Knopf an der hinteren Tür, die Tür öffnet sich, die Frau steigt ein. Gleichzeitig setzt sich der Mann in Bewegung, drückt den Knopf an der nächsten Tür, aber die geht nicht auf, der Fahrer hat die Knöpfe wohl abgeschaltet, nachdem die Frau eingestiegen war.

(Das machen sie manchmal, weil sie sonst schlimmstenfalls Den Rest des Beitrags lesen »

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Nur mit gültiger Fahrkarte

Vor einer Weile habe ich über das Bahnfahren ohne gültigen Fahrausweis geschrieben. Genauer gesagt, über die Formulierung von Ermahnungen an Fahrgäste, doch bitte lieber eine Fahrkarte zu lösen, weil ohne Fahrkarte erwischt zu werden teuer und unangenehm ist. Anlass war ein etwas langatmiger Text dieser Art, der zu winkeladvokatischen Verdrehungen geradezu einlädt.

Später habe ich dann eine Serie vielleicht fast ein bisschen unfreundlich, aber immerhin halbwegs klar und wasserdicht formulierter Aufkleber vorgestellt vorgestellt. Die schwarze Version hatte noch überflüssigen Ballast, die rote Version war knapp und auf den Punkt.

Jetzt habe ich in einer Regionalbahn einen schon etwas älteren Aufkleber gefunden, der klar und deutlich, sachlich und dabei nicht unfreundlich formuliert ist:

Das, muss ich sagen, finde ich gelungen.

Und das hier auch:

Da weiß man, worauf man sich einlässt.


Über den Wolken

Drei Mädchen, so 13 oder 14 Jahre alt, flattern gutgelaunt durch den Zug, von einem Ende des Zuges ans andere und zurück, auf der Suche nach zusammenhängenden Sitzplätzen.

Auf dem Weg durch den Zug singen sie Über den Wolken von Reinhard Mey. Mit Lücken im Text. Mit angeschrägten Passagen, wo die Melodie an die Grenzen des verfügbaren Stimmumfangs geht. Mit Aussetzern und ungeplanten polyphonen Episoden, wenn die eine oder andere den rhythmischen Faden verliert oder über ein im Gang abgestelltes Gepäckstück stolpert, deswegen erschreckt aufhört zu singen und dann neu ansetzt. Umrahmt von Lachsalven und einer gleichzeitig geführten Unterhaltung über die Platzsuche, die weiteren Pläne für den Tag und Details zu Text und Melodie des gewählten Liedes.

Insgesamt eine ziemlich lebhafte Darbietung, nicht besonders laut, wirklich nicht aufdringlich, aber eben auch nicht gerade vornehm zurückhaltend. Und das beste ist: Kein böses Gesicht bis zum Horizont, dafür haben viele im Zug gelächelt. So gehört das.


Die Busfahrt

Neulich war ich mit dem Bus unterwegs. Nichts besonderes, eine Veranstaltung zwei Orte weiter. Zum Glück gibt es eine Busverbindung ohne Umsteigen. Ich also zur Haltestelle, Endstation, Wendeschleife und Pausenplatz mehrerer Linien. Dort stehen zwei Busse, der vordere ist „meiner“.

Der Bus steht mit laufendem Motor an der Haltestelle. Der Fahrer – ein stämmiger, quirliger Jugoslawe – steht daneben, raucht und unterhält sich lebhaft mit einem Fahrgast. Im Bus sitzen auch schon ein paar Leute. Aus der offenen Tür dröhnt ein Kofferradio, das der Fahrer vorn an der Windschutzscheibe stehen hat. Der Sender ist schlecht eingestellt, es rauscht und knattert, alles kommt verzerrt aus dem Lautsprecher, dafür aber schön laut. Im Bus riecht es stark nach Abgas, vermutlich bläst der Wind das durch die offenen Türen ins Innere.

Die planmäßige Abfahrtzeit kommt und verstreicht. Der Fahrer gestikuliert nach kurzem Blick auf die Uhr weiter, bis die Zigarette aufgeraucht ist. Als er die Kippe wegschmeißt, kommt ein Bus aus der Gegenrichtung, und er muss sich kurz mit dem Fahrer über wichtige Dinge austauschen. Baustellen auf der Strecke, Blitzer, was weiß ich. Der hintere Bus will jetzt auch Den Rest des Beitrags lesen »


Kleinen Augenblick noch

Regionalbahn, Kleinstadtbahnhof. Ein junger Mann steigt aus, Ohrhörer in den Ohren. Aus dem Zug ruft ihm jemand etwas hinterher und hält ein Smartphone hoch. Der andere hört das aber nicht und geht weiter.

Der Hinterherrufer im Zug fragt eine Frau, die an der Tür steht, ob sie ihm die Tür aufhält. Sie nickt, daraufhin rennt er dem mit den Ohrhörern nach und überreicht ihm das im Zug vergessene Smartphone.

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April, April!

Samstag vormittag, Innenstadt. Die Straßenbahn ist recht voll. Ein gut 60-jähriger und 6jähriges Mädchen steigen ein. Der Opa schaut sich in der Nähe der Tür nach Sitzplätzen um, das Mädchen läuft im Mittelgang auf und ab.

Opa findet zwei Sitzplätze und ruft seine Enkelin, sie solle kommen und sich hinsetzen. Sie erzählt, sie gehe auch Sitzplätze suchen und zieht wieder ab. Kurz darauf dreht sie um, ruft aus 3 oder 4 Sitzreihen Entfernung: Ich habe zwei Sitzplätze! Opa: Zusammen? Sie: Ja, nebeneinander. Opa greift Jacke und Tasche und macht Anstalten, nach hinten zur Enkelin zu gehen. Bevor er die beiden Sitzplätze aufgibt, ruft sie April, April! und rennt zu ihm zurück.


Im Bus

Neulich im Bus. Drei gutgekleidete Damen, Typ Geschäftsreisende mit Koffer, steigen ein. Das heißt, die erste steigt ein, geht bis zur Schranke und bestellt beim Busfahrer Drei Fahrkarten zum Bahnhof. Die zweite steht direkt hinter ihr, die dritte hat ihren Koffer in der Tür und ist selbst noch draußen.

Der Busfahrer nennt den Preis. Die Dame kramt ihr Portemonnaie aus der Handtasche, gibt dem Busfahrer einen Geldschein und versucht gleichzeitig, die Fahrscheine entgegenzunehmen, während ihr zu allem Unglück noch die recht große Handtasche von der Schulter rutscht und der Ruck ihr beinahe die Geldbörse aus der Hand schlägt.

Die zweite merkt, dass die erste für alle drei bezahlt hat – Den Rest des Beitrags lesen »


Feierabendbier

Später Nachmitag, ich sitze im Bus in Richtung Bahnhof. An einer Haltestelle unterwegs steht einer mit einer offenen Flasche Bier in der Hand. Kurze Haare, Blaumann, Ohrringe, sichtlich unrasiert aber eindeutig nicht ungepflegt, wohl ein Arbeiter oder Handwerker mit Feierabendbier.

Busfahrer, freundlich: Die Flasche können Sie nicht mit reinnehmen, die müssen Sie draußenlassen.

Mann, auch freundlich: Und wenn ich die grad austrinke? Wäre schade um das schöne Bier.

Busfahrer: Den Rest des Beitrags lesen »


Schwarzer Tag, Rote Karte

Öffentliche Mitteilungen so wasserdicht zu formulieren, dass kein Schlaukopf eine Lücke und kein naseweiser Blogger was zu lästern findet, ist gar nicht so einfach. Ich denke da an die Hinweise, in denen ÖPNV-Unternehmen der werten Kundschaft mitteilen, dass es nicht gern gesehen wird, wenn jemand ohne gültigen Fahrschein mitfährt und man solches Verhalten deshalb durch eine Strafe von 40 Euro ahndet.

Das ist ein einigermaßen unangenehmes Thema und man bewegt sich dort auf vermintem Gelände – einerseits muss die Botschaft unmissverständlich formuliert werden, andererseits will man der Kundschaft nicht mit der pauschalen Unterstellung des Schwarzfahrenwollens auf den Schlips treten. Das führt zu gelegentlich recht gewundenen Formulierungen. Vierzig Euro seien viel Geld, heißt es da etwa, und nach den Allgemeinen Beförderungsbedingungen müsse man leider Den Rest des Beitrags lesen »


Ohne gültigen Fahrausweis

Verkehrsbetriebe mögen Schwarzfahrer nicht besonders. Typischerweise wird von Personen, die keinen gültigen Fahrausweis vorzeigen können, der doppelte Fahrpreis erhoben, mindestens aber 40 Euro oder so. Und „gute“ Gründe wie vergessen, verloren oder Hat mein Kumpel, der ist grad eben ausgestiegen und hat die Fahrkarte versehentlich mitgenommen lassen die Kontrolleure in aller Regel nicht gelten.

Damit von vornherein alle wissen, woran sie sind, hängen in den meisten öffentlichen Verkehrsmitteln Zettel oder Aufkleber mit Hinweisen zum Umgang mit Schwarzfahrern. In den Bussen, mit denen ich gelegentlich fahre, sieht das so aus:

fahrausweis

Nach der Lektüre bin ich ins Zweifeln gekommen. Woran erkenne ich, ob ein bestimmtes öffentliches Verkehrsmittel (hier: der Bus) einen gültigen Fahrausweis hat? Und warum soll ich Strafe zahlen, wenn das öffentliche Verkehrsmittel keinen gültigen Fahrausweis hat?

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