Zusammenhänge

Neulich ist mir in der Straßenbahn ein Hinweis aufgefallen:

Gut festhalten – Gut ankommen!

Bahnen haben einen doppelt so langen Bremsweg wie Autos.
Bitte halten Sie sich gut fest und achten Sie auf Ihre Mitfahrer.

Es folgen noch ein paar Zeilen Text: Wir befördern mit Bussen und Bahnen täglich viele Leute sicher ans Ziel. Busse und Bahnen sind aber normale Verkehrsteilnehmer und müssen manchmal scharf bremsen. Damit dabei nichts passiert, sollten die Fahrgäste Den Rest des Beitrags lesen »


Deko

In letzter Zeit habe ich mir immer häufiger die Frage gestellt, ob Straßenbahnfahrpläne nicht eher Deko als Information sind. Ähnliches gilt für die elektronischen Anzeigetafeln an den Haltestellen, wo die Zeit bis zur nächsten Abfahrt angezeigt wird, angeblich in Echtzeit. In Wirklichkeit ist die dort mitgeteilte Information häufig ziemlich ungenau und wackelig. (Dass diese eigentlich dynamischen Tafeln manchmal aus verschiedenen Gründen vorübergehend nur starr die Fahrplandaten anzeigen, denen der tatsächliche Fahrbetrieb dann nicht immer so ganz genau folgt, fällt zwar dann auf, hat aber seine Gründe und wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.)

Aber jetzt zum eigentlichen Elend. Typisches Beispiel an einer Haltestelle, von der ich öfters abfahre. Laut Fahrplan fahren die Bahnen „meiner“ Linie wochentagsüber um xx:02, xx:12, xx:22 usw. Ich komme um 15:10 an die Haltestelle. Laut Anzeigetafel geht die nächste Tram in 5 Minuten. Das passt schonmal nicht zum Fahrplan.

Um 15:13 steht da immer noch 5 Minuten. Dann Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (35)

… der Falschparker, der seinen Karren so dämlich abgestellt hatte, dass zwei Straßenbahnlinien umgeleitet werden mussten, bis ein Abschleppdienst dieses Stück ruhenden Verkehr weggeräumt hatte. So konnten zwei wichtige Linien den Hauptbahnhof während der abendlichen Hauptverkehrszeit eine gute Dreiviertelstunde lang nicht anfahren.

Dem Fahrzeughalter sollten ziemlich die Ohren geklingelt haben, so gut war die Stimmung an der Haltestelle…


Und dann war da noch… (32)

… der Busfahrer mit dem eigenwilligen Blick auf die Welt.

Der Bus hält an meiner Zielhaltestelle, ich drücke den Knopf, damit die hintere Tür aufgeht. Nichts passiert. Draußen steht eine und drückt den Knopf, damit die hintere Tür aufgeht. Nichts passiert. Ich drücke den Knopf nochmal, probiere den Kinderwagenknopf und den auf der anderen Seite der Tür, nichts.

Da der Fahrer Anstalten macht, weiterzufahren – er hat sich offenbar nicht die Mühe gemacht, nachzuschauen, ob da wer ein- oder aussteigen will – gehe ich nach vorne, um dort noch aus dem Bus zu kommen. Die Dame draußen ist ebenfalls vorgegangen und steigt jetzt ein. Ich schaffe es noch zur Tür, bevor der Fahrer sie schließt. Im Vorbeigehen teile ich ihm mit, dass die Tür hinten nicht aufgeht.

Er: Doch.

Ich: Ich habe alle Knöpfe dort mehrmals gedrückt, die Dame hat von außen den Knopf ein paarmal gedrückt, aber da ist nichts aufgegangen.

Er: Bruddel murmel Signal bruddel.

Während er nach dem Türschließknopf greift, steige ich achselzuckend schnell noch aus.


Zu spät

Nachmittags an einer Straßenbahnhaltestelle. Ein Mann steht auf dem Bahnsteig, raucht, wechselt über die Schienen ein paar Worte mit Bekannten, die auf dem Bahnsteig gegenüber stehen. Eine Straßenbahn fährt ein, hält, die Türen öffnen sich, Leute steigen ein und aus. Die Türen schließen sich, gleich fährt die Bahn weiter.

Vom Ende des Bahnsteigs kommt eine Frau mit einer Einkaufstasche gelaufen, um die Bahn noch zu erwischen. Sie drückt den Knopf an der hinteren Tür, die Tür öffnet sich, die Frau steigt ein. Gleichzeitig setzt sich der Mann in Bewegung, drückt den Knopf an der nächsten Tür, aber die geht nicht auf, der Fahrer hat die Knöpfe wohl abgeschaltet, nachdem die Frau eingestiegen war.

(Das machen sie manchmal, weil sie sonst schlimmstenfalls Den Rest des Beitrags lesen »


Nur mit gültiger Fahrkarte

Vor einer Weile habe ich über das Bahnfahren ohne gültigen Fahrausweis geschrieben. Genauer gesagt, über die Formulierung von Ermahnungen an Fahrgäste, doch bitte lieber eine Fahrkarte zu lösen, weil ohne Fahrkarte erwischt zu werden teuer und unangenehm ist. Anlass war ein etwas langatmiger Text dieser Art, der zu winkeladvokatischen Verdrehungen geradezu einlädt.

Später habe ich dann eine Serie vielleicht fast ein bisschen unfreundlich, aber immerhin halbwegs klar und wasserdicht formulierter Aufkleber vorgestellt vorgestellt. Die schwarze Version hatte noch überflüssigen Ballast, die rote Version war knapp und auf den Punkt.

Jetzt habe ich in einer Regionalbahn einen schon etwas älteren Aufkleber gefunden, der klar und deutlich, sachlich und dabei nicht unfreundlich formuliert ist:

Das, muss ich sagen, finde ich gelungen.

Und das hier auch:

Da weiß man, worauf man sich einlässt.


Über den Wolken

Drei Mädchen, so 13 oder 14 Jahre alt, flattern gutgelaunt durch den Zug, von einem Ende des Zuges ans andere und zurück, auf der Suche nach zusammenhängenden Sitzplätzen.

Auf dem Weg durch den Zug singen sie Über den Wolken von Reinhard Mey. Mit Lücken im Text. Mit angeschrägten Passagen, wo die Melodie an die Grenzen des verfügbaren Stimmumfangs geht. Mit Aussetzern und ungeplanten polyphonen Episoden, wenn die eine oder andere den rhythmischen Faden verliert oder über ein im Gang abgestelltes Gepäckstück stolpert, deswegen erschreckt aufhört zu singen und dann neu ansetzt. Umrahmt von Lachsalven und einer gleichzeitig geführten Unterhaltung über die Platzsuche, die weiteren Pläne für den Tag und Details zu Text und Melodie des gewählten Liedes.

Insgesamt eine ziemlich lebhafte Darbietung, nicht besonders laut, wirklich nicht aufdringlich, aber eben auch nicht gerade vornehm zurückhaltend. Und das beste ist: Kein böses Gesicht bis zum Horizont, dafür haben viele im Zug gelächelt. So gehört das.


Die Busfahrt

Neulich war ich mit dem Bus unterwegs. Nichts besonderes, eine Veranstaltung zwei Orte weiter. Zum Glück gibt es eine Busverbindung ohne Umsteigen. Ich also zur Haltestelle, Endstation, Wendeschleife und Pausenplatz mehrerer Linien. Dort stehen zwei Busse, der vordere ist „meiner“.

Der Bus steht mit laufendem Motor an der Haltestelle. Der Fahrer – ein stämmiger, quirliger Jugoslawe – steht daneben, raucht und unterhält sich lebhaft mit einem Fahrgast. Im Bus sitzen auch schon ein paar Leute. Aus der offenen Tür dröhnt ein Kofferradio, das der Fahrer vorn an der Windschutzscheibe stehen hat. Der Sender ist schlecht eingestellt, es rauscht und knattert, alles kommt verzerrt aus dem Lautsprecher, dafür aber schön laut. Im Bus riecht es stark nach Abgas, vermutlich bläst der Wind das durch die offenen Türen ins Innere.

Die planmäßige Abfahrtzeit kommt und verstreicht. Der Fahrer gestikuliert nach kurzem Blick auf die Uhr weiter, bis die Zigarette aufgeraucht ist. Als er die Kippe wegschmeißt, kommt ein Bus aus der Gegenrichtung, und er muss sich kurz mit dem Fahrer über wichtige Dinge austauschen. Baustellen auf der Strecke, Blitzer, was weiß ich. Der hintere Bus will jetzt auch Den Rest des Beitrags lesen »


Kleinen Augenblick noch

Regionalbahn, Kleinstadtbahnhof. Ein junger Mann steigt aus, Ohrhörer in den Ohren. Aus dem Zug ruft ihm jemand etwas hinterher und hält ein Smartphone hoch. Der andere hört das aber nicht und geht weiter.

Der Hinterherrufer im Zug fragt eine Frau, die an der Tür steht, ob sie ihm die Tür aufhält. Sie nickt, daraufhin rennt er dem mit den Ohrhörern nach und überreicht ihm das im Zug vergessene Smartphone.

Derweil Den Rest des Beitrags lesen »


April, April!

Samstag vormittag, Innenstadt. Die Straßenbahn ist recht voll. Ein gut 60-jähriger und 6jähriges Mädchen steigen ein. Der Opa schaut sich in der Nähe der Tür nach Sitzplätzen um, das Mädchen läuft im Mittelgang auf und ab.

Opa findet zwei Sitzplätze und ruft seine Enkelin, sie solle kommen und sich hinsetzen. Sie erzählt, sie gehe auch Sitzplätze suchen und zieht wieder ab. Kurz darauf dreht sie um, ruft aus 3 oder 4 Sitzreihen Entfernung: Ich habe zwei Sitzplätze! Opa: Zusammen? Sie: Ja, nebeneinander. Opa greift Jacke und Tasche und macht Anstalten, nach hinten zur Enkelin zu gehen. Bevor er die beiden Sitzplätze aufgibt, ruft sie April, April! und rennt zu ihm zurück.