Godot ist schon weg

Ich stehe am Bahnsteig und warte auf meinen Zug. Auf dem Gleis gegenüber steht eine Regionalbahn nach Anderswo bereit. Doppelstockwagen, innen ziemlich trübe Beleichtung. Im Zug sitzen ein oder zwei Dutzend Leute. Die Anzeige am Bahnsteig sagt: „RB nach Anderswo, Verspätung ca. 20 Min.“

Im Zug wird wohl was durchgesagt. Alle Türen gehen auf, die Fahrgäste steigen aus, verlassen den Bahnsteig und zerstreuen sich in alle Winde. Im Zug wird die Innenbeleuchtung ausgeschaltet, nur vorne beim Lokführer ist noch Licht.

Fünf Minuten später Den Rest des Beitrags lesen »

Werbeanzeigen

Und dann war da noch… (32)

… der Busfahrer mit dem eigenwilligen Blick auf die Welt.

Der Bus hält an meiner Zielhaltestelle, ich drücke den Knopf, damit die hintere Tür aufgeht. Nichts passiert. Draußen steht eine und drückt den Knopf, damit die hintere Tür aufgeht. Nichts passiert. Ich drücke den Knopf nochmal, probiere den Kinderwagenknopf und den auf der anderen Seite der Tür, nichts.

Da der Fahrer Anstalten macht, weiterzufahren – er hat sich offenbar nicht die Mühe gemacht, nachzuschauen, ob da wer ein- oder aussteigen will – gehe ich nach vorne, um dort noch aus dem Bus zu kommen. Die Dame draußen ist ebenfalls vorgegangen und steigt jetzt ein. Ich schaffe es noch zur Tür, bevor der Fahrer sie schließt. Im Vorbeigehen teile ich ihm mit, dass die Tür hinten nicht aufgeht.

Er: Doch.

Ich: Ich habe alle Knöpfe dort mehrmals gedrückt, die Dame hat von außen den Knopf ein paarmal gedrückt, aber da ist nichts aufgegangen.

Er: Bruddel murmel Signal bruddel.

Während er nach dem Türschließknopf greift, steige ich achselzuckend schnell noch aus.


Ins Leere

Regionalbahn voller Pendler. Mir gegenüber sitzt ein junger Mann, vielleicht 20, und hört Musik. Das heißt, eigentlich hört er nicht Musik sondern beschäftigt sich intensiv mit seinem Smartphone. Wie es aussieht, chattet er mit jemandem. Aber dabei hat er einen Kopfhörer um den Nacken hängen, einen von diesen großen, extracoolen DJ-Kopfhörern, die viele jetzt spazierentragen, und während er online chattet, läuft nebenher seine Musik.

Man hört sie in gewissem Umkreis aus dem Kopfhörer kleckern. Nicht so zischelig wie bei normal getragenen Ohrknöpfen, die jemand zu laut eingestellt hat. Eher so dünn und etwas blechern wie bei den (nach im Physikunterricht erarbeiteten Schaltplänen) selbst zusammengelöteten Detektorradios ohne eigene Stromzufuhr, die man über einen dieser uralten „Knöpfe im Ohr“ aus hellem Hartplastik abhörte.

Wenn er nicht schon sehr schwerhörig war, musste er Den Rest des Beitrags lesen »


Gedauert

Der Zug steht länger als gewohnt an einem dieser Dorfbahnhöfe. Vom vorderen Ende des Wagens sind Fetzen einer animierten Diskussion zu hören, genauer gesagt eine Hälfte der Diskussion, und so leise, dass man nicht weiß, ob da im Zug gestritten wird oder ob das durch die offenen Türen von irgendwo hinter dem Bahnhof in den Zug driftet.

Der Zug steht weiter, Uhren werden begutachtet, man fängt an, sich umzuschauen. Gleich wird jemand Den Rest des Beitrags lesen »


Auch wenn’s schwerfällt

Die ersten zehn Minuten waren ganz normal. Dann sagte der Lokführer durch, dass er wegen einer Fahrwegstörung nicht schneller fahren könne, er bitte um Verständnis. Gut, solange er überhaupt fahren kann ist es ja ok. Das ging dann so eine Viertelstunde lang, dann blieb der Zug auf freier Strecke stehen. Es kam eine altbekannte Ansage vom Band:

Sehr verehrte Fahrgäste, aufgrund der Überholung eines anderen Zuges verzögert sich unsere Weiterfahrt um wenige Minuten. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Kaum war das verklungen, meldet sich der Lokführer nochmal persönlich:

Verehrte Reisende, wegen einer Fahrwegstörung verkehrt dieser Zug nur bis Heidelberg Hauptbahnhof. Ich bitte, das ebenfalls zu entschuldigen… Auch wenn’s schwerfällt.

So gehört das – wenn man merkt, dass da Menschen Den Rest des Beitrags lesen »