Sprung in der Platte

Spätnachmittags im Zug auf dem Weg nach Hause. In der benachbarten Vierer-Sitzgruppe sitzen zwei ältere Damen. Sichtbar teuer angezogen und etwas aufgedonnert die eine, eher zaghaft unauffällig die andere. Sie unterhalten sich, wobei die Aufgedonnerte ungefähr 80% der Sprechzeit bestreitet.

Beide besitzen offenbar mindestens eine Wohnung, die sie vermieten, die Aufgedonnerte hört sich allerdings eher nach einem ganzen Mietshaus an, die Unauffällige nach einer Einliegerwohnung oder Doppelhaushälfte. Es geht um die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage und die Implikationen für Vermieter. Es werde ja alles immer teurer, die Auflagen für Vermieter würden umfangreicher. Energiedingens, Dämmung, neue Heizöfen, alles mögliche. Da müsse man schon mal Den Rest des Beitrags lesen »


Und dann war da noch… (3)

…der Mann, der im Zug hin- und herpilgerte.

Ein Mann im mittleren Alter, leicht vergammelte, deutlich ungewaschene Kleidung, speckige Haare. Er kam mit einer leeren Piccolo-Flasche in der Hand und weggetretenem Blick den Mittelgang entlanggestolpert. Und nach ein paar Minuten wieder zurück. Und nach ein paar Minuten wieder. Und nach noch ein paar Minuten noch einmal, diesmal ohne die Sektflasche.


Halten Sie Abstand von der Bahnsteigkante

Seit einiger Zeit warnt die Deutsche Bahn auch auf Provinzbahnhöfen ohne Personal per Ansage vor Zugbetrieb. Als ich vor bald anderthalb Jahren zum erstenmal darüber schrieb, liefen die Ansagen in der Regel weitgehend unabhängig vom tatsächlichen Zugverkehr aus den Lautsprechern. Ich hatte damals gemutmaßt, dass das Kinderkrankheiten eines komplexen neuen Systems seien und dass die Bahn das in absehbarer Zeit in den Griff bekommen werde.

Leider hat sich die gefühlte Trefferquote seitdem nicht verbessert. Ich habe nicht Buch geführt und kann keine Statistiken zum Thema vorlegen, ich kann hier nur Den Rest des Beitrags lesen »


Mitreden können

Es passiert immer mal, dass man fremde Gespräche unfreiwillig mithört. Im Bus, im Zug, im Café, auf der Straße. Manchmal nur ein paar Satzfetzen, manchmal längere Passagen, etwa wenn man eine Weile in dieselbe Richtung geht wie die sich Unterhaltenden, oder wenn die im nächsten Abteil sitzen und eher laut sprechen.

Das kann zwar nerven, ist aber meistens nicht weiter schlimm, solange die Leute nicht allzudummes Zeug von sich geben (oder was ich – zu recht oder unrecht – dafür halte). Man unterhält sich eben auch in der Öffentlichkeit, oft zwangsläufig in Hörweite anderer. Wer damit nicht leben kann, muss halt Den Rest des Beitrags lesen »


Statt Katzen

Auf vielfachen Publikumswunsch zeige ich hier ein Bild des graffitiverzierten Zuges, über den ich neulich geschrieben habe (ich hatte zur Illustration der Nervigkeit solcher Bemalungen noch ein paar Fotos von innen durch die zugesprühten Fenster aufgenommen, die geben ästhetisch aber rein gar nichts her und bleiben darum in der Versenkung):

statt_katzen

Wie schon erwähnt, ich find’s ganz hübsch, nur eben die Undurchsichtigkeit der Fenster ist nervig. Die Oberkante des vorletzten Buchstaben – ein A, wenn ich das richtig sehe – wäre ungefähr auf Höhe meiner Hutoberkante wenn ich dort mit Hut säße. Zugegeben, beim letzten Mal hatte es die Fenster schlimmer erwischt, hier kann man im Sitzen wenigstens noch den Himmel sehen, und es sind nur zwei Fenster betroffen. Aber trotzdem. Immerhin sieht das ganze von außen gar nicht schlecht aus, und es gab noch genug Sitzplätze mit freier Sicht.


Wiederholungen

Viele Leute haben ihre Lieblingsthemen. Meistens weiß man ganz gut, welches Thema man bei wem besser vermeidet, weil man sonst einen ausführlichen Monolog dargeboten bekommt, den man wahrscheinlich schon auswendig kennt und dem man mit Anstand kaum ausweichen kann. Außer natürlich dadurch, dass das Handy passenderweise klingelt und man plötzlich wegmuss, aber das lässt sich auch nicht immer glaubwürdig durchziehen. Im Zweifel muss man sich das eben nochmal anhören, und damit bin ich direkt bei meinem heutigen Thema: Wiederholungen.

So mancher Welterklärer bestreitet einen guten Teil seiner täglichen mündlichen Textproduktion mit Wiederholungen immer derselben grundlegenden Sachverhalte, ähnlich übrigens wie manche Fernsehsender, deren Programm anscheinend hauptsächlich aus der Wiederholung beliebter Filme bzw. Serien besteht. Als Blogger könnte ich Den Rest des Beitrags lesen »


Ausreden

Als Pendler verbringe ich viel Zeit im Zug. Auch wenn ich da bisher noch nichts wirklich Aufregendes erlebt habe, gibt es doch immer wieder mal das Eine oder Andere zu erzählen. Gestern etwa kam der Zug schon mit zehn Minuten Verspätung und musste an der nächsten Milchkanne dann nochmal ein Weilchen warten. Zur Erklärung Den Rest des Beitrags lesen »


Statt Einzeltraktion

Vor einiger Zeit hatte ich hier über eine etwas sperrige Ansage im Zug geschrieben. Der Zug, wurde damals durchgesagt, verkehre aus betrieblichen Gründen heute in Einzeltraktion, und das klang mir zu sehr nach Eisenbahnerjargon. Vielleicht hat bei der Bahn jemand meinen Artikel von damals gelesen, oder jemand hat sich seither bei der Bahn über die Formulierung beschwert. Oder die Bahn hat von selbst gemerkt, dass das nicht wirklich allgemeinverständlich war. Jedenfalls war der Zug heute morgen auch wieder nur mit einem statt zwei Zugteilen unterwegs, und die Ansage vom Band lautete so:

Sehr geehrte Fahrgäste, aus betrieblichen Gründen fährt dieser Zug heute nur mit einem Zugteil. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Damit haben sie die wichtigste Macke behoben, der Spruch kommt jetzt schön zielgruppengerecht aus den Lautsprechern. Das finde ich richtig gut! Eine Kleinigkeit möchte ich aber trotzdem anmerken: Die Ansage (das ist jetzt allerdings Korinthenkacken für Fortgeschrittene) sagt nicht das, was sie sagen soll. Genau besehen Den Rest des Beitrags lesen »


Achtung Zugbetrieb!

Seit einiger Zeit gibt es bei der Bahn eine neue Ansage an den Bahnsteigen:

Achtung Zugbetrieb. Halten Sie Abstand von der Bahnsteigkante und betreten Sie den gekennzeichneten Bereich erst nach Halt des Zuges.

Das klingt zunächst mal vernünftig. Auf kleinen Bahnhöfen an Strecken mit IC-Verkehr kommen ja dauernd schnelle Vorbeifahrten vor, und die können gefährlich sein. Da ist eine solche Warnung auf jeden Fall sinnvoll. Das Problem ist, dass diese Ansagen bisher einen allenfalls losen Zusammenhang mit den tatsächlichen Zugbewegungen erkennen lassen. Oft kommt eine Ansage, wenn fahrplanmäßig eigentlich ein Zug einfahren sollte. Nicht selten kommt der Zug aber ein paar Minuten zu spät, pünktlich ist dann nur die Ansage und hängt in der Luft. Oder die Ansage erklingt, wenn der Zug eben zum Stehen gekommen ist und eigentlich keine Gefahr mehr darstellt. Häufig ist auch Minuten vor und nach der Ansage weit und breit kein Zug in Sicht, oder Intercitys donnern ohne jede Ansage durch den Bahnhof.

Der erste Reflex ist natürlich, Den Rest des Beitrags lesen »


Hübsch bunt, aber trotzdem…

Graffiti sind eigentlich ganz witzig. Meistens. Oft. Damit meine ich nicht die idiotischen Tags, mit denen möchtegerncoole und nur zu oft talentlose Nachwuchssprayer wahllos Hauswände verdrecken. Andererseits gewinnt fast jede Betonbrücke durch ein bisschen Sprühfarbe, egal wie unfähig oder inspirationsarm der Sprayer war. Auch Fabrikhallen und Schallschutzmauern an Autobahnen und Bahnstrecken sind lohnende Ziele. Und gut gemachte Graffiti können richtig Spaß machen. Die gibt es zwar nicht ganz so oft, aber immerhin.

Leider schafft es immer wieder mal jemand mit ein paar Sprühdosen im Rucksack Den Rest des Beitrags lesen »