Viermal weniger

Neulich ist mir im Supermarkt eine Salami aufgefallen, die recht edel daherkommende Delice de St Agaûne („Nur ein Heiliger kann da widerstehen“) von Bordeau Chesnel. Da stand ganz groß auf der Packung, das Produkt enthalte 4-Mal weniger Fett als eine traditionelle Salami. Wahnsinn, wollte ich denken, viermal weniger Fett!

Aber Moment mal, hat mich mein innrerer Korrekturleser sofort zurückgepfiffen, was soll das denn überhaupt heißen, 4-mal weniger? Den Rest des Beitrags lesen »


Vom typographischen Fliegendreck

Der vor allem von seinen Gegnern Deppenapostroph genannte freie Apostroph ist nun schon lange nichts Neues mehr im deutschsprachigen Raum, er ist im öffentlichen Raum allgegenwärtig. Meistens findet man ihn in der Nachbarschaft des Buchstaben s. Laut Duden darf er zur Kennzeichnung der Grundform vor dem Genitiv-s und der Adjektivendung -sch gesetzt werden und gilt damit zumindest in diesen Fällen offiziell nicht mehr als falsch. Natürlich schmeckt das bei weitem nicht jedem. Alle möglichen Leute wüten nicht erst seit gestern gegen die wilde Apostrophensetzerei, und es gibt anscheinend eine ganze Deppenapostrophhasserszene.

Ich finde es zwar bedauerlich, dass so viele Leute es aus welchen Gründen auch immer nicht schaffen, den Apostroph korrekt zu verwenden und offensichtlich auch andere elementare Rechtschreibregeln, etwa zur Getrennt- und Zusammenschreibung, nicht beherrschen. Das treibt bisweilen arg merkwürdige Blüten, macht das Lesen anstrengender und nervt deshalb schon manchmal. Aber so richtig schlimm Den Rest des Beitrags lesen »


Kein Gedicht

Günter Grass wollte zur (von ihm empfundenen) Bedrohung des Weltfriedens durch die Atommacht Israel nicht länger schweigen. Deshalb hat er sich heute mit dem Prosagedicht „Was gesagt werden muss“ zu Wort gemeldet.

Ich setze mich hier bewusst nicht mit dem Inhalt von Grass‘ Text auseinander. Das haben andere schon hinlänglich getan (etwa hier oder hier). Das Thema ist anderswo auch schon mit mehr Sachverstand behandelt worden. Das macht Grass‘ Auseinandersetzung mit dem Thema natürlich nicht gleich überflüssig, aber mir ist es hier nicht um eine politische Diskussion zu tun. Die findet sowieso schon an tausend Stellen statt, da muss ich dieselbe Baustelle nicht auch nochmal aufmachen. Ich will hier ausschließlich über die Form mäkeln.

Der Mann hat also ein Prosagedicht geschrieben. Prosagedicht? Ist das nicht ein Oxymoron? Den Rest des Beitrags lesen »


Shippen

Die Welt ändert sich ständig, die Sprache auch. Viele Dinge heißen heute anders als früher. Bestellte Waren werden beispielsweise nicht mehr versandt und ausgeliefert, sondern geshipped und delivered. Daraus ergibt sich – Sprachnörgler aufgepasst, ich liefere Euch jetzt ein superbes Argument gegen die Verwässerung und Verderbung der Sprache Goethens durch den Anglizismenwahn – eine wunderschöne Möglichkeit, Sachen misszuverstehen.

Da wäre beispielsweise Den Rest des Beitrags lesen »


Shoppen

Das Wort shoppen macht mir schlechte Laune. Warum das so ist, kann ich aus dem Stand gar nicht genau sagen. Weil es ein Anglizismus ist? Nein, ich benutze selbst viele Anglizismen, oft genug auch an Stellen, wo es ein passendes deutsches Wort gibt. Ist das Wort unnötig? Auch nicht. Shoppen ist nicht dasselbe wie Kaufen oder Einkaufen. Ich kaufe ein Buch, ein Paar Schuhe, einen Computer, aber ich shoppe diese Dinge nicht. Und wenn ich Milch, Brot, Butter und Klopapier brauche, gehe ich einkaufen, nicht shoppen.

In Buchläden oder Antiquariaten zu stöbern würde ich auch nicht als Shoppen bezeichnen. Einkaufsbummel käme dem noch am nächsten, trifft es aber auch nicht wirklich. Einkaufsbummel ist gemütlich, wenn man sowas mag, und ein ganz bisschen altmodisch. Die Betonung liegt da eher auf dem Bummel als auf dem Einkauf, der Einkaufsbummel ist wohl näher am Schaufensterbummel als am Shopping. Shoppen ist Den Rest des Beitrags lesen »


Chocoladen Créationen

Über die Schreibweise Chocolade rege ich mich gern immer mal auf, zuletzt hier, und das nimmt kein Ende. Im Gegenteil, es geht noch schlimmer! Mir ist jetzt eine Tafel Feine Weiße Chocolade der Marke momami untergekommen. Auf der Verpackung steht:

momami – Qualität

Für die Chocoladen Créationen unseres Hauses werden ausschließlich erlesene Rohstoffe und hochwertige Zutaten aus den besten Anbaugebieten der Welt mit größter Sorgfalt verarbeitet. Damit garantieren wir stetige Frische und feinste Qualität bei allen unseren Produkten. momami Création verbindet traditionelle Confiserie Kunst mit der Ursprünglichkeit und Vielfalt der Chocoladenherstellung.

momami – Genuss

Lassen Sie sich von unseren Chocoladen Créationen verzaubern und erleben Sie feinste Confiserie Kunst in einer völlig neuen Form. Das feine Aroma sowie den zarten Schmelz erhält die momami Weiße Chocolade, mit einem Kakaogehalt von mindestens 28%, durch das traditionelle Conchierverfahren.

Nun, Chocolade statt Schokolade ist ja schon fast eine Selbstverständlichkeit, Den Rest des Beitrags lesen »


Neulich an der Autobahn

Ablagerungen? Wenn das Sediment in ein paar Hundert Jahren stabil genug ist, kommt Wall-E und baut Türme draus. Da ist wohl jemandem der Duden verrutscht…


Datümer

Beim Übersetzen begegnen mir immer wieder kuriose Texte. Gerade von Software-Entwicklern verfasste Dokumentation ist eine unerschöpfliche Quelle von Stilblüten. Vor kurzem ist mir zum Beispiel das schöne Wort Datümer begegnet. Das kam so daher:

Sie können einzelne Beginn- und Endedatümer eingeben oder Intervalle für diese Datümer erfassen.

Grundsätzlich finde ich es durchaus sinnvoll, für Daten (in der Bedeutung „Zahlenmaterial im weitesten Sinn“) und Daten (Plural von Datum) zwei unterschiedliche Wörter zu haben. Die Unterscheidung kann manchmal schon wichtig sein, gerade wenn es um die Konfiguration von Software geht, in der beide Sorten Daten vorkommen. Auf Englisch gibt es dafür sinnvollerweise data und dates. Auf Deutsch kann man diese Unterscheidung nicht so ohne weiteres eindeutig und lesbar wiedergeben.

Wenn sich der Sinn nicht sowieso aus dem Kontext ableiten lässt, muss man Den Rest des Beitrags lesen »


„Dein Style“

Handgeschriebenes Schild im Fenster eines Friseursalons:

Raus aus dem ALLTAG
rein in DEIN STYLE!

Der Salon heißt leider nicht Dein Style. Dann wäre das Schild wenigstens grammatisch korrekt gewesen. Und der Gegensatz Alltag – Friseursalon leuchtet mir auch ein. Im Alltag mache ich meine Arbeit, kaufe ein, putze, was auch immer. Beim Friseur lasse ich mich verwöhnen, werde aufgehübscht und kann mich dabei ein bisschen vom tristen Alltag erholen.

Aber das gibt der Text nicht her. Da ist erstens die Grammatik verhunzt und zweitens der Inhalt verdreht: Wenn ich „in meinen Style“ finde, vulgo mich dort beraten und frisieren lasse, habe ich hinterher immer noch Alltag, nur eben unter einer anderen Frisur.

Das Schild ist sprachlicher Schneematsch. Damit möchte ich natürlich nichts gegen die beruflichen Fähigkeiten der Friseurinnen und Friseure dort gesagt haben. Für die spricht, dass der Laden einigermaßen gut zu laufen scheint.


Zugang verlegt

Es ist wieder Zeit für die alljährliche Durchsicht der Gaswasserheizer im Haus. Die von der Hausverwaltung beauftragte Firma hat im Hausflur ein Schreiben aufgehängt, in dem sie mitteilt, wann sie die Wartungsarbeiten durchzuführen gedenkt. Darin heißt es:

Bitte halten Sie in dieser Zeit den Zugang zu Ihrer Wohnung bereit.

Das könnte schwierig werden – Ich fürchte, wir haben neulich unsere Zugbrücke verlegt, und wo kriege ich so schnell eine neue her? Es war wahrscheinlich auch ein Fehler, die Treppe in den zweiten Stock abzubauen.