Geruch vernommen

Anscheinend hat die Polizei im Dezember 2009 in Pfinztal einen Schlangenlinien fahrenden Autofahrer angehalten. Bei der Kontrolle geschah es dann: Die Beamten vernahmen deutlichen Alkoholgeruch. Ich hoffe, das macht nicht Schule!

Gefunden auf S. 12 in der gedruckten Bürgerzeitschrift für Karlsruhe, Januar 2010. Online ist zurzeit leider nur ein Teil der Ausgabe November 2009 zu sehen, und die Ausgabe Dezember 2009 kann als PDF geöffnet werden. Kann sein, dass die aktuelle Ausgabe im Lauf des Frühjahrs online gestellt wird.

P.S.: Auf Seite 3 gibt es noch die geniale Überschrift Lärm durch Schall. Wäre ich nie drauf gekommen, leuchtet aber ein.

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Interpunktionsdiarrhö

Viele Leute durchsetzen ihre schriftlichen Äußerungen mit Clustern von Ausrufungs- und Fragezeichen. Ein einzelnes Fragezeichen scheint den Fragecharakter einer Frage oft nicht angemessen auszudrücken, und ein einfaches Ausrufungszeichen wird der Dringlichkeit mancher Äußerungen anscheinend nicht gerecht. Derlei kommt an vielen Stellen vor, wo jemand schriftliche Äußerungen an eine Öffentlichkeit richtet, z.B. auf Schildern in Läden, Bahnhöfen, Hausfluren usw.

Wenn kein gekauftes Standardschild („Ausfahrt freihalten!“ oder „Hinauslehnen verboten!“) verwendet wird, sondern Leute die Schilder selbst basteln, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass mehr Interpunktion als nötig verwendet wird. Das führt dann zu Preziosen wie „Tür, immer schließen ! ! !“ oder „Kaffee?? Nur mit Untertasse“. Gelegentlich hört man die Genervtheit durch, die den Anlass für das Schild liefert: „Wir sind keine Wechselstube!! Wir wechseln nur für unsere KUNDEN!!!“

Witzig wird es, wenn die übermäßige Verwendung von Interpunktionszeichen die Bedeutung einer Äußerung verändert. “Job gefällig???? Wir stellen ein… Mit einem Fragezeichen hätte man einfach Leute angesprochen, die einen Job suchen. Mit vier Fragezeichen bedeutet es eher sowas wie Was wollen Sie? Einen Job? Ganz in echt jetzt? Auf was die Leute nicht alles kommen!

Hmja, soll’s geben…


Einzeltraktion

Ansage vom Band, heute morgen im Zug: Sehr verehrte Fahrgäste, aus betrieblichen Gründen verkehrt dieser Zug heute in Einzeltraktion. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Dass nur ein Zugteil unterwegs ist anstelle der üblichen zwei sieht man vom Bahnsteig aus ganz gut. Wer das nicht sieht und dann im Zug sitzt, benötigt die Information nicht mehr. Gründe werden auch nicht genannt – betriebliche Gründe können alles sein, von der andere Zugteil ist kaputt bis der Lokführer hat sich beim Nasebohren den Finger gebrochen und wir konnten auf die Schnelle keinen anderen auftreiben. Die Ansage enthält also keine relevante Information und ist damit überflüssig.

Außerdem, woher soll ich wissen, was Einzeltraktion ist? Den Rest des Beitrags lesen »


Sprachlicher Schneematsch

Es gibt Texte, die sehen auf den ersten Blick ganz gut aus, aber beim Lesen fühle ich mich unwohl. Bei genauerem Hinsehen stellen sich diese Texte dann meist als sprachlich unsauber geschrieben heraus. Auch wenn es keine Grammatikfehler im engeren Sinn gibt, stimmt vieles nicht. Da werden oft nicht die passenden Wörter benutzt, Bezüge stimmen nicht, Metaphern werden vermischt, Wörter werden verbunden, die nicht zusammengehören. Sätze sind viel zu lang, zu verschachtelt, zu unübersichtlich. Die Stilebene wird nicht durchgehalten, schwankt zwischen humorig umgangssprachlich und wissenschaftlich trocken. Solche Texte zu lesen ist ähnlich, wie durch tiefen Schneematsch oder trockenen Sand zu laufen: Es geht schon, ist aber anstrengend und frustrierend.

Ein schönes aufschlussreiches Beispiel ist der Englishkurs auf www.englisch-lehrbuch.de. Das ist laut Eigenwerbung das umfangreichste am Markt erhältliche online Material zum Erlernen der englischen Sprache. Natürlich ist es Korinthenkackerei, die korrekte Schreibung Onlinematerial anzumahnen. Aber jemand, der mir eine Sprache beibringen will, sollte selbst halbwegs richtig schreiben. Da fällt der erste Eindruck schon ungünstig aus.

Dabei macht das Lehrbuch inhaltlich einen sehr guten Eindruck. Es ist kenntnisreich und mit Blick für Zusammenhänge geschrieben, die über den Tellerrand des Englischlernens hinausgehen. Es kann als Lehrbuch und als Nachschlagewerk benutzt werden. Die Präsentation ist übersichtlich und gut navigierbar. Ein Jammer, dass das sprachliche Niveau des Textes mit der Qualität des Inhalts nicht mithalten kann. Ein halbwegs fähiger Korrektor hätte die meisten Peinlichkeiten repariert und einen wirklich gut lesbaren Text daraus gemacht. So muss man leider durch den Schneematsch patschen oder anderswo Englisch lernen.

Zur Illustration folgt hier ein kleiner Spaziergang durch die ersten Kapitel des Lehrbuchs. Um die Länge des Beitrags in erträglichem Rahmen zu halten, habe ich dabei nicht alle Dinge erwähnt, über die ich gestolpert bin. Es ist trotzdem eher lang geworden…

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Chocolade und Cigaretten

Mir geht es tierisch auf die Nerven, wenn Schokoladenhersteller ihr Zeug als Chocolade verkaufen. Was glauben die damit zu erreichen? Wird die Schokolade edler, wenn man sie anders schreibt? Die Schreibweise Chocolade ist wahrscheinlich schon seit der Rechtschreibreform von 1905 veraltet, wenn sie überhaupt je offiziell war. Der Duden von 1922 listet sie gar nicht erst auf, der aktuelle Duden auch nicht.

Genauso nervig waren Den Rest des Beitrags lesen »