Lederhosenzwang?

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis jemand die leidige Leitkulturdebatte wieder auf den Herd stellt. Jetzt stellen sie sich groß hin und rühren mit großem Geblöke in dem alten ranzigen Brei. Natürlich kommt der Vorstoß wieder von der CSU, aber diesmal steht die sächsische CDU mit am Herd. Das arme Deutschland könnte verwässern, glauben die, per (so nicht genannter) Überfremdung kulturell ausbluten und wäre am Ende gar nicht mehr die vertraute Gartenzwergidylle mit Schwarzbrot und Autobahn ohne Tempolimit und reinheitsgebotenem Bier und Weihnachtsgeld und Gelbem Sack.

Unser Deutschland wie wir es kennen und lieben ist angeblich in höchster Gefahr, und damit Unser Deutschland auch ja Unser Deutschland bleibt, muss jetzt unbedingt was unternommen werden. Sonst wachen wir übermorgen womöglich in einem muselmanischen Alemanistan auf oder in einer linksgrünversifften Union der entdeutschten Länder oder gleich staatenlos in der umvolkungsbedingten Diaspora. Wir müssten alle Schleier und Vollbart tragen, unsere Kinder zur Homosexualität erziehen und Den Rest des Beitrags lesen »


Meinungsstark

Neulich in der Straßenbahn. Donnerstag abend, etwa 23 Uhr. Hinter mir sitzen zwei junge Kerle, irgendwas zwischen 15 und 18. Der eine mit Rasta-Locken, der andere ziemlich unauffällig und mit Brille. Beide nicht mehr ganz nüchtern und in ein tiefsinniges Gespräch vertieft.

Brille: Ja, ich bin ja auch eher gegen Rechtsradikalismus, das finde ich nicht gut.
Rasta: Auf jeden Fall.
Brille: Was die machen ist scheiße, wenn ich mir das überlege.
Rasta: Stimmt.
Brille: In Deutschland ist das am Schlimmsten, glaube ich.
Rasta: Naja, das ist allgemein so am Kommen. Wenn man mal nach Polen schaut oder Tschechien, da sind überall rechte Kräfte ganz stark, und anderswo noch schlimmer.
Brille: Ja, ich sehe Deutschland als ein Land, wo es hauptsächlich mehr, also … Zuflucht gibt…

Es ergibt sich ein kurzer Austausch über Flüchtlinge, Asyl, Fluchtgründe und Brandstifter, den kriege ich aber nicht mehr zusammen, also lasse ich ihn weg.

Rasta: Und es gibt ja auch kaum wen, der was macht. Man muss Den Rest des Beitrags lesen »


Toleranz? Indoktrinationsalarm!

Derzeit läuft ja der Streit um die Bildungsreform 2015 des baden-württembergischen Kultusministeriums(darüber hatte ich gestern schon geschrieben). Zentrales Ziel des zur Debatte stehenden Bildungsplans ist es, den Schülerinnen und Schülern Toleranz für alternative Lebensentwürfe zu vermitteln, über die ganze Schulzeit und fächerübergreifend.

In einem Arbeitspapier zur Verankerung der Leitprinzipien wird das auf Seite 2 so zusammengefasst:

Verlangt werden in diesem Zusammenhang Kreativität, Kritik- und Kommunikationsfähigkeit sowie die Fähigkeit zu selbstbestimmtem, sozial und ökologisch verantwortlichem Handeln. Die Kinder und Jugendlichen müssen in der Lage sein, ihre eigenen Wertvorstellungen und Haltungen zu reflektieren und weiter zu entwickeln, Probleme und Konflikte friedlich zu lösen bzw. auszuhalten, aber auch Empathie für andere entwickeln zu können und sich selbst bezüglich des eigenen Denkens und Fühlens zu artikulieren und – wenn nötig – auch zu relativieren. Das macht es auch erforderlich, die Perspektiven anderer Personen und Kulturen übernehmen zu können, Differenzen zwischen Geschlechtern, sexuellen Identitäten und sexuellen Orientierungen wahrzunehmen und sich für Gleichheit und Gerechtigkeit einsetzen zu können. Die Auseinandersetzung mit eigenen Wünschen und Vorstellungen, Perspektiven für und Möglichkeiten der künftigen alltäglichen, beruflichen und gesellschaftlichen Lebensgestaltung durchziehen daher den schulischen Alltag. (Quelle)

Das erscheint mir sehr vernünftig und sinnvoll. Ziel der Schulbildung sollen Sozialkompetenz und Alltagstauglichkeit sein, Toleranz- und Empathiefähigkeit. Alles Dinge, die unsere Gesellschaft lebenswerter und weniger engstirnig machen werden, wenn sie mehr Verbreitung finden. Dinge, von denen ich hoffe, sie meinen eigenen Kindern mitgeben zu können, Schule hin oder her.

Der heftige Widerstand gegen dieses Vorhaben war zu erwarten, immerhin geht es ja unter anderem auch um Homosexualität und ihre Wahrnehmung und Darstellung in Schule und Gesellschaft. Dass die christlichen Kirchen sich eher gegen den Entwurf des Bildungsplans stellen würden, war auch abzusehen.

Trotzdem geht mir der Hut hoch, wenn ich die gemeinsame Verlautbarung der beiden evangelischen Landeskirchen und der katholischen Diözesen Baden-Württembergs lese. Dort heißt es allen Ernstes: Den Rest des Beitrags lesen »


Böcke als Gärtner

Datenschutz ist in Deutschland ein großes Thema. Bei der Volkszählung in den 80er Jahren sind die Leute buchstäblich auf die Barrikaden gegangen, haben die Nummern von den Erfassungsbögen abgeschnitten oder die Teilnahme an der Zählung gleich ganz verweigert. Der Staat, dachten viele, solle doch bitteschön nicht in der Privatsphäre herumschnüffeln. Vermutlich auch aufgrund der üblen Erfahrungen mit der Überwachung im Dritten Reich und später in der DDR war man in dieser Hinsicht sehr sensibel. Auch in der alten Bundesrepublik ist genug passiert, was Anlass zum Misstrauen gegenüber staatlicher Überwachung gibt, etwa die jahrelange Bespitzelung der Redaktion des Spiegel durch den BND.

Trotzdem versuchen Polizei, Geheimdienste und alle möglichen Behörden in Deutschland beharrlich, sich möglichst umfassenden Zugriff auf alle nur denkbaren Daten über die Bürger zu verschaffen. Mit wachsenden technischen Möglichkeiten haben sie noch vor wenigen Jahren kaum denkbare Überwachungsmöglichkeiten erhalten, die dazu nötigen Kompetenzen aufgebaut, technische Ausrüstung angeschafft, und gieren danach, das alles auch benutzen zu dürfen.

Um der Sammel- und Verwertungswut des Staates hier einen Riegel vorzuschieben und die grundgesetzlich garantierte Privatsphäre zu schützen, wurde das Amt des Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit geschaffen. Der soll Den Rest des Beitrags lesen »


Salamitaktik, weitersäbeln

Die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD holpern weiter vor sich hin. Es läuft nicht rund, aber man ist sich in einem einig: Man will zusammen regieren, koste es was es wolle. Da wird vorn beim Gegenüber geschleimt und hinten vor der Basis gepoltert. Die ehernen Grundsätze, die unverrückbaren Positionen und die nicht verhandelbaren Ideale werden hier und da schon mal ein bisschen aufgeweicht, zurückgestutzt, zurechtgebogen. Die Wahlversprechen fallen wie die Fliegen, bevor die neue Regierung überhaupt angetreten ist. Alles ganz im Sinne der von Marketingprofis ausbaldowerten Strategie der SPD (näheres hier unter Inland, genauer: ab Während der Entstehung dieses Artikels erschien auf taz.de…).

Sie säbeln also fleißig weiter an der Salami. Derzeit haben sie es von DNA-Tests. Man möchte in Zukunft Den Rest des Beitrags lesen »


Salamitaktik

Seit den großen Protesten gegen die Volkszählung in den 80er Jahren ist die Bundesrepublik Deutschland konsequent in Richtung Überwachungsstaat umgebaut worden. Klar, viele Daten liefern die unbedarften und oft erschreckend desinteressierten Bürger selbst ganz freiwillig. Sie surfen ungeschützt im Internet, füttern Datenkraken wie Facebook oder Amazon mit allem, was sie von sich wissen, nutzen Apps auf dem Smartphone, von denen sie meistens gar nicht wissen, welche Daten und Messwerte die an wen weitergeben usw.

Deshalb kann man heute ganz legal mehr über jeden von uns erfahren, als das mit den Ergebnissen der Volkszählung theoretisch möglich gewesen wäre, und wenn man die eine oder andere Grauzone ausschöpft, gibt es noch viel mehr mehr über uns zu erfahren. Von illegalen Hackereien haben wir da noch gar nicht gesprochen, aber sowas macht ja auch niemand.

Trotzdem Den Rest des Beitrags lesen »


Stahlkocher

Vor einer Weile bin ich auf ein Stück Musik gestoßen, das mich fasziniert, nämlich The Eternal Flames of Metal der mir bis dato unbekannten schwedischen Band Cryonic Temple.

Musikalisch recht gelungen, finde ich. Druckvoll und dabei melodisch. Die Stimme vielleicht etwas dünn, aber noch im Toleranzbereich. Das Schlagzeug etwas zu flach, das könnte ruhig etwas plastischer klingen, aber gut, es funktioniert. Die Struktur von dem Stück (Grundgerüst: ABABCC) hat was, bei jedem Wechsel Den Rest des Beitrags lesen »


Vermischtes und Bier

Die Mär vom deutschen Herrenvolk ist irgendwie nicht totzukriegen. Der Gedanke hat anscheinend etwas Verlockendes – so mancher wäre wohl gern was Besseres. Rein und edel, mit dem besseren Erbgut ausgestattet, zum Herrschen bestimmt. Eine in Deutschland leider ziemlich virulente Subkultur lebt in oder von diesem Wahn und richtet damit ziemlich viel Schaden an.

Dabei sind die Deutschen ein eher bunt zusammengewürfelter Haufen auf westgermanischer Grundlage. Wie homogen diese Westgermanen als Volk so waren, weiß ich nicht. Sie (oder ihre Vorfahren) sind aber wohl wie der Rest der Menschheit zig Tausend Jahre lang in der Weltgeschichte herumgezogen Den Rest des Beitrags lesen »


Doktorenkegeln

Im Februar 2011 fing es an. Jemand entdeckte plagiierte Stellen in der Doktorarbeit von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Ein Heer von Freiwilligen durchforstete daraufhin die Dissertation nach Abgekupfertem und trug die Funde auf dem eigens gegründeten GuttenPlag Wiki zusammen. Der Freiherr hatte sich seine Doktorarbeit großenteils zusammenkopiert und die Tatsache offensichtlich mit einigem Geschick verschleiert. In der Folge wurde ihm der Doktortitel aberkannt, und der Minister trat zurück.

Nun hatten die Plagiatsjäger Blut gerochen und Den Rest des Beitrags lesen »


Großer Sieg für die Demokratur

Am Sonntag war in Russland Wahl. Wie erwartet hat Wladimir Putin sich mit großer Mehrheit wieder zum Präsidenten wählen lassen. Die Russische Föderation hat also ihren Präsidenten wieder, und die westlichen Regierungschefs gratulieren dem lupenreinen Demokraten artig zur Wiederwahl oder wünschen ihm wenigstens Erfolg. Russland ist immerhin ein wichtiger Verbündeter und strategischer Partner. Da schaut man lieber nicht so genau hin, um Irritationen zu vermeiden. Das hat sich schon im Umgang mit China, Saudi-Arabien, Mubaraks Ägypten, Gaddafis Libyen und anderen Ländern bewährt. Die sind alle recht empfindlich, wenn es um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte geht. Immerhin lässt Angela Merkel ihren Regierungssprecher ein paar vorsichtige Worte in Richtung von “freie und faire Wahlen wären aber auch ganz schön gewesen, da müsste man noch dran arbeiten” äußern.

So ganz sauber waren die Wahlen in Russland wohl wirklich nicht. Russische und ausländische Beobachter der Wahl Den Rest des Beitrags lesen »