Salamitaktik

Seit den großen Protesten gegen die Volkszählung in den 80er Jahren ist die Bundesrepublik Deutschland konsequent in Richtung Überwachungsstaat umgebaut worden. Klar, viele Daten liefern die unbedarften und oft erschreckend desinteressierten Bürger selbst ganz freiwillig. Sie surfen ungeschützt im Internet, füttern Datenkraken wie Facebook oder Amazon mit allem, was sie von sich wissen, nutzen Apps auf dem Smartphone, von denen sie meistens gar nicht wissen, welche Daten und Messwerte die an wen weitergeben usw.

Deshalb kann man heute ganz legal mehr über jeden von uns erfahren, als das mit den Ergebnissen der Volkszählung theoretisch möglich gewesen wäre, und wenn man die eine oder andere Grauzone ausschöpft, gibt es noch viel mehr mehr über uns zu erfahren. Von illegalen Hackereien haben wir da noch gar nicht gesprochen, aber sowas macht ja auch niemand.

Trotzdem Den Rest des Beitrags lesen »

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Stahlkocher

Vor einer Weile bin ich auf ein Stück Musik gestoßen, das mich fasziniert, nämlich The Eternal Flames of Metal der mir bis dato unbekannten schwedischen Band Cryonic Temple.

Musikalisch recht gelungen, finde ich. Druckvoll und dabei melodisch. Die Stimme vielleicht etwas dünn, aber noch im Toleranzbereich. Das Schlagzeug etwas zu flach, das könnte ruhig etwas plastischer klingen, aber gut, es funktioniert. Die Struktur von dem Stück (Grundgerüst: ABABCC) hat was, bei jedem Wechsel Den Rest des Beitrags lesen »


Vermischtes und Bier

Die Mär vom deutschen Herrenvolk ist irgendwie nicht totzukriegen. Der Gedanke hat anscheinend etwas Verlockendes – so mancher wäre wohl gern was Besseres. Rein und edel, mit dem besseren Erbgut ausgestattet, zum Herrschen bestimmt. Eine in Deutschland leider ziemlich virulente Subkultur lebt in oder von diesem Wahn und richtet damit ziemlich viel Schaden an.

Dabei sind die Deutschen ein eher bunt zusammengewürfelter Haufen auf westgermanischer Grundlage. Wie homogen diese Westgermanen als Volk so waren, weiß ich nicht. Sie (oder ihre Vorfahren) sind aber wohl wie der Rest der Menschheit zig Tausend Jahre lang in der Weltgeschichte herumgezogen Den Rest des Beitrags lesen »


Doktorenkegeln

Im Februar 2011 fing es an. Jemand entdeckte plagiierte Stellen in der Doktorarbeit von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Ein Heer von Freiwilligen durchforstete daraufhin die Dissertation nach Abgekupfertem und trug die Funde auf dem eigens gegründeten GuttenPlag Wiki zusammen. Der Freiherr hatte sich seine Doktorarbeit großenteils zusammenkopiert und die Tatsache offensichtlich mit einigem Geschick verschleiert. In der Folge wurde ihm der Doktortitel aberkannt, und der Minister trat zurück.

Nun hatten die Plagiatsjäger Blut gerochen und Den Rest des Beitrags lesen »


Großer Sieg für die Demokratur

Am Sonntag war in Russland Wahl. Wie erwartet hat Wladimir Putin sich mit großer Mehrheit wieder zum Präsidenten wählen lassen. Die Russische Föderation hat also ihren Präsidenten wieder, und die westlichen Regierungschefs gratulieren dem lupenreinen Demokraten artig zur Wiederwahl oder wünschen ihm wenigstens Erfolg. Russland ist immerhin ein wichtiger Verbündeter und strategischer Partner. Da schaut man lieber nicht so genau hin, um Irritationen zu vermeiden.

Das hat sich schon im Umgang mit China, Saudi-Arabien, Mubaraks Ägypten, Gaddafis Libyen und anderen Ländern bewährt. Die sind alle recht empfindlich, wenn es um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte geht. Immerhin lässt Angela Merkel ihren Regierungssprecher ein paar vorsichtige Worte in Richtung von “freie und faire Wahlen wären aber auch ganz schön gewesen, da müsste man noch dran arbeiten” äußern.

So ganz sauber waren die Wahlen in Russland wohl wirklich nicht. Russische und ausländische Beobachter der Wahl Den Rest des Beitrags lesen »


Islamismus ade

Tahr Bell Jelloun schreibt auf zeit.de unter dem Titel Revolte ohne Islamisten, dass all die Aufstände und Revolutionen in der arabischen Welt im wesentlichen ohne Zutun der Islamisten passieren. Dass die verschiedenen islamistischen Parteien und Organisationen der betreffenden Länder versuchen, diese Aufstände auf ihr Konto gehen zu lassen oder die Aufstände in ihrem Sinn zu nutzen. Dass aber die ganz überwiegende Mehrheit der Aufständischen ihnen eine Abfuhr erteilt habe. Die Islamisten würden ganz einfach links liegen gelassen. In freien Wahlen hätten islamistische Parteien sowieso schon keine glänzenden Ergebnisse zu erwarten gehabt, und jetzt stünden sie noch deutlich schlechter da als zuvor.

Die Gefahr, die von den Islamisten ausgeht, sei von den arabischen Despoten maßlos übertrieben worden, das habe ihnen westliches Wohlwollen einschließlich Rüstungshilfe eingebracht. Der Westen blicke in der arabischen Welt überhaupt nicht durch und habe reichlich naiv Stabilität über Menschenrechte gestellt, damit keine Bin Ladens die Macht zwischen Casablanca und Kabul übernehmen. Diese Gefahr sei vergleichsweise gering, schreibt Jelloun, die arabische Welt wolle Freiheit und ihre Ruhe, keine Fundamentalisten.

Das klingt gut, und unsereins kennt sich in der arabischen Welt ja auch kaum aus. Alles, was wir aus der Ecke hören, kommt mehrfach gefiltert von Leuten mit ihren eigenen Interessen und Zielen. Vielleicht sieht es dort- von innen gesehen – wirklich ganz anders aus. Andererseits Den Rest des Beitrags lesen »


Erdbeben, Kernkraft und Revolten

Irgendwie ist es eine merkwürdige Zeit. Zweieinhalb weltbewegende Dinge passieren gleichzeitig, und deren Bewertung in der öffentlichen Meinung gibt zu denken.

Erst eine Kette von Aufständen und Revolutionen in der bislang fast durchweg stramm autokratisch geführten arabischen Welt. Die Welt hält den Atem an, hofft meistenteils, dass die Aufstände erfolgreich sein werden und hält sich nach Möglichkeit raus. Während in Libyen der Bürgerkrieg hochkocht und alle befürchten, Gaddafi werde die Aufständischen abservieren, bevor die Welt sich zum Eingreifen durchringen kann, wird Japan erst vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte getroffen und dann von einem außergewöhnlich schweren Tsunami. Tausende kommen ums Leben, zehntausende sind vermisst, Hunderttausende obdachlos. Eine humanitäre Katastrophe, mit der sogar das hochentwickelte Japan nicht ohne weiteres fertigwird.

Soweit, so schlimm. Wir schieben also die arabischen Revolten auf die zweite Seite und schauen vor allem nach Japan. (Das arme und unterentwickelte, nach dem Erdbeben vom Januar 2010 immer noch nicht einmal ansatzweise wiederaufgebaute Haiti ist schon längst vergessen.)

Erdbeben und Tsunami haben auch das Atomkraftwerk Fukushima I getroffen. Die Notabschaltung hat zwar funktioniert, aber der Tsunami hat die ganzen Kühlsysteme plattgemacht, und die Reaktoren fangen an zu überheizen. Es kommt zu Explosionen und offensichtlich teilweise zur Kernschmelze. Radioaktivität tritt aus, man kämpft immer verzweifelter gegen den Super-GAU, und die Erfolgsaussichten sind nicht rosig. Es stellt sich heraus, dass die Betreibergesellschaft die Wartungsprotokolle immer wieder gefälscht hatte und die Anlagen viel vergammelter sind, als man sich das in einem Land hätte vorstellen können, das immer mit Disziplin und Sorgfalt in Verbindung gebracht wird. Die Meiler sind jedenfalls am Trockenkochen, ein zweites Tschernobyl wird denkbar. Die Welt hält den Atem an.

In Deutschland kocht derweil die Hysterie hoch. Weil: Den Rest des Beitrags lesen »


Deutschland schafft sich ab

Diskussionen um die Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz haben die Deutsch-ins-Grundgesetz-Befürworter immer wieder das Argument gebracht, die Grundgesetzänderung sei eher symbolisch und bleibe de facto wirkungslos. Darum könne man den Satz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ getrost ins Grundgesetz schreiben, das schade niemandem. Die Bedenken, dass dieser Satz eher der Ausgrenzung von Migranten Vorschub leisten und alle möglichen Maßnahmen zur Stärkung der sogenannten Leitkultur und zur Erzwingung von Integration ermöglichen oder erleichtern könnte, wurden vielfach als paranoide Phantastereien linker Multi-Kulti-Träumer beiseitegewischt.

Ein Blick in die Tagespolitik zeigt leider, dass die Warnungen der Kein-Deutsch-ins-GG-Befürworter durchaus ihre Berechtigung haben: Da regt Horst Seehofer eine Volksbefragung in Bayern an, ob man von Migranten auch etwas fordern könne und die bayerische Verfassung entsprechend ändern solle. Am politischen Aschermittwoch Den Rest des Beitrags lesen »


Deutsch gehört nicht ins Grundgesetz

Heute endet die Mitzeichnungsfrist für die Petition von Anatol Stefanowitsch Keine Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz. Wer noch mitzeichnen will, sollte das umgehend tun. Hiermit sei meine zahlreiche Leserschaft ermutigt, sich noch schnell ein Benutzerkonto auf der Petitionsseite des Bundestags zu besorgen und die Petition mitzuzeichnen!

Warum die deutsche Sprache nicht ins Grundgesetz gehört? Ganz kurz: Es ist unnötig und nützt niemandem. Der Satz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ gibt sprachlichen Kleingärtnern und fremdenfeindlich Orientierten die Möglichkeit zu allerlei Querelen. Sprachpuristen und verschiedene Politiker scheinen außerdem eine Reihe von gesetzlichen Vorschriften etwa zum Sprachgebrauch auf Schulhöfen u.ä. anzustreben.

Ausführlicher kann man das bei Anatol Stefanowitsch nachlesen. In diesem Artikel hat er die Argumente zusammengefasst und verlinkt auf eine Reihe von Blogartikeln zum Thema: Auf der Zielgeraden: Keine Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz *

Außerdem gibt es auch im Forum der Bundestagsseite eine längere Diskussion zu der Petition. Also: Wählen gehen!

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*: Das Sprachlog ist mittlerweile umgezogen. Der verlinkte Artikel findet sich jetzt auf sprachlog.de. (Der alte Link im Text funktioniert noch, dort ist aber nur das Archiv der bis zum Umzug vorhandenen Blogartikel.)