Lernen vom Meister

Dass bei der AfD trotz ihrer Bemühungen um einen bürgerlichen Auftritt und ihrer Beteuerungen, keine Nazis zu sein und mit nicht mit Nazis zusammenzuarbeiten, der eine oder andere bräunliche Fleck auf der Weste durchscheint, ist kein Geheimnis. Was man so aus den Reihen dieser Partei hört, lässt in der Hinsicht wenig Fragen offen.

Die Geschichte der Partei ist eigentlich eine Aneinanderreihung von Rechtsrucken. Seit Jahren treten Mitglieder vom gemäßigteren Rand aus oder werden rausgeekelt, und die radikaleren Figuren gewinnen mehr und mehr Gewicht. Der Laden wird lauter und radikaler. Ein wiederkehrendes Muster ist: Jemand aus der AfD macht eine provozierende Äußerung, darauf folgt allenthalben Empörung der Demokraten, dann rudert die- oder derjenige zurück oder will es nicht so gemeint haben, will missverstanden worden oder auf der Maus ausgerutscht sein.

Ich finde das besorgniserregend und abstoßend und halte diese Partei für eine Gefahr für unsere Rechtsordnung. Mittlerweile denkt der Verfassungsschutz darüber nach, ob die AfD beobachtet gehört, und es spricht einiges dafür.

Nun können nicht alle Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements

Gurkensalat

Plakat einer Kunstausstellung, der fettgedruckte Titel ist ein Zitat von Philipp Reis aus der Frühzeit des Telefonierens: Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.

Ein Mann und eine Frau laufen zusammen dran vorbei, beide wohl so Mitte 50, sie in zivil, er in Blaumann und Bauarbeiterhelm. Er liest den Text vor, sinniert kurz, fängt dann halblaut an zu extemporieren: Das Pferd frisst keinen Gurkensalat? Stimmt nicht, das ist reine Propaganda. Das Pferd frisst die ganze Zeit Gurkensalat. Ich hab’s genau gesehen, das frisst nichts als Gurkensalat, schon immer. Man kann denen nichts glauben…


Zahnbehandlung

Die Fotos des am 2. September 2015 ertrunkenen Ailan Kurdi am Strand von Bodrum in der Türkei haben weltweit Aufsehen erregt. Twitter hat tagelang hochemotional gewogt, der Hashtag #KiyiyaVuranInsanlik soll eine Weile lang der aktivste Hashtag auf Twitter überhaupt gewesen sein. Es sind unzählige Fernsehreportagen, Zeitungs- und Blogartikel darüber erschienen.

Es wurde wieder darüber diskutiert, ob man solche Bilder überhaupt zeigen soll. (Ich finde, hier war es angebracht. Weshalb ich das denke, kann man hier nachlesen, oder kürzer gefasst hier). Jedenfalls zeigen die Bilder die Folgen unserer verfehlten Asyl-, Außen- und Entwicklungspolitik, holen das Drama aus dem Reich der anonymen Zahlen ins Anschauliche, Begreifbare. Hier geht es um konkrete Menschen in Not. Um konkrete Menschen, die auf der Strecke bleiben. Die sind nicht irgendwer, die sind nicht egal, jeder von ihnen hat einen Namen.

Wir (Deutsche, Europäer, „der Westen“) zwingen die Leute zwar nicht direkt selbst zur Flucht, das tun andere (oft genug allerdings mithilfe deutschen oder jedenfalls europäischen Geräts), aber unsere Regierungen sorgen mit ihrer Politik dafür, dass sie keinen anderen Weg in eine sichere Umgebung sehen als in überfüllten Seelenverkäufern über das Mittelmeer oder in zweckentfremdeten Lkw über Land. Dass wir damit indirekt die wachsende Schlepperindustrie alimentieren, ist für das rechtsstaatliche Selbstverständnis Europas und v.a. Deutschlands umso beschämender.

Die Bilder von Ailan Kurdi zeigen die Folgen von alledem, ganz schlicht und ergreifend.

* ****

Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die „Asylkritiker“ sich der Angelegenheit annehmen würden, und tatsächlich Den Rest des Beitrags lesen »