Skizze einer Neuen Medizin™

Jetzt ist der March for Science vorbei, da können wir diesen lästigen Wissenschaftskram beiseitelegen und wieder zum Alltag übergehen. Anders gesagt: Die Diät ist vorbei, räumt den Heimtrainer schnell wieder in den Keller, packt Schokolade, Chips und Bier aus!

Also, es gibt so viele Heilmethoden, die als Komplementärmedizin oder Alternative Medizin laufen, und so viele davon sind haarsträubend absurd. Und die meisten dieser Methoden passen nicht mit den meisten anderen Methoden zusammen oder schließen sich sogar gegenseitig aus. Will heißen: Wenn Methode A funktioniert und die vorgebrachte theoretische Grundannahme stimmt, kann Methode B nicht auch funktionieren und korrekt sein. Das gilt etwa für Bachblüten, Schüßlersalze und Homöopathie.

Trotzdem gibt es haufenweise Leute, die sich nicht auf eine der genannten Methoden beschränken, sondern mehrere praktizieren oder wenigstens als sinnvolle Behandlungsmethoden akzeptieren. Die drei oben genannten Methoden etwa gehören zum Standardrepertoire der Heilpraktikerei, viele Heilpraktikerschulen bieten alle drei an. Apotheken verkaufen nebeneinanderher homöopathische Zubereitungen, Schüßler-Salze, Bachblütentropfen, spagyrischen und anderen Firlefanz. Das ist, als ob man gleichzeitig behauptet, die Erde sei eine Scheibe, sie sei eine Kugel, die um die Sonne rotiert und sie sei ein Hohlkörper, auf dessen Innenseite wir herumlaufen und uns Sonne, Mond und Sterne zusammenhalluzinieren. Mit solchen Phantastereien ist nicht zu spaßen.

Da diese Widersprüchlichkeiten aber im echten Leben offenbar nicht weiter stören und man sich augenscheinlich bestens einreden kann, dass alle diese „Medizinen“ gleichzeitig funktionieren und korrekt sind, kann eine weitere solche „Medizin“ nicht schaden. Ich will auch sowas. Vielleicht werde ich Weiterlesen »

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#HomöopathieUmsonst

Der 10. April ist offenbar der World Homeopathy Day und Beginn der World Homeopathic Awareness Week. War mir bisher nicht bekannt, ich finde im Internet auch nicht allzuviel dazu, es gibt nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag. Dieser Tag scheint nur in Indien einige Bekanntheit zu haben. Anlass ist wohl der Geburtstag des Erfinders der Homöopathie, Samuel Hahnemann.

(In Argentinien feiert man an diesem Tag übrigens den Geburtstag des argentinischen Medizin-Nobelpreisträger Bernardo Alberto Houssay als Día de la Ciencia y la Técnica – Tag der Wissenschaft und Technik.)

Gestern morgen hat @littlewisehen auf Twitter einen Artikel über eine Aktion spanischer Skeptiker verlinkt, die diesen Tag auf ihre Art begehen. Sie veralbern die Homöopathie:

Die Aktion lief schon im vergangenen Jahr. Sie kommt vom Verein Farmaciencia und liegt ganz auf meiner Linie – mit Zetteln an Wasserspendern, Trinkbrunnen u.ä. Weiterlesen »

Geschüttelt, nicht gerührt

Homöopathiejünger behaupten gern, dass die Homöopathie – natürlich – wirkt, dass sie – anders als Medikamente – keine Nebenwirkungen hat und am Ende den Patienten Schmerzen, Zeit und Geld spart. Als Beleg führen manche dann die im Mai 2017 in der Schweiz beschlossene Aufnahme homöopathischer Behandlungen in die Grundversicherung an.

Rechtliche Voraussetzung für diese Aufnahme ist anscheinend der Nachweis, dass die fragliche Methode wirksam, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. Sie muss also für spezifische Indikationen eine gewisse Wirksamkeit nachweisen, sie sollte das angestrebte Ziel mit möglichst wenig Nebenwirkungen erreichen und sie muss, platt gesagt, ein einigermaßen vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten.

Wenn in der Schweiz jetzt Homöopathie von den Kassen bezahlt wird, müssen diese Voraussetzungen ja Weiterlesen »

Weil sie es sich so sehr wünschen…

In den letzten Jahren sind mehr und mehr Krankenkassen in Deutschland dazu übergegangen, homöopathische und andere alternativpseudomedizinische Behandlungen zu bezahlen. Dass die nicht wirken und allerlei unangenehme Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen (mögliche Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten durch Entwöhnung vom rationalen Denken; Diskreditierung der Wissenschaft; mögliche Gesundheitsschädigungen als Folge der Verhinderung oder Verzögerung angemessener Behandlung durch Vorgaukeln einer medizinischen Versorgung; Einstiegsdroge in esoterische Wirrungen; Einstieg in Medikamentensucht, weil es für jedes Wehwehchen sofort ein Mittelchen gibt), interessiert dabei anscheinend nicht.

So werden erhebliche Finanzmittel für wirkungslose oder sogar gefährliche Behandlungen verballert, während anderswo sinnvolle Leistungen aus Kostengründen gestrichen werden. Apotheken etwa müssen einen bestimmten Prozentsatz ihrer Ware aus Parallelimporten beziehen, was offenbar Fälschern und anderen Betrügern Tür und Tor öffnet und die Patienten u.U. in Gefahr bringt. Hausärzte bekommen pro Patient und Quartal in manchen Bundesländern nur eine sehr magere Zeitpauschale erstattet, die für fast gar nichts reicht und zur übertriebenen Nutzung technischer Geräte zur Diagnosestellung ermuntert (weil man das dann gesondert abrechnen kann).

Die Kassen handeln alle paar Jahre Rabattverträge mit den Pharmafirmen und den Herstellern von Verbrauchsmaterialien aus, weshalb dann jedesmal viele Patienten von heute auf morgen andere Medikamente und Materialien beziehen müssen. Medikamente müssen dann oft neu eingestellt werden, die Nebenwirkungen sind anders. Die Passform etwa von Einlagen ist dann jedesmal wieder ungewohnt. Man kann nicht das gewohnte Produkt nehmen, und es ist nicht mehr möglich, das bevorzugte Produkt zu nehmen und den etwaigen Differenzbetrag aus eigener Tasche draufzulegen, weil das von der Kasse vorgeschriebene Produkt abgenommen werden muss, damit die mit den Herstellern ausgehandelten Kontingente auch garantiert ausgeschöpft werden – der Umsatz muss stimmen.

Brillen muss man seit langem selbst bezahlen, bei Zahnersatz teilweise erhebliche Zuzahlungen leisten oder einen Zahnersatz zweiter Klasse akzeptieren (Brücke statt Implantat unter bestimmten Umständen). Und so weiter und so fort.

Das Geld fehlt, heißt es dann, diesen ganzen Luxus können wir uns nicht mehr leisten. Immerhin wird das medizinisch Notwendige finanziert, da soll man doch Weiterlesen »

Kleine Hausapotheke für Autoren

Wer beruflich oder als Hobby schreibt, wird manchmal Trockenzeiten zu überwinden haben. Nicht immer sprudeln die Ideen, oder die guten Ideen verrecken auf dem Weg in die Tastatur oder mutieren zu ekligen Monstern oder staubigem Nichts. Oder man kriegt einen rohen Text nicht in druckbare Form. Oder die Verbesserungen von gestern gefallen heute nicht mehr, oder was auch immer. Beim Schreiben kann viel schiefgehen, es kann an vielen Stellen haken, und manchmal ist einfach der Wurm drin.

Abhilfe schafft meine kleine Hausapotheke für Autoren. Weiterlesen »

Schlechte Laune C30

Homöopathie ist großartig. Echt! Man verdünnt ein bisschen Kräutersud bis weit jenseits der Nachweisgrenze, und schon hat man ein potentes Medikament. Je weniger Wirkstoff, desto stärker die Medizin, und man kann auf diese Art prinzipiell gegen jedes Leiden ein Mittel brauen.

Das allein ist schon klasse. Aber die Homöopathie bleibt nicht im Gestern stehen, sie geht mit der Zeit und findet auch Lösungen für Probleme, die zu Hahnemanns Zeiten noch gar nicht abzusehen waren, beispielsweise Elektrosmog. Die Süddeutsche schreibt über das Geschäft mit der Angst vor Elektrosmog. Da wird ein homöopathisches Mittel gegen Elektrosmog erwähnt.

Zur Herstellung beschießt man Wasser mit für Elektrosmog typischen elektromagnetischen Strahlen. Dann wird es à la Hahnemann potenziert, d.h. verdünnt, geschüttelt, wieder verdünnt, wieder geschüttelt usw. Anschließend wird das so gewonnene verdünnte Wasser auf Zuckerkügelchen getropft und verkauft. Das soll dann vor den Folgen von Elektrosmog schützen.

Die Idee finde ich genial. Ich ärgere mich richtiggehend, dass sie nicht mir gekommen ist. Dafür spinne ich sie einfach mal weiter: Weiterlesen »