„Musik“

Das Radio läuft. Ich wohne in einem Haushalt mit Leuten, die das Ding gern laufen haben. Ist auch ok. Meistens. Wir haben Internetradio, da ist man nicht an die paar lokal empfangbaren Sender gebunden, und wenn der gerade laufende Sender mal ins Unangenehme abdriftet, können wir fast immer was Konsensfähiges finden. Also was, mit dem wir alle in dem Moment einigermaßen leben können.

Diesen Text habe ich schon seit einiger Zeit herumliegen, murkse immer mal dran rum, bin nicht zufrieden und lege ihn wieder weg. Jetzt hat Kollege Lars Dithmarschen was über „Witzige“ Werbetexter im röhrenden Radio geschrieben, und da dachte ich dass das jetzt vielleicht eine gute Gelegenheit ist, das Machwerk hier mal rauszuhauen.

Das Radio läuft also, und ich habe das Gefühl, seit einer Viertelstunde dieselbe 2-Takt-Schleife zu hören. Irgendein Hirni wiederholt mit gequetschter Stimme dieselbe kurze Phrase eins ums andere Mal, bis es mir eine Spur ins Hirn fräst. Den Rest des Beitrags lesen »


Tastaturduell

Ein aus den USA in die alte Welt herübergeschwappter Wahlkampfbrauch ist die Podiumsdiskussion von Politikern, live im Fernsehen übertragen. Da sitzen dann Leute, die alle denselben Stuhl wollen, und erzählen sich gegenseitig, wie gut sie dafür geeignet sind und warum die Hörer gerade sie und nicht die anderen wählen sollten.

Seit immer mehr Leute das Internet über Breitband konsumieren, verliert das herkömmliche Fernsehen an Bedeutung und gewinnen im Internet bereitgestellte Inhalte an Reichweite. Nachrichten, Filme, im Prinzip alles, was auf dem Bildschirm laufen kann, lässt sich auch über das Internet übertragen und konsumieren. Youtube hat da eine Lawine losgetreten, und mittlerweile gibt es jede Menge Zeugs, das nur über das Internet verbreitet wird.

Natürlich kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Das alte Radio

Gestern hat mich dieses Foto von Berlinographics an das alte Röhrenradio meiner Großeltern erinnert. Das war ein Schaub-Lorenz Phonosuper 59, ein bierkastengroßes Möbel mit vielen Tasten, Knöpfen, Drehreglern und einem Plattenspieler unter dem Deckel. Das Ding stand zeit meiner Kindheit ungenutzt auf dem Kleiderschrank, man hatte ja seit Mitte der 60er Jahre einen Fernseher und ein tragbares Transistorradio für den Alltag.

Das Phonosuper konnte natürlich UKW, KW, MW und LW, hatte wie berlinos Gerät auf der von hinten beleuchteten Frontscheibe tausend Markierungen für bestimmte Radiosender, die großenteils durch Städtenamen gekennzeichnet waren. München, Belgrad, Monte Carlo… Da frage ich mich jetzt: Wie langfristig waren damals die Frequenzen vergeben, dass man diese Information den Geräten dauerhaft und praktisch nicht korrigierbar mitgab?

Irgendwann haben wir das Trumm dann geerbt, da muss ich so 12 oder 13 gewesen sein. Ein paar Jahre lang hatte ich es in meinem Zimmer stehen, und ich habe den Kasten geliebt. Radiohören war damit nämlich ein Abenteuer, da wehte wirklich der Duft der großen weiten Welt aus den Lautsprechern. Ein bisschen wie bei den Flugkapitänen oder Seeleuten, die man gelegentlich von ferne auf dem Bahnhof sah.

Und dieses behäbige Großvaterradio hatte Reichweite. Man konnte Den Rest des Beitrags lesen »