Geschichte vom Räuber

Eine der Gutenachtgeschichten, die ich meinen Kindern früher improvisiert und in vielen Wiederholungen ausgesponnen habe, ist die Geschichte vom Räuber. Die will ich jetzt mal aufschreiben, solange ich sie noch weiß. Also.

Es gab da einen großen, dichten Wald. Durch diesen Wald führte eine Straße, wo immer wieder Reisende langkamen. Nicht weil sie so gern durch den Wald fuhren (zu der Zeit war das noch gefährlich), sondern weil der Weg um den Wald herum viel weiter war. Wenn man sich beeilte, schaffte man den Wald an einem Tag. Für den Weg am Wald vorbei brauchte man mindestens drei Tage. Darum fuhren, ritten oder liefen trotz Räubergefahr viele Reisende durch den Wald.

In dem Wald lebte ein Räuber. Der hatte eine geheime Hütte abseits der Straße. Die war in einem dichten Gebüsch versteckt, damit sie niemand finden konnte. Vom normalen Wald führte nur ein schmaler, gewundener Weg durch das Unterholz zur Hütte, der war aber kaum zu sehen, und dort kam sowieso niemand vorbei.

Zur Arbeit ging er jeden Tag an die Straße. Dort kletterte er auf einen Baum direkt an der Straße und setzte sich auf einen Ast, der über die Straße ragte. Wenn eine Kutsche kam, sprang er vom Ast auf den Kutschbock, hielt dem Kutscher und den Fahrgästen seine Pistole vor die Nasen und raubte sie aus. Dann erschreckte er die Pferde durch einen Pistolenschuss, und während die Pferde durchgingen, verschwand er ungesehen im Unterholz.

In der Gegend wussten natürlich alle, dass in dem Wald ein Räuber sein Unwesen trieb, aber niemand traute sich, etwas zu unternehmen. Man wusste ja nicht, mit wem man es zu tun hatte oder ob da vielleicht eine ganze Bande im Wald hockte. Die Leute von der einen Seite des Waldes sagten, die auf der anderen Seite sollten Den Rest des Beitrags lesen »