Das Ende ist näher!

Eigentlich hätte am 28. Oktober die Welt untergehen sollen. Das hat erwartungsgemäß nicht geklappt. Am 21. Dezember 2012 geht dafür aber angeblich der Maya-Kalender zuende, und mit ihm dann ganz bestimmt auch die Welt. Letztere vielleicht auch erst 2023, allerspätestens aber 2029. Da hätten wir noch ein bisschen Zeit, den Asteroiden (99942) Apophis abzuschießen, sonst erwischt der uns 2036 dann womöglich doch noch (obwohl das nach Meinung der Fachleute extrem unwahrscheinlich ist).

Nichtsdestoweniger rückt das Ende der Welt natürlich mit jedem verfließenden Tag einen Tag näher, wenn man es sich einfach mal als einen konkreten Termin denkt, der sich aus (uns überwiegend unbekannten oder noch nicht verstandenen) Prozessen oder Parametern ergibt. Ob das tatsächlich der Fall ist, wissen wir natürlich nicht, und bislang hat uns kein allwissender Erzähler darüber aufgeklärt.

Wie das Ende der Welt schließlich aussieht, weiß darum natürlich auch niemand, aber es gibt jede Menge phantastische Szenarios zum Thema, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Gern werden Den Rest des Beitrags lesen »


Unverkäuflich

Manche Leute meinen, es sei eine gute Werbeidee, Flugblätter bei geparkten Autos hinter den Scheibenwischer zu klemmen. Die meisten Autofahrer, die ich kenne, mögen das aber nicht so gern. Zettel an der Windschutzscheibe werden in aller Regel als störend empfunden, und deshalb verzichten mittlerweile die meisten Gewerbetreibenden auf Aktionen dieser Art. Es ist jedenfalls schon länger her, dass ich irgendwo solche Flyer gesehen habe.

In den letzten Jahren sind allerdings Gebrauchtwagenhändler und -exporteure dazu übergegangen, durch die Straßen zu ziehen und allen geparkten Autos ihre Karten in die Fensterdichtung der Fahrertür zu stecken. Das fing mit billigen Papierfetzen auf normalem Papier an, heute sind es oft aufwändig hergestellte laminierte Karten. Der Text ist meistens eine Variation von „Wollen Sie Ihr Auto verkaufen? Ich zahle sofort bar, rufen Sie mich an [Handy-Nummer]“.

Manchmal entfernen die Kartenverteiler eventuell schon vorhandene Karten von Mitbewerbern, manchmal stecken sie die eigene einfach dazu. Die allerwenigsten Fahrzeughalter scheinen darauf anzuspringen. Die Karten landen massenhaft Den Rest des Beitrags lesen »


Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein (2)

Über das mit dem Internet und dem rechtsfreien Raum hatte ich hier ja neulich schonmal geschrieben. Damals hatte ich geschrieben, die immer wieder geäußerte Forderung, das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum bleiben, sei so albern, dass dass man sich darüber am besten lustig macht. Jetzt stellt sich die Sache geringfügig anders dar: Die zuständige EU-Kommissarin legt einen Bericht vor, nach dem die EU-Länder in Sachen Vorratsdatenspeicherung im Prinzip machen, was sie wollen. Die entsprechende EU-Richtlinie sei eher schlampig geschrieben, und man sehe Bedarf, den Datenschutz und die Datensicherheit zu verbessern.

In Deutschland versuchen sich seit längerem die Innenminister verschiedenster Couleur – bei aller Treue zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung – immer wieder mal an der Einrichtung eines Überwachungsstaats, jedenfalls so ein kleines bisschen. Die Strafverfolger weinen bei jeder Gelegenheit Krokodilstränen, weil ihnen Steuerhinterzieher u.ä. durch die Lappen gehen, weil nicht genug Vorratsdaten gespeichert werden und die Hürden für den Zugriff darauf zu hoch sind. In Frankreich geht es in der Hinsicht deutlich härter zur Sache: Den Rest des Beitrags lesen »


Islamismus ade

Tahr Bell Jelloun schreibt auf zeit.de unter dem Titel Revolte ohne Islamisten, dass all die Aufstände und Revolutionen in der arabischen Welt im wesentlichen ohne Zutun der Islamisten passieren. Dass die verschiedenen islamistischen Parteien und Organisationen der betreffenden Länder versuchen, diese Aufstände auf ihr Konto gehen zu lassen oder die Aufstände in ihrem Sinn zu nutzen. Dass aber die ganz überwiegende Mehrheit der Aufständischen ihnen eine Abfuhr erteilt habe. Die Islamisten würden ganz einfach links liegen gelassen. In freien Wahlen hätten islamistische Parteien sowieso schon keine glänzenden Ergebnisse zu erwarten gehabt, und jetzt stünden sie noch deutlich schlechter da als zuvor.

Die Gefahr, die von den Islamisten ausgeht, sei von den arabischen Despoten maßlos übertrieben worden, das habe ihnen westliches Wohlwollen einschließlich Rüstungshilfe eingebracht. Der Westen blicke in der arabischen Welt überhaupt nicht durch und habe reichlich naiv Stabilität über Menschenrechte gestellt, damit keine Bin Ladens die Macht zwischen Casablanca und Kabul übernehmen. Diese Gefahr sei vergleichsweise gering, schreibt Jelloun, die arabische Welt wolle Freiheit und ihre Ruhe, keine Fundamentalisten.

Das klingt gut, und unsereins kennt sich in der arabischen Welt ja auch kaum aus. Alles, was wir aus der Ecke hören, kommt mehrfach gefiltert von Leuten mit ihren eigenen Interessen und Zielen. Vielleicht sieht es dort- von innen gesehen – wirklich ganz anders aus. Andererseits Den Rest des Beitrags lesen »


Nai hämmer gsait

Anlässlich der Katastrophe in Fukushima wird jetzt gern von einer Zäsur gesprochen. Alles habe sich geändert, heißt es, und der Atomausstieg ist neuerdings wieder in Mode. Sogar hartgesottene Befürworter der Kernkraft wie Volker Kauder denken um. Aber hat sich wirklich etwas geändert? Die Kernkraftwerke in der Welt sind jetzt nicht sicherer oder unsicherer als vor dem Erdbeben in Japan. Die Sicherheitsanforderungen sind jetzt nicht weniger angemessen oder unzulänglich als vorher. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein schweres Erdbeben oder ein Tsunami ereignet, dürfte auch grundsätzlich unverändert sein. So gesehen hat sich nichts geändert, es gibt jetzt nicht mehr Grund zur Panik als vorher.

Was sich geändert hat ist die Wahrnehmung. Die Mehrheit der Kernkraftbefürworter hätte das, was jetzt in Fukushima passiert ist, überhaupt nicht für möglich gehalten. Man hat gedacht, dass die Kraftwerke so ausgelegt sind, dass sie die zu erwartenden Naturkatastrophen auch aushalten. Gerade Japan hat ja auch erheblichen Aufwand getrieben, um das Land soweit wie möglich erdbeben- und tsunamifest zu machen. Außerdem hat man angenommen, dass die Sicherheitsrichtlinien angemessen sind und ihre Einhaltung von den zuständigen Behörden überwacht wird.

Dass ausgerechnet in Japan – quasi dem Mutterland der Gewissenhaftigkeit – so blatant gepfuscht wurde, hätte niemand zu träumen gewagt. Man stelle sich das vor: Den Rest des Beitrags lesen »


Erdbeben, Kernkraft und Revolten

Irgendwie ist es eine merkwürdige Zeit. Zweieinhalb weltbewegende Dinge passieren gleichzeitig, und deren Bewertung in der öffentlichen Meinung gibt zu denken.

Erst eine Kette von Aufständen und Revolutionen in der bislang fast durchweg stramm autokratisch geführten arabischen Welt. Die Welt hält den Atem an, hofft meistenteils, dass die Aufstände erfolgreich sein werden und hält sich nach Möglichkeit raus. Während in Libyen der Bürgerkrieg hochkocht und alle befürchten, Gaddafi werde die Aufständischen abservieren, bevor die Welt sich zum Eingreifen durchringen kann, wird Japan erst vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte getroffen und dann von einem außergewöhnlich schweren Tsunami. Tausende kommen ums Leben, zehntausende sind vermisst, Hunderttausende obdachlos. Eine humanitäre Katastrophe, mit der sogar das hochentwickelte Japan nicht ohne weiteres fertigwird.

Soweit, so schlimm. Wir schieben also die arabischen Revolten auf die zweite Seite und schauen vor allem nach Japan. (Das arme und unterentwickelte, nach dem Erdbeben vom Januar 2010 immer noch nicht einmal ansatzweise wiederaufgebaute Haiti ist schon längst vergessen.)

Erdbeben und Tsunami haben auch das Atomkraftwerk Fukushima I getroffen. Die Notabschaltung hat zwar funktioniert, aber der Tsunami hat die ganzen Kühlsysteme plattgemacht, und die Reaktoren fangen an zu überheizen. Es kommt zu Explosionen und offensichtlich teilweise zur Kernschmelze. Radioaktivität tritt aus, man kämpft immer verzweifelter gegen den Super-GAU, und die Erfolgsaussichten sind nicht rosig. Es stellt sich heraus, dass die Betreibergesellschaft die Wartungsprotokolle immer wieder gefälscht hatte und die Anlagen viel vergammelter sind, als man sich das in einem Land hätte vorstellen können, das immer mit Disziplin und Sorgfalt in Verbindung gebracht wird. Die Meiler sind jedenfalls am Trockenkochen, ein zweites Tschernobyl wird denkbar. Die Welt hält den Atem an.

In Deutschland kocht derweil die Hysterie hoch. Weil: Den Rest des Beitrags lesen »


Überalterung? Muss doch nicht sein…

Samstagnachmittag, Fußgängerzone. Ein sechs- oder siebenjähriger Junge mit Spielzeuggewehr kommt aus einem Café, baut sich in der Fußgängerzone auf und fragt in die Runde: „Wer will erschossen werden?“

Niemand reagiert. Er wendet sich an eine junge Frau: „Wollen Sie erschossen werden?“

Sie knurrt was Unwilliges, macht einen Bogen um ihn und geht weiter. Der Junge schaut sich um und spricht einen älteren Herrn an:

„Wollen Sie erschossen werden? Sie sind sowieso schon zu alt.“

Mittlerweile habe ich den Mund wieder zugekriegt. Ich frage mich, wo er die Formulierung herhat. Hat jemand seinem Vater die Vorfahrt genommen? Hat eine große deutsche Boulevardzeitung wieder eine besonders gemeine Abzocke eines Politikers aufgedeckt? Und: wusste der Junge, was er da sagt?


Virtuell…

Virtuelle Meetings gehören in international tätigen Firmen zum Alltag. Netmeeting, Telefon- und Videokonferenzen legen uns die weite Welt zu Füßen. Wir können am eigenen Schreibtisch bleiben und brauchen trotzdem nicht auf den persönlichen Kontakt zu Kollegen in China, Indien, den USA oder Südafrika zu verzichten. Wir machen virtuelle Meetings, und es ist fast so, als wäre man tatsächlich in einem Raum, heißt es.

Dabei ist es nicht ganz so einfach: Funktionieren solche Meetings genauso wie herkömmliche Besprechungen, wo alle Teilnehmer in einem Raum sitzen? Kaum jemand hat eine Ahnung, wie bestimmte Verhaltensweisen über Telefon und Video wirken, besonders wenn man es mit Kollegen aus den verschiedensten Kulturen zu tun hat. Das kann sehr leicht sehr peinlich werden. Man kann schneller als man denkt Kollegen oder Kunden vergrätzen.

Und die Technik hat natürlich auch ihre Tücken. Schon die Konfiguration von vergleichsweise simplen Tools Den Rest des Beitrags lesen »


„We have voices over the phone!“

Neulich erlebt: Termin mit ein paar Dutzend Teilnehmern an drei Standorten, Netmeeting mit Telefonkonferenz. Ein Kollege trägt per Telefon was vor, und immer wieder sind Gesprächsfetzen zu hören, die nicht zu seinem Vortrag gehören und offensichtlich nicht von seinem Telefon kommen. Wiederholte Aufrufe an die Teilnehmer, doch bitte die Telefone stummzuschalten. Es trillert und piepst vom vielen Tastendrücken, als die Leute versuchen, dem nachzukommen.

Das Fremdgespräch geht unbeeindruckt weiter. Der Vortrag wird unterbrochen, eine Diskussion über mögliche Maßnahmen bricht aus. Jemand sagt mit großer Dringlichkeit: We have voices over the phone! (Als wäre das mit den Stimmen nicht der Hauptzweck des Telefons überhaupt.)

Nach ein paar Minuten einigt man sich, trotz Störgeräuschen den Vortrag wieder aufzunehmen. Mittlerweile sind es zwei Gespräche, die wir mithören. Dazu kommt noch der Lärm von einem, der auf sein Mikrofon atmet und es ständig irgendwo gegenschlägt. Wiederholte Aufrufe an die Teilnehmer, doch bitte die Telefone stummzuschalten. Et cetera ad nauseam.


Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein

Es muss eine Regel geben, dass jeder Politiker diesen Satz einmal in seiner Karriere öffentlich äußern muss. Oder dass kein Monat vergehen darf, in dem dieser Satz nicht öffentlich geäußert wird. Wie auch immer, das ganze ist offenbar so wichtig, dass dieser Satz seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholt wird. Das ist überflüssig und albern, weil das Internet bei näherem Hinsehen nun wirklich kein rechtsfreier Raum ist (ein blogrelevantes Beispiel ist das sogenannte Niggemeier-Urteil). Man könnte sinnvollerweise fordern, die Rechtssicherheit im Internet durch nachvollziehbare, weltweit gültige Regeln zu erhöhen, oder Rechtsbrüche im Internet effektiver zu verfolgen, zum Beispiel durch verbesserte internationale Zusammenarbeit. Aber das ist nicht so ohne weiteres erreichbar, weil immer ein paar Länder nicht mitmachen. Und es lässt sich nicht so schön griffig in eine Phrase pressen. Also wird weiter gedroschen. Das Publikum ist geduldig.

Weil das anscheinend ziemlich vielen Leuten eher lächerlich vorkommt, hat sich der schöne Brauch etabliert, den Spruch zu veralbern. Das Den Rest des Beitrags lesen »