Twix für 1 DM

Bei uns in der Nachbarschaft hängt ein Süßigkeitenautomat, vermutlich seit Jahrzehnten. Das Ding habe ich nie richtig wahrgenommen. Ist halt einer von den vielen Automaten, die unmotiviert an Deutschlands Hauswänden herumhängen. Kaufen würde ich da nie was, weil die Ware jahraus jahrein ungekühlt in dieser Blechkiste liegt, auf die den halben Tag die Sonne scheint. Wahrscheinlich reicht schon eine halbe Stunde Sonnenschein, dass der Inhalt gut durchgewärmt wird. Lebensmittel werden von sowas nicht besser.

Und so gammelig wie der Kasten aussieht kann er auch kein großer Publikumsmagnet sein. Ich habe keine Ahnung, wieviel Umsatz dieser Automat bringt, aber es dürfte schon eine Weile dauern, bis der Kasten leergekauft ist und nachgefüllt werden muss. Ensprechend ältlich wird die Ware sein.

Heute ist mir im Vorbeigehen aufgefallen, dass der Preis für Twix da noch in DM ausgezeichnet ist. Den Rest des Beitrags lesen »


Arbeiten?

Das muss ein langweiliges Meeting gewesen sein. Oder es hat wieder ewig gedauert, Netmeeting und die Telefonkonferenz zum Laufen zu kriegen.


Spielplatzterror

Ich bin öfters mit meinen beiden Kindern auf einem der Spielplätze in der Nachbarschaft. Manchmal finde ich es bedrückend, dass die immer nur unter Aufsicht spielen gehen dürfen, aber in einer Großstadt kann ich Vorschulkinder nicht gut allein auf die Straße lassen. Schon gar nicht in Bahnhofsnähe. Aber wenn ich schon in Sichtweite bleiben muss, will ich sie möglichst in Ruhe spielen lassen. Ich bin dann ansprechbar, spiele auch gern mit, lasse sie aber entscheiden, was sie wie machen wollen. Einschreiten tue ich eigentlich nur, wenn es wo gefährlich wird.

Wenn ich dann so auf der Bank sitze und meinen Gedanken nachhänge, fallen mir immer wieder Eltern auf, die ihre Kinder nicht in Ruhe lassen. Spielen ist wertvoll und fördert die kindliche Entwicklung, und das Potential wollen wohlmeinende Eltern so weit wie möglich ausschöpfen. Stillstand ist Rückschritt, und Leerlauf darf nicht sein. In der Folge werden schon zwei- oder dreijährige gnadenlos über den Parcours gehetzt, als wäre der Spielplatz ein Kasernenhof.

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Grenzen der Technik (2)

Neulich hatte ich hier die Idee ausgebreitet, kindliches Kleiderchaos durch Einsatz von RFIDs einzudämmen. Das war natürlich nicht ganz ernstgemeint, aber doch irgendwie faszinierend. Es wäre schon praktisch, jedes Kleidungsstück in der Wohnung sofort orten zu können („Die andere Socke? Moment, [klick, klacker, klick, bzw. (im Zeitalter des allgegenwärtigen Smartphones 2018 ergänzt) wisch, antipp, antipp, wisch, tipp] liegt unter dem Sofa…“).

Außerdem – und hier fängt es an unheimlich zu werden – wäre es möglich, bestimmte Kleidungsstücke zu sperren. Alles, was nach dem morgendlichen Anziehen noch im Kleiderschrank ist, darf diesen nicht verlassen. Sobald ein Kleidungsstück aus dem Schrank genommen wird, gibt es einen Alarm. Wenn wegen eines Unglücks neue Kleidung benötigt wird, kann man die ja freischalten. Man könnte natürlich auch einfach den Kleiderschrank abschließen, aber das wäre so archaisch, so brachial, so gar nicht auf der Höhe der Zeit. Und wenn man das schöne RFID-System schonmal hat, wäre man ja blöd, es nicht zu nutzen.

Und wo man das schöne System schonmal am Benutzen ist, könnte man auch gleich Den Rest des Beitrags lesen »


Tragbare Uhr

1437 erfand Heinrich Arnold die Uhrenfeder als Alternative zum bis dahin unverzichtbaren Gewichtsantrieb. Damit wurde es erstmals möglich, tragbare Uhren zu bauen. Die Miniaturisierung setzte ein, und 1510 baute Peter Henlein dann die erste Taschenuhr.

Aber wie sahen die Zwischenschritte aus? Damals lagen mechanische Uhren in Format und Gewicht irgendwo zwischen einer Palette Telefonbücher und einem Kleinlaster und waren in Kirchen oder Rathäusern installiert. Irgendein Uhrmacher wird auf die Idee gekommen sein, kleinere Uhren zu bauen. Er träumte vielleicht von einer Uhr, die in einen Koffer passte. Die Uhrmacherkollegen werden über die absurde Idee gelacht haben. Er ließ sich aber nicht beirren und fing an zu tüfteln. Der erste Prototyp dürfte noch 150 kg gewogen und einen Kleiderschrank zur Unterbringung benötigt haben. Zwei Versionen weiter war er dann vielleicht bei 15 kg und einem mittleren Reisekoffer angelangt.

Die Mover und Shaker der frühen Neuzeit hätten dann so eine Uhr im Gepäck gehabt und konnten noch im letzten Kaff bei bewölktem Himmel oder nachts wissen lassen, wie spät es war. Die ewiggestrigen Sanduhrträger hätten dagegen völlig alt ausgesehen.


Grenzen der Technik

Es erstaunt mich immer wieder, wieviel Kleidungsstücke Kinder in kürzester Zeit verbrauchen können. Meine vierjährige Tochter zum Beispiel hätte kein Problem damit, den gesamten Bestand an frischen Sachen in ihrem Kleiderschrank innerhalb von zwei, drei Tagen zu verbrauchen. Sie hat, wie wohl jeder, ihre Lieblingssachen. Und sie zieht sich gern nach Stimmung an. Die Strumpfhose von gestern ist heute meistens nicht mehr genehm und kann auf keinen Fall angezogen werden. Und zu der neuen passt natürlich der Pullover nicht, also muss ein neuer Pullover her. Dann kratzt das Etikett vom Unterhemd. Außerdem will sie sich verkleiden und zieht dann noch ein Kleidchen über alles drüber. Dann merkt sie, dass es das falsche Kleid ist, weil dieses entweder zu eng ist, oder zu lang oder zu kurz oder die falsche Farbe hat. Also noch ein Kleid. Dann werden beim Händewaschen die Ärmel nass, und der Pullover muss sofort gewechselt werden. Dann kommen die normalen Unglücke dazu, die jedem mal passieren: Beim Essen gekleckert, das Klo nicht rechtzeitig erreicht, die kleine Schwester patscht mit Brei und man kriegt es ab usw.

Sie könnte den ganzen Tag damit verbringen, sich umzuziehen, zu verkleiden, neue Sachen anzuprobieren. Das macht sie überall in der Wohnung, und die ausgezogenen Sachen lässt sie meistens da liegen, wo sie grad ist. Oder sie legt sie ordentlich auf einen Stuhl, in ein Regal, aufs Sofa. Und die kleine Schwester zieht dann mit Triumpfgeheul durch die Wohnung und verstreut alles, was sie erreichen kann, gleichmäßig auf dem verfügbaren Fußboden. Das führt dazu, dass man in der Regel nichts wiederfindet, vor allem nicht dann, wenn es eilig ist.

Die Socken? Keine Ahnung, wo hast Du die denn hingelegt? Den Rest des Beitrags lesen »


Was ist falsch an Feuerstein?

Es gibt immer etwas, das man haben muss, wenn man cool sein will, erfolgreich und auf der Höhe der Zeit. Üblicherweise ist das ein neuartiges Spielzeug technisches Gerät. Man erkennt diese Dinger zuverlässig daran, dass ihre Besitzer sie penetrant zur Schau stellen und dass viele Zeitgenossen sie ebenso penetrant für überflüssig erklären und sich ein paar Jahre später doch welche kaufen.

Im Moment ist das Gerät der Wahl ganz sicher ein Smartphone, gern auch mit Touchscreen. Vor zehn Jahren war es überhaupt irgendein Handy, vor fünfzig Jahren war es vielleicht das Transistorradio, vor hundert Jahren das Telefon oder elektrisches Licht im Haus. Vor fünfhundert Jahren könnte es Peter Henleins Taschenuhr gewesen sein.

Etwa zur selben Zeit kam auch das Buch auf und verdrängte traditionelle Formen der Textablage. Vielen Anwendern fiel die Umstellung von Schriftrolle oder Kodex auf den neuen Standard eher schwer. Wenn man noch weiter zurückschaut, Den Rest des Beitrags lesen »


Muss man sich das antun?

Viele Leute twittern wie besessen, immer öfter auch in Blogs. Das kann durchaus einen gewissen Witz haben, wenn die Zwitscherer nämlich was zu sagen haben und die Möglichkeiten des Mediums gescheit nutzen. Meistens wirkt es auf mich aber eher wie Wichtigtuerei, ähnlich wie unnötige Sonnenbrillen im Haar oder demonstrativ vor sich hergetragene iGeräte oder Superhandys. Ich glaube, ich will von niemandem ständig wissen, Den Rest des Beitrags lesen »


Lernpotentiale entwickeln… (2)

Es reicht nicht, einfach nur hochtrabende Texte auf Spielzeugverpackungen zu drucken. Wer auf sich hält, verkauft sein Zeug ja auch in alle Welt. Gerade die Exportnation Deutschland nimmt das sehr wichtig. Zunächst erklären wir die Welt des Spielens auf Deutsch:

Herzlich willkommen in unserer Spielwelt, in der Kinder spielerisch erste Erfahrungen mit Farben und Formen sammeln und durch Erkennen von Zusammenhängen Lernpotentiale entwickeln. Spiel und Spaß verbinden dabei Generationen.

Der natürliche Werkstoff Holz in vielfältiger Gestaltung weckt besondere Emotionen. Jedes Produkt ist ein Unikat in Design und Qualität und entspricht nach EN 71 und ASTM nationalen und internationalen Normen, geprüft vom TÜV.

Das muss natürlich auch auf Englisch in die Packung, und das Den Rest des Beitrags lesen »


Lernpotentiale entwickeln…

Meine Tochter hat gerade ein Holzwägelchen geschenkt gekriegt. Das hat zwei elastische Stangen, auf die man Holzringe steckt, die eine Katze und einen Hund darstellen. Man zieht das Ding an einer Schnur hinter sich her oder schmeißt die Einzelteile in die Gegend. Ganz hübsch das, aber eben auch nicht weiter besonders. Der Hersteller sieht das natürlich anders:

Herzlich willkommen in unserer Spielwelt, in der Kinder spielerisch erste Erfahrungen mit Farben und Formen sammeln und durch Erkennen von Zusammenhängen Lernpotentiale entwickeln. Spiel und Spaß verbinden dabei Generationen.

Der natürliche Werkstoff Holz in vielfältiger Gestaltung weckt besondere Emotionen. Jedes Produkt ist ein Unikat in Design und Qualität und entspricht nach EN 71 und ASTM nationalen und internationalen Normen, geprüft vom TÜV.

Früher war alles so rückständig, so ungeregelt und hopplahopp. Da gab es Spielzeug, Den Rest des Beitrags lesen »