Zeichensetzung

Zeichensetzung ist wichtig, Fehler können erhebliche Missverständlichkeiten auslösen. Zur Illustration gibt ja diese hübschen Beispielsätze, in denen ein hinzugefügtes oder weggelassenes Komma eine deutliche Veränderung der Aussage des Satzes nach sich zieht (Komm, wir essen, Opa! vs. Komm, wir essen Opa!) oder die Aussage ins Gegenteil verkehrt (Nicht, aufhören! vs. Nicht aufhören!).

Manchmal gibt es sogar mehr als zwei Möglichkeiten:

Er versprach, mir jedes Jahr ein neues Auto zu kaufen.
Er versprach mir, jedes Jahr ein neues Auto zu kaufen.
Er versprach mir jedes Jahr, ein neues Auto zu kaufen.

Im ersten Fall sollte er mir jedes Jahr ein neues Auto kaufen. Im zweiten Fall wollte er jedes Jahr ein neues Auto anschaffen. Im dritten Fall schleppt er das Versprechen, ein neues Auto anzuschaffen, Jahr für Jahr mit, mutmaßlich ohne es zu erfüllen.

Manchmal kann man aber Den Rest des Beitrags lesen »


Wesentliche Vermeidungseffekte

Vor einer Weile hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat sich öffentlich für ein allgemeines Tempolimit von 130km/h auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Damit würde die gegenwärtige Praxis ins Gegenteil verkehrt: Statt dass wie bisher Geschwindigkeitsbegrenzungen auf einzelnen Autobahnabschnitten konkret gerichtsfest begründet werden müssen, müssten nach dieser Empfehlung örtlich begrenzte Ausnahmen vom Tempolimit Den Rest des Beitrags lesen »


Einverleibungen

Es gibt im Deutschen ja eine beständig wachsende Menge Anglizismen, was öffentlich zu beklagen sich manche berufen sehen, wofür sie dann wiederum von anderen öffentlich kritisiert werden.

Anglizismen sind  also allgegenwertig in der heutigen deutschen Sprache, und Anglizismen zu erfinden muss ein beliebtes Hobby sein. In der Werbung wird sowas geradezu zwanghaft gemacht, und in Managementkreisen wird auch häufig ein bisweilen schwerverdauliches Denglisch gesprochen. Schwer zu verstehen, wenn man entweder mit der Denkweise oder dem Fachgebiet der jeweiligen Wortimporteure nicht vertraut ist und darum nicht ohne weiteres erschließen kann, was die ausdrücken wollten, oder weil man die importierten englischen Wörter gar nicht erst kennt.

Und einfach nachschlagen kann man so etwas auch nicht so ohne weiteres, weil erstens das Englische ein paar Laute hat, die im Deutschen nicht vorkommen, zweitens der Zusammenhang zwischen Schreibweise und Aussprache im Englischen recht unübersichtlich ist, und weil drittens so mancher Denglischsprecher seine Importware in der Aussprache derart vermurkst, dass vom Klang nicht immer ganz einfach auf die Schreibweise geschlossen werden kann.

Dabei haben wir noch gar nicht davon angefangen, dass manchen Wörtern beim Import die Bedeutung ziemlich verdreht wird oder englisch klingende Wörter gelegentlich gleich ganz erfunden werden (das berühmte urdenglische Handy lässt grüßen). Bis die im Duden auftauchen, gibt es nichts, wo man die nachschlagen könnte. Obwohl, im Internet Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter, die drölfzigste

Nach Jahr und Tag nun wieder ein paar sortierte Wörter, die gefühlt drölfzigste, tatsächlich erst vierte Folge.

Wörter die ich nicht ausstehen kann:

Pubertier für pubertierende Heranwachsende. Das mag witzig klingen und ist als launische Verbalisierung des pubertätsbedingten Leidensdrucks in der Eltern-Kind-Beziehung auch durchaus verständlich. Aber trotzdem, meine Kinder sind keine Tiere, und ich mag sie nicht so nennen, auch nicht zum Spaß und schon gar nicht in angespannten Zeiten.

vermögen für können: Er hat dies oder das zu tun vermocht o.ä. Das ist so eine Marotte in journalistischen Texten, ähnlich wie das allgegenwärtige & Co., wenn jemand die Möglichkeit andeuten möchte, dass die davor erfolgte Aufzählung womöglich nicht ganz vollständig sein könnte, v.a. wenn der Text in dem beliebten locker-flockig-humorigen Tonfall gehalten ist, der Feierabendtauglichkeit und Nahbarkeit signalisiert.

Aber zurück zu vermögen – ich weiß gar nicht, wo man Den Rest des Beitrags lesen »


Pentatonisches

Vor einer Weile hatte ich ja ein schon etwas älteres Gedankenspiel zur Übertragung der grundlegenden Idee der Zwölftonmusik auf die Sprache wieder aufgenommen. Und jetzt frage ich mich pünktlich zum heutigen Internationalen Tag der Muttersprache, ob man nicht auch in die andere Richtung gehen und ein sprachliches Äquivalent zur Fünftonmusik bauen könnte, sozusagen als Muttersprachgymnastik.

Anderswo wird nur wieder (und oft reichlich larmoyant) über den unmittelbar bevorstehenden Untergang der deutschen Sprache wegen Anglizismenschwemme und Gendersprech gejammert. Das halte ich für völlig verfehlt – Den Rest des Beitrags lesen »


The Quick Brown Fox

Pangramme, also Sätze, die jeden Buchstaben des Alphabets enthalten, sind hübsch. Echte Pangramme (sogenannte Isogramme), die jeden verfügbaren Buchstaben genau einmal enthalten, sind hübscher. Das in der Überschrift angesprochene englische Pangramm ist mit 35 Buchstaben recht lang und enthält mehrere Buchstaben mehrmals: The quick brown fox jumps over the lazy dog. Es gibt elegantere englische Pangramme, also kürzere, mit weniger doppelten Buchstaben, trotzdem ist der schnelle braune Fuchs wohl das bekannteste englische Pangramm.

Auf Deutsch gibt es laut Wikipedia mindestens drei echte Pangramme mit Umlauten und ß, davon zwei in neuer Rechtschreibung, die wenn schon nicht inhaltlich sinnvoll dann doch wenigstens grammatisch korrekt Den Rest des Beitrags lesen »


Klirr

Graffito: Schriftzug "Klirr" auf Verteilerkasten, dabei sieht das Klirr so aus, als sei er auf eine Glasscheibe gemalt, die in mehrere Scherben zerbrochen ist.

Wie nennt sich das, wenn man ein Wort, das ein Geräusch darstellt, so typografisiert oder sonst grafisch gestaltet, dass das Schriftbild das Geräusch darstellt. Oder vielleicht nicht das Geräusch, sondern einen Gegenstand, dem das Geräusch gerade passiert. In diesem Fall befände sich das Klirr auf einer Glasscheibe, die gerade in Scherben geht.

Ist das lautmalerisch? Im gängigen Sinne Den Rest des Beitrags lesen »


Lautschrift

Wenn man wissen will, wie ein Wort ausgesprochen wird, hat man mehrere Möglichkeiten, das herauszufinden. Man fragt wen, der sich auskennt. Wenn niemand Passendes greifbar ist, schlägt man im Wörterbuch nach, egal ob auf Papier oder online, dort kriegt man dann geholfen. Weil der Zusammenhang zwischen Schreibweise und Aussprache in manchen Sprachen eher lose ist, wird die Aussprache oft gesondert angegeben, und zwar meistens in der extra dafür konzipierten Internationalen Lautschrift.

Für manche Sprachen wird sie nicht genutzt – mein russischer Phonetikdozent hat damals ausgeführt, dass sich der Aufwand für das Russische nicht lohne. Es sei einfacher, die wenigen Abweichungen zwischen Schreibweise und Standardrussisch zu lernen, als sich mit den 127 Zeichen des IPA herumzuschlagen. Da hatte er soweit recht, allerdings hilft das niemandem, der kein Russisch kann und trotzdem schnell wissen will, wie egal welches russische Wort ausgesprochen wird.

(Seit die meisten Online-Wörterbücher eine akustische Illustration ihrer Stichwörter liefern, ist das allerdings auch nicht mehr so schlimm, da kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter (3)

Kuriose Wörter (für, natürlich, durchaus vernünftige Dinge), zufällig gefunden:

Schlagschott
Schwallblech

Wörter, die ich einfach mag:

bewerkstelligen
verabfolgen

Was bisher als falsch galt:

das Klientel (auch wenn ich das letztesmal schon angeführt hatte, hier dient es als elegante Überleitung, deshalb bitte ich, die Wiederholung zu entschuldigen.)

Das wird in letzter Zeit immer häufiger, auch in Qualitätsblättern wie der Zeit. Für mich fühlt sich das eindeutig falsch an; eigentlich hieß es immer und laut Duden bis heute und nur die Klientel.

Zu meinem Unbehagen wegen dem falschen Genus von Klientel möchte ich allerdings noch Den Rest des Beitrags lesen »


Lücken

Ich finde es irritierend, wenn ich Wörter nicht kenne. Nicht irgendwelche ausgefallenen Sonderlocken, sondern eher normale Wörter, Alltagskram. Klar kann man nicht alle Wörter einer Sprache kennen, nicht einmal der eigenen Muttersprache, sogar abseits von Fachsprachlichem. Aber trotzdem, es wurmt.

Hier das, ahem, Tagebuch einer lexikalischen Irritation, mit nützlichen Anmerkungen versehen:

Gestern: Vorhin habe ich mir den Finger an dem Ding verletzt, das Türen zuhält. Aber wie heißt das? Die Klinke ist es nicht, das ist ja der Griff, mit dem man die Tür öffnet oder schließt. Es ist dieser an einer Seite angeschrägte Riegel, der die Tür zuhält und der im Türblatt verschwindet, wenn man die Klinke herunterdrückt oder die Tür zufallen lässt. Wie heißt das blöde Ding? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich es eigentlich weiß und nur grad nicht auf das Wort komme, oder ob ich das Wort jemals gewusst habe.

Morgen werde ich Den Rest des Beitrags lesen »