Lautschrift

Wenn man wissen will, wie ein Wort ausgesprochen wird, hat man mehrere Möglichkeiten, das herauszufinden. Man fragt wen, der sich auskennt. Wenn niemand Passendes greifbar ist, schlägt man im Wörterbuch nach, egal ob auf Papier oder online, dort kriegt man dann geholfen. Weil der Zusammenhang zwischen Schreibweise und Aussprache in manchen Sprachen eher lose ist, wird die Aussprache oft gesondert angegeben, und zwar meistens in der extra dafür konzipierten Internationalen Lautschrift.

Für manche Sprachen wird sie nicht genutzt – mein russischer Phonetikdozent hat damals ausgeführt, dass sich der Aufwand für das Russische nicht lohne. Es sei einfacher, die wenigen Abweichungen zwischen Schreibweise und Standardrussisch zu lernen, als sich mit den 127 Zeichen des IPA herumzuschlagen. Da hatte er soweit recht, allerdings hilft das niemandem, der kein Russisch kann und trotzdem schnell wissen will, wie egal welches russische Wort ausgesprochen wird.

(Seit die meisten Online-Wörterbücher eine akustische Illustration ihrer Stichwörter liefern, ist das allerdings auch nicht mehr so schlimm, da kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter (3)

Kuriose Wörter (für, natürlich, durchaus vernünftige Dinge), zufällig gefunden:

Schlagschott
Schwallblech

Wörter, die ich einfach mag:

bewerkstelligen
verabfolgen

Was bisher als falsch galt:

das Klientel

Das wird in letzter Zeit immer häufiger, auch in Qualitätsblättern wie der Zeit. Für mich fühlt sich das eindeutig falsch an; eigentlich hieß es immer und laut Duden bis heute und nur die Klientel.

Zu meinem Unbehagen wegen dem falschen Genus von Klientel möchte ich allerdings noch Den Rest des Beitrags lesen »


Lücken

Ich finde es irritierend, wenn ich Wörter nicht kenne. Nicht irgendwelche ausgefallenen Sonderlocken, sondern eher normale Wörter, Alltagskram. Klar kann man nicht alle Wörter einer Sprache kennen, nicht einmal der eigenen Muttersprache, sogar abseits von Fachsprachlichem. Aber trotzdem, es wurmt.

Hier das, ahem, Tagebuch einer lexikalischen Irritation, mit nützlichen Anmerkungen versehen:

Gestern: Vorhin habe ich mir den Finger an dem Ding verletzt, das Türen zuhält. Aber wie heißt das? Die Klinke ist es nicht, das ist ja der Griff, mit dem man die Tür öffnet oder schließt. Es ist dieser an einer Seite angeschrägte Riegel, der die Tür zuhält und der im Türblatt verschwindet, wenn man die Klinke herunterdrückt oder die Tür zufallen lässt. Wie heißt das blöde Ding? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich es eigentlich weiß und nur grad nicht auf das Wort komme, oder ob ich das Wort jemals gewusst habe.

Morgen werde ich Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter (2)

Es hat sich wieder was angesammelt.

Wörter, die ich auch nicht mag:

Umtrunk (das Wort, nicht die Veranstaltung, die kann alles zwischen unerträglich und recht nett sein)

Knolle (wenn das Wort in journalistischen Texten als Synonym für Kartoffel verwendet wird, noch schlimmer und eigentlich unsäglich ist tolle Knolle oder so. Noch schlimmer finde ich es nur, ergänzt meine Frau, wenn sie -ideen oder, noch viel schlimmer, & co. an was dranhängen. Kartoffel & co – pfiffige Rezeptideen für die tolle Knolle. Das ist mein Cleaning Woman!, da werde ich zum Hulk.)

Nuff said (den Ausdruck, nicht das damit Ausgedrückte, wenn man nämlich meint, das bisher Gesagte reicht aus bzw. spricht für sich und muss Den Rest des Beitrags lesen »


Formeln, Komplexe, Technologien, Systeme

Körperpflege- und Kosmetikprodukte bevölkern eine ganz eigene Welt. Ihre Vermarktung ist eine besonders ergiebige Spielwiese für Wortschöpfer und Augenwischer. Was da so auf den Etiketten landet ist oft reichlich skurril.

Neulich ist mir aufgefallen, dass praktisch auf allen im Haushalt vorhandenen Gebinden mit irgendwelchen Formeln, Komplexen oder Systemen geprahlt wird. Deshalb habe ich einen kurzen, völlig unsystematischen Streifzug durch zwei Drogeriemärkte gemacht und haufenweise Material geerntet. Bei sorgfältigerem Abgrasen der Regale hätte ich sicher noch ein paar interessante Funde gemacht, aber für den Anfang reicht es wohl auch so. (Außerdem wird man irgendwann schräg angeschaut, wenn man mit der Kamera durch die Gänge läuft und Produkte abfotografiert, darum habe ich die Aktion nicht allzusehr in die Länge ziehen wollen.)

Fangen wir mit Formeln an. Damit scheint übrigens nicht die nach bestimmten Regeln verdichtet dargestellte Information zur Zusammensetzung oder zum chemischen Aufbau bestimmter Inhaltsstoffe gemeint zu sein, sondern der betreffende Inhaltsstoff (oder die jeweilige, sagen wir, chemische Baugruppe) selbst. Jedenfalls kann man Den Rest des Beitrags lesen »


Fernmündlich

Das klassische Festnetztelefon, das ab dem späten 19. Jahrhundert verwendet wurde, übertrug Geräusche in einem Frequenzband von 300 bis 3400 Hertz. Man hätte auch höhere Frequenzen übertragen können, das wäre aber wohl aufwändiger und damit teurer geworden. Also hat man es bei dem genannten Frequenzband belassen. Immerhin liegen die für die Verständlichkeit der Vokale wichtigen Formanten alle innerhalb dieses Frequenzbandes, theoretisch waren die akustischen Voraussetzungen für flüssige Kommunikation am Telefon also gegeben.

In der Praxis war das aber nicht so. Die bis mindestens in die 80er Jahre in Deutschland üblichen Telefone waren von der Klanqualität nicht eben überragend. Die Leitungen waren auch oft nicht so besonders gut. Je nachdem, von wo oder wohin man telefonierte, konnte es schon rauschen, knistern, pfeifen oder knattern in der Leitung, manchmal hörte man auch ein fremdes Gespräch leise mit, wenn irgendwo eine Isolierung nicht funktionierte, Feuchtigkeit eingedrungen war oder was weiß ich. Aber auch bei normalguten Verbindungen konnte man leicht s und f verwechseln, oder k, p und t. Außerdem waren die Hörer oft ziemlich leise (und nicht einstellbar), und viele Leute hatten Probleme, am Telefon alles richtig zu hören.

Diese widrigen Umstände haben zu gewissen Anpassungserscheinungen geführt – viele Leute sprechen bis heute am Telefon besonders laut und oft auch deutlich langsamer als normal.

Nun dürften Telefone heutzutage in aller Regel Den Rest des Beitrags lesen »


Ausgänge, Ereignisse, Erfolge

Das lateinische Verb succedere hat mehrere Bedeutungen. Eine davon ist vonstattengehen, gelingen, glücken. Dazu gibt es das lateinische Substantiv successus – Erfolg. Daher stammt auch das englische success – Erfolg. Dieses Wort gibt es auch im Spanischen: suceso, das hat aber die Bedeutung Ereignis, Geschehnis, Vorfall.

Diese Bedeutung leitet sich ebenfalls aus dem Lateinischen successus ab, nur ist hier das Vonstattengehen in den Mittelpunkt gerückt, während sich im Englischen das Gelingen als zentrale Bedeutungskomponente erhalten hat.

Erfolg gibt es natürlich auch auf Spanisch, heißt éxito. Das stammt vom Lateinischen exitus, – das Hinausgehen, Ausgang, Ablauf, Lebensende, Schicksal, Resultat, Erfolg, hängt zusammen mit dem Verb exigere – (u.a.) vergehen, ablaufen, zu Ende gehen. Im Spanischen hat sich v.a. die Bedeutung glücklicher Ausgang, Erfolg erhalten, im Englischen exit eher das Lebensende und der Ausgang (im Gegensatz zum Eingang).

Das illustriert in meinen Augen sehr schön, dass Lateinkenntnisse beim Fremdsprachenlernen nur sehr bedingt von Vorteil sind. Latein hilft nicht einmal wirklich beim Erlernen romanischer Sprachen, genausowenig beim Englischen, dessen Wortschatz etwa zu einem Drittel lateinischen/romanischen Ursprungs ist. Zu wissen, dass success, suceso, exit und éxito Den Rest des Beitrags lesen »


Reime

Reime, die nur im Norddeutschen funktionieren und im südlichen Teil des deutschen Sprachraums meist eher Unverständnis auslösen:

Billig will ich [Billich – willich]

Buch macht klug [Buch macht kluuch]

Bremen erleben [Brehm erlehm]

Ähnlich kann man als Exilnorddeutscher Verwirrung stiften, wenn man von Hefeteich spricht oder Fluchhäfen erwähnt. Tja, ist schon nicht leicht, so in der Fremde…


Freinacht

Eine Sache, die ich an der deutschen Sprache manchmal nützlich und durchaus liebenswert finde und die mir trotzdem ganz oft erheblich auf die Nerven geht, ist das Maß an pedantischer, gestelzter Überpräzision, das man mit etwas Übung erreichen kann. Obwohl, was mir auf die Nerven geht ist eher das Maß an pedantischer, gestelzter Überpräzision, das viel zu viele Leute zu erreichen versuchen, wo es gar nicht nötig ist. Oder das sie nicht erreichen, wo es eigentlich sinnvoll und nötig wäre.

Juristendeutsch ist eine beliebte Spielart dieser Disziplin. (Dort ist es mit der Präzision oft gar nicht so weit her, wenn man sich das Hickhack um ziemlich viele neue Gesetze so anschaut, wo sich dann – wie etwa beim sogenannten Leistungsschutzrecht – vorher kaum jemand sich festlegen mag, wie es denn nun wirklich wirken wird und wo es danach erstmal lange Rechtsstreitigkeiten um die Auslegung gibt, wenn nicht sowieso Verfassungswidrigkeit festgestellt wird. Ob das ein primär sprachliches Problem ist, lasse ich mal dahingestellt sein, es passt mir nur grad so schön hierher.)

Behörden spielen das Spiel in ihrer eigenen Liga, und gut ausgebildete Verwaltungfachangestellte oder -wirte kann man als Laie auf dem Gebiet kaum je schlagen.

Ich bin vor kurzem auf den Begriff Freinacht gestoßen. Mir als Preuße war das nicht geläufig, deshalb habe ich mich bei Wikipedia schlaugemacht. Dort heißt es, Den Rest des Beitrags lesen »


Wörter

Vor Jahren hatte ich aus einem längst vergessenen Anlass angefangen, eine Liste mit Wörtern zusammenzustellen, die ich nicht mag. Und dazu eine mit Wörtern, die ich mag. Seitdem haben diese unvollendeten Listen halbvergessen auf meiner Festplatte gelegen und elektronischen Speicherstaub gesammelt, bis Onkel Michael Ende vergangenen Jahres seinen genau gleich überschriebenen Artikel über genau solche Wörter gebracht hat.

Ich nehme das zum Anlass, meine beiden (jetzt noch schnell Den Rest des Beitrags lesen »