Zauberwörter

Manchmal werden Wörter aus ihrer ursprünglichen Wortart in andere Wortarten verpflanzt und sind dann mit gleichem Aussehen und Klang parallel in mehreren Wortarten vertreten. Das kommt vor allem im Englischen häufig vor, und dort treibt es manchmal kuriose Blüten, etwa to adhocimprovisieren oder to gaslight – jemanden durch psychologische Spielchen verunsichern und verrückt machen (Definition).

Auf Deutsch geht das nicht ganz so leicht, ist aber grundsätzlich auch möglich. Zaubern etwa muss kein Verb sein, es kann auch Den Rest des Beitrags lesen »

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Entledigt

Pastoren, Motivationstrainer, Esoterikschwurbler u.ä. flechten immer wieder gern pseudo-etymologische Anmerkungen in ihre Ausführungen ein, wohl um bestimmte Aussagen gewichtiger erscheinen zu lassen.

Da werden Alltagswörter in ihre Bestandteile zerlegt, um die Bedeutung dieser Bausteine herauszustellen. Ent-Schuld-igen etwa, weil die Schuld weggenommen wird. Er-fahren, wenn es um durch Fahren/Reisen gewonnene Kenntnisse geht. Nach-denken entweder, weil man einer Sache „hinterherdenken“ soll, einen anspruchsvollen Gedankengang nachvollziehen. Oder weil nach dem Denken das Tun kommen soll, nach-denken wird dann also in der Bedeutung tun oder das Erkannte anwenden, umsetzen, verwirklichen verwendet.

Gern spielen sie auch mit der Herkunft oder der „ursprünglichen“, „eigentlichen“, mithin „echten“ Bedeutung von Wörtern. Kunst kommt von können. Weihnacht bedeutet Den Rest des Beitrags lesen »


Buchstabiert

Irgendwie waren wir auf das Suchen von Namen im Telefonbuch gekommen. Ich glaube, in dem Buch, das ich gerade vorlas, hatte es geheißen, dass die Oma jemandem erklärt habe, wie man Namen im Telefonbuch sucht.

Meine Jüngste fand das zunächst trivial, man wisse doch, wie man Namen findet. Ich meinte darauf, dass man ja schon wissen müsse, wie man da vorgeht, immerhin seien die Telefonbücher großer Städte ziemlich dick.

Sie darauf: Aber die Namen sind doch im Telefonbuch, also, nicht nummeriert, sondern – buchstabiert.

Das muss die schönste Zweckentfremdung eines bereits vorhandenen Wortes seit langem sein. An solchen Stellen wird sichtbar, wie zusammengestoppelt, inkonsistent und lückenhaft unser Wortschatz so ist. Und genau das, finde ich, macht Sprache so spannend.


Sprachebenen

Meine Jüngste gestern, nachdenklich: Eigentlich gibt es immer ein eher kinderiges Wort und ein eher so Erwachsenenwort, zum Beispiel Den Rest des Beitrags lesen »


Gestolpert

Neulich bin ich auf Spektrum.de über einen Text gestolpert, wo in der Einleitung etwas nicht stimmt. Es ist eigentlich keine große Sache, aber ich störe mich an sowas dann doch. Das sieht so aus:

Erdnüsse, Fisch oder Eier – über 170 allergieauslösende Nahrungsmittel sind bekannt. Doch ihr Ursprung ist oft noch ungeklärt, und eine Heilmethode gibt es nicht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen über die Volkskrankheit (Screenshot)

Man weiß also von „über 170 allergieauslösenden Nahrungsmitteln“ nicht, wo sie herkommen? Das glaube ich kaum. Was man hier nicht weiß ist natürlich, wo die Allergien herkommen bzw. wie diese Nahrungsmittel Allergien auslösen.

Rein grammatisch bezieht sich der zweite Satz auf Nahrungsmittel, inhaltlich spricht er aber über die von den Nahrungsmitteln ausgelösten Allergien. Erstaunlicherweise ist der Text trotzdem gut verständlich. Man muss nicht lange nachdenken, um ihn zu verstehen, aber fehlerhaft formuliert ist er doch.

Ich finde es wichtig, sich einigermaßen präzise auszudrücken. Oder genauer: Möglichst genau das zu sagen, was man sagen will. Was man sagt oder schreibt sollte vor allem an den Stellen präzise, grammatisch korrekt und folgerichtig sein, an denen wichtige Aussagen stehen; der für das Verständnis der Aussage nicht wesentliche Rest kann ja ruhig vage bleiben.

Nun muss man, um präzise formulieren zu können, was man sagen will, Den Rest des Beitrags lesen »


Von entweders und oders

Was genau heißt eigentlich oder? Bedeutet es entweder-oder, oder bedeutet es und/oder?

Anders gefragt: Wenn ich zwischen Apfel und Birne wählen soll und beides nehme, ist dann die Aussage Ich nehme Apfel oder Birne wahr? Bei und/oder ist sie das, bei entweder-oder ist sie es nicht.

Ein paar Stück Obst mögen nicht so bedeutsam sein, da ist die Unterschiedung vielleicht nicht so wichtig. Aber man kann sich Situationen vorstellen, wo man es schon genauer wissen sollte. Und sogar beim Schreiben kann das manchmal ein bisschen zum Tragen kommen. Betrachten wir zum Beispiel den folgenden Satz:

Von manchen sagt man, ihre Arbeit, ihr Verein oder ihr Hobby sei/seien ihr Leben.

Wie muss es heißen, sei oder seien? Erstaunlicherweise hängt das davon ab, was man genau sagen will und welche Art oder man hier verwendet. Bei entweder-oder muss man Den Rest des Beitrags lesen »


Perform dream picture onto the ceiling

In einer zunehmend zum globalen Dorf zusammenwachsenden Welt mit zunehmend globalen Märkten werden Produkte zunehmend für alle Welt hergestellt. Größere Unternehmen haben oft zumindest in den wichtigen Märkten eigene Standorte, Tochterfirmen oder wenigstens Vertretungen, die dann meistens auch den Vertrieb vor Ort organisieren. Mittelständler können sich das vermutlich nicht so ohne weiteres leisten. Die machen dann eher alles am Stammsitz in Hintertupfingen, und allzuoft wird dabei am falschen Ende gespart.

Die Verpackungen werden vernünftigerweise gleich mehrsprachig bedruckt, dann muss man nicht für jedes Land eine eigene Verpackung entwerfen. Ähnliches gilt für die Pappdinger, die man Ladengeschäften zur Verfügung stellt, um die Ware an strategisch günstiger Stelle schön auf Augenhöhe anbieten zu können.

Hier zum Beispiel bietet HABA, international tätiger, eigentlich schon lange nicht mehr mittelständischer deutscher Anbieter von Holzspielzeug aller Art für die Kleinsten und Kleinen, einen Projektor an, der bei Dunkelheit ein Bild an die Wand oder an die Zimmerdecke projiziert, eine Art High-Tech-Nachtlicht:

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Das Ding hat sechs verschiedene Motive auf winzigen Dias auf einem Rad, das man per Hand weiterdreht. Das funktioniert im Prinzip wie diese altmodischen Souvenirs in Form von Fotoapparaten oder Fernsehgeräten, wo man durch eine Art Sucher blickt und per Knopfdruck Den Rest des Beitrags lesen »


Sichern

Gewinncode eingeben und viele tolle Prämien sichern

Solche Formulierungen finden sich auf jeder zweiten Lebensmittel- oder Spielzeugverpackung. Man muss nur den üblicherweise auf der Innenseite der Packung aufgedruckten Code auf der Webseite des Herstellers eingeben und kann ganz großartige Sachen kriegen, von denen man bis dato nicht wusste, dass man sie haben will oder überhaupt brauchen kann.

Bestimmt – spekuliere ich jetzt mal munter drauflos – muss man auch nur das Porto bezahlen oder sämtliche persönliche Daten angeben, und für die besten Sachen muss man bestimmt noch Den Rest des Beitrags lesen »


Meine Mama

Dass Sprache und Sprachgebrauch sich ständig ändern, ist nichts Neues und auch nichts Schlimmes. Die Welt ändert sich, und mit ihr immer auch die Sprache und unsere Interaktionen mit beiden. Dass Leute auf eine Art mit Sprache umgehen, die anderen Leuten nicht gefällt, hat es auch schon immer gegeben. Und nichts ist schon deshalb schlecht, weil es neu ist oder anders als früher.

Aber Veränderungen der Welt wie der Sprache sind trotzdem oft gewöhnungsbedürftig, manchmal beängstigend oder wenigstens verunsichernd. Oft steht man auch nur mit einem großen Wie jetzt!? vor einer aktuellen Entwicklung. In dem von Begeisterung, Ablehnung und Ratlosigkeit gebildeten Dreieck irgendwo zwischen Ablehnung und Ratlosigkeit, aber deutlich näher an der Letzteren.

Eine Entwicklung, die mich mit einer gewissen Ratlosigkeit erfüllt, sind die Änderungen der „Privatsphäreeinstellungen“ für den Sprachgebrauch, die mir in den letzten Jahren aufgefallen sind. Da geht es um die Frage, Den Rest des Beitrags lesen »


Spielstopp

Es gibt Spiele und Ausdrücke, die mehr oder weniger weit im deutschen Sprachraum verbreitet sind und die von Kindern an den verschiedensten Orten gespielt bzw. gebraucht werden. Gebraucht von Kindern, die sich gegenseitig nicht kennen, keinen Kontakt miteinander haben und bei denen man auch nicht ohne weiteres gemeinsame Bekannte voraussetzen kann, von denen sie die Wörter oder die Spielregeln kennen könnten. Ein überlieferungstechnisches Rätsel, über das ich im Zusammenhang mit Abzählreimen schonmal nachgedacht hatte.

Ein Ding, das mir heute wieder begegnet ist, ist Spielstopp. Das sagen Kinder, wenn sie Den Rest des Beitrags lesen »