Volksetymologie

Immer wieder machen sich Leute Gedanken über die Sprache, die sie sprechen; über die Wörter, die sie benutzen. Wo die Wörter herkommen, was sie wirklich bedeuten und warum das so ist. Manchmal forschen sie nach und versuchen, die Herkunft von Wörtern zu ergründen. Wenn sie keine sprachwissenschaftlichen Kenntnisse haben, sondern sich auf ihre allgemeine Bildung verlassen und auf das, was gern der gesunde Menschenverstand genannt wird, ist das eine Form von Volksetymologie.

Die Ergebnisse halten in der Regel wissenschaftlicher Überprüfung nicht stand und sind manchmal unfreiwillig komisch oder völlig abwegig. Es kann aber auch sehr geistreich und unterhaltsam sein, ich will das deshalb überhaupt nicht schlechtmachen. Ich selbst habe  als Diplom-Übersetzer zwar ein gewisses Maß an einschlägiger Ausbildung, meine sprachwissenschaftlichen Kenntnisse halten sich aber doch in überschaubaren Grenzen. Darum erlaube ich mir hier in der Tradition der Dilettanten auch einmal ein Stück Volksetymologie.

Ich möchte heute das Wort johlen besprechen. Das bedeutet etwa Den Rest des Beitrags lesen »


Feindselig?

Neulich bei gnaddrig in der Küche: Meine Jüngste will wissen, was feindselig ist. Ich erkläre ihr, dass jemand als feindselig beschrieben werden kann, der einem feindlich gesinnt ist, der sich wie ein Feind benimmt.

Kurze Denkpause.

Jüngste: Wieso heißt das dann nicht feind-zählig?

gnaddrig: ??

Jüngste: Ja, weil der dann doch zu den Feinden zählt?

 


Welche Eltern?

Unterwegs gesehen:

welche_eltern

Eigentlich ein unfauffälliges Schild, sowas hängt praktisch an jeder Baustelle, obwohl das mit der Haftung der Eltern so eine Sache ist. Die haften, habe ich gehört, nämlich nur in dem Maß, in dem sie aufsichtspflichtig sind. Wenn Kinder in einem Alter sind, in dem sie allein auf die Straße dürfen, aber noch nicht strafmündig sind, haftet niemand. Jedenfalls nicht so ohne weiteres. Aber das ist Juristerei, von der ich fast nichts verstehe, da sollte man Den Rest des Beitrags lesen »


Ermäßigungstatbestände

An der Kasse des Historischen Museums der Pfalz in Speyer hängt eine Preisliste aus. Darauf werden auch die verschiedenen denkbaren Ermäßigungen aufgeführt, die der eine oder andere in Anspruch nehmen kann. Am Ende der Liste steht der folgende Hinweis:

Das Zusammenlegen mehrerer Ermäßigungstatbestände ist nicht möglich.

Zuerst fand ich die Formulierung vor allem kurios und viel zu behördensprachlich. Das klingt nach Zentraler Dienstvorschrift, nicht nach Kundendialog. Dann wollte ich mich über die Tatbestände mokieren, wo es doch eigentlich um Sachverhalte geht. Das sagt mir jedenfalls mein professionell geschultes Sprachgefühl. Dem zu trauen ist aber gefährlich, sogar Leute wie ich liegen gelegentlich daneben (bescheiden selbstgefälliges Hüsteln). Also Den Rest des Beitrags lesen »


Nuschelrhabarbermurmelbrmblbra

Sprecher, denen ich auch nicht gern zuhöre:

Murmelipsum Den Rest des Beitrags lesen »


Ähm, räusper, also ja, äh

Sprecher, denen ich nicht gern zuhöre:

Ähm, [räusper]: Lorem ipsum äh dolor ähmmm sit ähm amet, ähh consectetur ähmja, also adipisicing elit, mmmm sed do eiusämmmod tempor incidiähmdunt äh also ähmut labore et dolore magna äh aliqua. Also, [hust][räusper] warte mal, Ut enim ad ämmm minim veniam, mmmm quis nostrud ähämmm exerähcitation ähmullähm[räusper]amcoähm laboris nisi ut ähm aliquip ex ea äh commodo hmmm conseähquat. Äääh Duis aute ähm irure doählor in ähmreprehenderit in äh dingens voluptate und äh voluptate also tate velit äh esse cilläaah cillumämmmm dolore eu äh fugiat nulla ähm pariatur. Ähm [räusper] Exähcepteur sint ähm occaecat cupidatat [hust] non proident, also äh sunt in culpa qui ämmm officia deserunt ähmmollit anim id est äääh laborum.

Sprecher, denen ich gern zuhöre:

Also: Den Rest des Beitrags lesen »


Ene mene miste

Vor einiger Zeit bin ich über das Sprachspektrogram 35 des Sprachlogs auf den sehr interessanten Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA) gestoßen. Dort gibt es eine Karte der verschiedenen Namen für den sicheren Ort beim Fangenspiel im deutschen Sprachraum. Faszinierend, das.

Ich weiß, dass wir damals auch Fangen gespielt haben, bei uns hieß das allerdings Kriegen. Es gab dabei auch einen solchen sicheren Ort, aber wie der hieß, weiß ich nicht mehr. Aus? Ab? Pulle kommt mir vage bekannt vor. Von der auf der Karte verzeichneten Gegend passt das eher nicht, aber die Daten sind sicher auch nicht vollständig, oder Kinder haben beim Umzug von A nach B ihren regionalen Wortschatz mitgebracht, und der eine oder andere Ausdruck ist am neuen Ort außerhalb seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets hängengeblieben.

Bei uns in der Nachbarschaft waren alle irgendwie zugezogen, aus einem Umkreis von (soweit ich weiß) bestimmt 500 km. Von wem ich das Spiel und damit den Ausdruck Pulle gelernt habe, weiß ich nicht mehr. Von meiner besten Freundin? Die war im Kindergarten und hatte einen ein paar Jahre älteren Bruder, von dem sie das auch gehabt haben konnte. Und der von seinen Freunden mit auch wieder älteren Geschwistern.

Oder werden solche Spiele von Eltern, Kindergärtnerinnen o.ä. an das Kleinvolk herangetragen? Ich war als Kind nicht im Kindergarten, die meisten meiner Freundinnen und Freunde aber schon. Da kann ich das auch indirekt von einer Erzieherin haben. Irgendwie Den Rest des Beitrags lesen »


Knoten

Neulich bei gnaddrig in der Küche. Meine Jüngste spielt mit einem bunten Gummiarmband, macht Schlaufen und Knoten, und nach einer Weile merkt sie ganz sachlich an:

Ein Knoten ist eigentlich eine ganz festgezogene Brezel aus was Wurstigem.

Ich finde diese Definition großartig, sie ist ist kurz, anschaulich und auf den Punkt. Besser geht das kaum, zumal mit Vorschulwissen.

Meine Tochter hat hier natürlich keine allgemeine Definition von Knoten geliefert (Ein Knoten ist laut Pfeifer eine Verknüpfung von Fäden, Stricken, Bändern), sondern sie hat mit ihrem Gummiband einen Überhandknoten gemacht und den dann definiert. Das Ding sah so aus (Szene nachgestellt):

Die selbständige Abstraktion vom spezifischen Knoten zum Oberbegriff ist in dem Alter vielleicht noch ein oder zwei Nummern zu groß, vor allem Den Rest des Beitrags lesen »


Dalbi qüwehn pävko zyg

Vor knapp hundert Jahren haben Arnold Schönberg, Josef Matthias Hauer, Herbert Eimert, Anton Webern, Josef Rufer und Alban Berg die Zwölftontechnik eingeführt (Details hier nachzulesen). Bei Musik, die nach einem der unter diesem Titel zusammengefassten Verfahren komponiert ist, muss jeder Ton der abendländischen Zwölftonskala einmal verwendet werden, bevor der erste zum zweiten Mal auftauchen darf. Oder so ähnlich. Es gibt da verschiedene Ausprägungen und Verfahren.

Der Witz von dem ganzen erschließt sich mir nicht. Das klingt für mich alles unangenehm schräg. Atonal eben, und dass man die Missklänge nicht mehr wie in der freien Atonalität einfach so fließen lässt, sondern sie nach einem bestimmten Schema fabriziert, macht sie für meine Ohren nicht besser. Aber egal, muss ja nicht jedem gefallen. Damals war das jedenfalls das granz große Ding.

Die Literatur hat nie Vergleichbares geschafft. Den Rest des Beitrags lesen »


Wärmer

Meine Jüngste hatte sich Früchtetee gekocht bzw. kochen lassen und wollte das Gebräu jetzt trinken. Es war aber noch zu heiß. Darum fragte sie, ob ich ihr den Tee wärmer machen könne.

Ich musste stutzen, weil ich „wärmer machen“ eigentlich anders verstanden hätte. Warm ist definiert als „hat eine vergleichsweise hohe Temperatur“ oder „hat eine Temperatur, die einigermaßen deutlich über der Umgebungstemperatur liegt“ oder „hat eine bestimmte Menge Wärme“, und dann ist „wärmer machen“ zwangsläufig „mehr Wärme dazutun“, also die Temperatur erhöhen. Das heißt, wenn etwas zu heiß ist, macht man es natürlich nicht noch wärmer, sondern kühlt es ab.

Sie sieht warm dagegen als eine Station zwischen heiß und kalt, und wenn man etwas Heißes soweit abkühlt, dass es eben nicht mehr heiß ist sondern warm, hat man es nach ihrer Logik wärmer gemacht, also die Temperatur von heiß in Richtung warm geändert.

Man kann Den Rest des Beitrags lesen »