Buchstabenklauberei

Neulich auf der Toilette im Zug. Auf dem Formular, auf dem die Reinigungskräfte ihre Tätigkeit dokumentieren, steht unten der folgende Passus:

Sie haben diese Toilette nicht im zufriedenstellenden Zustand vorgefunden? Informieren Sie uns bitte.

Kundendialog DB Regio …

Zunächst mal schön, dass die Bahn offensichtlich Wert darauf legt, den Fahrgästen möglichst saubere und benutzbare Toiletten anzubieten und dass sie die Möglichkeit bietet, auf diesbezügliche Mängel hinzuweisen.

Aber in sprachlicher Hinsicht macht mir das pedantische Bauchschmerzen. Die Formulierung impliziert nämlich, dass es genau einen zufriedenstellenden Zustand gibt – im (d.h. in dem [einen]) zufriedenstellenden Zustand. Und wenn man die Toilette nicht in genau diesem einen Zustand vorfindet, soll man Den Rest des Beitrags lesen »

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Was meine ich, wenn ich sage…?

Neulich im Supermarkt. Eine Kassiererin kramt in ihrer Kleingeldschublade und fragt halblaut in Richtung der zweiten Kasse: Was sind fünf Cent?

Antwort von dort: Zwei Fünfzig.

Weitere Frage: Hast du noch?

Antwort:  Den Rest des Beitrags lesen »


Zweckentfremdung

Kürzlich ist mir seit längerem zum ersten Mal wieder der Ausdruck „auf den Ohren sitzen“ in den Sinn gekommen. Von jemandem, der absichtlich oder aus wie auch immer begründeter Weggetretenheit nicht zuhört, sagt man gelegentlich, er sitze auf seinen Ohren. Oder man fragt ihn, ob er denn auf den Ohren sitze. Auf den Ohren zu sitzen ist natürlich technisch unmöglich. Wenn es ginge, wäre es aber ganz klar eine Zweckentfremdung der Ohren.

Alternativ kann man sich Bohnen in die Ohren stecken. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Zweckentfremdung sowohl der Ohren als auch der Bohnen, ist im Gegensatz zum Sitzen auf den Ohren aber tatsächlich möglich. (Erbsen gehen genausogut, sind hier aber nicht idiomatisch.) Dass man mit hülsenfruchtverstopften Ohren nicht besonders gut hört, dürfte jedem einleuchten, das ist reine Physik. Aber außer Kleinkindern macht das sowieso kaum jemals wer.

Ein ähnlicher Fall von Zweckentfremdung ist das Kriechen auf dem Zahnfleisch. Das Zahnfleisch ist ganz eindeutig nicht dafür vorgesehen, dass man darauf kriecht. Das machen aber manche Leute, wenn sie völlig erschöpft, alle oder erledigt sind und trotzdem weitermachen.

Was man auch tun kann ist Den Rest des Beitrags lesen »


Bei dem Tropfen einer Hütte – die Fehlerkrabbe schlägt wieder zu

Manche Leute können das, sich etwas Witziges aus dem Hut zaubern, aus den Fingern saugen, aus dem Ärmel schütteln. Direkt aus dem Stand, at the drop of a hat. Dieses betont beiläufig eingestreute englische Idiom lässt sich übrigens ganz leicht ins Deutsche übersetzen. Drop heißt Tropfen, Hat ist sicher falsch geschrieben, wir kennen uns ja aus. Hut heißt Hütte, und fertig ist die Kiste. Was das für ein Tropfen ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist das Dach undicht, oder die Regenrinne verstopft, dann tropft es schonmal.

Manchmal Den Rest des Beitrags lesen »


Gegenteile

Es gibt ja eine ganze Menge Wörter, die per Vorsilbe in ihr Gegenteil verwandelt werden, zum Beispiel SinnUnsinn, spektakulärunspektakulär. Andere Wörter werden per Nachsilbe vergegenteilt: beispielhaftbeispiellos. Seltener wird zur Bildung eines Gegenteils auch eine Nachsilbe per Vorsilbe umgedreht: alltagstauglichalltagsuntauglich, aber das ist eher selten.

Manchmal haben sich die gegenteiligen Wörter auseinanderentwickelt und mindestens eines davon hat sich soweit verändert, dass man es nicht mehr als zugehörig erkennt. Das wirsch von unwirsch existiert zwar noch, heißt heute aber würdig und wird ohne etymologisches Wörterbuch nicht mehr als Ursprung von unwirsch erkannt. Weder die Aussprache noch die Bedeutung geben dem Uneingeweihten Anlass, einen Zusammenhang zwischen würdig und unwirsch zu sehen, und ich weiß es auch nur, weil ich es nachgeschlagen habe.

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Notfall

Neulich hat Susanne Flach im Sprachlog einen Artikel im Guardian verlinkt, in dem es um die Aussprache englischer Wörter geht. Genauer: Um Aussprachefehler, die sich eingebürgert haben und jetzt als korrekt gelten, und die sich teilweise auch in der Schreibweise niedergeschlagen haben, wie etwa ask statt des eigentlich richtigen alten aks.

In dem Artikel kam nucular für nuclear vor, das fand ich irgendwie witzig. Nicht, dass nucular an einen Wortstamm erinnert, der gängiger oder verständlicher als das lateinische nucleus ist, von dem sich nuclear ableitet, aber das ist auch egal. Es klingt nett und ist geringfügig leichter auszusprechen. Ansonsten hat man öfters versucht, unverständliche Wörter mit einheimischem Vokabular zu deuten: Den Rest des Beitrags lesen »


Immer Sommer?

Heute morgen ist mir im Bahnhof Werbung begegnet, ich glaube von Air Berlin oder so. An Bilder oder Filmsequenzen kann ich mich nicht erinnern, die werden nicht weiter bemerkenswert gewesen sein. Hängengeblieben ist nur der Slogan: Irgendwo ist immer Sommer

Das ist natürlich Unsinn. Nirgendwo ist immer Sommer. Anders formuliert, es gibt keinen Ort auf der Erde, an dem immer Sommer ist. Ich weiß natürlich, dass das gar nicht gemeint ist. Den Rest des Beitrags lesen »


Unvorbeigehbar

Neulich bin ich an einem Laden vorbeigekommen, der im Schaufenster mit folgendem Satz wirbt:

Das ist „unvorbeigehbar!“

Der Laden ist an der Stelle neu und heißt Fashion Outlet. Das ist branchenüblichs neudeutsch-denglisches Werbesprech, da wird so mancher Sprachnörgler sofort bis an die rote Linie hochdrehen und Den Rest des Beitrags lesen »


Leben und Leidenschaft

Leben ist eins von den Wörtern, die neben den gängigen normalsprachlichen Bedeutungen noch eine speziell in der Werbebranche verwendete Bedeutung hat. Leben, ich meine das Verb, heißt lebendig sein, es heißt existieren, auch wohnen (wie in sie leben in Y-Stadt oder in beengten Verhältnissen). Manche schwedischen Möbelhäuser spielen in der Werbung sehr hübsch mit der Doppeldeutigkeit: Wohnst du noch, oder lebst du schon? Wohnen klingt da nach einer Art Dahinvegetieren, während leben, ja, das ist das Wahre, da will man hin!

Duden online hat anstelle des Verbs leben übrigens wieder eine unerwartete Leerstelle, dort Den Rest des Beitrags lesen »


Man lernt nie aus

Neulich beim Einkaufen bin ich über die Formulierung „im Naturdarm geraucht“ auf der Verpackung einer Fleischwurst gestolpert. Geraucht? Die können wieder kein Deutsch, dachte ich. Rauchen, weiß man, ist erstens „Rauch von sich geben“, wie Schornsteine oder Vulkane das tun, oder „Tabakprodukte konsumieren, indem man deren Rauch einatmet“, wie Raucher das tun. Das Haltbarmachen von Lebensmitteln durch Rauch heißt dagegen räuchern. Ich kenne mich da aus, bin als Übersetzer ja gewissermaßen vom Fach was Wörter und ihre Bedeutungen angeht.

Ich habe mich dann also darangemacht, einen bösen Text über diese elenden Sprachmetzger zu schreiben. Als Überschrift hatte ich Was haben die denn geraucht vorgesehen. In der mir eigenen Bescheidenheit wollte ich Den Rest des Beitrags lesen »