Schlürfen und nippen

Gelegentlich lese ich in Zeitungen Artikel, die von irgendwelchen bestimmten Milieus handeln oder wo solche Milieus zumindest gestreift werden. Als Journalist soll oder will man sich mit dem Objekt der Berichterstattung nicht gemein machen, sondern professionelle Distanz wahren. Außerdem will man – unterstelle ich – nach Möglichkeit als weltläufig, erfahren, abgeklärt gelten, schreibt deshalb oft schwungvoll, ein bisschen witzig, ein bisschen ironisch und jedenfalls über den Dingen stehend.

Im Rahmen solcher Berichterstattung wird gern beschrieben, was die Leute so tun. Und dabei kommt dann gelegentlich auch die Rede darauf, was für Getränke die beschriebenen Leute so zu sich nehmen und wie sie Den Rest des Beitrags lesen »

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Ungerührt

Café in der Fußgängerzone einer Kleinstadt. Draußen leichter Nieselregen, aber warm genug für T-Shirts. Ein abgerissener Typ in Jeans und Anorak mit einem vollgestopften Stoffrucksack setzt sich an den Tisch draußen direkt neben der Tür. Bruddelt vor sich hin, wechselt den Platz, wird lauter, gestikuliert. Nimmt den blechernen Aschenbecher hoch, motzt irgendwas, schüttet den Inhalt des Aschenbechers vor die offene Tür des Cafés – zwei, drei Kippen und etwas Asche. Schmeißt laut schimpfend den Aschenbecher hinterher, steht abrupt auf und geht.

Der Kellner beobachtet das vom Tresen aus, geht dann ungerührt raus, nimmt den Aschenbecher hoch, hebt die Kippe auf und tut sie wieder in den Aschenbecher. Dann sieht es so aus, als wolle er Den Rest des Beitrags lesen »


Gegen den Trend

Früher war alles Besser, oder? Keine Frage, weiß jeder. Alles wird Immer Schlimmer, kann jeder über 30 aus dem Stand unzählige Beispiele für anführen. Die Welt geht unaufhaltsam zugrunde, niemand schreibt mehr Briefe von Hand, man darf nicht mehr Zigeunerschnitzel sagen, beim Zahnarzt muss man fast immer zuzahlen, die Jugend ist tätowiert, verlottert und respektlos. Wir werden nächstens sicher alle sterben. Richtig de-ra-ma-tisch werden wir scha-terr-re-bönn.

Früher war also alles besser. Alles? Nein, eine winzige, aber erfreuliche Ausnahme gibt es, man muss nur Den Rest des Beitrags lesen »


Freinacht

Eine Sache, die ich an der deutschen Sprache manchmal nützlich und durchaus liebenswert finde und die mir trotzdem ganz oft erheblich auf die Nerven geht, ist das Maß an pedantischer, gestelzter Überpräzision, das man mit etwas Übung erreichen kann. Obwohl, was mir auf die Nerven geht ist eher das Maß an pedantischer, gestelzter Überpräzision, das viel zu viele Leute zu erreichen versuchen, wo es gar nicht nötig ist. Oder das sie nicht erreichen, wo es eigentlich sinnvoll und nötig wäre.

Juristendeutsch ist eine beliebte Spielart dieser Disziplin. (Dort ist es mit der Präzision oft gar nicht so weit her, wenn man sich das Hickhack um ziemlich viele neue Gesetze so anschaut, wo sich dann – wie etwa beim sogenannten Leistungsschutzrecht – vorher kaum jemand sich festlegen mag, wie es denn nun wirklich wirken wird und wo es danach erstmal lange Rechtsstreitigkeiten um die Auslegung gibt, wenn nicht sowieso Verfassungswidrigkeit festgestellt wird. Ob das ein primär sprachliches Problem ist, lasse ich mal dahingestellt sein, es passt mir nur grad so schön hierher.)

Behörden spielen das Spiel in ihrer eigenen Liga, und gut ausgebildete Verwaltungfachangestellte oder -wirte kann man als Laie auf dem Gebiet kaum je schlagen.

Ich bin vor kurzem auf den Begriff Freinacht gestoßen. Mir als Preuße war das nicht geläufig, deshalb habe ich mich bei Wikipedia schlaugemacht. Dort heißt es, Den Rest des Beitrags lesen »


Essen, Bier, Musik, Puff…

Bahnhofsvorplatz, ein milder Nachmittag im Spätherbst. Unter dem Vordach sitzt eine Gruppe Punks auf einer Decke – eine handvoll Leute und zwei Hunde. Ein paar Rucksäcke, eine Musikkiste, viel Bier, ungenierte Unterhaltungen und Verrichtungen. Vor der Decke eine Reihe von Betteldosen, jede einzeln beschriftet: Essen, Bier, Musik, Puff, die anderen kann ich im Vorbeigehen nicht lesen.

Zweckgebundenes Schnorren also, fein ausdifferenzierte Prioritäten, alles sauber kontiert. Ich muss grinsen, und im Weggehen Den Rest des Beitrags lesen »


Neues aus der Wortspielhölle

Im Herrenzimmer* und auf Zeit Online kann man sich über wortspielerische Namen von Friseurläden informieren. Eine ergiebige Quelle für mehr oder minder geistreiche Wortspiele sind auch die immer fantastischeren Namen von Erlebnisbädern. Bäckerläden mischen ebenfalls in der Wortspielmafia mit. Da gibt es die Back und Weck GmbH und eine Reihe von Läden, die ebenfalls Back und Weck heißen. Im Bahnhof von Weingarten (Baden) gibt es einen Bäckerladen namens Hin und Weck und Leimen hat einen Mc Weck. Vielleicht macht ja irgendwann irgendwo ein Back-Up auf, und daneben ein Eisladen namens Cool Down

Die Wurstfabrikanten wollen da natürlich auch nicht zurückstehen: Aoste verkauft Stickado – Die luftgetrocknete Salami-Spezialität für „Fein-Snacker“, und Wiesenhof nervt mit der revolutionären Geflügelsalami Black Puty. Bestimmt kommt irgendwann auch das Buch zur Wurst auf den Markt. Die Geschichte ginge ungefähr so: Den Rest des Beitrags lesen »